Johannes 13, 31-38 Das neue Gebot

Da ist sie wieder, diese Überforderung, vor die Jesus seine Jünger stellt. Er gibt ihnen eine „neues“ Gebot: sie sollen einander lieben, so wie er sie geliebt hat. Das neue an diesem Gebot ist nicht, dass wir andere lieben sollen (das sagt auch schon das Alte Testament), das Neue ist der Maßstab: „so wie ich euch geliebt habe“. Und gerade das ist die große Herausforderung und ich denke auch Überforderung des christlichen Glaubens. So zu lieben, wie Jesus geliebt hat, das schafft kein Mensch!

Wenn der christliche Glaube alleine eine menschliche Religion wäre, dann müsste man an diesem Anspruch verzweifeln. Wir sollen alle solche eine perfekte und göttliche Liebe haben, wie sie uns Gott selbst in seinem Sohn vorlebt – unmöglich! Das ist nur möglich, wenn nicht wir selbst versuchen, göttlich zu werden, sondern wenn wir versuchen möglichst durchlässig und offen für Gottes Liebe zu werden. Wir können Gottes Licht nicht imitieren, aber wir können möglichst transparent für Gottes Licht werden. Gerade dieses neue Gebot zeigt mir nicht, dass ich mich mehr anstrengen muss, um Jesus ähnlicher zu werden, sondern es zeigt mir meine Angewiesenheit auf Jesus Christus: Ohne dass er seine Liebe in mir und durch mich wirken lässt, funktioniert das alles nicht.

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Johannes 12, 20-36 Jesus sprengt Erwartungen

Komische Reaktion! Da wollen zwei Menschen Jesus sehen (d.h. sie wollen ihn kennen lernen) und Jesus antwortet mit einem nicht ganz einfachen Wort über das Sterben. Er deutet sein eigenes Sterben an und betont, dass dies nötig sei, damit Frucht wachsen kann. Aber auch seine Nachfolger sollen ihr irdisches Leben „hassen“, damit sie das ewige Leben erhalten (V.25). Klingt nicht gerade attraktiv und einladend für die beiden Menschen, die gerade ihr Interesse bekundet haben, Jesus näher kennen zu lernen!

Jesus entspricht nicht den üblichen Erwartungen. Das zeigt sich auch in V.34: Das Volk hat vom Messias ganz andere Vorstellungen. Sie gehen davon aus, dass der Messias nicht sterben wird, sondern in Ewigkeit herrschen will. Auf dem Hintergrund manch alttestamentlicher Stellen ist das auch gar nicht so abwegig (Jes. 9,5-6Hes. 37,25, Ps. 89,37). Aber auch hier antwortet Jesus nicht wie erwartet und klärt die Menschen über ihre falschen Vorstellungen auf, sondern fordert sie einfach auf, dem Licht zu vertrauen. Keine Erklärung, keine logischen Argumente,…

Das liegt wohl auch daran, dass man Jesus erst von Kreuz und Auferstehung her recht verstehen kann. Vorher muss es für die Menschen immer recht schwierig gewesen sein, Jesus wirklich zu verstehen. Aber es warnt auch uns davor, ein allzu genaues und festgelegtes Jesusbild zu haben. Jesus lässt sich nicht in unsere menschlichen und religiösen Schablonen pressen.

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Johannes 8, 12-20 Licht der Welt

Dafür dass Jesus Christus das Licht der Welt ist, tappen wir Christen doch ziemlich häufig im Dunkeln herum. Jesus sagt hier, dass seine Nachfolger nicht in der Finsternis wandeln werden, sondern das Licht des Lebens haben – aber wenn ich mein Leben so anschaue, dann gibt es da genügend Dinge die noch dunkel und unverständlich sind. Es ist als Christ nicht so dass mit Christus alles plötzlich hell und klar ist. Es ist nicht so dass gar keine Fragen und Unsicherheiten mehr da sind.

Aber bei dem Text muss man genau hinschauen, was Jesus eigentlich meint mit „Licht des Lebens“. Es geht hier eben nicht um das Licht der Erkenntnis, so dass uns als Nachfolger alle göttliche und menschliche Erkenntnis mit einem Schlag klar wird. Es geht um das Licht des Lebens. Wer zu Jesus gehört, der gehört auf die Seite des Lebens. Sein Ziel ist nicht die Dunkelheit, sondern das Licht und das Leben. Dabei werden nicht unbedingt alle Fragen beantwortet.

