Psalm 147 – Lieblich, die dritte

Zum dritten mal fällt mir jetzt in den Psalmen dieses altmodische Wort „lieblich“ auf. Das erste mal war’s bei Psalm 133,1 (hier ist das einträchtige Beisammensein von Geschwistern „lieblich“) und das zweite mal war’s bei Psalm 135,3 (hier wird Gott selbst als „lieblich“ bezeichnet). Und nun heißt es hier, dass es „lieblich und schön“ ist, Gott zu loben (V.1). Klasse, was da für ein Zusammenhang hergestellt wird: Gott selbst ist lieblich und wenn wir unsere Nächsten lieben (einträchtig mit den Geschwistern zusammenleben) und Gott lieben (ihn loben), dann haben auch wir Anteil an dieser „Lieblichkeit“ Gottes.

D.h. wenn wir mit anderen in Frieden leben und wenn wir Gott loben, dann strahlt darin Gottes eigene Liebe auf, dann kommen wir seinem liebevollen, gnädigen, barmherzigen und herrlichen Wesen näher.
Bibeltext

Psalm 135 – lieblicher Kitsch?

Bin bei diesem Psalm an dem Wort „lieblich“ hängen geblieben: „Lobsinget seinem Namen, denn er ist lieblich!“ (V.3) Dieses ungewöhnliche und so völlig aus der Mode gekommene Wort „lieblich“ ist mir doch vor kurzem schon mal begegnet… Stimmt! In Ps.133,1: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ Und tatsächlich: Nicht nur in der Luther-Übersetzung, sondern auch im Hebräischen steht hier das gleiche Wort. Das Lexikon schlägt folgende Übersetzungen vor: „angenehm, lieblich, hold“. Das Wort hat wohl von der Grundbedeutung her oft mit dem Klang zu tun. Also z.B. angenehme, wohlklingende Musik oder Gesang.

Ich find es faszinierend, dass in so engem Kontext einmal Gott selbst (mit dem Namen ist im AT meist die Sache oder Person selbst gemeint) und dann die gute Gemeinschaft unter uns Menschen als lieblich bezeichnet werden. Das heißt dann doch, dass sich in unserem Zusammenleben etwas von der „Lieblichkeit“ Gottes widerspiegeln sollte. So wie Gott selbst mit sich im reinen ist und sein Name (= sein Wesen) ein Wohlklang ist, so sollte auch unser Miteinander eine angenehme Harmonie ergeben.

Auf diesem Hintergrund klingt für mich dieses Wort „lieblich“ gar nicht mehr so altmodisch, angestaubt und kitschig, sondern richtig cool. 🙂
Bibeltext

Psalm 133 – fein und lieblich

„Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ (V.1) Das gilt nicht nur für leibliche Geschwister, sondern noch viel mehr für das Miteinander unter Christen. Auf meinem eigenen Weg zum Glauben war dieses Miteinander für mich etwas sehr beeindruckendes. Eine Gemeinschaft, die ich in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Eine Gemeinschaft, die mich angezogen und fasziniert hat.

Aber leider ist es – genau wie bei leiblichen Geschwistern – nicht selbstverständlich, dass man sich versteht, dass man einträchtig miteinander leben kann. Auch in diesem Psalm wird diese Eintracht ja eher als etwas besonderes und als ein schöner Glücksfall beschrieben. Um so wichtiger ist es, dass wir uns um dieses Miteinander immer wieder bemühen, dass wir darum kämpfen, dass wir nicht zu schnell aufgeben.

Wobei ja Eintracht nicht heißen muss, dass wir in allem einer Meinung sind und dass wir für jeden die gleichen herzlichen Gefühle haben. Eintracht heißt für mich eher, dass wir unsere Grundüberzeugungen miteinander teilen und dass wir in Not und Schwierigkeiten zusammenstehen. Ich denke unter Christen gibt es – wie in einer Familie – Bindungen, die tiefer gehen als „nur“ eine Freundschaft. Wenn diese Verbundenheit deutlich wird, dann ist’s wahrlich „fein und lieblich“.
Bibeltext