Apostelgeschichte 17, 1-15 Die Autorität der Schrift

Bei dem Abschnitt heute ist mir aufgefallen, wie die Menschen in Thessalonich und Beröa zum Glauben gekommen sind. Es gab keine großartigen Wunder, sondern Paulus hat einfach nur die Schrift ausgelegt und von Jesus erzählt. In Thessalonich ließen sich einige „überzeugen“ (V.4) und in Beröa nahmen „sie das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s so verhielte.“ (V.11) Der Glaube wird hier nicht als überwältigendes Gefühlsereignis dargestellt, sondern als Folge nüchterner Schriftbetrachtung.

Das ist allerdings heute schwieriger. Paulus sprach damals in diesen beiden Städten in den Synagogen. Für die Zuhörer war die Heilige Schrift eine ganz selbstverständliche Autorität. Es war für sie klar, dass Gott durch die Schrift redet und dass sie den Anspruch Jesu an der Schrift prüfen konnten. Das ist in unserer heutigen Welt nicht mehr so. Für die meisten ist die Bibel ein rein historisches Dokument, das mit ihrem Leben wenig zu tun hat. Die Schwierigkeit ist nun, trotzdem von Jesus zu reden, ohne die Autorität der Schrift aufzugeben.

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Apostelgeschichte 16, 16-22 Wahre Worte

Seltsame Geschichte: Eine Geisteraustreibung, die eigentlich gar nicht gewünscht ist und wegen der Paulus und Silas Riesenprobleme bekommen. Paulus scheint diesen Wahrsagegeist nur ausgetrieben zu haben, weil ihn die Frau tagelang genervt hat. Seltsam auch, dass dieser Geist ja durchaus positives über die Missionare gesagt hat: „Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkünden.“ (V.17) Da kann man doch eigentlich nur Amen dazu sagen. Selbst dieser geschäftstüchtig genutzte heidnisch-esoterische Wahrsagegeist ist nicht reiner Humbug, sondern er spricht durchaus Wahres aus!

Aber Wahrheit ist nicht gleich Wahrheit. Es kommt darauf an, mit welcher Motivation und welchen Absichten die Wahrheit verkündet wird. Werden damit Geschäfte gemacht oder wird damit Menschen geholfen? Das müssen wir uns übrigens auch als Christen und christliche Gemeinden immer wieder fragen.

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Apostelgeschichte 16, 6-15 Gottes Wegweisung

Gott leitet den Weg des Paulus auf seiner Missionsreise hin nach Europa. Das schien wohl von Paulus nicht so geplant zu sein, aber Gott macht ihm deutlich, dass das Evangelium auch in Europa gepredigt werden muss. Ich finde es spannend, wie das ganz konkret aussah, dass Paulus sich von Gott leiten ließ. Das deutlichste Zeichen ist eine Erscheinung bei Nacht (ist das ein Traum oder eine Erscheinung im wachen Zustand?). Schon zuvor hatte der Heilige Geist die Pläne der Missionare durchkreuzt: Er „verwehrt“ ihnen die Predigt in der Provinz Asien. Es wird nicht deutlich gesagt, wie der Heilige Geist ihnen das verwehrt hat, aber die Formulierung lässt am ehesten auf äußere Umstände schließen.

Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich mir das eigentlich gedacht habe, dann kann das ein Fingerzeig des Heiligen Geistes sein. Wenn meine ursprünglichen Pläne nicht so aufgehen, wie ich das auch im Glauben erwartet habe, könnte es sein, dass Gott mir etwas sagen will. Wobei natürlich nicht gleich jedes Hindernis ein Hinweis Gottes ist. Bei Paulus war es ja auch wichtig, dass der klare und positiv formulierte Auftrag hinzu kommt. Für ihn gingen zwei Türen zu und es öffnete sich dafür eine dritte. So hat Gott seinen Weg geleitet.

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Apostelgeschichte 15, 36 – 16, 5 Konfliktlösung

Schon wieder eine Auseinandersetzung unter den ach so einmütigen ersten Christen: Paulus und Barnabas geraten „scharf aneinander“ (V.39). Es geht um die Frage, ob für eine weitere Missionreise wieder Johannes Markus mitreisen soll oder nicht. Barnabas will ihn dabei haben, Paulus nicht. Die Gründe dafür bleiben unklar, aber es könnte sein, dass es mit dem Streitthema zusammenhängt, um das es die ganze Zeit geht: Wie frei darf die Heidenmission sein, bzw. welche alttestamentlichen Gesetze müssen Heidenchristen erfüllen. Johannes Markus war hier wohl anderer Auffassung als Paulus.

