Johannes 21, 20-25 So viele Wege

Jesus geht mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Wege. Petrus geht den Weg des Märtyrers (vgl. V.18f), der Jünger, den Jesus lieb hatte, wird bleiben (V.22), d.h. er wird nicht den vorzeitigen Märtyrertod sterben. Auch wenn es Petrus Auftrag ist, für Jesu Schafe zu sorgen, so bedeutet es doch nicht, dass er über ihre Wege bestimmen könnte. Auch wenn wir die Wege, die Jesus mit uns oder mit anderen geht nicht immer verstehen können, so bleiben es doch Jesu Wege.

Was nehme ich am Ende mit vom Johannesevangelium? Es ist anders als die anderen Evangelien. Es hat in vielem seinen eigenen und ganz besonderen Blickwinkel. Es ist müssig, darüber nachzudenken und zu diskutieren, welche Darstellung „historischer“ ist. Jedes der vier Evangelien hat seine Berechtigung und ist für uns wichtig. Jedes hat einen etwas anderen Blick auf Jesus. Jedes kann uns Gottes Wahrheit näher bringen. Schon diese Vierzahl der Berichte über Jesu Leben, Sterben und Auferstehen, mit all ihren Abweichungen in Details zeigen, dass es der Bibel nicht um einen einheitlichen und neutralen Bericht über Jesus geht. Gott will auch mit uns Lesern einen individuellen und persönlichen Weg gehen. Nicht jeder erlebt Jesus und den Weg des Glaubens völlig gleich. So war es schon damals im Jüngerkreis.

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Hermann Hesse: Narziß und Goldmund

Hesse: Narziß und GoldmundImmer wieder geht es in Hesses Bücher um das eine: um sich selbst, um seine Kämpfe mit sich selbst und der Welt, um die Suche nach dem persönlichen Lebensweg, um ein erfülltes, sinnvolles Leben. Auch die beiden Hauptfiguren mit Namen Narziß und Goldmund sind im Grunde Repräsentanten von verschiedenen Persönlichkeitsanteilen von Hesse selbst. Narziß ist asketische Denker, welcher der sinnlichen Welt entfliehen will und ganz dem Geist dienen will. Goldmund ist der sinnenfreudige und freiheitsliebende Lebemann, der alle Höhen und Tiefen des Lebens voll auskosten will. Die asketische Seite Hesses kann man leicht erkennen, wenn man Fotos von ihm anschaut: eine dürre, hagere Gestalt mit klaren Augen, die hinter die Oberfläche der Welt zu sehen scheinen. Die rebellische Seite Hesses lässt sich in jeder Biographie nachlesen: schon von klein auf will er sich nicht ein- und unterordnen lassen und hat seine Lust an der Schönheit der Welt. Hermann Hesse: Narziß und Goldmund weiterlesen

Hermann Hesse: Siddhartha

Siddhartha ist für mich persönlich ein wichtiges Buch. Das erste mal habe ich es als Jugendlicher gelesen und damals war es eine wichtige Stufe auf meinem persönlichen Lebensweg. Wie so viele Jugendliche war ich auf der Suche – auf der Suche nach Halt, nach Sinn, nach Leben. Hesses Buch hat mich deswegen so bewegt, weil man in diesem Buch spürt, dass auch der Autor auf der Suche ist und er sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt. Hermann Hesse: Siddhartha weiterlesen

Benedict Wells: Spinner

Der zweite Roman von Benedict Wells. Seinen ersten, Becks letzter Sommer, fand ich sehr gut. Es wirkt mit einer erstaunlichen Leichtigkeit geschrieben zu sein und hat viele ungewöhnliche Charaktere. Dieses zweite Buch scheint ein sehr persönliches Buch zu sein. Die Hauptfigur ist Jesper Liers, der sich als Schriftsteller versucht, aber – zumindest für die Zeit der Romanhandlung – daran scheitert. Wie Benedict Wells wächst er in Münschen auf und zieht nach Berlin. Wie sein Erschaffer versucht er nicht zu studieren, sondern Schriftsteller zu werden.

