Johannes 12, 20-36 Jesus sprengt Erwartungen

Komische Reaktion! Da wollen zwei Menschen Jesus sehen (d.h. sie wollen ihn kennen lernen) und Jesus antwortet mit einem nicht ganz einfachen Wort über das Sterben. Er deutet sein eigenes Sterben an und betont, dass dies nötig sei, damit Frucht wachsen kann. Aber auch seine Nachfolger sollen ihr irdisches Leben „hassen“, damit sie das ewige Leben erhalten (V.25). Klingt nicht gerade attraktiv und einladend für die beiden Menschen, die gerade ihr Interesse bekundet haben, Jesus näher kennen zu lernen!

Jesus entspricht nicht den üblichen Erwartungen. Das zeigt sich auch in V.34: Das Volk hat vom Messias ganz andere Vorstellungen. Sie gehen davon aus, dass der Messias nicht sterben wird, sondern in Ewigkeit herrschen will. Auf dem Hintergrund manch alttestamentlicher Stellen ist das auch gar nicht so abwegig (Jes. 9,5-6Hes. 37,25, Ps. 89,37). Aber auch hier antwortet Jesus nicht wie erwartet und klärt die Menschen über ihre falschen Vorstellungen auf, sondern fordert sie einfach auf, dem Licht zu vertrauen. Keine Erklärung, keine logischen Argumente,…

Das liegt wohl auch daran, dass man Jesus erst von Kreuz und Auferstehung her recht verstehen kann. Vorher muss es für die Menschen immer recht schwierig gewesen sein, Jesus wirklich zu verstehen. Aber es warnt auch uns davor, ein allzu genaues und festgelegtes Jesusbild zu haben. Jesus lässt sich nicht in unsere menschlichen und religiösen Schablonen pressen.

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Johannes 8, 12-20 Licht der Welt

Dafür dass Jesus Christus das Licht der Welt ist, tappen wir Christen doch ziemlich häufig im Dunkeln herum. Jesus sagt hier, dass seine Nachfolger nicht in der Finsternis wandeln werden, sondern das Licht des Lebens haben – aber wenn ich mein Leben so anschaue, dann gibt es da genügend Dinge die noch dunkel und unverständlich sind. Es ist als Christ nicht so dass mit Christus alles plötzlich hell und klar ist. Es ist nicht so dass gar keine Fragen und Unsicherheiten mehr da sind.

Aber bei dem Text muss man genau hinschauen, was Jesus eigentlich meint mit „Licht des Lebens“. Es geht hier eben nicht um das Licht der Erkenntnis, so dass uns als Nachfolger alle göttliche und menschliche Erkenntnis mit einem Schlag klar wird. Es geht um das Licht des Lebens. Wer zu Jesus gehört, der gehört auf die Seite des Lebens. Sein Ziel ist nicht die Dunkelheit, sondern das Licht und das Leben. Dabei werden nicht unbedingt alle Fragen beantwortet.

Es ist auch zu beachten, dass Jesus Christus selbst das Licht der Welt ist. Nicht wir haben das Licht als eigenen Besitz und können darüber nach Belieben verfügen. Jesus bleibt das Licht und nur wenn wir in seiner Nachfolge sind, bekommen wir einen Anteil daran. Jesus geht so weit, dass er auch von uns sagen kann: Ihr seid das Licht der Welt (Mt.5,14). Aber das sind wir nicht aus uns selbst heraus, sondern nur, wenn das Licht Jesu durch uns hindurch scheint.

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Johannes 1, 35-42 Erste Worte

Die ersten Worte Jesu im Johannesevangelium sind eine Frage: „Was sucht ihr?“ Der zweite Satz den er spricht, ist eine Einladung: „Kommt und seht!“ Das Johannesevangelium ist mehr als ein historischer Bericht über etwas Vergangenes. Johannes möchte vor allem die Leser im Hier und Jetzt ansprechen. Jesus spricht nicht nur zu seinen ersten Jüngern, sondern er spricht hier mit jedem Leser. Diese Frage gilt uns: „Was suchst du?“ Ich finde es wunderbar, dass dies die erste Aussage Jesu ist. Er setzt uns nicht seine fertigen Antworten vor die Nase, sondern fragt uns erst einmal, war wir suchen. Das ist die Frage eines jeden Lebens: Was suchen wir eigentlich? Und dann lädt uns Jesus ein: „Komm und sieh!“ Glaube ist in erster Linie eine Einladung, mit Jesus unterwegs zu sein. Zu ihm zu kommen und zu sehen.

