Apostelgeschichte 9, 1-9 Der Leib Christi

War mir heute bei diesem Text besonders aufgefallen ist, ist die Antwort Jesu auf die Frage des Saulus: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ (V.5) Genau genommen hat Saulus ja die Anhänger des „neuen Weges“, die Jünger und Jüngerinnen Jesu verfolgt. Aber Jesus ist derartig eng mit seinen Nachfolgern verbunden, dass es keinen Unterschied macht, ob sie oder er verfolgt werden. Vielleicht liegt hier die Ursprungserfahrung für die späteren Ausführungen des Paulus, dass wir als Gemeinde Christi auch der Leib Christi sind (z.B. 1.Kor.12,12f.27).

Christus und wir sind eins. In uns und durch uns lebt Christus auf dieser Welt. In uns und durch uns handelt und leidet er in dieser Welt. Was für eine Ehre!

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Dietrich Bonhoeffer: Gemeinsames Leben

Bonhoeffer zu lesen ist immer wieder faszinierend und herausfordernd. So auch dieses Büchlein über das gemeinsame Leben von Christen. Bonhoeffer hat die ca. 100 Seiten im Herbst 1938 geschrieben. Das Predigerseminar in Finkenwalde, welches er geleitet hatte, wurde 1937 von den Nazis geschlossen. Dort hatte er mit den angehenden Pfarrern ganz konkret gemeinsames Leben gestaltet. In dem Buch möchte Bonhoeffer seine Gedanken und Erfahrungen nun auf andere Weise weitergeben.

Im ersten Kapitel geht es allgemein um christliche Gemeinschaft. Bonhoeffer betont die Wichtigkeit von Gemeinschaft und dass es gar nicht selbstverständlich ist, dass wir Christen Gemeinschaft leben können. Gemeinschaft ist vor allem anderen ein Geschenk. Zwei Grundgedanken des Kapitels sind folgende: „Erstens, christliche Bruderschaft ist kein Ideal, sondern eine göttliche Wirklichkeit. Zweitens, christliche Bruderschaft ist eine pneumatische und nicht eine psychische Wirklichkeit.“ (S. 22) Gemeinschaft ist kein Ideal, das wir durch unsere Bemühungen erreichen müssen, sondern es ist von Gott vorgegebene Realität: wer zu Christus gehört, der gehört damit zum Leib Christi und ist damit automatisch Teil der christlichen Gemeinschaft (ob er es will oder nicht). Wichtig ist aber, dass diese Gemeinschaft nicht auf menschlichen Möglichkeiten (Sympathie, Zuneigung, Gefühlen, …) beruht, sondern es ist eine geistliche Realität: Grundlage ist allein die Zugehörigkeit zu Christus und gestaltet wird diese Gemeinschaft, wenn wir lernen, den anderen mit den Augen Christi zu sehen (als einen Menschen mit Fehlern, Schwächen und Sünden, der aber von Gott geliebt ist und Vergebung erfahren darf).

Das zweite Kapitel heißt „Der gemeinsame Tag“. Dort macht Bonhoeffer konkrete Vorschläge, wie eine regelmäßige gemeinsame Andacht einer Hausgemeinschaft aussehen sollte. Auf jeden Fall gehören für ihn Schriftlesung, Lied und Gebet dazu. Beim Gebet ist Bonhoeffer das gemeinsame Gebet des Psalters besonders wichtig: „Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt.“ (S. 40) Bei der Schriftlesung spricht er sich für eine fortlaufende Lesung von Bibelbüchern aus, so dass man die Schrift in größeren Zusammenhängen kennenlernt. Ziel ist es, dass jeder Christ lernt, selbstständig mit der Schrift umzugehen. Das gemeinsame Singen steht ganz im Dienste des Wortes Gottes und dient der Einordnung in die Gemeinschaft. Aus beiden Gründen soll es daher einstimmig erfolgen. Interessant ist bei Bonhoeffer auch, dass die Tischgemeinschaft ein wichtiger Aspekt des gemeinsamen Tages ist.

