Matthäus 17, 1-13 – Im-Tal-Sitzenbleiber

Sonne durch die BäumeViel zu oft bleib ich unten im Tal sitzen. Viel zu oft ist mein Kopf und mein Herz voll von anderen Dingen, die mich beschäftigen. Viel zu oft höre ich den Ruf Jesu auf den Berg zu kommen gar nicht. Und dann leuchtet das Licht nur von ferne auf…

Oder sind es nur bestimmte Jünger, die mit auf den Berg dürfen? In der Geschichte wählt sich Jesus drei von seinen Jüngern aus (Petrus, Johannes und Jakobus) und nimmt sie mit nach oben. Sie dürfen das Licht Jesu sehen, sie dürfen seinem Geheimnis etwas näher kommen. Und die anderen? Die bleiben unten im Tal und schlagen sich mit dem Alltag herum. Dürfen sie nicht mit? Wollen sie nicht mit? Haben sie ein anderes mal die Chance etwas von Jesu Herrlichkeit zu sehen?

Matthäus 14, 22-33 – Im-Boot-Sitzenbleiber

GewitterWas für eine Geschichte! Hab sie schon so oft gelesen und doch ist das immer wieder neu faszinierend. Man könnte dazu sehr viel sagen und schreiben. Was ich mich beim Lesen heute gefragt habe ist: Wie und warum um alles in der Welt kommt Petrus auf die Idee, dass es das Boot verlassen möchte? Das ist doch eigentlich total absurd und verrückt. Die Jünger waren nachts in der Dunkelheit auf dem See, sie hatten mit Sturm und Wellen zu kämpfen, dann erschraken sie fast zu Tode, weil so ein komisches Gespenst über den See läuft. Erst nach dem Schreck offenbart sich das „Gespenst“ als Jesus.

Das allein ist doch schon verrückt genug. Jeder normale Mensch hat da doch erst mal genug Abenteuer und ist froh dass Jesus da ist und dass er so schnell wie möglich mit ins Boot kommt. Und Petrus?!? Der will raus auf den See! Der will auch das tun was Jesus tut! Der will auch auf dem Wasser laufen, obwohl er als Fischer sehr, sehr gut weiß, dass das nicht geht! Verrückt, oder?! Wie kommt der überhaupt erst auf so einen Gedanken?

Ich fürchte, ich bin mehr so ein „Im-Boot-Sitzenbleiber“. Ich hab im Sturm schon Schiss genug, da brauch ich nicht auch noch versuchen, auf dem Wasser zu gehen… Hut ab, Petrus! Du hast nicht nur ne große Klappe, du hast (zumindest in dieser Situation) auch ganz schön viel Mut. Das fehlt mir beides. So verrückt nach Jesus wie du möchte ich auch sein.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Gewitter © capcom

Erwin Raphael McManus: Go wild!

Ein inspirierendes kleines Buch! Auf 100 Seiten beschreibt McManus seine Vision von einem wilden Christsein. Ein Christsein, das nicht von gutbürgerlicher Vorsicht und Zurückhaltung geprägt ist, sondern das sich mehr an wilden und verrückten Gottesmännern und -frauen der Bibel orientiert (wie z.B. Johannes der Täufer, der in der Wüste lebte, einen Mantel aus Kamelhaar trug und Heuschrecken aß). McManus berichtet viel von eigenen Erfahrungen und wie er andere dazu anstachelt, ein mutigeres Leben als Nachfolger Jesu zu führen. Das macht das Buch anschaulich und bewegend.

Aus mir wird durch dieses Buch sicher kein wilder Christ, zumindest nicht so extrem, wie sich das bei McManus anhört. Ich glaube, da steckt einfach sehr viel von seinem risikofreudigen und wilden Charakter mit in dem Buch. Ich hab einen anderen Charakter und kann das nicht auf diese extreme Weise leben. Aber das Buch gibt mir doch Anstöße, mich mehr aus meiner Sicherheitszone herauszuwagen und mehr zu riskieren.