Diese doppelte Ebene des Erzählens begegnet uns bei Johannes häufiger. Er erzählt immer auf mehreren Ebenen. Da ist zunächst die oberflächliche Erzählerbene. Jesus ruft seine ersten Jünger in die Nachfolge. Da ist aber darunter zugleich die existentielle Ebene eines jeden Menschen: Was suchen wir? Wo suchen wir? Wie finden wir was wir suchen? Da ist zugleich die Einladung an den Leser: Lasse dich auf dieses Evangelium von Jesus Christus ein, folge ihm, erlebe und sehe was die ersten Jünger mit Jesus erlebt und gesehen haben.

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Apostelgeschichte 12, 1-25 Gottes Hand hält uns

Petrus wird auf wunderbare Weise aus dem Gefängnis errettet. Die Gemeinde bittet intensiv und ausdauernd für ihn und Gott erhört dieses Gebet. Er greift ein und rettet Petrus aus der Hand des Feindes. Die Beter können es selbst kaum glauben als Petrus an der Tür klopft. Es erscheint ihnen plausibler, dass ein Engel vor der Tür steht, als dass tatsächlich Petrus aus dem Gefängnis frei kam. Was für ein Wunder!

Aber bei dem Text sind mir auch die ersten zwei Verse aufgefallen. Hier wird nur kurz und ohne ausführliche Beschreibung erzählt, wie einer der zwölf Apostel – Jakobus, der Bruder von Johannes – von Herodes Agrippa (dem Enkel des Herodes, welcher für den Tod von Jesus mitverantwortlich war) getötet wurde. Das ist aus unserer Sicht ganz und gar nicht wunderbar. Warum hat Gott hier nicht eingegriffen und Rettung geschenkt?

Dieses Gegenüber beschäftigt mich: Einerseits kann Gott auf wunderbare Weise eingreifen und vom Tod bewahren. Andererseits kann er es zulassen, dass seine Nachfolger um des Glaubens willen getötet werden. Wir haben als Christen keine Garantie dafür, dass alles glatt läuft. Wir dürfen mit all unseren Anliegen zu Gott kommen. Sicher wurde auch für Jakobus und für andere Märtyrer gebetet. Aber Gott kann auf unterschiedliche Weise auf Gebet antworten. Er kann unser Leben auf unterschiedliche Weise führen. Er kann uns aus der Hand des Feindes erretten. Es kann aber auch sein, dass wir als Nachfolger in der Hand des Feindes sterben. Was in beiden Fällen sicher ist: wir sind von einer noch stärkeren und größeren Hand gehalten.

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Lukas 24, 13-35 Anders und doch gut

Immer wieder neu faszinierend finde ich diese Geschichte von den zwei Emmausjünger. Aufgefallen ist mir dieses mal, dass diese zwei Jünger ja gar nicht zum engeren Jüngerkreis gehört haben. Es waren nicht zwei von den zwölf Jüngern, die von Jesus in besonderer Weise zur Nachfolge berufen wurden, sondern zwei aus dem erweiterten Jüngerkreis. Der auferstandene Jesus zeigt sich nicht zuerst und ausschließlich den zwölf Aposteln, sondern er zeigt sich gerade auch anderen Jüngerinnen und Jüngern. Das finde ich schön. Jeder hat die gleich Chance, dem Auferstandenen zu begegnen.

Beim Lesen kam es mir auch fast schon schelmisch vor, wie Jesus mit den zwei Jüngern umgeht. Er lässt nicht gleich die Katze aus dem Sack, sondern lässt sie erst ein wenig zappeln und treibt ein bisschen Bibelauslegung mit ihnen. Und als sie ihn endlich erkannt haben, verlässt er sie auch gleich wieder.  Er scheint mit einem Augenzwinkern deutlich zu machen: Nehmt eure Trauer und euren Schmerz doch nicht so ernst. Es musste doch alles so kommen. Es ist doch alles okay – auch wenn es anders kam, als ihr euch das gedacht habt. Ich bin da – auch wenn ihr mich nicht immer gleich erkennt und versteht…

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Lukas 9, 57-62 Wie radikal muss Nachfolge sein

Wie radikal muss Nachfolge sein? Ist nur der ein echter Nachfolger, der als obdachloser Wanderprediger durch die Lande zieht? Darf man als Nachfolger an der Beerdigung seines Vaters teilnehmen? Muss man seine Familie verlassen ohne Abschied zu nehmen? Wie radikal und wie grundsätzlich hat Jesus diese Verse gemeint?

