Römer 15, 14-21: Demut und Sendungsbewusstsein

Bei Paulus finden wir eine interessante Mischung zwischen Demut und Sendungsbewusstsein. Auf der einen Seite schreibt er demütig, dass die Christen in Rom selbst genügend Güte und Erkenntnis haben, um sich untereinander zu ermutigen (V.14). Sie brauchen die Worte des Paulus eigentlich gar nicht. Paulus nimmt sich nicht zu wichtig. Andererseits nimmt er von sich selbst in Anspruch, dass seine Worte keine Privatmeinung sind, sondern dass Christus durch ihn redet (V.18). Das klingt alles andere als bescheiden.

Um Christi Zeugen zu sein brauchen wir beides: Demut und Sendungsbewusstsein. Wir dürfen uns nicht zu wichtig nehmen, aber wir dürfen unsere Botschaft auch mit Mut und Gottvertrauen weitergeben. Die Demut betrifft uns selbst: Wir als Person sind nicht das entscheidende. Die Gewissheit betrifft unsere Botschaft: Sie ist vertrauenswürdig und muss nicht versteckt werden. Schwierig wird es, wenn wir zu sehr in eine Richtung tendieren. Manche Christen sind so demütig, dass sie den Mund nicht aufbekommen. Andere dagegen sind so gewiss, dass sie in der Gefahr stehen andere niederzuwalzen.

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Johannes 6, 60-71 Der Mut des Glaubens

So manches mal denkt man ja, dass Glaube einfacher wäre, wenn Jesus tatsächlich leibhaftig vor einem stehen würde, wenn man tatsächlich die Worte aus seinem Mund hören könnte, wenn man die Zeichen und Wunder sehen könnte, die er getan hat. Aber die Textstelle heute zeigt, dass Glaube für die Jünger damals nicht einfacher gewesen ist als für uns heute. Ich vermute eher das Gegenteil: es war schwieriger. Vieles von dem was Jesus tat und sagte, konnten sie noch gar nicht richtig einordnen und verstehen. Wir heute können auf Jesu gesamtes irdisches Leben zurückblicken. Wir wissen um Kreuz und Auferstehung. Wir können die Andeutungen Jesu zum Abendmahl und damit zu seinem Kreuzestod besser einordnen.

Für die Jünger damals muss das alles ziemlich fremd und unverständlich gewesen sein. Ich kann gut nachvollziehen, dass sich viele von Jesus abgewandt haben (V.66). Wer weiß auf welcher Seite ich damals gestanden hätte? Glaube ist nie ein einfaches Wissen, sondern es ist immer Vertrauen. Es kostet heute wie damals Mut, sich auf diesen Jesus einzulassen.

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Hebräer 11, 23-31 Seltsames Glaubensvorbild

Neben der ausführlichen Darstellung von Abraham und Sara als Glaubensvorbilder, behandelt der Hebräerbrief auch Mose ähnlich ausführlich. Abraham und Mose sind also die beiden großen Figuren des Alten Testaments, die auch uns heute noch ein Vorbild sein können. Spannender finde ich allerdings, dass in dieser großen Reihe auch die Hure Rahab auftaucht. Von ihr wissen wir nicht so viel wie von Abraham und Mose. Sie gehörte nicht zum Volk Gottes. Wir wissen nur von einer Tat, in der sich ihr Vertrauen auf den Gott Israels gezeigt hat. Sie hat die israelitischen Kundschafter in Jericho vor den Feinden verborgen (Jos. 2).

Bei Rahab wird deutlich, dass der Hebräerbrief seine Leser nicht mit übermenschlichen Glaubensvorbildern erdrücken will, sondern ermutigen im konkreten Leben auf den, den wir nicht sehen so zu vertrauen, als ob wir ihn sehen (vgl. V.27). Rahab hatte sicher nicht an den Gott Israels geglaubt, sie hatte als Hure auch keinen vorbildlichen Lebenswandel, aber in dieser einen Situation hat sie auf diesen Gott vertraut. Welche Auswirkungen das auf ihr späteres Leben hatte, wissen wir nicht. Glaube heißt nicht, immer alles richtig zu machen. Aber es heißt in entscheidenden Situationen auf Gott zu vertrauen.

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Lukas 23, 13-25 Schwimme doch gegen den Strom

„Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom!“ So heißt es in einem bekannten Kinderlied. Das singt sich so leicht und lebt sich doch so schwer. Die Masse steht da und will unbedingt Jesu Tod. Es bleibt rätselhaft, warum sich die Stimmung so schnell und so extrem wandelt. Noch vor wenigen Tagen hatte die Masse Jesu beim Einzug in Jerusalem begeistert mit „Hosianna!“ zugejubelt. Jetzt brüllen sie ihn in den Tod! Ja, die Masse ist ein launisches Wesen.

