Apostelgeschichte 16, 23-40 Wenn Träume wahr werden

Was für eine traumhafte Geschichte! Ich wünsche mir das auch, dass Gott auf wunderbare Weise eingreift. Dass er meine inneren Ketten und meine Gefängnisse öffnet und mich befreit. Dass Menschen von sich aus fragen, was sie tun müssen, um gerettet zu werden. Dass Menschen ohne große evangelistische Events oder jahrelange mühevolle Kontaktarbeit zum Glauben kommen. Dass ganze Hausgemeinschaften sich auf den Glauben einlassen und sich taufen lassen. Dabei haben Paulus und Silas gar nicht mal um Befreiung gebetet, sie saßen im Gefängnis und haben Gott gelobt! Diese Fähigkeit, weg von mir und auf Gott zu schauen wünsche ich mir auch…

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Lukas 5, 17-26: Entsetzen und Lob

Diese Geschichte finde ich immer wieder neu faszinierend. Immer wieder neu stolpere ich beim Lesen über die Reaktion Jesu. Diese Männer bringen einen Gelähmten zu Jesus. Sie lassen sich von Hindernissen nicht abhalten. Was erwarten sie von Jesus? Es wird nicht gesagt. Wie so oft lässt die knappe Darstellung der Bibel Raum für eigene Deutungen. Aber vom Zusammenhang her wird deutlich dass die Männer hoffen, dass Jesus den Gelähmten heilt (kurz vorher wird berichtet wie Jesus einen Aussätzigen heilt, in V. 15 kommen viele zu Jesus um ihn zu hören und gesund zu werden und in V. 17 wird gesagt, dass Gottes Kraft mit Jesus war, so dass er heilen konnte).

Und Jesus? Er heilt ihn zunächst nicht, sondern spricht ihm Sündenvergebung zu. Will er damit deutlich machen, dass körperliche Gesundheit nicht das Wesentliche ist? Will er die anwesenden Pharisäer und Schriftgelehrten provozieren? Wäre es ohne ihre Einwände bei der Sündenvergebung geblieben? Das alles wird im Text nicht deutlich beantwortet. Es wird aber deutlich, dass Heil und Heilung viel mehr als körperliche Heilung bedeutet. Auch ich als Leser werde in Frage gestellt: Was ist für mich das größere Wunder? Dass Jesus Sünden vergeben kann oder dass er einen Gelähmten heilt?

Schließlich frage ich mich: worüber sind die Menschen so aufgebracht? Am Ende des Textes wird beschrieben, wie sich alle entsetzen, Gott preisen und von Furcht erfüllt werden. Das ist eine seltsam ambivalente Reaktion: Entsetzen und Lob. Betrifft diese Reaktion die Heilung oder die Sündenvergebung oder Jesu provozierenden Umgang mit den Pharisäern und Schriftgelehrten? Wie auch immer – vielleicht wäre das auch bei uns heute manchmal  eine angemessene Reaktion auf diesen fremdartigen Jesus, der sich nicht an unseren Erwartungen ausrichtet, sondern an Gott: eine Mischung von Entsetzen und Lob.

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Epheser 1, 11-14 Ich gehöre IHM

Dieser Abschnitt Eph. 1,3-14 steckt ja voller Stichwörter, aus denen später weitreichende theologischen Lehren gebildet wurden. Nach der Prädestination und der Allversöhnung begegnet uns heute die Versiegelung mit dem Heiligen Geist (V.13). Auch hier gilt: Paulus will in diesem Abschnitt Gott loben und ihn groß machen. Er will nicht in erster Linie theologische Dogmen aufstellen. Man darf diese Formulierungen also nicht überinterpretieren und mehr reinlegen, als Paulus beabsichtigt hat (die Neuapostolische Kirche hat aus dieser Formulierung ja ein richtiges Lehrgebäude und ein für sie wichtiges Sakrament heraus gelesen).

