Hebräer 11, 23-31 Seltsames Glaubensvorbild

Neben der ausführlichen Darstellung von Abraham und Sara als Glaubensvorbilder, behandelt der Hebräerbrief auch Mose ähnlich ausführlich. Abraham und Mose sind also die beiden großen Figuren des Alten Testaments, die auch uns heute noch ein Vorbild sein können. Spannender finde ich allerdings, dass in dieser großen Reihe auch die Hure Rahab auftaucht. Von ihr wissen wir nicht so viel wie von Abraham und Mose. Sie gehörte nicht zum Volk Gottes. Wir wissen nur von einer Tat, in der sich ihr Vertrauen auf den Gott Israels gezeigt hat. Sie hat die israelitischen Kundschafter in Jericho vor den Feinden verborgen (Jos. 2).

Bei Rahab wird deutlich, dass der Hebräerbrief seine Leser nicht mit übermenschlichen Glaubensvorbildern erdrücken will, sondern ermutigen im konkreten Leben auf den, den wir nicht sehen so zu vertrauen, als ob wir ihn sehen (vgl. V.27). Rahab hatte sicher nicht an den Gott Israels geglaubt, sie hatte als Hure auch keinen vorbildlichen Lebenswandel, aber in dieser einen Situation hat sie auf diesen Gott vertraut. Welche Auswirkungen das auf ihr späteres Leben hatte, wissen wir nicht. Glaube heißt nicht, immer alles richtig zu machen. Aber es heißt in entscheidenden Situationen auf Gott zu vertrauen.

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Hebräer 3, 1-6 Gottes Haus

Jesus ist nicht nur wichtiger als die Engel, welche als Mittlerwesen zwischen Himmel und Erde gesehen werden können, er steht auch höher als Moses, welcher dem Volk Israel das Gesetz Gottes übermittelt hat. Mose ist ein Knecht oder Diener Gottes. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern im Alten Testament ein Ehrentitel für jemand, der in besonders engem Verhältnis zu Gott steht. Aber mit Jesus wird diese Nähe zu Gott noch einmal übertroffen. Er ist nicht nur Diener Gottes, sondern Sohn Gottes, nicht nur Hausangestellter, sondern Miterbauer und Mitbesitzer des Hauses.

Mich hat an dem Text besonders angesprochen, dass wir heilig sind mit himmlischer Berufung (V.1) und dass wir Gottes Haus sind (V.6). Wenn wir auf ihn schauen (V.1) und mit Zuversicht und freudigem Stolz (V.6 nach der Guten Nachricht Bibel) an unserer Hoffnung festhalten, dann sind wir Gottes Haus, d.h. dann wohnt Gott in uns. Er wohnt nicht im Tempel, er ist nicht ferne, so dass wir Engel als himmlische Vermittler nötig hätten, er wohnt nicht in Buchstaben und Gesetzen. Nein, wir selbst sind sein Haus, er wohnt in uns.

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Apostelgeschichte 7, 17-43

In seiner Beschreibung der Mosegeschichte hebt Stephanus vor allem hervor, wie das Volk damals Mose – und damit Gottes Rettungsangebot – mehrfach abgelehnt haben. Der Punkt auf den Stephanus damit abzielt ist klar: Mit Jesus hat es das Volk nun ebenso gemacht. In Jesus sieht Stephanus die Verheißung erfüllt, dass Gott einen Propheten wie Mose senden wird (V.37).

Gottes Rettungsangebot zu erkennen, scheint nicht immer einfach zu sein. So manches mal kann dabei die eigene Frömmigkeit im Weg stehen. Denn der Hohe Rat, vor dem sich Stephanus zu verantworten hat, sieht sich ja gerade in der Treue zu Mose. Sie wollen Mose nicht so einfach aufgeben, um einem anderen Retter hinterher zu laufen. Sie wollen Mose und dem Gesetz, das er ihnen gegeben hat, treu sein. Aber gerade dieses blinde Festhalten an vergangenen Rettungstaten Gottes verschließt ihre Augen für das neue Handeln Gottes in Jesus Christus.