Mir fällt dazu so mancher „Shitstorm“ im Netz ein. Es geht so schnell, dass so manche coole Videos im Netz hochgejubelt werden. Und es geht so schnell, dass manche Personen im Netz runtergemacht werden. Wenn erst einmal ein paar laut genug brüllen, dann fällt die Masse schnell mit ein ins Gebrüll. Es ist ja immer auch angenehmer und sicherer bei der Mehrheit zu sein. Es ist so leicht mit dem Strom zu schwimmen. Das war schon immer so – aber im Netz geht das heute noch schneller, bequemer und anonymer.

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Josua 1,7-18 Getrost und unverzagt

Drei mal kommt in diesem Abschnitt die Kombination „getrost und unverzagt“ vor. Anscheinend hatte es Josua nötig, auf diese Weise von Gott ermutigt zu werden. Es war ihm also auch klar, dass da kein Spaziergang auf ihn wartet. Obwohl Gott den Israeliten verheißen hat, obwohl es tolle Zusagen gab, dass Gott ihn begleiten wird. Er wusste: auch mit diesen Verheißungen ist es ein Wagnis, es wird etwas kosten, es wird nicht einfach werden. Deswegen diese Ermutigung von Gott her.

Ich lerne für mich daraus: Gottes Verheißungen sind kein Selbstläufer. Es ist nicht so, dass Gott etwas verheißt und ich dann nur dasitze und darauf warte, dass mir dieses Etwas in den Schoss fällt. Gott verheißt nicht, dass alles problemlos und wie von selbst läuft, sondern er verheißt seinem Volk das Land und er verheißt, dass er auf dem Weg dabei ist. Aber den Weg gehen, den muss Josua mit dem Volk selbst. Und Josua weiß, dass es trotz Gottes Verheißungen und seiner Begleitung kein einfacher Weg wird.

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Exodus 1 Auf dem Weg in die Freiheit

Was für ein Volk! Schon der Stammvater Abraham war auf der Wanderschaft in das verheißene Land. Seine Nachkommen mussten nach Ägypten fliehen. Und schon damals war es so, dass sie nirgends richtig erwünscht waren. In Ägypten ging es ihnen anfangs gut, aber mit der Zeit dachten die Ägypter schon damals: Die Hebräer müssen wir irgendwie los werden. Im Lauf der Jahrhunderte und bis heute haben sich das schon manche gedacht: Die Hebräer, die müssen wir irgendwie los werden – und keiner hat es geschafft. Das Buch Exodus macht etwas deutlich von der besonderen Beziehung Gottes zu diesem Volk.

Gott führt sein Volk aus der Fremde und der Knechtschaft in die Freiheit. Das brauchen wir bis heute: Dass Gott uns aus allen falschen Bindungen befreit. Auch wenn es kein leichter Weg ist, so ist es der Weg in die Freiheit. Manchmal scheint es einfacher, sich mit den Gegebenheiten abzufinden, als allein auf Gott zu vertrauen. Mit dem Buch Exodus möchte ich mich mit auf den Weg machen und lernen, was auf dem Weg in die Freiheit wichtig ist.

Was mir in diesem Kapitel besonders gefallen hat, ist der Mut und die Schlauheit der Hebammen. Es wird aus dem Text nicht deutlich, ob es sich um Hebammen aus dem hebräischen Volk handelte oder um Andere, die eben für die hebräischen Frauen zuständig waren. Auf jeden Fall haben sie Mut bewiesen!

Der Text macht deutlich, dass es zwar eindeutige Gebote gibt (Du sollst nicht lügen!), dass es aber im konkreten Leben oft ein Abwägen gibt zwischen verschiedenen konkreten Geboten. In diesem Fall wiegt das Gebot „Du sollst nicht töten“ schwerer als das Gebot „Du sollst nicht lügen“.

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Psalm 101 – Seltsam, seltsam

Nachdem ich den Psalm gestern einfach nur richtig schön fand, trifft mich heute ein Psalm, den ich eher seltsam finde. Die Stuttgarter Erklärungsbibel vermutet, dass dieser Psalm ein Gelöbnis des Königs bei seiner Krönung gewesen sein könnte. Der Beter hebt seine eigene Vorbildlichkeit hervor und verspricht, allen Bösen eins auf den Deckel zu geben (wörtlich: „alle Übeltäter ausrotten“, V.8 – wie auch immer man sich das vorzustellen hat).

