Daniel 3 Fester Glaube

Der König, der im vorigen Kapitel gegenüber Daniel noch bekennt, dass es keinen größeren Gott gibt, als den Gott Daniels, der verlangt nun, dass man vor dem Standbild eines anderen Gottes niederfallen soll. In einer Welt und Kultur, in der man ganz selbstverständlich davon ausging, dass es viele Götter gibt und man mehreren gleichzeitig dienen kann und soll, ist das scheinbar kein Widerspruch. Doch mit dem biblischen Glauben lässt sich das nicht vereinbaren. Die drei Freunde von Daniel weigern sich, vor dem Götterbild nieder zu fallen (Daniel wird in diesem Kapitel seltsamerweise nicht erwähnt).

Am meisten beeindruckt hat mich der V.18: die drei Freunde haben ihre Entscheidung getroffen, sie werden keine fremde Götter anbeten – und zwar unabhängig davon, ob Gott ein Wunder tut und sie errettet oder nicht. Sie überlassen Gott die Entscheidung. Sie rechnen mit der Macht Gottes, sie zu retten (V.17), aber sie wissen auch um die Souveränität Gottes. Auch wenn sie ihn um Errettung bitten, ist er frei in seinem Handeln. Göttliche Wunder können wir Menschen nicht erzwingen.

Das finde ich eine gute und beeindruckende Haltung: Ihr Glaube steht fest: sie rechnen damit, dass Gott Wunder tun kann, aber sie machen ihren Glauben nicht von Wundern abhängig. Ihr Glaube beruht auf Gott selbst.

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Richter 14 Krumme Linien

Seltsame Geschichte. Simson tut genau das, wovor Gott sein Volk eindringlich gewarnt hat: er heiratet nicht eine Frau aus dem eigenen Volk, sondern eine Frau aus den Philistern. Hinter diesem göttlichen Gebot steckt nicht Ausländerfeindlichkeit, sondern die reale Gefahr, dass durch verwandtschaftliche Beziehungen auch fremde Götter in Israel Einzug halten (was dann nach der Darstellung des Alten Testaments vielfach geschehen ist).

Aber Simson wird von Gott offensichtlich gerade durch dieses Fehlverhalten gebraucht: „Sein Vater und seine Mutter wussten nicht, dass es von dem Herrn kam; denn er suchte einen Anlass gegen die Philister.“ (V.4) Zweimal wird dann betont, dass der Geist des Herrn über Simson geriet (V.6.19). Simson scheint weder besonders weise zu sein, noch hat er eine besondere Botschaft Gottes weiter zu geben. Er hat vor allem eins: Kraft. Und diese Kraft benutzt Gott gegen die Philister, welche Israel zu der Zeit unterdrückten (Ri.13,1).

Ich würde das mal unter folgender Rubrik einordnen: Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben. Es ist nicht so, dass er sich wünscht, dass wir krumme Wege gehen, aber er hat zumindest die Macht dazu auch diese krummen Wege in seinem Sinn zu nutzen.

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Josua 6 Posaunen statt Panzer

Wie will ein Nomadenvolk, das 40 Jahre lang durch die Wüste geirrt ist, eine durch starke Stadtmauern geschützte Stadt erobern? Rein menschlich gesehen, sollte man das am besten bleiben lassen. Und wenn schon, dann nur mit geeigneten Belagerungswaffen. Aber Gott sagt: ihr braucht keine Panzer, sondern Posaunen! (Wie wär’s wenn wir den Saudis modernste Posaunen, statt Panzern schicken würden?) Sieben Tage lang umkreisen die Israeliten die Stadt und am siebten Tag stürzen beim Klang der Posaunen die Mauern ein.

Mich fasziniert das Vertrauen, das Josua und mit ihm das Volk in die Macht Gottes hatte.Hätte ich dasselbe Vertrauen? Würde ich nicht nach anderen, realistischeren Möglichkeiten suchen, um das Land zu erobern? Hätte ich nicht Angst davor, mich zum Gespött machen zu lassen, wenn ich mit Posaunen gegen Stadtmauern anrenne? Das klingt ja noch verrückter, als wie Don Quijote gegen Windmühlen anzukämpfen – die Windmühlen können sich wenigstens nicht wehren… Vertraue ich Gott so stark und tief, dass ich mich für ihn nicht nur zum Narren machen lasse, sondern auch noch in Lebensgefahr begebe?

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Exodus 10 Gekränkter Egoismus

Irgendwie kann ich den Pharao auch ein Stück weit verstehen. Mose hat ihm von Anfang an eine Lüge aufgetischt: Er hat gesagt sie wollen in der Wüste ein Opferfest feiern – dabei hatten sie vor mit Sack und Pack aus Ägypten zu fliehen. Der Pharao war zurecht von Anfang an misstrauisch. In diesem Kapitel stellt sich nun heraus, dass sein Misstrauen zu Recht bestand.

Es wird deutlich, dass nicht nur die Männer in die Wüste wollen, um dort zu opfern, sondern dass auch die Frauen und Kinder mitkommen sollen. Im ganzen Alten Orient war das Opfern aber eine Angelegenheit der Männer (vgl. z.B. 2.Mo.23,17). Und Mose will auch nicht nur ein paar einzelne Opfertiere mitnehmen, sondern den gesamten Viehbestand (V.26). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Der Pharao hat den Braten ganz richtig gerochen, er wollte sich nicht so einfach überlisten lassen. Wobei im Nachhinein gesehen das Nachgeben wohl schlauer gewesen wäre. Er hat die Wahrheit erahnt, er hat auch eine Ahnung von der Macht Gottes gehabt, aber er hat dann aus gekränktem Egoismus heraus die falschen Schlüsse gezogen.