Es ist auch zu beachten, dass Jesus Christus selbst das Licht der Welt ist. Nicht wir haben das Licht als eigenen Besitz und können darüber nach Belieben verfügen. Jesus bleibt das Licht und nur wenn wir in seiner Nachfolge sind, bekommen wir einen Anteil daran. Jesus geht so weit, dass er auch von uns sagen kann: Ihr seid das Licht der Welt (Mt.5,14). Aber das sind wir nicht aus uns selbst heraus, sondern nur, wenn das Licht Jesu durch uns hindurch scheint.

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1. Thessalonicher 5, 1-11 Keiner weiß wann oder wie

Paulus schreibt es hier ausdrücklich: Über das „Wann“ des Kommens Jesu brauchen wir gar nicht erst anfangen zu spekulieren. Das weiß keiner. Der Tag von Jesu Wiederkunft wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Das kann jede Nacht passieren. Es kann jahrzehntelang nicht passieren. Das kann kein Mensch voraussagen. Interessant ist, dass Paulus hier die zwei griechische Grundbegriffe für Zeit benutzt: Chronos und Kairos (V.1). Beide bezeichnen die Zeit unter einem bestimmten Blickwinkel. Chronos meint eher die messbare und chronologisch gleichmäßig ablaufende Zeit. Kairos meint eher einen besonderen, quasi aus der Gleichmäßigkeit der Zeit herausgehobenen Zeitpunkt in der Geschichte. Das heißt unter allen Blickwinkeln der Zeit können wir nicht über die Wiederkunft Jesu spekulieren.

Dieses Bild vom Dieb in der Nacht, das ja von Jesus selbst stammt (Mt.24,43f), kann beängstigend sein. Denn ein Dieb in der Nacht ist ja nicht gerade eine schöne Erfahrung. Man könnte sich mit diesem Vergleich auch verrückt machen und in ständiger Angst leben. Es könnte ja jede Nacht passieren, dass ein Dieb kommt. Wir können es ja nicht wissen und sollen ständig darauf vorbereitet sein. Wenn aber unsere christliche Zukunftshoffnung in solch eine Angst umschlägt, dann läuft etwas schief. Paulus macht das sehr schön deutlich, indem er schreibt, dass die Empfänger ja gerade nicht in der Finsternis sind: „Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.“ (V.5) Wer ein Kind des Lichtes ist, braucht vor dem Dieb in der Nacht keine Angst haben.  Wichtig ist deshalb, ein Kind des Lichtes zu bleiben.

Etwas verwirrend fand ich V.10, wo Paulus im Gegensatz zu den vorigen Ausführungen von Christen schreibt, die wachen oder schlafen. Als Christen sollen wir doch wach und nüchtern sein und gerade nicht schlafen, oder?! Am sinnvollsten ist es wenn man das im größeren Zusammenhang betrachtet und als ein Wortspiel sieht: mit den Schlafenden sind hier die „Entschlafenen“ gemeint – also die Christen, die zum Zeitpunkt des Briefes schon verstorben sind. Das ist im größeren Zusammenhang die Aussageabsicht: Egal ob wir zum Zeitpunkt der Wiederkunft leben oder schon gestorben sind: wir werden mit Jesus Christus leben.

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Lukas 11, 29-36 Augen auf!

Die zweite Hälfte dieses Textes ist eine spannende und erstaunlich differenzierte Auseinandersetzung darüber, wie es in einem Menschen hell werden kann. Oder anders ausgedrückt: warum manche Menschen zum Glauben an Jesus, das Licht der Welt, kommen und manche nicht.

Wenn das Auge „lauter“ ist, dann wird der ganze Leib hell, weil durch das Auge das Licht in den Körper dringt. Das Auge steht für die Wahrnehmungsfähigkeit eines Menschen. Jesus ist in unsere Welt gesandt, um für alle Menschen das Licht des Evangeliums zu bringen. Wir erleben aber bis heute, dass er manche erreicht und manche nicht. Es kommt darauf an, wie die Augen der Menschen beschaffen sind. Es kommt darauf an, was wir von Jesus wahrnehmen und wie wir es wahrnehmen.

Manche verschließen willentlich ihre Augen, weil sie von vornherein nichts von Jesus wissen wollen. Manche können durch schlechte Sehgewohnheiten nur schwer dieses Licht erkennen (weil sie z.B. immer nur damit beschäftigt sind auf sich selbst zu starren). Manche Augen sind vielleicht auch krank und können das Licht deswegen nicht sehen. Wenn ein Mensch Jesus nicht oder nur verzerrt wahrnehmen will (oder kann?!?!) dann bleibt der ganze Mensch finster…

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Lukas 8, 16-18 Zuhören üben

Beim ersten Lesen hab ich mich gefragt, was diese Verse jetzt in diesem Zusammenhang zu suchen haben. Die Aussagen sind ja recht allgemein gehalten, ohne gross gedeutet zu werden. Es ist ja eine Allerweltsweisheit, dass man ein Licht nicht unter die Bank stellt, sondern auf einen Leuchter setzt. Und auch dass dem, dem gegeben ist noch mehr gegeben wird findet sich im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen. Warum also hier?