Ist irgendwie nicht so meine Welt – aber ich bin ja auch kein König… Und ich find auch etwas seltsam, dass der Beter sich selbst so gut darstellt und dann aber betont, wie sehr ihn die Leute nerven, die stolz und hochmütig sind (V.5b). Warum steht dieser Psalm in der Bibel? Zum Nachbeten ist er ja irgendwie nicht so richtig geeignet – außer wenn man zufällig König ist…

Vielleicht soll der Psalm uns ja deutlich machen, dass es wichtig ist, dass nicht nur Gott für Recht und Ordnung sorgt, sondern dass auch wir uns für Gottes Maßstäbe einsetzen sollen. Auch wenn wir keine Könige und Regenten sind, so können wir doch versuchen, ein „vorbildliches Leben zu führen“ (V.2, Hoffnung für alle) und nicht einfach nur weg schauen, wenn andere Mist bauen und die Bosheit Feste feiert. Das kann dann ganz schön heftig, gewagt und gefährlich sein – mir fällt dazu der Typ ein, der gegen die Bosheit einiger U-Bahn-Prügler Stellung bezogen hat und am Ende selbst zu Tode geprügelt wurde. Er hat sich auch gesagt: „Den Bösen kann ich nicht leiden“ (V.4b) und hat das dann auch gezeigt.
Bibeltext

Von Windrädern und Ventilatoren

WindräderSo, windhauch ist wieder online! Ich war ein paar Tage unterwegs zu unserer Süddeutschen Jährlichen Konferenz. Wie der Name schon sagt: Ein jährlich stattfindende Konferenz, die alle EmK-Gemeinden des süddeutschen Bereichs betrifft. Dort kommen alle süddeutsche Pastoren und genau so viele Laienvertreter der Gemeinden zusammen.

Drei Tage lang fast nur Plenumssitzungen mit über 300 Leuten zu haben und Berichte durchzuarbeiten, ist nicht immer so wahnsinnig spannend und mit der Zeit auch ganz schön anstrengend. Mein persönliches Highlight dieser Tage war die Bibelarbeit von Pastorin Joana d’arc Meireles, der Generalsekretärin der methodistischen Kirche in Brasilien. Als sie erzählte wie bei einer Schießerei in den Armenvierteln von Rio ein Mann mit erhobener Bibel aus einer Kirche kam und jeweils eine Verletzten von beiden Seiten in die Kirche trug, da wurden mir die Augen feucht. Welch ein Mut!

Vor allem das Bild, das sie dann am Schluss gebracht hat, hat mich ins Herz getroffen. Sie erzählte, dass sie in Deutschland viele Windräder gesehen hat und fragte, ob wir den Unterschied zwischen einem Windrad und einem Ventilator kennen. Dann erklärte sie: Beide drehen sich, aber der Ventilator braucht Energie um Wind zu produzieren. Das Windrad dagegen nimmt den Wind auf und macht Energie daraus. BUMM!!! Das sitzt! Bei mir zumindest. Denn mir kommt mein Glaube und unsere Gemeindearbeit in Deutschland oft genau so vor: Wir verbrauchen wahnsinnig viel Energie, nur um ein klein wenig Wind zu produzieren. Stattdessen sollten wir uns viel mehr in den Wind(hauch 😉 ) Gottes stellen und daraus unsere Kraft und Energie nehmen.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Homecoming © Dominik Sellung

Matthäus 26, 69-75 – Feiger Verräter?

Also mir wär das nicht passiert! Ganz sicher nicht! Petrus hat Jesus drei mal verleugnet. Ich hätte das nicht tun können… denn ich wäre noch viel feiger gewesen als Petrus: Ich hätte mich irgendwo versteckt und in Sicherheit gebracht. Ich hätte nicht die Nerven dazu gehabt, im Hof der Hohenpriester herum zu sitzen – nach dieser spektakulären Verhaftung und der offensichtlichen Absicht, dass Jesus getötet werden soll. Offensichtlich haben es die anderen Jünger auch so gemacht.

Ganz schön mutig von Petrus!

Genesis 12, 1-4 – Glaube heißt Unterwegssein

Glauben heißt: „Unterwegs-Sein“. Diesen Schluss zieht Klaus Douglass aus der Abrahams-Geschichte (S.84). Glaube ist nicht nur eine Sache des Kopfes, sondern der Füße. Glauben ist nicht ein Zufrieden-Sein mit dem Ist-Zustand, sondern das Gehen auf ein Ziel hin. Glaube lebt, wächst, bewegt und verändert sich. Und natürlich darf dann in diesem Zusammenhang auch ein kleiner Seitenhieb auf die Institution Kirche nicht fehlen: Dass aus einer Bewegung eine Instituion geworden ist, hat der Christenheit nicht gut getan (S.84).

Ich stimme dem allem völlig zu und ich finde es toll, wie er das beschreibt und wie er Mut dazu macht, die Komfortzone zu verlassen und mehr zu wagen (bzw. mehr zu vertrauen: Vertrautes hinter sich zu lassen und statt dessen sich auf Gottes Wort verlassen). Aber ist das alles? Können wir im Glauben nicht auch mal irgendwo ankommen, anstatt immer nur unterwegs zu sein? Ist Glaube nicht auch Heimat finden, anstatt immer nur „heimatlos“ auf dem Weg zu sein? Ich möcht auch gern mal ankommen und Ruhe finden, anstatt immer nur von einer besseren Zukunft zu träumen und dieser besseren Zukunft hinterher zu rennen.