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Psalm 115 – Gegen den Augenschein

Spott über den Gott der Bibel gab es zu allen Zeiten. Auch vor tausenden von Jahren. Allerdings nicht von Atheisten, sondern von Andersgläubigen. Der Psalm wurde wahrscheinlich in der Zeit des babylonischen Exils geschrieben. Ganz offensichtlich hatte damals der Gott der Bibel seinem Volk nicht geholfen und die Götter der Babylonier haben sich als mächtiger erwiesen. Klar, dass dann über den Gott Israels gespottet wird.

Der Psalm sagt, dass es nicht um die Israeliten geht, dass der Spott nicht sie selbst trifft, sondern Gott. Deswegen soll Gott nicht uns die Ehre geben, sondern zeigen, dass er selbst mächtig ist, dass er selbst seinem Namen Ehre gibt (V.1). Auch wenn es nicht so aussieht, auch wenn es scheint als ob der Gott der Bibel nicht so mächtig ist, hält der Psalm an Gottes Macht fest: Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen was er will. (V.3)

Das ist Glaube: Vertrauen auf Gott – auch gegen den Augenschein. Die Israeliten hätten ja irgendwann auch sagen können: „Ne, das war’s jetzt! An solch einen Gott kann ich nicht mehr glauben!“ Und wenn man anschaut, was Israel im Lauf der Jahrhunderte alles durchmachen musste, dann wäre es durchaus verständlich gewesen. Und doch glauben die Juden bis heute an den Gott der Bibel. Und es ist dann auf der anderen Seite auch erstaunlich, dass es dieses Volk bis heute immer noch gibt, dass selbst ein hasserfüllter, skrupelloser und bösartiger Verrückter im 20. Jh. es nicht geschafft hat, dieses Volk auszurotten. Als ob da jemand seine Hand darüber hält…
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Psalm 114 – Hüpfende Berge

Seltsame Metaphern finden sich in diesem Psalm: Wo Gott sich zeigt, da flieht das Meer (V.3) und die Berge und Hügel hüpfen und springen (V.4). Die hüpfenden Berge haben mich im ersten Moment eher zum schmunzeln gebracht, aber es hier wohl nicht an ein fröhliches springen und hüpfen gedacht, sondern eher an ein Erschrecken und Erzittern. Das Meer steht im AT oft für alle widergöttlichen Mächte – sie müssen vor Gott davon weichen. Berge stehen für etwas Festes und Unerschütterliches, auf manchen Berggipfeln wurden auch fremden Göttern Opfer gebracht – wenn Gott kommt, heißt es auch für die Berge: wir machen den Weg frei… 😉

Vielleicht sollte ich an die unerschütterlichen, unüberwindbaren und schweren Berge in meinem Leben denken. Scheinbar nichts kann diese Berge aus dem Weg räumen und ihre Last drückt auf meine Schultern… Bitte, lass sie hüpfen Gott! Lass sie davon springen wie die jungen Schafe!
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Psalm 96 – Gebt Gott die Macht

Nach V.6 zeichnen Gott folgende Eigenschaften aus: Hoheit und Pracht, Macht und Herrlichkeit. Der Psalm bekennt, dass Gott größer, herrlicher und mächtiger ist als alles andere. Interessant ist nun, dass im folgenden Vers die Völker aufgefordert werden: „Bringet dar dem Herrn Ehre und Macht.“ Was soll das? Warum sollen wir Gott Ehre und Macht bringen, obwohl er das alles doch schon hat?

Ich denke, das macht durchaus Sinn: Gott ist Gott, er ist mächtig und ihm gehört alle Ehre. Aber die Frage für uns ist, ob wir diese Macht auch anerkennen, ob wir anerkennen, dass Gott Gott ist – auch in unserem Leben. Gott zwingt uns seine Hoheit, Pracht, Macht und Herrlichkeit nicht auf. Wenn wir wollen können wir einfach sagen: Nö, darauf hab ich keinen Bock! Deswegen fordert der Psalm uns auf, Gott als Gott anzuerkennen – indem wir ihm die Ehre und die Macht geben. D.h. indem wir auch für unser Leben akzeptieren, dass Gott die Ehre gebührt und er auch der Herr über unserem Leben ist, dass er das Sagen hat – und nicht wir selbst, oder der Mammon, oder die Meinung anderer über uns, oder …
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Psalm 77 – Starke Worte

Wow! Ganz schön provozierend dieser Psalm! Mit ziemlich starken Worten klagt der Beter Gott an. Aber mit starken Worten findet er dann zum Lob Gottes. Das klingt auf der einen Seite ganz schön vorwurfsvoll und verbittert: „Hat Gott vergessen, gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen? Ich sprach: Darunter leide ich, daß die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.“ (V.10f)

Auf der anderen Seite preist der Beter dann recht unvermittelt Gott: „Gott, dein Weg ist heilig. Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist? Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.“ (V.14f) Und auch in V.17-21 wird Gottes einmalige und wunderbare Größe und Macht beschrieben.

Das ist doch sehr interessant: Der Beter sieht nichts von Gottes Macht und Eingreifen. Er verzweifelt, weil Gott scheinbar vergessen hat, gnädig zu sein. Und was tut er dann? Er preist Gottes Macht. Er lobt Gott genau für das, was er selbst gerade an ihm vermisst, was er nicht an ihm sieht. Starke Sache, wie er da mit seinen Problemen umgeht: Von starken Worten der Klage hin zu starken Worten des Lobes.
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