Aber auf der anderen Seite hat Paulus diesen Begriff verwendet (auch in Eph. 4,30 und 2. Kor. 1,21-22) und er hat sich sicherlich was dabei gedacht. Ein Siegel war in der damaligen Welt v.a. ein Zeichen für den Besitzanspruch und für den Schutz von etwas. Ein Siegel besagt, dass der versiegelte Gegenstand dem Siegelbesitzer gehört und dient als Schutz vor unberechtigtem öffnen. In dieser Weise sieht Paulus den Heiligen Geist als Zeichen von Gottes Eigentumsrecht auf uns und als Schutz.

Darüber zu spekulieren, wie er sich konkret den Vorgang der Versiegelung vorstellt, ist meines Erachtens müßig und überflüssig. Hier an der Stelle wird nur deutlich, dass er davon ausgeht, dass die Christen in Ephesus mit dem Heiligen Geist versiegelt wurden als sie gläubig wurden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ich finde das eine geniale und tröstliche Vorstellung: Als jemand, der auf Christus vertraut, trage ich Gottes Siegel, ich gehöre ihm und wer dieses Siegel aufbrechen will, der bekommt es mit dem Herrn und Schöpfer dieser Welt zu tun.

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Psalm 34 Als ich den Herrn suchte

Wer die letzten Wochen und Monate mein Blog verfolgt hat weiß, dass für mich in dieser Zeit der Anfang von Psalm 34 eine besondere Bedeutung gewonnen hat. Diese Verse wollte ich hören, nachdem ich aus der Narkose von meiner Gehirntumor-OP aufgewacht bin.

Diese Verse treffen meine Situation. Inzwischen hab ich auch festgestellt, dass dieser Psalm und auch das Geschehen dahinter eine Art Antwort ist auf ein anderes Psalmwort, dass mir vor meiner Erkrankung wichtig wurde und das ich auch in einem Lied vertont habe: Psalm 63 – Der Gott den ich suche. Gott antwortet, auch wenn das manchmal ganz anders aussieht, als wir uns das vorstellen…

Hier in der Reha hab ich mit den Anfangsversen von Ps. 34 ein Lied geschrieben. Wer es gerne hören möchte:

Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Ref.: Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. 

Meine Seele rühme sich des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. 
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!

You give and take away

So manche Lobpreislieder finde auch ich ziemlich oberflächlich und nichts sagend. Heute mittag hab ich eins mitgesungen, das mir nicht nur auf der musikalischen Ebene gefallen hat sondern das mich auch inhaltlich angesprochen, bewegt und „mitgenommen“ hat (in des Wortes zweifacher Bedeutung): Blessed be your name.

In dem Lied wird deutlich, dass der Name Gottes auch zu loben ist, wenn es dunkel und leidvoll wird:

Blessed be your name
on the road marked with suffering
though there’s pain in the offering
blessed be your name.

Every blessing you pour out
I’ll turn back to praise.
When the darkness closes in,
Lord, still I will say:
Blessed be the name of the Lord…

Das sind ganz schön heftige Aussagen für solch ein fröhlich und fetzig klingendes Lied. In meiner Situation haben sie mich voll getroffen. Und ich bin dankbar, dass ich das aus vollem Herzen bejahen kann. Es fiel mir stellenweise schwer, weiter mit zu singen. Aber im Herzen hab ich gesagt: Ja, Herr! Ja, Herr! Besonders auch bei folgender Liedzeile:

You give and take away.
You give and take away.
My heart will choose to say:
Lord, blessed be your name.

Psalm 150 – Ein dickes HALLELUJA!

150 Psalmgebete  (seit Ende Mai hab ich mich damit beschäft… ganz schön lang der Psalter 😉 ). In vielen geht es um Klage, Leid, Bitte, Schreien zu Gott, Verzweiflung, Angst vor Feinden, Rachegefühle, … aber natürlich auch um Freude, Dank und Lob. Am Ende steht ein ganz dickes HALLELUJA! Dieses hebräische Wort ist in unseren deutschen Sprachschatz eingegangen. Es besteht aus aus zwei Teilen: „hallelu“ ist die Aufforderung: „jauchzt, rühmt, lobsingt, preist, rühmt!“ und „ja“ ist die Kurzform von Jahwe, dem Gottesnamen.

