Römer 13, 1-7: Christen und der Staat

Ziemlich unvermittelt greift Paulus hier ein großes Thema auf: Christen und staatliche Gewalt. Dieser Abschnitt wird theologisch heiß diskutiert und es gibt die unterschiedlichsten Meinungen dazu. Ich persönlich finde ihn schwierig. Vor allem die Absolutheit, mit der Paulus hier Aussagen über staatliche Obrigkeit macht: dass es keine (das ist eine absolute Aussage!) Obrigkeit gibt, die nicht von Gott eingesetzt ist und wir darum der Obrigkeit nicht widerstreben dürfen.

Es leuchtet mir ein, dass wir als Christen nach wie vor in dieser Welt leben und auch der politische Bereich eine Bedeutung für uns hat. Wir sind als Christen nicht aus dieser Welt herausgehoben, sondern wir leben in ihr und haben uns an die Regeln eines geordneten Miteinanders zu halten. Das ist sinnvoll, das ist gut. Aber dass Paulus von vornherein davon ausgeht, dass alle Obrigkeit von Gott so wie sie ist gewollt ist, das finde ich schwierig. Streng genommen führt das zu einem Fatalismus auch gegenüber Despoten und Unrechtsstaaten. Gerade wir Deutschen wissen, wie gefährlich es ist, von solch einem Automatismus auszugehen.

Im Gesamtzusammenhang der Bibel muss man klar sehen, dass es auch andere Stellen gibt. Die Obrigkeit führt nicht immer automatisch Gottes Willen aus. Es kann auch Situationen geben, in denen wir sagen müssen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg.5,29)

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Johannes 6, 22-34 Was tust du für ein Zeichen?

In ähnlicher Weise wie die Frau am Jakobsbrunnen (Joh.4) zunächst nicht so richtig versteht, was Jesus meint, wenn er von lebendigem Wasser spricht, so verstehen auch hier die Zuhörer zunächst nicht richtig, was Jesus meint, wenn er von eine Speise spricht, die nicht vergänglich ist. Die Menschen haben ganz handfest erlebt, wie Jesus sie mit irdischem Brot satt gemacht hat. Jetzt sagt Jesus, dass sie eine andere Speise brauchen, eine Speise die zum ewigen Leben führt.

Die logische Frage ist dann: Was sollen wir denn tun? (V.28) Jesus sagt: An mich glauben! (V.29) Daraufhin fordern die Leute Zeichen. Sie wollen eine Grundlage für ihren Glauben, für ihr Vertrauen. Dabei haben sie doch kurz zuvor das Zeichen der wunderbaren Brotvermehrung miterlebt. Vielleicht ist gerade das eine Gefahr von Zeichen: man möchte immer wieder neu ein Zeichen, am besten noch ein deutlicheres und eindrucksvolleres.

Allerdings kann ich die Frage nach einem deutlichen Zeichen auch ganz gut verstehen. Es gab ja auch in der Bibel Menschen, die von Gott ein deutliches Zeichen wollten, ob ein bestimmter Weg der von Gott gewollte Weg ist. Glaube muss doch immer wieder auch konkret erfahren und erlebt werden – auch wenn es nur zeichenhaft ist. Ansonsten wäre es ja nur eine Vertröstung auf eine ferne Zukunft. Insofern macht die Spannung im Johannesevanglium durchaus Sinn: auf der einen Seite tut Jesus Zeichen und Wunder, auf der anderen Seite kritisiert er eine reine Zeichengläubigkeit. Denn letztendlich kommt es nicht darauf an, auf Zeichen zu vertrauen, sondern auf Gott.

Johannes 4, 43-54 Wunderglauben

Das Verhältnis von Glaube und Wundern scheint schon für Jesus nicht ganz einfach gewesen zu sein. Er beklagt sich über seine Zeitgenossen: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ (V.48) Hier wird deutlich, dass das Entscheidende nicht die Zeichen und Wunder sind, sondern der Glaube. Wenn ein Mensch körperlich gesund wird, dann ist das schön. Es ist ein Zeichen für Gottes heilschaffende Macht. Aber wenn ein Mensch zum Glauben kommt, dann ist das das Entscheidende um das es Jesus geht.