Das dritte Kapitel behandelt den einsamen Tag. Programmatisch sagt der Autor dazu: „Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor Gemeinschaft.“ (S. 65) Es gilt aber auch umgekehrt, man nur allein sein kann, wenn man in der Gemeinschaft steht. Herausfordernd fand ich v.a. die Gedanken zur persönlichen Meditationszeit (von vielen heute als „stille Zeit“ bezeichnet). Sehr nüchtern wehrt sich Bonhoeffer hier gegen alle Verklärungen. Es geht hier nicht um besondere geistliche Erlebnisse, sondern um treue Schriftbetrachtung, Gebet und Fürbitte. Es fallen Sätze wie: „Wenn uns die Meditation lange Zeit nichts anderes bedeutete als dies eine, dass wir Gott einen schuldigen Dienst leisten, so wäre das genug.“ (S. 69) Also selbst wenn ich das Gefühl habe es bringt mir gar nichts, soll ich treu weiter machen! In der Fürbitte für die anderen in der Gemeinschaft sieht Bonhoeffer „das Herz alles christlichen Zusammenlebens“ (S. 73). Ohne Fürbitte geht die Gemeinschaft zugrunde, in der Fürbitte können alle persönlichen Spannungen überwunden werden!

Im vierten Kapitel geht es um den Dienst. Auch hier steht zu Beginn eine nüchterne Beobachtung: in jeder Art von Gemeinschaft kommt es früher oder später dazu, dass sich die Menschen gegenseitig beobachten, beurteilen und versuchen einzuordnen (diese Herstellen einer Hackordnung kann unbewusst geschehen und dabei auch sehr fromm aussehen). Dem setzt Bonhoeffer das Dienen gegenüber. Wir sollen nicht über den Anderen richten, sondern ihm dienen. Und zwar nicht nur in oberflächlichen Kleinigkeiten, sondern ganz radikal: Ein Christ „wird bereit sein, den Willen des Nächsten für wichtiger und dringlicher zu halten als den eigenen.“ (S. 81) Besonders gefallen, oder besser gesagt: aufgeschreckt, hat mich folgender Satz: „Die Sünde der Empfindlichkeit, die in der Gemeinschaft so rasch aufblüht, zeigt immer wieder, wieviel falsche Ehrsucht und das heißt doch, wieviel Unglaube noch in der Gemeinschaft lebt.“ (S. 81) Die Sünde der Empfindlichkeit! Oh ja, wie gut kenne ich diese Sünde von anderen, aber auch von mir selbst! Konkret wird der Dienst am Anderen im Zuhören, in der praktischen Hilfsbereitschaft, im Tragen (und Erleiden) des Anderen und im Zuspruch des rechten Wortes zur rechten Zeit (das wir nur sagen können, wenn wir selbst auch harte Vorwürfe und Ermahnungen demütig und dankbar annehmen).

Das abschließende Kapitel behandelt die Beichte und das Abendmahl. Eindrücklich zeigt Bonhoeffer auf, welchen Schatz wir evangelischen Christen verloren haben, indem wir die Beichte gegenüber einem anderen Mitchristen ganz aus unserem praktischen Glaubensleben verbannt haben. Für Bonhoeffer geschieht gerade in der Beichte der Durchbruch zu echter Gemeinschaft und auch der Durchbruch zum Kreuz. Es geht hier um mehr als um psychologisch geschultes Zuhören: „Vor dem Psychologen darf ich nur krank sein, vor dem christlichen Bruder darf ich Sünder sein.“ (S. 100) Gegen alle christliche Heuchelei und Schönfärberei geht es in der Beichte wirklich ans Eingemachte!

Vieles in dem Buch klingt für heutige Ohren sehr extrem und erinnert an einen vergangenen Frömmigkeitsstil. Man darf bei der Lektüre sicher auch nicht die geschichtlichen Hintergründe vergessen, in denen Bonhoeffer eine Zuspitzung der biblischen Botschaft wichtig war. Auch schimmert immer wieder der lutherische Hintergrund des Autors durch. Aber trotzdem und gerade in diesen Zuspitzungen ist das Buch absolut lesenswert. Nicht nur im Bezug auf gemeinsames christliches Leben, sondern auch für den Einzelnen stecken hier genügend Herausforderungen drin! Auch in unserer heutigen Zeit wirkt Bonhoeffers Buch sehr kraftvoll, aktuell und frisch. Ich mag Bonhoeffers Klarheit und Konsequenz. Ich mag auch seine Nüchternheit, die doch niemals trocken und farblos wird.