Nach all diesen Hoch’s und Tief’s, nach so manchen Abgründen und so manchen Höhenflügen, nach vielen bewegenden Emotionen und Erfahrungen ist das Lob Gottes der Zielpunkt. Deswegen wird das Psalmbuch als ganzes in der jüdischen Tradition auch als „Tehillim“ bezeichnet: „Lobpreisungen“. Mir war diese Zielperspektive schon von Anfang an klar. Beim durchlesen des Psalmbuches ist mir aber auch aufgefallen, wie viel Klage und Schreien zu Gott auf diesem Weg zum Halleluja mit aufgenommen ist.

Das ist für mich ein ganz persönliches Fazit aus der Beschäftigung mit den Psalmen (neben vielen anderen Gedanken und Inspirationen): Zu einem ehrlichen, von Herzen kommenden Halleluja gehört auch die Klage und Bitte. Das darf sein, das muss sogar sein! Und ich fürchte: Wo wir verlernt haben vor Gott zu klagen, da wird auch unser Lob oberflächlicher… Zum Abschluss der Reihe hier auf windhauch ein dickes Lob an unseren Schöpfer und Retter: HALLELUJA!
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Psalm 148 – Lobgesang des Universums

Der Psalm ist ein Aufruf an die ganze Schöpfung, Gott zu loben. Und zwar nicht nur die Menschen, sondern an alles, was existiert: Engel und himmlische Wesen, Sonne, Mond und Sterne, der Himmel, Fische und die Tiefen des Meeres, Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Berge, Bäume, Tiere, … und schließlich auch die Menschen: Könige und Richter, Junge und Alte, die Kinder Israels. Was für eine Fülle!

Wobei mir nicht ganz klar ist, warum z.B. Feuer, Hagel, Schnee und Nebel zum Lob Gottes aufgefordert werden und wie das dann aussehen soll?!? Auf jeden Fall wird deutlich, dass unser menschliches Lob eingeschlossen ist in das Lob der ganzen Schöpfung. Wir sind eingebunden in einen gigantischen Lobgesang des ganzen Universums – von der kleinsten Ameise bis zur unvorstellbaren großen Galaxie. Eine Bestimmung der ganzen Schöpfung ist, Gott zu loben. Gott ist auf unser kleines, kümmerliches Menschenlob nicht angewiesen, aber er freut sich, wenn wir diese Bestimmung erfüllen.

Ich vermute ja, dass z.B. die Berge Gott schon dadurch loben, dass sie einfach da sind. Allein durch ihre Existenz bezeugen sie Gottes Größe und seine Schöpfermacht. Und so ist es wohl in allen Bereichen der Schöpfung: Allein die Existenz der Schöpfung lobt Gott. Und das müsste dann ja auch auf ähnliche Weise für uns gelten: Allein schon dadurch, dass wir existieren und dass wir so sind, wie Gott uns gemacht hat, loben wir ihn. Allein schon dadurch, dass ich versuche der zu sein, zu dem Gott mich erschaffen hat, lobt meinen Schöpfer. Das faszinierende am menschlichen Lob ist, dass wir darüber hinaus bewusst über unser Lob nachdenken können, dass wir reflektieren können und dass wir uns deshalb dazu entscheiden können, Gott ganz bewusst zu loben (oder auch ihn nicht zu loben).
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Psalm 147 – Lieblich, die dritte

Zum dritten mal fällt mir jetzt in den Psalmen dieses altmodische Wort „lieblich“ auf. Das erste mal war’s bei Psalm 133,1 (hier ist das einträchtige Beisammensein von Geschwistern „lieblich“) und das zweite mal war’s bei Psalm 135,3 (hier wird Gott selbst als „lieblich“ bezeichnet). Und nun heißt es hier, dass es „lieblich und schön“ ist, Gott zu loben (V.1). Klasse, was da für ein Zusammenhang hergestellt wird: Gott selbst ist lieblich und wenn wir unsere Nächsten lieben (einträchtig mit den Geschwistern zusammenleben) und Gott lieben (ihn loben), dann haben auch wir Anteil an dieser „Lieblichkeit“ Gottes.