Stephanus hält beides fest: er sieht sich in der Tradition von Abraham, Mose und anderen. Aber er hat auch offene Augen für Gottes neues Handeln in Jesus Christus. Gott schenke mir die offenen Augen, das offene Herz und die nötige Weisheit, um das auch zu tun: Gottes Handeln in Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen zu erkennen.

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Exodus 33, 7-23 Gottes Herrlichkeit sehen

Für mich einer der schönsten und geheimnisvollsten Abschnitte des Alten Testaments. Zunächst wird berichtet, dass Gott mit Mose von Angesicht zu Angesicht geredet hat, „wie ein Mann mit seinem Freunde redet“ (V.11). So direkt und vertraut, wie ich mit einem guten Freund reden kann, hat Gott mit Mose geredet.

Die Formulierung „von Angesicht zu Angesicht“ bedeutet nicht, dass Mose Gott sehen konnte, sie betont vor allem den vertrauten Umgang. Das wird auch in den folgenden Versen deutlich. Denn hier wird beschrieben, wie Mose ein großes Verlangen danach hat, Gottes Herrlichkeit zu sehen. Gott antwortet darauf ausdrücklich: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ (V.20) Nicht einmal Mose kann es ertragen, Gott in seiner Herrlichkeit zu sehen. Gottes Lichtglanz ist unendlich stärker und strahlender als die Sonne, die ja nur ein Geschöpf ist. Wenn wir nicht einmal die Sonne direkt anschauen können, dann kann man sich vorstellen wie es ist, wenn wir vor Gottes Herrlichkeit stehen!

Das Wunderbare an dieser Stelle ist, dass Gott die Bitte nicht einfach abtut, sondern dass er dem Mose das Äußerste gewährt, was ein Mensch gerade noch ertragen kann: Gott stellt Mose in eine schützende Felsspalte, hält seine Hand über ihn und dann darf Mose hinter Gott hersehen (V.23). Mose bekommt nur den Abglanz, die Rückseite von Gottes Herrlichkeit zu sehen – aber schon das ist eine außergewöhnliche Ehre und sehr gefährlich!

In welchem Licht leuchten da manche neutestamentliche Verheißungen auf! Wer zu Jesus gehört, dem wird einmal Gott persönlich alle Tränen abwischen (Offb. 21,4) und der wird im ewigen Lichtglanz Gottes sein Angesicht sehen (Offb. 22,3-5)! Genial!

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Exodus 5 Freiheit erkämpfen

Tja, dumm gelaufen… Mose und Aaron wollen beim Pharao erreichen, dass das Volk Israel in die Wüste gehen kann, um Gott ein Fest zu feiern – so zumindest die offizielle Version; inoffiziell wollen sie eine günstige Gelegenheit, um mit Sack und Pack aus Ägypten zu flüchten. Doch der Pharao geht gar nicht darauf ein, sondern reagiert mit Spott und Hohn. Mose und Aaron erreichen nur das Gegenteil: Die Bedrückung des Volkes wird noch härter. Anstatt der Freiheit näher zu kommen, ziehen sich die Fesseln der Gefangenschaft nur noch enger und erbarmungsloser zu.

Nun ist die Frage: Aufgeben oder weiter kämpfen? Klein bei geben oder weiter von der großen Freiheit träumen? Ich glaube manchmal ist das bei uns Christen heute ähnlich. Wer wirklich in Christus frei sein will, der wird auf Widerstand stoßen. Wer innerlich frei werden will von den Bindungen dieser Welt, der wird zunächst einmal kräftig auf die Nase fallen. Denn die ganzen Bindungen, in die wir uns verstrickt haben, die wollen uns nicht einfach so gehen lassen.

Der Weg in die Freiheit ist kein Spaziergang. Freiheit will erkämpft werden. Da braucht man Geduld, Ausdauer und Treue gegenüber Gott. Wo ich von irdischen Bindungen frei werden will, da muss ich mich um so enger an Gott binden. Und das ist nicht leicht, das kann schmerzvoll sein, das ist nicht der bequemste Weg. Einfacher ist es, alles beim Alten zu lassen.

