Johannes 21, 1-14 Der Mann am Ufer

Wir segeln auf den Meeren unserer Welt herum und versuchen ein paar Fische zu fangen. Es ist dunkel geworden und wir sind müde vom Auswerfen der Netze. Immer wieder versuchen wir es. Wir probieren unterschiedliche Methoden des Netzeauswerfens, wir probieren unterschiedliche Stellen auf dem Wasser, wir bemühen uns und hören nicht auf zu hoffen, doch noch etwas zu fangen. Immer wieder mal ein paar kleine Fische. Immer wieder mal einzelne, die vom Netze anderer Boote in unser Netz springen, … aber der große Fang bleibt aus.

Die Stimmung ist gedrückt. Der Arbeiter sind wenig. Enttäuschung und Müdigkeit macht sich breit. Wir fühlen uns überfordert und im Stich gelassen. Andere scheinen etwas erfolgreicher zu sein und geben uns freudestrahlend Tipps, wie wir es besser machen sollen. „Probiert doch dies und jenes, das hat bei uns funktioniert!“ Andere machen uns Vorhaltungen und zweifeln an unserer grundsätzlichen Einstellung. „Ich müsst es nur richtig wollen und fest daran glauben, dann geht es auch!“ Die Frustration entlädt sich an Bord in endlosen Diskussionen über den richtigen Kurs, die richtigen Methoden und die richtige Motivation.

Wir brauchen nichts so sehr wie den Auferstandenen, der am Ufer steht und uns beauftragt: „Werft die Netze aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ (V.6) Wir brauchen nicht noch bessere und ausgeklügeltere Methoden zum Fischfang. Wir brauchen nicht noch mehr Einsatz und Begeisterung. Wir brauchen keine Grabenkämpfe innerhalb des Bootes über den richtigen Kurs. Wir brauchen Jesus selbst. Seine Stimme. Seinen Auftrag. Seine Vollmacht.

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Hebräer 10, 32-39 Das süße Gift der Müdigkeit

Offensichtlich sind viele der Adressaten des Briefes zu Beginn ihres Glaubens Anfeindungen und Bedrängnissen ausgeliefert gewesen. Aber ihr Glaube war damals noch fest und treu. Inzwischen scheint ihr Glaube nicht mehr von außen bedroht zu sein. Die Bedrohung kommt von innen: ihre eigene Müdigkeit und fehlende Geduld. Leider können wir diese Beobachtung immer wieder machen: Glaube der bedrängt wird, scheint fester zu sein, als Glaube der sich ohne Widerstände entfalten könnte.

Ich hab immer ein ungutes Gefühl dabei, wenn über den christlichen Glauben in Deutschland gesagt wird: „Denn Menschen geht es zu gut, deshalb glauben so wenig an Gott.“ Das kann doch nicht die grundlegende Motivation für den Glauben sein! Gott als Notnagel, weil es mir schlecht geht?! Andererseits mache ich selbst ähnliche Erfahrungen. In der Zeit meiner Krankheit war mir Gott besonders nahe. Ich spürte in besonderer Weise seine Nähe und es war in mir ein großes Vertrauen und eine große Geborgenheit in Gott. Inzwischen geht es mir gesundheitlich wieder gut, aber zugleich merke ich, wie mein Glaube müder geworden ist und die Beziehung zu Gott nicht mehr so intensiv.

Schon Luther hat gesagt, dass zu einem gesunden Glaubensleben auch die Anfechtung dazu gehört. Damit Glaube wachsen kann und sich weiter entwickeln kann, muss er immer wieder auch in Frage gestellt werden. Dabei ist die äußerliche Anfechtung letztendlich einfacher zu bewältigen, auch wenn sie schwerer erscheint. Man hat einen deutlichen Feind, gegen den man kämpfen kann und vor dem man in Gottes Arme fliehen kann. Einer innere Anfechtung des Zweifels oder der Bequemlichkeit ist viel schwerer zu begegnen. Gegen das süße Gift der Müdigkeit hat man es schwerer als gegen einen lärmenden und waffenstrotzenden Feind.

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Hebräer 10, 19-31 Konsequenzen der Gnade

Nachdem der Hebräerbrief die Gnade ganz groß gemacht hat und deutlich wurde, dass Jesus Christus uns ein für alle mal durch sein Opfer geheiligt hat (10,10), folgen nun die Konsequenzen dieser großen Gnade. Eine Konsequenz wäre die Bequemlichkeit: Wenn Jesus schon alles getan hat, dann ist es ja egal wie ich lebe – es ist ja schon alles erledigt. Eine andere Konsequenz, die wohl auch bei den Adressaten auftrat, ist die Müdigkeit und der Zweifel: Wenn Christus alles getan hat, warum sehen wir dann so wenig davon? Einige haben wohl in ihrem Vertrauen auf Christus nachgelassen, haben die Versammlungen der Gemeinde nicht mehr besucht, sind lau geworden und standen in der Gefahr, den Glauben ganz zu verlieren.