D.h. wenn wir mit anderen in Frieden leben und wenn wir Gott loben, dann strahlt darin Gottes eigene Liebe auf, dann kommen wir seinem liebevollen, gnädigen, barmherzigen und herrlichen Wesen näher.
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Psalm 146 – Das Lob leben

Irgendwie ist es schwierig, etwas „über“ einen Lobpsalm zu schreiben. Die einzig richtige Reaktion auf Lob Gottes ist eigentlich, dass man mit einstimmt. Sobald man anfangen will das Lob zu analysieren wird’s irgendwie komisch. Mir geht das so bei diesem Psalm: Da sind so viele tolle Aussagen über Gott und ich denke mir dabei: „Naja, ist ja vielleicht doch etwa übertrieben! Alle Gefangenen macht Gott nicht frei, alle Blinde macht er nicht sehend und auch so mancher niedergeschlagene Gläubige bleibt trotz seines Glaubens niedergeschlagen.“

Aber es geht hier ja nicht um theologisch wohl abgewogene und ausgewogene Aussagen, sondern es geht darum, Gott zu loben. Und da erleben wir immer wieder, dass Gott Gefangene frei macht, Blinde sehen lässt und Niedergeschlagene aufrichtet (auf welche Weise auch immer).

Außerdem ist mir aufgefallen, dass diese Aussagen über Gottes Handeln ja unser menschliches Handeln nicht ausschließen. Gerade weil Gott ein besonderes Herz für Gefangene, Blinde, Niedergeschlage, Arme, Schwache, Fremdlinge, Waisen und Witwen hat, gerade darum sollten auch wir dementsprechend handeln und versuchen, den Armen und Schwachen zu helfen. Wenn ich Gott dafür lobe, dann kann ich nicht im nächsten Augenblick nicht genau anders herum handeln. Insofern schließt das Lob von Gottes Barmherzigkeit auch meine Barmherzigkeit mit ein. Das Loben schließt mein Leben mit ein.
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Psalm 145 – Der Erhabene

Das Psalmbuch schließt mit dem sogenannten kleinen Hallel (Ps. 146-150; wenn es ein kleines Hallel gibt, dann gibt es natürlich auch ein großes: Psalm 111-118) ab. Nachdem vor Ps. 145 einige Bittgebete kamen, leitet Ps. 145 auf die Lobpsalmen des kleinen Hallel über. Es ist ein sorgfältig gestaltetes Loblied auf Gottes Größe und Güte (die Versanfänge folgen dem hebräischen Alphabet). Nach viel Bitte, Klage und Flehen freue ich mich über diese Lobpsalmen zum Abschluss.

Mich hat heute an diesem Psalm die Formulierung gleich zu Beginn beschäftigt: „Ich will dich erheben, mein Gott, du König…“ (V.1) Was soll denn das? Warum will der Beter Gott erheben? Ist er nicht schon großartig und herrlich genug? Können wir Menschen ihn durch unser Gebet und unser Lob noch mehr erheben und groß machen?

Nein, Gott ist groß – unabhängig davon, ob ich ihn lobe oder nicht. Er ist in sich schon der Erhabene. Es geht darum, ob ich diese Größe auch für mich anerkenne. Wenn ich ihn erhebe, dann gebe ich ihm die Stellung, die er verdient. Darum ist unser Lob auch für uns selbst wichtig – weil sie uns und unsere Maßstäbe zurecht rückt. Im Lob wird uns deutlich wer wir sind und wer Gott ist. Das großartige ist ja, dass Gott trotz aller Erhabenheit die Nähe zu uns sucht und gnädig, barmherzig, geduldig und gütig zu uns ist (V.8).
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