Exodus 5, 18-31 Rätselhafter Gott

Hier wird zum ersten mal ein Thema angeschnitten, das die nächsten Kapitel bestimmt: die Verstockung des Pharao. Von Anfang an sagt Gott: „Ich aber will sein Herz verstocken.“ (V.21) Na toll!?! Wär es nicht sinnvoller das Herz des Pharaos nachgiebig zu machen, so dass er das Volk Israel gleich ziehen lässt? Wär’s schon. Aber in den nachfolgenden Kapiteln wird deutlich, dass Verstockung nicht nur ein Wirken Gottes ist, sondern das auch der Pharao seinen Anteil dazu beiträgt. Es wird sowohl davon gesprochen dass Gott das Herz des Pharaos verstockt (so wie an dieser Stelle hier), als auch davon, dass der Pharao selbst sein Herz verhärtet (z.B. 8,11.28). Trotzdem bleibt es rätselhaft, warum Gott diese Verhärtung noch bekräftigt anstatt ihr entgegen zu wirken.

Sehr rätselhaft an dieser Stelle sind auch die Verse 24-26. Da taucht plötzlich Gott auf und will Mose töten!?! Den Mose, den er gerade eben mit der Befreiung seines Volkes beauftragt hat. Diese Verse passen überhaupt nicht in den restlichen Zusammenhang und als Leser fragt man sich: Was soll das? Es gibt sicher so manche Auslegungsmöglichkeit, mit der man diese Stelle einigermaßen hinbiegen kann. Für mich wird hier vor allem deutlich, dass Gott – trotz aller Offenbarung – für uns Menschen letztendlich nie ganz zu verstehen ist. Es bleibt immer ein letztes Rätsel, ein Geheimnis, das wir nicht völlig erfassen können. Es bleibt ein grelles Strahlen in Gottes Wesen, das wir mit bloßem Auge nicht anschauen und ergründen können.

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Exodus 4, 10-17 Ein störrischer, alter Schafhirte

Hach, ich mag ihn – diesen störrischen, alten Schafhirten. Da begegnet ihm Gott persönlich und will ihn mit einem besonderen Auftrag losschicken und Mose findet einen Einwand nach dem anderen. Nach vielen beredeten Ausflüchten stellt er gegen Ende der Diskussion mit Gott fest, dass er eigentlich gar nicht so gut reden kann und dass es besser wäre, jemand anders zu schicken. Gott geht nicht darauf ein und als letztes Argument sagt Mose einfach: „Nee, macht ich ganz einfach nicht. Send wen du willst – aber nicht mich!“ (V13) Gott setzt sich am Ende durch, wobei er dem Mose seinen Bruder Aaron an die Seite stellt, damit dieser das Reden übernimmt.

Ich find’s genial, dass Gott so unterschiedliche Menschen gebrauchen kann. Da gibt es nicht nur die frommen und eifrigen Jesajas, die auf die Frage „Wen soll ich senden“ sofort losschreien: „Sende mich!“ (Jes.6,8), sondern eben auch die störrischen und ängstlichen Leute wie Mose. Und beide sind dann im Auftrag des Herrn unterwegs.

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Exodus 4, 1-9 Göttliche Zaubertricks

Mose kommt mit einer ganzen Liste von Einwänden und Bedenken daher. Nach der Frage: „Wer bin ich denn, dass ich zum Pharao gehe?“ (3,11) und der Frage: „Wer hat mich denn gesandt, wie ist dein Name?“ (3,13), kommt jetzt die berechtigte Überlegung: „Sie werden mir nicht glauben!“ (4,1) Denn schon einmal hat er versucht seinen Landsleuten Recht zu verschaffen, indem er in Selbstjustiz einen Ägypter niedergeschlagen hatte (2,12). Damals begegneten ihm seine Landleute mit Misstrauen (2,14) und er musste fliehen.