Aber trotz seiner Klage über Wundergläubigkeit tut er ein weiteres Wunder und heilt den Sohn des Mannes aus der Ferne. Und Johannes bestätigt ausdrücklich, dass dies dann positive Auswirkungen auch für den Glauben der Beteiligten hat: „Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.“ (V.53) Also ist es doch gut, dass dieses Wunder zum Glauben führte?! Zu beachten ist allerdings, dass der Glaube des Mannes schon vorher da war: „Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.“ (V.50) Schon bevor er das Wunder sieht, vertraut er auf das Wort Jesu. Das ist echter Glaube: Vertrauen, schon bevor ich etwas sehe.

Außerdem bezeichnet Johannes dieses Wunder ausdrücklich als Zeichen. Ein Zeichen ist immer etwas, das auf etwas anderes verweist. Ein Zeichen ist nicht das Eigentliche, sondern ein Hinweis auf das Eigentliche. Wunder sind nicht das Eigentliche, sondern sie verweisen auf Gott und seine heilschaffende Macht. Wenn es nur um das Zeichen geht und nur das Zeichen Glauben weckt, dann ist etwas schief. Der Glaube bezieht sich nämlich auf Gott, bzw. Jesus und sein Wort, nicht auf das Zeichen.

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Daniel 5 Er hält die ganze Welt in seinen Händen

Wenn Gott so mächtig ist, dass er schnell mal den babylonischen König um die Ecke bringen kann, weil dieser die Tempelgefäße des Jerusalemer Tempels für ein heidnisches Gelage missbraucht, warum hat er dann nicht gleich von Anfang an verhindert, dass solch ein König an die Macht kommt? Dieser Gedanke ist mir beim Lesen dieses Textes gekommen. Ähnliche Fragen könnte man quer durch die Bibel stellen. Immer wieder wird geschildert, wie Gott mächtig ist und die menschliche Geschichte eingreift. Aber warum immer nur nachträglich eingreifen, wenn er doch die Macht hätte schon vorher zu handeln?

Gottes Handeln in der Welt können wir offensichtlich mit unserem einfachen Menschenverstand nicht so leicht nachvollziehen. Er hält die ganze Welt in seiner Hand und doch lässt er es zu, dass die Welt aus seiner Hand herausspringt. Er lässt es immer wieder neu zu, dass Menschen sich von ihm abwenden und lässt sie ihre eigene Wege gehen. Er zwingt seine Schöpfung nicht in feste Bahnen, sondern greift immer wieder zeichenhaft in unsere Welt ein, um auf sich aufmerksam zu machen.

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Lukas 22, 24-30 Erschreckend realistisch

Ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Jesus macht im Abendmahl deutlich, dass er sein Leib für die Jünger gibt und sein Blut für sie vergießt. Aber einer von ihnen ist ein Verräter und die anderen streiten kurz darauf, wer von ihnen der Größte sei. Ja geht’s denn noch?!

Aber leider ist das bis heute ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Welcher Christ macht im Lauf seines Lebens nicht früher oder später in Gemeinden ähnliche Erfahrungen? In diesen Gefahren stehen wir bis heute: Dass wir das Wesentliche aus dem Blick verlieren und uns in Streitereien verwickeln. Dass wir nicht auf Jesus schauen, sondern auf uns selbst und auf Andere. Dass unser Ego sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, Anderen zu dienen.

Von daher bin ich froh über diesen ehrlichen Bericht des Lukas. Schon damals, in Jesu leiblicher Gegenwart, war es nicht viel anders. Und trotzdem konnte er seine Jünger gebrauchen, um sein Reich zu bauen…

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Lukas 20, 41-47 Gefahren des Glaubens

Ja, das ist gefährlich: fromme Bibelkenner, denen es in Wirklichkeit vor allem darum geht, Ansehen zu haben, sich selbst den Bauch vollzuschlagen und nach außen besonders heilig dazustehen. Nicht nur politische Macht kann korrumpieren, sondern auch religiöse Macht. Jesus warnt vor ihnen.

Aber diese Gefahren betreffen nicht nur die Anderen, sie betreffen jeden Christen. Wer hat nicht gerne Anerkennung und Ansehen? Das ist ja auch okay, aber wo ist die Grenze zur Selbstgefälligkeit? Wer ist wirklich frei von aller Selbstsucht, so dass er wirklich von Herzen lieber andere beschenkt, als selbst zu genießen? Es ist ja auch okay, das was man hat zu genießen, aber wo ist die Grenze zur Gier? Welcher Christ kennt das nicht, dass Gottesdienstbesuch, Bibellesen und Gebet zur äußeren Form verkommt, dass das innere Leben zu erlöschen droht? Das ist ja ganz normal und es ist wichtig, trotzdem weiter dran zu bleiben. Aber wo ist die Grenze zur Scheinheiligkeit?