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Bonhoeffer: Nachfolge (20) – Der Leib Christi

Auf extrem zugespitzte Weise (wieder einmal) betont Bonhoeffer in diesem Kapitel die Realität des Leibes Christi – auch heute. Der „Leib Christi“ ist für ihn kein Sprachbild oder Symbol, um etwas tieferes und dahinter liegendes auszusagen, sondern er ist ganz realistisch (wenn auch nicht stofflich-materiell) der Leib des Auferstandenen Christus. „Wir leben in der vollen Gemeinschaft der leiblichen Gegenwart des verklärten Herrn.“ (S.227) Der Auferstandene ist nicht nur im Geist oder im Glauben oder auf übertragene Weise gegenwärtig, nein er ist – wie zur Zeit der ersten Jünger – leiblich gegenwärtig!

Grundlage für diese Aussagen ist die Fleischwerdung des Sohnes Gottes in Jesus Christus. Gott hat hier nicht nur einen einzelnen besonderen Menschen auserwählt, sondern er hat die menschliche Natur angenommen. „Das heißt: Gott nahm die ganze kranke, sündige menschliche Natur an…“ (S228) Gott benützt eben nicht nur einen besonderen Menschen, um durch ihn sein ewiges Wort hörbar werden zu lassen, sondern wird wirklich ein Teil der menschlichen Natur. Nur so kann er die menschliche Natur erlösen, indem in ihm all unsere Krankheit und Sünde stirbt. Diese Verleiblichung Gottes hört für Bonhoeffer mit Pfingsten nicht auf!

Schon für die ersten Jünger war die Gemeinschaft mit Christus nicht nur eine gedankliche, eine gemeinsame Überzeugung, ein gemeinsamer Glaube, sondern eine leibliche Gemeinschaft. Von Anfang an haben Jesu Nachfolger mit ihm gegessen und gelitten, sie sind ganz konkret mit ihm durch die Lande gezogen. Heute werden wir ein Teil dieses Leibes Christi durch die Sakramente von Taufe und Abendmahl. Auch hier geht es Bonhoeffer nicht um eine symbolische Teilhabe an Christus, sondern eine ganz reale Eingliederung am Leib Christi. „Die Gemeinschaft der Getauften wird zu dem einen Leib, der Christi eigener Leib ist.“ (S. 231) Die Rede vom Leib Christi ist kein Symbol für unsere Gemeinschaft mit Christus und untereinander, sondern sie ist eine reale Gegebenheit.

Bonhoeffer treibt diese reale Vorstellung vom Leib Christi dann noch weiter: die real sichtbare Gemeinschaft der Gemeinde, ja sogar die Kirche ist die Gestalt des Auferstandenen. „Wir sind gewohnt, von der Kirche als von einer Institution zu denken. Es soll aber von der Kirche gedacht werden als von einer leibhaften Person.“ (S. 232) Wobei an dieser Stelle – wohl bewusst – offen bleibt, inwieweit man die sichtbare Institution der Kirche mit der Kirche als Leib Christi gleichsetzen kann.

Auf jeden Fall ist für den Christen die reale und leiblich geteilte Gemeinschaft mit anderen Nachfolgern essentiell. Ohne diese Gemeinschaft geht es nicht: „Es wird keiner ein neuer Mensch, es sei denn in der Gemeinde, durch den Leib Christi. Wer allein ein neuer Mensch werden will, bleibt beim alten. Ein neuer Mensch werden heißt in die Gemeinde kommen, Glied am Leibe Christi werden.“ (S.233) In unserer individualistisch geprägten postmodernen Frömmigkeit sind das ganz schön herausfordernde Worte. Vor allem weil sich Bonhoeffer diese Gemeinschaft sehr konkret und leibhaft vorstellt und nicht nur an ein gemeinsames Bekenntnis von Gleichgesinnten denkt.