Gott gibt dem Mose nun drei Zeichen mit auf den Weg, welche die Israeliten überzeugen sollten: Ein Stab, der zur Schlange wird, seine Hand, die aussätzig wird und wieder normal wird und Wasser, das zu Blut wird. Ich muss ehrlich sagen: Das erscheint mir alles sehr fremdartig und seltsam. Diese Zeichen würden mich nicht überzeugen. Die würden mich im Gegenteil sogar misstrauischer machen. Das wären für mich keine überzeugenden Argumente, sondern das sähe für mich eher nach billigen Zaubertricks aus. Das würde in mir kein Vertrauen wecken, sondern die Frage: Wie macht Mose das? Welcher Trick steckt da dahinter? Ich muss da eher an die Zirkusarena denken, als an Gottes Herrlichkeit. Hat Gott solche „Zaubertricks“ nötig?!

Vielleicht war das ja in der damaligen Kultur überzeugend, aber ich vermute, wenn wir heute die Menschen mit solchen „Tricks“ versuchten vom Glauben zu überzeugen, dann wären wir damit nicht sehr erfolgreich. Vielleicht kämen eine Zeit lang ein paar mehr Menschen wegen der ungewöhnlichen Show in den Gottesdienst, aber ob die Menschen deswegen der biblischen Botschaft glauben würden?!?

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Exodus 3, 6-12 Gott handelt

Sehr schön wird an dieser Stelle wieder das Ineinander von göttlichem und menschlichem Handeln deutlich. Einerseits sagt Gott von sich: „Ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande.“ (V.8) Und andererseits überträgt er genau diese Aufgabe an Mose: „So geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.“

Damit Gottes Wille geschieht ist beides wichtig: dass Gott handelt und dass der Mensch handelt. Mose hat ja schon vorher gehandelt und auf eigene Faust versucht, ausgleichende Gerechtigkeit walten zu lassen (er schlug einen ägyptischen Mörder zu Tode; Ex.2,11f), aber das ging irgendwie in die Hose. Wahrscheinlich, weil hier nur der Mensch gehandelt hat. Wenn menschliches Handeln aufgrund von göttlichem Auftrag geschieht, dann sieht die Sache anders aus.

Könnte nun Gott auf der anderen Seite ohne menschliches Handeln nichts tun? Braucht Gott menschliches Handeln, um in diese Welt eingreifen zu können? Ich bin davon überzeugt, dass er uns dazu nicht braucht. Er ist Gott, er kann tun und lassen was er will. Aber wenn wir die Bibel lesen, dann stellen wir fest, dass er es offensichtlich nicht will. Gott will die Israeliten nicht durch ein gigantisches übernatürliches Wunder aus der Gefangenschaft befreien, sondern er will den Mose dafür gebrauchen. Gott scheint nicht am Menschen vorbei handeln zu wollen, sondern durch ihn hindurch. Was will er wohl durch mich und dich hindurch tun?

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Exodus 3, 1-6 Dornbuschträume

In diesem Kapitel wird ein entscheidender Wendepunkt im Leben des Mose erzählt. Deshalb möchte ich das Kapitel gern in kleineren Abschnitten anschauen. Mose steckt mitten im Alltag: Schafe hüten. Irgendwo draußen in der Steppe. Einöde. Heißes Wetter. Wenig los. Er war nicht auf der Suche nach einer besonderen Gotteserfahrung, er hat nicht den Geist Gottes herunter gebetet, er hat nicht nach der Gegenwart Gottes geschrien, sondern er hat ganz einfach auf seine Schafe aufgepasst. Er hat das getan, was er jeden Tag tat.

Doch dann sieht er diesen brennenden Dornbusch. Ein brennender Dornbusch in der heißen Steppe ist ja nicht unbedingt etwas außergewöhnliches. Das besondere an diesem Dornbusch: Mose „sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.“ (V.2) Gott begegnet im brennenden Feuer. Mir gefällt dieses Bild vom Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt sehr gut. Strohfeuer gibt es genug in unserer Welt. Kurze, heiße und helle Feuer sieht man genügend. Aber wir sehen auch, wie viele Menschen ausgebrannt am Wegrand liegen bleiben.

Ich möchte gern so ein Dornbusch sein. Nicht im eigenen Feuer verbrennen, sondern Gottes unerschöpfliche und stetige Flamme in mir brennen lassen. Die Welt erleuchten, ohne irgendwann als ein Haufen Asche zu enden.

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