Titus 2, 1-10 Leben und Lehre

Das sind Hinweise an Männer, Frauen und Sklaven in der Gemeinde, dass sie ein möglichst gutes moralisches Leben führen sollten (Paulus orientiert sich dabei an den damaligen moralischen Vorstellungen). Interessant ist das Ziel dieser Hinweise. Das Ziel ist nicht, dass sie sich dadurch vor Gott was verdienen könnten, oder dass sie dadurch auf ihrem persönlichen Weg der Heiligung vorankommen – das Ziel ist dass die Botschaft des Evangeliums durch ihre Leben unterstützt wird.

Wer in einer Gemeinde lebt, in welcher Gottes Liebe verkündigt wird und selbst ein liebloses Leben führt, der schadet nicht nur sich selbst und seinen Nächsten, sondern auch der Botschaft von Gottes Liebe. Wir wissen alle, dass wir auch als Christen nicht perfekt sein können und auch nicht müssen – wir leben aus der Vergebung. Aber wir sollten auch wissen, dass wir durch falsches Verhalten sehr viel zerstören können.

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2. Timotheus 1, 12-18 Heilsame Worte

In dem Abschnitt bin ich besonders an dem Ausdruck „heilsame Worte“ hängen geblieben. Gemeint ist damit die Botschaft des Evangeliums. Von der Übersetzung her müsste man eigentlich eher übersetzen „gesunde Worte“, im Sinn von gesunder und korrekter Lehre. So übertragen es auch viele andere Bibelübersetzungen.

Doch von der Sache her gefällt mir Luthers Übersetzung außerordentlich gut: Worte des Evangeliums sind nicht nur für sich selbst genommen gesund und korrekt, sondern sie sind auch heilsam für den, der sie hört. Es geht nicht um eine Lehre, welche im abstrakten Sinn korrekt und gesund ist, sondern um Worte, welche dem Hörer Heil und Rettung vermitteln. Gesund können unsere Worte als Christen nur sein, wenn sie für andere heilsam sind. Wie wirken meine Worte für meine Mitmenschen? Sind es heilsame Worte?

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1. Timotheus 2, 8-15 Die Frau sei still

„Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen. Sie wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung.“ (V.11-15)

Ein paar Hinweise zur Einordnung dieser Aussagen:

  • In der damaligen patriarchalen Welt war es schon revolutionär, dass Frauen überhaupt Zugang zu religiöser Bildung hatten.
  • Der Brief richtet sich an eine bestimmte Gemeinde, die mit Irrlehren zu kämpfen hatte. Auch diese Verse sprechen in diesen Kontext hinein. Wir wissen nicht, ob damit allgemeine Aussagen gemacht werden sollen, oder ob spezielle Irrlehren angesprochen sind.
  • Es gab damals gnostische Traditionen, welche Eva höher schätzten als Adam: Eva wurde die Erkenntnis der Wahrheit zuteil und sie galt als die Mutter von Allem, also als Vorfahre der menschlichen Rasse schlechthin und damit auch des Mannes. Demgegenüber betont der Timotheusbrief, dass Adam zuerst erschaffen wurde.
  • Die Irrlehrer lehnten Heirat und Kindergebären ab (vgl. 1. Tim. 4,3). Demgegenüber betont der Timotheusbrief das als gute Schöpfungsordnung. Selbstverständlich ist damit nicht gemeint, dass eine Frau allein durch die Mutterschaft und unabhängig vom Glauben selig wird – das würde sonst dem ganzen Neuen Testament widersprechen (deswegen auch die Ergänzung: „wenn sie [die Frauen] bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung“).
  • Timotheus selbst hat seinen Glauben von Frauen empfangen: von seiner Großmutter und seiner Mutter (vgl. 2. Tim. 1,5).
  • Wie bei allen biblischen Aussagen müssen wir überprüfen: Wie verhalten sich die Aussagen zum Gesamtzeugnis der Schrift? Und: Wie übertragen wir den Sinn und die Aussageabsicht aus der damaligen Welt und Kultur in unsere heutige Welt und Kultur?

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1. Timotheus 1, 1-11 Das Ziel aller biblischen Lehre

Der Timotheusbriefe sind an einen Gemeindeleiter gerichtet. Das wichtigste Thema ist der Umgang mit Irrlehrern. Gleich zu Beginn stellt der Autor zur Beurteilung folgenden Maßstab auf: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist die Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (V.5) Interessant: es wird hier kein inhaltlicher Maßstab gegeben, sondern es wird nach den Auswirkungen der Lehre gefragt. Statt „Hauptsumme“ kann man auch „Ziel“ übersetzen (griech.: telos).

Welches Ziel erreichen wir mit unserer Verkündigung? Spekulationenen und Verunsicherung, oder Liebe aus reinem Herzen? Das ist natürlich nicht der einzige Maßstab. In den neutestamentlichen Briefen wird oft genug auch inhaltlich zu bestimmten Lehren Stellung genommen. Aber es ist eine übergeordnete Beurteilungsebene. Selbst wenn eine Lehre sich sehr biblisch und fromm anhört – wenn damit keine Liebe erreicht wird, dann sollte man genauer hinschauen…

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