Die Konsequenz der Gnade ist für den Hebräerbrief eine andere: Jesus hat den Weg ins Allerheiligste frei gemacht, darum „lasst uns hinzutreten“ (V.22), lasst uns diesen Weg gehen, lasst uns an der Hoffnung festhalten, lass uns treu bleiben. Wenn Gottes Gnade so groß ist, dann ist unsere Verantwortung nicht kleiner, sondern um so größer. Wer diese große Gnade wegschmeißt, der macht einen großen Fehler. Darum folgt auch hier die eindringliche Warnung davor, mutwillig zu sündigen (V.26). Damit sind keine einzelne Verfehlungen gemeint, sondern die bewusste und bleibende Abkehr von Gott und seiner großen Gnade.

Der Hebräerbrief vertritt hier die Position, dass jemand der einmal bewusst vom Glauben abgefallen ist, keine Chance mehr zur Umkehr hat. Allerdings ist das wohl angesichts dieser großen Gnade Gottes für den Brief selbst eine „unmögliche Möglichkeit“ (vgl. hier >>>). Zum anderen hat schon die Alte Kirche aufgrund des Gesamtzeugnisses der Heiligen Schrift den in der Verfolgung vom Glauben Abegefallenen die Möglichkeit einer zweiten Buße eingeräumt. Trotzdem bleibt die ernsthafte Warnung des Hebräerbriefes davor, mit Gottes großer Gnade leichtfertig umzugehen.

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Apostelgeschichte 20, 1-16 Alltägliche Glaubenskämpfe

Ob diese Geschichte wohl auch in der Bibel gelandet wäre, wenn der eingeschlafene Zuhörer bei diesem Unfall nicht gestorben und von Paulus wieder auferweckt worden wäre? Wahrscheinlich nicht, denn das ist ja gerade das besondere an diesem Ereignis: dass Gott durch Paulus dieses Wunder einer Totenauferweckung bewirkt hat.

Mir selbst geht es allerdings so, dass ich mit dem eingeschlafenen Predigthörer sehr viel mehr anfangen kann, als mit einer Totenauferweckung. Solch ein dramatisches Wunder habe ich noch nie erlebt. Das liest man nur in der Bibel oder hört es aus verschiedenen Quellen, bei denen man nie genau weiß, wie zuverlässig diese Berichte sind. Müde Predigthörer hab ich dagegen schon öfters erlebt (allerdings noch keinen, der dabei vom Stuhl gekippt ist…). Diese ganz normale menschliche Schwäche, die aufgrund einer überlangen Predigt bis um Mitternacht ja auch verständlich ist, ist mir viel vertrauter als irgendwelche besonderen Glaubensereignisse. Das finde ich in der Bibel gerade schön, dass nicht nur die Erfolgsgeschichten erzählt werden, sondern auch die Schwierigkeiten. Ich finde es tröstlich, wenn man in dieser Geschichte so nebenbei erfährt, dass die Christen damals auch nur ganz normale Menschen waren, die mit ihrer Müdigkeit zu kämpfen hatten…

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Matthäus 25, 1-13 – Die schlafenden Jungfrauen

Die Pointe bei diesem Gleichnis von den zehn Jungfrauen ist V.13: „Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ Wir sollen wie die Brautjungfern bereit sein für die Ankunft des Bräutigams. Und weil wir nicht genau wissen wann er kommt, sollen wir allezeit für seine Ankunft bereit sein.

Was mir heute zum ersten mal bei diesem Gleichnis aufgefallen ist: Keine der zehn Jungfrauen hat das geschafft, keine blieb wach! V.5: „Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.“ Ist ja auch klar und verständlich: Wenn man auf Jesus wartet und wartet – und er kommt nicht und kommt nicht. Das kam schon den Christen damals zur Zeit des Matthäus ziemlich lang vor. Und erst recht uns heute! Immer wach bleiben geht wohl nicht. Da schlafen sogar die klugen Jungfrauen ein.

Kann ich gut verstehen. Da sagt Jesus, dass er wieder kommt, dass es ein tolles, großartiges Fest gibt – und er kommt einfach nicht. Ich kenn dieses warten und hoffen. Das warten darauf, dass Jesus endlich eingreift, dass es Grund zum Feiern gibt – und man wartet vergeblich. Jeder kennt diese Nachtzeiten. Es ist dunkel, man wird schläfrig und irgendwann schläft man ein… Was soll man auch sonst tun?!? Schon mal ohne den Bräutigam feiern? Nein, das geht nicht. Man kann nur warten.

Das Gleichnis sagt uns: Er wird kommen! Er kommt auf jeden Fall! Und dann musst du bereit sein. Es ist nicht so schlimm, wenn du zwischendurch einschläfst, aber wenn er kommt, dann musst du noch so viel Glauben und Vertrauen in deiner Öllampe haben, dass du mit ihm zum Fest gehen kannst. Erst hier zeigt sich der Unterschied zwischen den klugen und törichten Jungfrauen. Eingeschlafen sind alle. Aber die klugen haben wohl von Anfang an mit einer längeren Wartezeit gerechnet und sie haben damit gerechnet, dass er auch nach langer Wartezeit trotzdem noch kommt. Die anderen haben offensichtlich die Hoffnung aufgegeben. Sie haben sich ganz dem Schlaf hingegeben. Als der Bräutigam dann tatsächlich kam, war’s zu spät.

Herr, du siehst meine Schläfrigkeit, du siehst meine Müdigkeit. Du siehst wie ich oft vergeblich auf dich warte. Du siehst die Dunkelheit und du siehst mich erschöpft einschlafen. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben! Du kommst! Darauf vertraue ich.“