In konsequenter Fortführung der Identität von Jesu irdischen Leib und dem Leib der Gemeinde ist es für uns die größte Ehre, wenn wir auch an Jesu Leiden und Verklärung teilhaben dürfen. „Keine größere Herrlichkeit konnte er den Seinen schenken, keine unbegreiflichere Würde kann es für den Christen geben, das dass er ‚für Christus‘ leiden darf.“ (S.236) Das passt so gar nicht in unser bequemes heile Welt Christentum: Bete nicht dass du nicht Verfolgung, Krankheit oder Schmerz leidest, sondern freue dich, wenn du mit Christi leiden darfst! Gerade darin bist du ein Teil seines Leibes!

Ich merke bei diesem Kapitel, wie sehr ich im Denken von der griechischen Philosophie geprägt bin, die streng zwischen Geist und Materie unterscheidet. Alles Materielle ist von vornherein schlecht und das eigentlich göttliche ist das Geistige. Bonhoeffer betont gegen solch eine Vergeistigung des Glaubens seine „Verleiblichung“.

Epheser 4, 11-16 Wachstum und Erbauung

Wieder mal ein sehr dicht formulierter Abschnitt. Paulus spricht vom (heute sogenannten) fünffältigen Dienst: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Diese Zusammenstellung kommt in der Bibel nur an dieser Stelle so vor. Manche wollen aus dieser Stelle das Modell für eine biblische Organisation der Gemeinde sehen, aber meines Erachtens wird damit die Stelle überfrachtet. Paulus will hier keine bestimmte Gemeindestruktur vorgeben, sondern beschreibt beispielhaft, dass verschiedene Gaben in der Gemeinde dem einen Ziel unterstellt sind: den Leib Christi zu erbauen (V.12).

Wir hatten in den letzten Tagen eine Fortbildungsveranstaltung, in welcher der Referent u.a. auf zwei Punkte verwiesen hat, die auch in diesem Text vorkommen. Paulus hat als Zielrichtung für geistliches Wachstum den erwachsenen Menschen vor Augen (V.13). Es geht im Leben eines Christen darum zu wachsen, erwachsen zu werden, kein Kind zu bleiben. Es geht darum, sich nicht mehr von jedem „Wind einer Lehre“ hin- und herwehen zu lassen, sondern immer mehr zu Christus hin zu wachsen. Und wie funktioniert das? Paulus sagt: „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ (V.15) Wahrhaftige Liebe und Ausrichtung auf Christus!

Ein zweiter Punkt war, dass es bei Erbauung nicht in erster Linie um die eigene Erbauung geht. Es geht darum, „dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe“ (V.16). Zentral ist also nicht meine eigene Auferbauung, sondern die Erbauung des Anderen. Gemeinde und Gemeinschaft ist nicht dazu da, dass ich selbst auferbaut, getröstet und gestärkt werde, sondern dass ich selbst andere auferbaue, tröste und stärke. Natürlich: Wenn das alle tun, dann kommt es auch mir selbst zu Gute. Aber wenn alle nur Erbauung von den anderen erwarten, dann funktioniert der Leib Christi nicht.

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Epheser 4, 1-5 Ein Leib, ein Geist, ein Stromzähler

Das Thema Einheit scheint ein Problem in Ephesus gewesen zu sein. Nachdem Paulus schon vorher die Einheit der Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen angesprochen hat (2,11-22), betont er nun im zweiten Teil des Briefes (in welchem die praktischen Konsequenzen für das persönliche Leben der Christen aus den grundlegenden Überlegungen gezogen werden) als erstes die Einigkeit im Geist. Hauptstichworte sind hier die Liebe und der Frieden – aber keine rosarot romantisierte Liebe, sondern erkämpfte Liebe: Wir sollen einander in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen.