Die Stuttgarter Erklärungsbibel haben mich auf die Spur gebracht: Auch wenn Jesus nach Lk. 8,9-10 in Gleichnissen redet und diese nicht von allen verstanden werden, so ist es trotzdem seine Absicht, dass viele Menschen seine Lehre verstehen und annehmen (das Licht sehen). Er will keine esoterische Geheimlehre weitergeben, sondern sein Licht leuchten lassen. Allerdings ist es wichtig, genau zuzuhören. Denn wer schon etwas von Jesu Worten verstanden hat, dem wird das weitere Verständnis leichter fallen („wer hat, dem wird gegeben“). Wer sich allerdings gar nicht darum bemüht zu verstehen, dem wird Jesus fremd bleiben.

„So seht nun darauf, wie ihr zuhört.“ Es ist nicht immer einfach Jesus zu verstehen. Manches wird uns ein Leben lang fremd bleiben. Manches werden wir erst in der Ewigkeit verstehen. Aber je genauer wir hinhören, je besser wir das Zuhören einüben, desto mehr von Jesu Licht werden wir sehen.

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1. Johannes 2, 7-11 Hass macht blind

„Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.“ (V.10f)

Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Das ist eine tiefe Wahrheit, die nicht nur in der Gemeinde gilt, sondern darüber hinaus. Hass macht uns blind, er nimmt uns die Orientierung, er lässt uns den Weg verlieren, er verrückt die Maßstäbe, er führt in die Finsternis…

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1. Johannes 1, 5-10 Leben im Licht

Christ sein heißt Leben im Licht Gottes. Das hört sich schön und positiv an, aber es ist gar nicht so einfach. Wer sich ins Licht stellt, der erkennt auch umso deutlicher seine Schattenseiten. Johannes sagt es hier ganz deutlich: Wer denkt, er gehört als Christ auf die Seite des Lichts und damit sind alle Schattenseiten automatisch verschwunden, der irrt sich gewaltig! „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (V.8)

Wenn Christen immer nur vom Licht Gottes, von seiner Schönheit, Reinheit und Herrlichkeit schwärmen und dabei ihr eigenes Versagen und ihre eigenen Fehler nicht entdecken – dann läuft etwas schief! Wenn Christen genau zu wissen meinen, wer im Licht steht (sie selbst) und wer nicht (die anderen) – dann macht mich das misstrauisch. Auch als Christ mache ich Fehler und lebe aus der Vergebung Gottes. Gerade als Christ versuche ich nicht hochmütig zu werden, sondern im Angesicht meiner Schattenseiten werde ich demütig.

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Hesekiel 1, 4-28 Unbeschreiblich schön

Ziemlich seltsam und nicht ganz leicht zu verstehen dieser Text. Hesekiel erzählt von einer Vision der göttlichen Herrlichkeit. Des öfteren taucht das Wort „wie“ auf: etwas aus seiner Vision sieht aus, „wie“ etwas, was wir aus unserer irdischer Welt kennen. Das zeigt schon, dass er etwas sieht, das man eigentlich nicht beschreiben kann, was er vielleicht auch selbst nicht ganz erfassen kann und das man nur durch Vergleiche andeuten kann.

Auffällig ist, dass er erst recht ausführlich eine Art Thronwagen beschreibt: vier Engelgestalten und vier Räder tragen eine Art durchsichtige Himmelsplatte. Dann wird seine Beschreibung knapper: „Darauf sah es aus wie ein Saphir, einem Thron gleich, und auf dem Thron saß einer, der aussah wie ein Mensch.“ (V.26) Dieser Mensch wird nicht weiter beschrieben, sondern in unterschiedlichen Formulierungen umschreibt Hesekiel den herrlichen Lichtglanz, den diese Gestalt umgibt. Der Prophet vermeidet sorgfältig zu sagen, dass er Gottes Angesicht direkt gesehen habe (vgl. Ex 33,20), er sagt nur, dass er die Herrlichkeit, die Gott umgibt gesehen habe.

Ich glaube nicht, dass diese Vision beschreiben soll, wie Gott aussieht, wie wir uns Gott vorstellen können. Hesekiel will sich kein Bild von Gott machen. Im Gegenteil: Er macht deutlich, wie unbeschreiblich schön und herrlich Gott ist. Er übersteigt unsere Wahrnehmung und unsere Vorstellungskraft. Aber schon allein die Ahnung von dieser Herrlichkeit kann ein Menschenleben verändern.

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