Die Lösung dieses scharfen Konflikts liegt für Paulus und Barnabas nun nicht in einem Kompromiss, sondern in einer Trennung. Beide gehen künftig ihre eigene Wege und jeder sucht sich neue Mitarbeiter für seine Missionsarbeit. Ich finde das gut und ehrlich, dass die Bibel auch über solch offene Konflikte redet. Nicht immer kommen wir Christen zu einem Kompromiss, manchmal ist es besser, man geht sich aus dem Weg. Das sollte natürlich nicht die erste Wahl sein, aber als letzte Möglichkeit ist es besser, getrennte Wege zu gehen, als sich ständig in die Wolle zu kriegen.

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Apostelgeschichte 14, 1-20 Ablehnung und Missverständnisse

In den Berichten über ihre Missionstätigkeit in Ikonion und Lystra wird deutlich, mit welchen Schwierigkeiten Barnabas und Paulus zu kämpfen hatten. Bei dem Großteil der Juden stoßen sie auf harte Ablehnung, weil sie die Botschaft von Jesus Christus als gotteslästerlich empfinden. Diese Juden wollen die Missionare „misshandeln und steinigen“ (V.5). Trotzdem kommen eine große Menge Juden zum Glauben (V.1: Unter „Griechen“ sind griechisch sprechende Menschen zu verstehen, die nicht im Judentum aufgewachsen sind, sondern dazu konvertiert sind).

Bei den heidnischen Zuhörern in Lystra stoßen sie zunächst auf Begeisterung, weil sie einen lahmen Mann heilen. Eindrucksvolle Zeichen und Wunder kommen immer an… Aber es wird deutlich, dass die Zuhörer ihre Botschaft gar nicht verstanden haben, denn sie wollen Paulus und Barnabas als Götter verehren, was natürlich ein völliges missverstehen des Evangeliums ist. Bei heidnischen Zuhörern können die Missionare nicht an den Glauben Israels anknüpfen, sondern müssen von Gottes Schöpfung her argumentieren (V.15-17). Aber das scheint dann in Lystra nicht groß anzukommen, denn als Paulus kurz darauf gesteinigt wird, ist von der begeisterten Masse niemand mehr zu sehen, der ihn verteidigt.

Mission war schon im 1. Jh. n. Chr. nicht einfach. Das Evangelium stieß auf Ablehnung, Missverständnis und Gleichgültigkeit. Das ist heute nicht anders. Aber trotz aller Schwierigkeiten kamen Menschen zum Glauben. Das wünsche ich mir auch für heute.

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Apostelgeschichte 13, 13-25 Kontextuelle Mission

Paulus verfährt nach seinem üblichen Missionsschema: zunächst besucht er die Synagoge und spricht dort vor den Juden. In solchen Synagogengottesdiensten konnte sich jeder erwachsene Jude an der Schriftauslegung beteiligen. Ähnlich wie Stephanus fängt Paulus nicht gleich bei Jesus an, sondern erinnert an die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Seine kurze Zusammenfassung reicht von den Vätern des Volkes Israel (Abraham, Isaak und Jakob) bis zu König David. An dieser Stelle kommt er zu Jesus. Das ist für Paulus der Anknüpfungspunkt: Gott hat den Juden einen König wie David versprochen. Dieser König ist nun in Jesus gekommen.

Mir gefällt diese sehr kontextuelle Missionsarbeit. Paulus nimmt Rücksicht auf die Gepflogenheiten seiner Landsleute. Er setzt sich erst einmal zuhörend hin (V.14) und erst nach Aufforderung der Synagogenvorsteher fängt er an zu reden. Er knüpft dann bei dem vorhandenen Glauben an und kommt erst dann zu seiner christlichen Botschaft. Er fällt nicht mit der Tür ins Haus, sondern stellt sich sehr bewusst auf seine Zuhörer ein.

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Apostelgeschichte 13, 1-12 Beten und Fasten

Bisher geschah Mission eher und aufgrund von persönlichen Schicksalen. Vor allem dadurch dass Christen aus Jerusalem vertrieben wurden und sie in ihrer neuen Heimat von Jesus erzählten. In Apg. 13 wird nun erstmals berichtet, dass eine Gemeinde ganz gezielt zwei Missionare aussendet, um das Evangelium zu verkünden. Es handelt sich um Barnabas und Paulus. Barnabas wird hier noch an erster Stelle genannt, offensichtlich galt er damals in der Gemeinde als die wichtigere Person. Im Lauf der Apostelgeschichte wird dann deutlich, dass Paulus für die Mission von besonders großer Bedeutung wurde. Aber auch Paulus hat mal klein angefangen…