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Lukas 20, 9-19 Provozierend, gewagt und tröstlich

Ein provozierendes Gleichnis: Jesus provoziert die religiöse Führungselite. Sie werden als verantwortungslos und gierig dargestellt. Anstatt für den Weinberg Gottes zu sorgen (im Alten Testament ist der Weinberg ein beliebtes Symbol für das Volk Gottes), töten sie Gottes Boten und wollen ihre eigene Macht vergrößern. Wie sieht das bei mir aus: Lasse ich mich von dem Gleichnis auch provozieren, oder gilt das mir gar nicht, weil ich ja nicht zu den Bösen gehöre?

Ein gewagtes Gleichnis: Jesus wagt es, sich in diesem Gleichnis als Sohn des Königs darzustellen, also als den Sohn Gottes. Für damalige Ohren war das mehr als gewagt. Wie kann ein Mensch sich herausnehmen, sich selbst nicht nur als göttlicher Prophet, sondern sogar als der Sohn Gottes selbst auszugeben? Wie sieht das bei mir aus: Nehme ich diesen ungeheuerlichen Anspruch Jesu überhaupt noch war, oder ist das für mich längst schon selbstverständlich geworden?

Ein tröstliches Gleichnis: Der Sohn wird getötet – aber das ist nicht das Ende. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.“ (V.17) Menschlicher Hass und menschliches Handeln kann Gottes Handeln nicht zunichte machen. Am Ende wird Jesus als Sieger dastehen. Aus dem verworfenen Stein wird der Eckstein einer neuen Welt. Wie sieht das bei mir aus: Lasse ich mich von dieser Botschaft trösten, oder habe ich die Hoffnung auf ein gutes Ende aufgegeben?

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Lukas 9, 46-50 Beruhigend und verstörend

Wie beruhigend, dass auch die zwölf von Jesus selbst auserwählten Jünger, die viel Zeit mit dem leibhaftigen Jesus verbracht haben, auch nur Menschen waren. Sie waren nicht perfekt und auch unter ihnen gab es ganz menschliche Gedanken und Wünsche. Jeder von ihnen wollte der Größte sein. Sie haben noch nicht begriffen, was wahre Größe im Reich Gottes ist: anderen zu dienen. Wie beruhigend, dass die Jünger zur Zeit Jesu mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, wie wir heute. Und Jesus hat sie doch gebrauchen können.

Wie verstörend, dass selbst die zwölf von Jesus selbst auserwählten Jünger, die viel Zeit mit dem leibhaftigen Jesus verbracht haben, sich zu solch menschlichem Konkurrenzdenken und Machtspielchen verleiten ließen. Und wie verstörend finde ich es auch heute immer wieder, wenn ich unter uns Christen ähnliche Machtspiele und Egoismen entdecke. Wie verstörend, wenn nicht einmal die Christen miteinander in den Gemeinden klar kommen und sich all zu oft gegenseitig das Leben schwer machen. Ich hoffe, dass Jesus uns trotzdem irgendwie gebrauchen kann.

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Hesekiel 27 Globalisierung in der Antike

In diesem Klagelied über Tyrus wird eindrucksvoll der Reichtum der Handelsstadt geschildert (übrigens spannend, dass Hesekiel über den Feind ein Klagelied anstimmt!). Tyrus war wohl ein zentraler Umschlagsplatz für Waren, die über das Meer aus dem gesamten Mittelmeerraum und über das Land aus dem gesamten palätstinisch-syrisch-arabischen Gebiet kamen. Beeindruckend fand ich, welch Fülle von welch Fülle von Handelspartnern und Handelswaren hier aufgezählt werden. Da ging ganz schön was ab!

Man denkt immer in antiken Zeiten lebten die Menschen in ihrer kleinen, heilen Welt – aber dieser Text zeigt, dass es schon damals ähnliche Globalisierungstendenzen gab wie heute – nur auf einem etwas begrenzterem Gebiet und nicht in unserem heutigen Tempo. Schon damals wussten die Politiker und Wirtschaftsbosse in Tyrus die Macht des Marktes zu ihren eigenen Gunsten einzusetzen. Schon damals regierte das Geld und die Waffen. Aber damals wie heute macht uns die Bibel deutlich, dass wirtschaftliche und auch politische Macht nicht bleibend ist…

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