Es gab ja auch zu Jesu Zeiten schon ganz unterschiedliche Jünger und Jüngerinnen. Da gab es nicht nur die wilden und verrückten, sondern auch schon die vorsichtigen und überlegten. Da gab es nicht nur diejenigen, die mit Jesus predigend und heilend durch die Lande gezogen sind, sondern auch diejenigen, die zu Hause blieben und Jesus auf andere Weise unterstützt haben. Und das ist ja auch okay so.

Ein Abschnitt hat mich besonders angesprochen. McManus schreibt über die Glaubenshelden aus Hebr. 11. Da gab es viele, die Zeichen und Wunder mit Gott erlebt haben, die aus der Löwengrube befreit wurden, die der Schärfe des Schwerts entkommen sind und die Gott einfach wunderbar geführt hat. Aber: „Andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden.“ (Hebr. 11,36f)

McManus wehrt sich zurecht gegen den Irrglauben, dass einem Christen nichts Schlimmes passieren kann, dass Gott die Seinen immer durch Zeichen und Wunder aus schwierigen Situationen heraus rettet. Er sagt, dass es im Gegenteil so ist, dass diese wunderbare Rettung die Ausnahme ist. Gott will uns nicht in Watte packen und dafür sorgen, dass wir nicht den kleinsten Kratzer bekommen. Nein, er schickt uns mitten hinein in das Schlachtfeld dieser Welt und will, dass wir trotz aller Risiken und Verletzungen für ihn kämpfen.

Warum will heute jeder nur von Jesus geheilt werden und ein erfülltes, zufriedenes und glückliches Leben von Jesus geschenkt bekommen? Warum sind so wenige bereit, für die Sache Jesu auch zu leiden und im Extremfall, sogar zu sterben?

Wenn das Pferd tot ist…

„Wenn das Pferd tot ist, müssen wir absteigen.“ Wir Christen tun uns besonders schwer damit. Ich schließe mich hier mit meiner Persönlichkeitsstruktur ganz bewusst mit ein. Wir wollen oft ein totes Pferd gar nicht als tot wahr nehmen, sondern tun lieber so, als ob alles noch in bester Ordnung sei. Wir gehen manchmal so übervorsichtig, oder fromm gesagt: „seelsorgerlich und liebevoll“ miteinander um, dass wir dem anderen eine traurige Wahrheit gar nicht zumuten wollen. Wenn ein christlicher Kreis oder eine Gemeinde stirbt, dann machen wir einander bis zum Schluss und darüber hinaus Hoffnung, dass es doch noch irgendwie weitergeht.

Aber was ist liebloser? Dem anderen vorzumachen, dass das Pferd gar nicht tot ist und so lange auf dem toten Pferd herumreiten, bis es anfängt zu stinken und auch der letzte enttäuscht davon läuft. Oder den Mut haben zu sagen: Es ist vorbei. Lasst uns neue Wege suchen, oder um im Bild zu bleiben: Lasst uns ein anderes Pferd suchen, es fangen, zähmen und reiten.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Das arme Pferd 🙁 © Michu Rust

1. Korinther 16, 5-24 – Mehr Mut!

Hier finden wir einige Schlussbemerkungen, mit denen Paulus seinen Brief beendet. Ganz besonders angesprochen hat mich V. 13: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“ Besonders diese Aufforderung mutig und stark zu sein, finde ich klasse. So ganz lapidar und selbstverständlich fordert Paulus uns dazu auf. Mut und Stärke – das sind zwei Dinge, die mir viel zu oft fehlen. Viel zu oft bin ich ängstlich („Was denken wohl die anderen über mich?“) oder jammere herum („Warum tut Gott den nichts und warum bin ich so unzufrieden?“).

Wir Christen sind heute oft viel zu weit entfernt von dem Mut und der Stärke, die ein Paulus hatte und die wir bei Jesus sehen. Wir wählen viel zu schnell die sichere Variante und haben Angst vor Risiko. In der Gemeinde machen wir die Dinge am liebsten so, wie wir sie immer schon gemacht haben – denn bei allem anderen weiß man ja nicht, was herauskommt (bei dem Bekannten weiß man immerhin, dass wenig herauskommt 😉 ). Jawohl: Mehr Mut und mehr Stärke! Mehr Risiko und weniger Jammern! … Jetzt brauch ich nur noch jemanden, der das auch umsetzt…