Mir ist an dem Text vor allem aufgefallen, welch große Rolle das Beten und Fasten in diesem Prozess gespielt hat. In einem Gottesdienst während eines Fastens hat Gott die Gemeinde überhaupt erst auf die Idee gebracht, Missionare auszusenden. Und auch vor der Aussendung wurde gebetet und gefastet. Während Gebet in meiner persönlichen Frömmigkeit ein wichtiger Punkt ist, kann ich mit Fasten nicht viel anfangen. Für die Gemeinde damals scheint das anders gewesen zu sein – und das obwohl es keine judenchristliche Gemeinde war (im Judentum war das regelmäßige Fasten eine feste Tradition). Kann ich da etwas dazu lernen? Oder spiegelt sich bei mir nur wieder, dass im Neuen Testament wesentlich häufiger vom Beten als vom Fasten die Rede ist? Es geht sicher nicht um das Fasten an sich, aber das Fasten ist etwas, mit dem sich die Ernsthaftigkeit des Gebets zeigen und vielleicht auch einüben kann.

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Apostelgeschichte 8, 26-40 So sollte es sein

Was für ein Traum! So sollte es sein! So etwas wünsche ich mir auch für heute: dass Menschen von sich aus nach Gott fragen und ihn suchen. Dass sie Interesse an der Bibel haben und nur darauf warten, dass ihnen jemand auf ihre Fragen antwortet. Dass Menschen freudig auf ein Leben mit Jesus eingehen. Die Realität heute sieht leider anders aus: Viele Gemeinden versuchen alles mögliche, um auch nur eine Funken Interesse für den Glauben zu wecken. Wir bieten alles mögliche an (und oft genug biedern wir uns auch an), von gästeorientierten Gottesdiensten, über kulturelle Events bis hin zu sozialen Projekten,… und kaum einer will was davon wissen.

Machen wir etwas falsch? Hören wir zu wenig auf die Stimme des Geistes? Gibt es heute einfach nicht mehr so viel Hunger nach Gott? War die Neugierde des Kämmerers damals schon eine Ausnahme? Müssen wir uns mehr anstrengen?

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Apostelgeschichte 7, 54 – 8, 3 Das Evangelium breitet sich aus

Diskussionen über die Bedeutung von Gesetz und Tempel, sowie prophetische Gerichtsbotschaften gab es schon im Alten Testament. Alles was Stephanus bis jetzt gesagt hatte sorgte zwar für Ärger und Wut, wäre aber noch halb so schlimm gewesen für die Zuhörer. Aber als er nun sagt, dass er den Menschensohn (damit meint er Jesus) zur Rechten Gottes sieht, bringt er das Fass zum Überlaufen. Aus dem geordneten Prozess gegen ihn wird ein Aufruhr, der in Lynchjustiz endet.

Aber gerade diese dunkle Stunde wird zu einem entscheidenden Impuls für die Verbreitung des Evangeliums. Die griechisch sprechenden Judenchristen werden aus Jerusalem vertrieben und fliehen in das Gebiet von Judäa und Samarien. So beginnt sich die Verheißung von Apg. 1,8 zu erfüllen, dass die Christen Jesu Zeugen werden „in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“. Vielleicht kann Gott auch heute noch unsere dunklen Stunden nutzen, um uns zu Zeugen werden zu lassen…

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Apostelgeschichte 3, 17- 26 Werbende Predigt

Petrus wirbt um seine Landsleute. Das ist in diesem Abschnitt deutlich zu spüren. Er gesteht ihnen zu, dass sie Jesus aus „Unwissenheit“ getötet haben (V.17) und er stellt Jesus, mit deutlichem Rückbezug auf die hebräische Bibel, vor allem als den von Gott ausersehenen Christus (= Messias) dar. Er zeigt die Bedeutung Jesu auf dem Hintergrund ihrer Tradition und ihrer Kultur. Trotz allem Entgegenkommen und Werben weißt er deutlich darauf hin, dass Umkehr nötig ist (V.19: „So tut nun Buße und bekehrt euch“; V.26: „… dass ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit“).

Er stellt sich also ganz auf seine Hörer ein und umwirbt sie. Und zugleich verwässert er die Botschaft nicht. Er predigt keine billige Gnade. Es ist gut, wenn wir auch heute diese Ausgewogenheit beibehalten. Wir sollen auf andere eingehen, ihre Kultur und ihr Lebensgefühl wahrnehmen, das Evangelium so übersetzen, dass sie es in ihrer Welt verstehen können. Das ist heute schwieriger als für Petrus damals in einer jüdischen Kultur – und gerade deswegen ist es um so wichtiger. Aber wir dürfen das Evangelium dabei nicht verwässern. Sündenerkenntnis und Umkehr bleibt in jeder Kultur und zu jeder Zeit nötig.

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