Römer 15, 1-6: Die Schwachen tragen

Paulus positioniert sich inhaltlich ganz klar auf der Seite des Starken im Glauben. Deswegen ermahnt er gerade die Starken, dass sie die Schwachen im Glauben tragen sollen und nicht selbstgefällig werden sollen (V.1). Paulus versucht zu vermitteln. Nicht indem er seine inhaltliche Meinung ändert oder abschwächt, sondern indem er gerade diejenigen, die mit ihm übereinstimmen, zu einem respektvollen und liebevollen Umgang mit den anderen ermahnt. Wenn er inhaltlich mit den Schwachen einer Meinung wäre, würde er wahrscheinlich gerade die Schwachen ermahnen. Sein Ziel ist nicht, dass alle seine Meinung übernehmen, denn dann müsste er versuchen die andere Seite argumentativ von seiner Position zu überzeugen. Sein Ziel ist, dass wir trotz unterschiedlicher Meinung so miteinander umgehen, dass wir „einmütig mit einem Mund Gott“ (V.6) loben können.

Das zeugt von einer großen geistlichen Reife. Das zeugt von echter Demut. Dazu sind nicht viele in der Lage. Das wird wohl damals nicht anders gewesen sein als heute. Es schmerzt mich immer wieder, wenn ich sehe, dass es auch in heutigen Gemeinden „Rechthaber“ gibt, die ihre Meinung auf Kosten anderer durchsetzen wollen. Dabei geht es oft nicht einmal um unterschiedliche theologische Meinungen, sondern einfach um menschliche Unstimmigkeiten. Aber selbst da fehlt uns oft die Größe, so zu leben, dass wir die Schwachen tragen. All zu oft wollen wir lieber Recht haben und auf andere herab schauen.

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