Diese Aussagen sind auf jeden Fall herausfordernd. Aber wenn wir das Neue Testament anschauen, dann können wir feststellen, dass Jesus solch radikalen Forderungen keineswegs an alle gestellt hat. Es gab Jünger und Jüngerinnen, die in ihrer Heimat und ihrem Haus geblieben sind und Jesus gerade auf diese Weise mit Unterkunft und Verpflegung unterstützt haben. Auch die ersten Christen haben Jesus nicht so verstanden, dass sie alle alles aufgegeben haben und ohne festen Wohnsitz durch die Lande gezogen sind.

Trotzdem machen diese Verse deutlich, was für eine radikale (radikal bedeutet wörtlich: an die Wurzel gehend) Angelegenheit die Nachfolge ist. Das kann sich in einer äußerlichen Radikalität zeigen, so dass manche Christen um des Glaubens willen allen irdischen Besitz aufgeben. Viel wichtiger ist jedoch eine innere Radikalität, in der wir unser Leben ganz auf Jesus ausrichten. Es gibt ja auch weltliche Aussteiger, die alles aufgeben – aber allein diese äußerliche Radikalität macht sie noch lange nicht zu Nachfolgern Jesu…

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Lukas 9, 18-27 Jesu Kreuz und unser Kreuz

Über die Parallelstelle in Markus habe ich vor einigen Wochen gepredigt. Bei der Vorbereitung dazu ist mir vor allem die Verbindung von Jesu Kreuz und unserem Kreuz aufgefallen. Jesus kündigt seinen Leidensweg an, also seinen Weg ans Kreuz. Gleich darauf kündigt er an, dass auch seine Nachfolger ihr Kreuz auf sich nehmen müssen. Wie auch immer man das am Ende auslegt – es wird deutlich, dass unser Weg als Christen nicht immer nur einfach und bequem ist.

Interessant im Vergleich zum Text bei Markus ist, dass schon Lukas versucht zu deuten, was Jesus mit dem Kreuz tragen gemeint hat. Bei Markus heißt es, dass die Nachfolger sich selbst verleugnen sollen und ihr Kreuz auf sich nehmen sollen. Lukas ergänzt das und schreibt, dass wir unser Kreuz „täglich“ auf uns nehmen sollen. Das Kreuz als Todesinstrument ist ja eigentlich ein einmaliges Geschehen. So z.B. wenn ein christlicher Märtyrer bereit ist, für seinen Glauben zu sterben. Das tägliche Kreuz muss aber mehr sein, sonst könnten wir es nicht täglich und immer wieder neu auf uns nehmen.

Ich find es spannend, wie schon in der Bibel selbst deutlich wird, dass Jesu Worte offen sind für verschiedene Deutungen. Es gibt nicht die eine immer klare und selbstverständlich richtige Auslegung der Worte Jesu. Schon Lukas legt sie ein klein wenig anders aus als Markus. So muss es auch bei uns sein: die entscheidende Frage ist nicht, was Jesus damals wortwörtlich gesagt hat, sondern was Jesus mir heute sagen will. Wobei ich gegen einen historischen Relativismus bin: die Evangelisten wollen auch erzählen, was damals geschehen ist und stimmen in ihren grundlegenden Überlieferung weitgehend miteinander überein. Die Deutung von Lukas ist nicht völlig gegensätzlich zum Bericht bei Markus. Er legt andere Schwerpunkte.

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Lukas 6, 12-16 Das erneuerte Gottesvolk

Ganz schön provozierend: Jesus wählt sich 12 Jünger für die engere Nachfolge aus. Da denkt natürlich damals jeder gleich an das von Gott auserwählte Volk, das aus 12 Brüdervölkern bestand. Da ist es durchaus verständlich, dass die Frommen damals mit diesem Jesus so ihre Schwierigkeiten hatten. Er nimmt für sich in Anspruch, das von Gott erwählte Volk zu erneuern. Was für eine Anmaßung!

