Ulrike Purschke: Hendrikje, vorübergehend erschossen

Purschke: HendrikjeSicher kein anspruchsvolles Stück Weltliteratur, aber doch ein charmantes, unterhaltsames und gut geschriebenes Buch. Wenn ich den Roman mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das Wort: skurril. Sowohl von den Personen her als auch von der Geschichte her. Es erinnert mich von der Art etwas an manche Romane von John Irving. Eine skurrile Geschichte so zu erzählen, dass sie nicht ins völlig ins Lächerliche abdriftet oder total überdreht wirkt, ist eine gar nicht so einfache Kunst (und dieser besondere Art von Humor findet man gerade in der deutschen Literatur äußerst selten). Ich finde das ist der Autorin recht gut gelungen. Ulrike Purschke: Hendrikje, vorübergehend erschossen weiterlesen

Hanns-Josef Ortheil: Im Licht der Lagune

Nachdem ich von Ortheils Roman „Die große Liebe“ richtig begeistert war, bin ich an diesen Roman mit hohen Erwartungen heran getreten. Er hat sie leider nicht erfüllt. Okay: gut zu lesen, vom Potential her interessante Geschichte, das Venedig des 18. Jh. als ungewöhnlicher Schauplatz, ein Hauptdarsteller, dessen mysteriöse Herkunft lange im Dunkeln bleibt,… das sind alles Zutaten für einen guten Roman. Aber gefesselt hat mich das Buch nicht.

Es geht um drei Hauptfiguren: Startpunkt des Geschehens ist der junge und überaus schöne Andrea, welcher vom Conte Paolo di Babaro auf einem Jagdausflug nackt in einem Boot gefunden wird. Er scheint tot zu sein, erwacht aber wieder zum Leben. Allerdings kann er sich überhaupt nicht an seine Vergangenheit erinnern. Zwischen diese beiden Männer tritt natürlich eine Frau: die junge Caterina, die älteste Tochter des Nachbarn des Conte. Der Conte verliebt sich in die Frau, die Frau verliebt sich in den unschuldigen Schönling und dieser weiß nicht so recht, wie ihm geschieht. Er will im Grunde nur eines: Zeichnen und Malen.

Das führt zu reichlich Verwicklungen, die auf dem Hintergrund des damaligen Venedigs mit seinen eigenartigen Gebräuchen und Gepflogenheiten entfaltet werden. Am Schluss löst sich dann alles mehr oder weniger in Wohlgefallen auf.

Die Geschichte ist mir an manchen Stellen zu unglaubwürdig (woher soll der schöne Unbekannte solch eine geniale Fähigkeit zur Malerei herhaben? Die entwickelt er natürlich im Lauf des Romans, aber schon von Anfang an kann er mit geschlossenen [!!] Augen akkurater Zeichnen, als die berühmtesten Maler Venedigs…). Auch die Figuren werden nicht so richtig lebendig (was treibt den Conte wirklich im Innersten um? Mal ist es die Liebe zu Caterina, mal die Liebe zur Malerei, mal der reine Geschäftssinn).

Und ganz grundsätzlich gefragt: was ist überhaupt das Thema dieses Buches? Um was geht es? Um die Liebe? Auch, aber nicht als zentrales Thema… Um die Malerei? Um das Venedig des 18. Jh.? Um die Frage nach der Identität? Um die verführende Kraft der erotischen Liebe? Um die Verkennung eines Genies? Von allem ein bisschen, aber nichts so richtig….

Naja, trotz allem ein unterhaltsames Buch. Besonders gefallen haben mir die Beschreibungen von Andreas Beobachtungsgabe, mit der er nicht nur die Oberfläche wahrnimmt, sondern die Welt und ihre Details förmlich in sich aufsaugt. Auch die Beschreibungen der Zeichnungen und Gemälde, welche Andrea erstellt, sind Ortheil gut gelungen.

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