Vor einiger Zeit hatten wir mit unserem ökumenischen Arbeitskreis einen Ausflug nach Biberach. Dort steht eine Simultankirche. D.h. eine Kirche, die von zwei unterschiedlichen Konfessionen genutzt wird: Sowohl die ev. als auch die kath. Kirche feiern ihre Gottesdienste darin. Nicht gleichzeitig und miteinander, sondern jeder zu bestimmten Zeiten in sorgfältiger Absprache. Man regelt dort ganz nüchtern und bis ins Detail das Zusammenleben in der gemeinsamen Kirche. Als ein besonders markantes Zeichen dieses friedlichen Nebeneinanders gibt es zwei verschiedene Stromzähler. Je nachdem welche Konfession gerade die Kirche nutzt, wird der ev. oder der kath. Stromzähler eingeschaltet.

Was bedeutet nun Einheit im Geist? Heißt das, dass wir Christen unbedingt wieder einen gemeinsamen Stromzähler brauchen? Brauchen wir eine gemeinsame Organisation, damit die Einheit auch nach außen hin sichtbar wird? Brauchen wir mehr als ein friedliches Nebeneinander? Ich glaube die Frage nach dem gemeinsamen Stromzähler geht am Kern vorbei. Unsere Aufmerksamkeit sollte nicht den verschiedenen Stromzählern gelten, sondern dem gemeinsamen Herrn. An dieser gemeinsamen Blickrichtung auf den einen Herrn wird jetzt schon etwas von der einen himmlischen Gemeinde sichtbar, auch wenn uns auf Erden noch so manches trennt. Und die trennenden Stromzähler müssen wir wohl oder übel in Demut, Sanftmut und Geduld ertragen.

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Epheser 2, 19-22 Gelungene Integration

Zur Zeit wird in Deutschland viel über Integration gesprochen und vor allem die fehlende Integration bemängelt. Der Bibeltext beschreibt gelungene Integration (auf einer ganz anderen Ebene): „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (V.19) Wer auf Jesus vertraut, der gehört zum Volk Gottes, ganz egal woher er kommt und welche Sprache er spricht. In Gottes Haus gibt es keine Gäste und Fremdlinge, sondern nur vollwertige und voll akzeptierte Mitbürger.

Das geniale an der Stelle ist, dass wir als Christen nicht nur in das Volk Gottes integriert sind, sondern dass wir sogar „Gottes Hausgenossen“ sind. Das ist nicht nur Integration auf menschlicher Ebene, sondern Integration auf göttlicher Ebene. Das ganze wird sogar noch gesteigert: Nicht nur wir wohnen in Gottes Haus, sondern Gott wohnt in uns! „Durch ihn [Christus] werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“ Mehr und bessere Integration geht nicht: Wir untereinander und Gott mit uns! Klasse!

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Epheser 2, 14-18 Er ist unser Friede

Schon in der Urchristenheit gab es gewaltige Spannungen zwischen unterschiedlichen Gruppierungen. Vor allem zwischen den Judenchristen und den Heidenchristen. Also zwischen Juden, die Christen geworden waren und Heiden, die Christen geworden waren. Das waren nicht nur Unterschiede in der Kultur oder im Frömmigkeitsstil, sondern auch handfeste theologische Differenzen. Man hat zwar auch hier versucht, eine gemeinsame Linie zu finden, aber so manche Unstimmigkeiten blieben.

Der Epherserbrief betont nun, dass in Christus beide Gruppierungen zu einem Leib zusammengefügt wurden. Wer an Jesus und seinen Kreuzestod für uns glaubt, der ist mit Gott versöhnt. Und wer mit Gott versöhnt ist, der kann nicht in Unfrieden mit seinem Bruder oder seiner Schwester leben. „Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.“ (V.18)

Nun gibt es heute bei uns in Deutschland nur wenige Judenchristen. Aber es gibt eine große konfessionelle Zersplitterung, mit Unterschieden in der Kultur, im Frömmigkeitsstil und auch in der Theologie. Ich würde mich z.B. im Frömmigkeitsstil so mancher charismatischen Gemeinde oder bei der katholischen Kirche nicht wohl fühlen. Ich könnte so manche theologische Aussage aus dem charismatisch-pfingstlerischen Lager sowie aus der katholischen Lehre nicht unterschreiben.

