Josua 4 Wichtiges und Unwichtiges

Im Studium war ich nie ein großer Fan der Literarkritik und der Untersuchung der Traditionsgeschichte von biblischen Texten. In diesen Schritten der Auslegung wird versucht, ein Text auf unterschiedliche schriftliche und mündliche Quellen zu untersuchen. Das war mir oft zu spekulativ und hat am Ende für die Aussage des Textes wenig ausgetragen. Es gibt aber auch Stellen, an denen ganz offensichtlich verschiedene Überlieferungen zusammen getragen wurden. Da kann es durchaus hilfreich sein, Spannungen im Text mit unterschiedlichen Quellen zu erklären, die vom Autor zusammengestellt wurden.

Im heutigen Text ist das auch deutlich: In V.9 wird berichtet, dass Josua zwölf Steine zur Erinnerung mitten im Jordan aufgestellt hatte und in V.20 heißt es, dass Josua die zwölf Steine aus dem Jordan in Gilgal als Erinnerungszeichen aufgestellt hatte. Auch in V.8 wird berichtet, dass die Israeliten zwölf Steine aus dem Jordan heraus holten und sie ins Lager am Ufer brachten. Ja was denn nun? Wurden die zwölf Steine im Jordan oder am Ufer aufgestellt? Darüber gab es wohl schon damals unterschiedliche Überlieferungen und der Schreiber hat sicherheitshalber beide in den Text aufgenommen.

Nun kann man sich fragen, was die historische Wahrheit ist. Wo waren die Steine tatsächlich? Da kann man nur sagen: wir wissen es nicht. Das ist aber nicht die Schuld einer kritischen Bibelauslegung, sondern der Text selbst legt sich hier ja nicht fest. Auch der Text selbst lässt es offen, bzw. lässt beide Aussagen nebeneinander stehen. Offensichtlich ist es nicht wichtig, wo die Steine waren. Das Entscheidende ist, dass Gott seinem Volk geholfen hat und dass die nachfolgenden Generationen sich an dieses Eingreifen Gottes erinnern sollen. Und so erinnern wir uns noch heute beim Lesen des Textes an dieses Erleben von Gottes Hilfe. Das ist auch die Absicht des Textes: er ist geschrieben, „damit alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist, und den Herrn, euren Gott, fürchten allezeit.“ (V.24)

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