Auf der anderen Seite: Was für eine Auszeichnung für die 12 Jünger! Jesus hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht: Er hat die ganze Nacht im Gebet verbracht! Er wollte sicher sein, dass er die Richtigen auswählt. Und als Nachfolger Jesu darf auch ich zu diesem neuen Gottesvolk mit dazu gehören. Wow!

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Lukas 5, 27-32 Ein guter Nachfolger

Wieder solch ein knapper Evangeliumstext, der nur das Nötigste berichtet. Jesus sieht einen Menschen am Zoll sitzen, ruft ihn in die Nachfolge und zack: schon verlässt dieser alles und ist ein Jünger Jesu. Ich würde ja all zu gern noch ein bisschen mehr wissen: Sieht Jesus den Levi hier zum ersten mal? Hat er vielleicht schon von ihm gehört? Warum sucht er sich genau diesen Menschen zum aus? Was ist das Besondere an Levi? Wie reagiert Levi – es wird nicht gesagt wie er antwortet? Was bedeutet das, dass er sofort alles verlässt (und danach noch ein Fest mit Jesus in „seinem“ eigenen Haus feiern kann)?

Indirekt gibt die Stelle dann doch noch eine Antwort auf die Frage, warum Jesus gerade den Levi zum Jünger aussucht. Jesus sagt: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.“ Das zeichnet also einen Nachfolger Jesu aus: dass er erkennt, dass er krank ist. Das hat wohl auch den Levi ausgezeichnet: Obwohl er als Zöllner wohl äußerlich reich war, war er krank und hilfsbedürftig. Er brauchte einen Arzt.

Was macht also einen guten Nachfolger Jesu aus? Seine Bedürftigkeit. Wer meint, er braucht Jesus nicht, der kann auch kein Nachfolger sein. Wer meint, er sei gesund und hat alles, der braucht keinen Arzt. Wer satt und zufrieden ist, dem braucht Jesus nicht den Hunger zu stillen.

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Lukas 4, 38-44 Erkennen oder bekennen

Im vergangenen Jahr habe ich mich kaum auf windhauch gemeldet. Das lag daran, dass ich für mich keine kurzen Bibelabschnitte gelesen habe, sondern die ganze Bibel in einem Jahr. Das waren dann jeden Tag so viele Texte, dass es kaum sinnvoll war, darüber zu schreiben. Jetzt will ich wieder kürzere Abschnitte lesen und meine Gedanken dazu blogen. Als Vorlage versuche ich mal den Ökumenischen Bibelleseplan. Da ist gerade das Lukasevangelium dran – über das hab ich auf windhauch noch nicht gebloggt. Damit es für Mitleser aktuell ist, werde ich jeweils über den Abschnitt vom nächsten Tag bloggen.

Lukas berichtet in kurzen Zusammenfassungen, wie Jesus heilt und predigt. Was mir besonders aufgefallen ist, sind die Reaktionen der bösen Geister, welche Jesus ausgetrieben hat. Wie auch immer man sich das konkret vorzustellen hat: spannend ist, dass das Böse Jesus als den Christus sehr viel schneller und klarer erkennt als alle anderen. Die bösen Geister sehen sofort: das ist der Sohn Gottes, das ist der Messias. Den Nachfolgern und Nachfolgerinnen Jesu wurde das erst nach und nach deutlicher. Viele Pharisäer haben sich geweigert dies zu erkennen. Den Römern war dieser Jesus völlig egal. Und erst nach der Auferstehung wurde auch den Anhängern Jesus so langsam im vollen Umfang klar, mit wem sie so lange unterwegs waren.

Die Warhheit zu erkennen bedeutet noch lange nicht, sie in der richtigen Weise zu bekennen. Das Wissen allein nützt wenig, wenn ich daraus die falschen Konsequenzen ziehe. Es ist ein entscheidender Unterschied, ob ich in Jesus von Nazareth den Sohn Gottes erkenne, oder ob ich bekenne, dass er als Sohn Gottes auch der Herr über mein Leben ist.