Und doch bleibt das entscheidende Kriterium Christus. Wer durch ihn Frieden mit Gott gefunden hat, der gehört zum Leib Christi. Christus hat uns eins gemacht, trotz gewaltiger Unterschiede.

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1. Korinther 12, 12-27 – Problemfälle

In dem Text vergleicht Paulus die Gemeinde mit einem Leib. Es gibt unterschiedliche Körperteile und gerade in ihrer Unterschiedlichkeit ergeben sie ein Ganzes. Douglass betont, dass Gott das so gewollt hat. Es sind eben nicht alle Menschen gleich (auch wenn sie gleich viel wert sind), sondern sie sollen gerade unterschiedlich sein, damit das Ganze funktioniert.

Was mir heute beim Bibeltext und auch bei Douglass besonders aufgefallen ist, sind die „Problemfälle“ (S.311) in der Gemeinde. Paulus schreibt von wenig „ehrbaren“ Gliedern und sogar von „unanständigen“ Körperteilen am Leib Christi. Müsste man denn nicht die „Unanständigen“ aus der Gemeinde werfen? Die haben doch nichts zu suchen im Leib Christi und das sieht doch bescheuert aus, wenn ausgerechnet in der Gemeinde „unanständiges“ Verhalten abläuft?!?

Paulus betont dagegen, dass Gott den Leib gerade so zusammengefügt hat – auch mit den unanständigen Gliedern. Diese sind nicht zu verachten, sondern im Gegenteil besonders zu ehren. Douglass: „Gott hat den Leib zusammengefügt, und zwar aus starken und schwachen, aus anständigen und weniger anständigen Gliedern. Statt einander zu verurteilen und den anderen ihre Andersartigkeit zum Vorwurf zu machen, ist es vielmehr Auftrag aller Glieder, einander in Liebe zu begegnen und füreinander da zu sein.“ (S.312)

Ist natürlich die Frage, was Paulus unter „unanständig“ versteht. Douglass bringt als Beispiele: Ein langhaariger Mann mit Totenkopftätowierung, eine Punkerin, ein Homosexueller mit Freund, eine Transsexuelle. Sind solche Personen gemeint? Und wie verhält sich das Ganz zum Stichwort „Gemeindezucht“?

Römer 12 – Hingabe braucht Gemeinschaft

Nette Idee von Douglass und Vogt: Heute ist Halbzeitpause. Sie schlagen vor, an diesem Tag durchzuatmen, feiern oder auszuruhen. Für die Unermüdlichen schlagen sie vor, Römer 12 zu lesen, allerdings gibt es dazu keine Kommentare von Douglass, nur den Bibeltext.

Hab mir dieses Kapitel im Römerbrief in der neuen Übertragung von Douglass/Vogt durchgelesen. Nur ein Gedanke dazu: Es geht in diesem Kapitel darum, wie wir leben sollen, wie sich unser Glaube in unserem konkreten Leben auswirken soll. Sehr spannend finde ich dabei, dass Paulus die individuelle Hingabe des Einzelnen eng mit der Gemeinschaft untereinander verknüpft.

Er sprich am Anfang des Kapitels davon, dass der wirkliche Gottesdienst darin besteht, Gott sein ganzes Leben zu schenken, begeistert zu sein und voller Hingabe. Wir sollen uns nicht der Welt anpassen, sondern uns an Gott orientieren. Danach geht es dann gleich um das Miteinander der Christen: Das berühmte Bild von Leib Christi taucht hier auf. Wie es am menschlichen Körper unterschiedliche Körperteile gibt, mit unterschiedlichen Aufgaben und Fähigkeiten, so ist es auch beim „Leib Christi“. Jeder soll sich auf seine Weise einbringen und nicht auf andere herunter schauen.

Für mich bedeutet das, dass mein persönliches Christsein immer auch eine Form von Gemeinschaft und Gemeinde braucht. Meine persönliche Hingabe bringt wenig, wenn sie sich nicht im Miteinander konkretisiert.