Ich denke, der Autor verarbeitet in diesem Roman viele seiner Ängste und Schwierigkeiten als angehender Schriftsteller. Das zeigt sich auch in der langen Entstehungszeit dieses Romans. Wells hat ihn 2003 mit 19 Jahren angefangen, erschienen ist er 2009. Also genau in den Jahren, in denen bei Wells selbst die Entscheidung für seinen Weg als Schriftsteller gefallen ist.

Jesper Liers ist ziemlich am Ende. Er zog nach der Schule nach Berlin und spielt sich selbst und anderen die Rolle des verkannten Genies vor, der an einem wirklich großen Roman arbeitet. Studieren tut er nur zum Schein, die ganze etablierte Welt um sich herum verachtet er und seine ganzen Hoffnungen hängen an seinem großen Romanwerk, das er nachts, am Ende nur noch mit Hilfe von Alkohol und Schlaftabletten zu Ende bringt. Das einzig große an dem Roman ist allerdings der Umfang: über 1500 Seiten…

Freunde hat er so gut wie keine, nur der schwule Gustav und Frank einen ehemaligen Klassenkameraden, der ziemlich verunsichert ist und wenig Selbstvertrauen hat. Jesper träumt von der großen Liebe, doch die Realität sieht erbärmlich anders aus. Im Lauf des Romans steuert er immer deutlicher auf die große Katastrophe zu. Wie es ausgeht erwähn ich hier nicht, … selbst lesen!

Wie im ersten Roman geht es um ziemlich ungewöhnliche und herunter gekommene Typen. Vom Stil her schlägt Wells einen ähnlich lockeren und flüssigen Ton an. Die Stimmung ist noch etwas düsterer.

Mir persönlich hat „Becks letzter Sommer“ besser gefallen. Aber auch diesen Roman hab ich gern gelesen. Erst im Nachhinein wurde mir deutlich, wie persönlich dieser Roman ist. Es ist ein Roman über das Erwachsen werden, über das Finden des richtigen Weges, über das Verlieren von Träumen und die Angst vor den Festlegungen der Realität. Aber letztendlich auch um den Mut, sich der Realität zu stellen und Entscheidungen für sein Leben zu treffen. Man kann nicht immer nur in seiner Traumwelt leben und vor dem wirklichen Leben fliehen.

Psalm 86 – Weise mir deinen Weg

Dem Beter geht es dreckig: „Ich elend und arm“ (V.1). Und was tut er? Er schaut auf den großen, guten und gnädigen Gott. Durch den ganzen Psalm hindurch unterbricht er immer wieder seine Bitten und hält sich Gottes Wesen vor Augen (V.5.8.10.15). Und schon bevor sein Gebet erhört wurde, dankt er Gott dafür, dass er ihn aus Todesgefahr erettet hat: „Du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.“ (V.13)

Starke Sache! Nicht im Selbstmitleid versinken, oder nur über die böse Welt und die bösen Menschen schimpfen… Nein, auf Gott schauen. Sich klar machen, dass er stärker ist als all mein Elend. Darauf vertrauen, dass er hilft. Und zugleich wissen: Ich darf mit meinem Elend und mit meiner Bitte zu ihm kommen.

Zu Vers 11 noch ein schönes Erlebnis: „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ Ich war zu Besuch bei einer älteren Dame und sie berichtete aus ihrem Leben. Voller Begeisterung erzählte sie von einem bestimmten Ort und ich fragte: „Da war es schön? Da hat es ihnen gefallen, oder?“ Ein ganz kurzen Augenblick schaute sie etwas verwundert und meinte dann nur: „Der Herr hat mich dorthin geführt!“

Und mir wurde mit einem Schlag klar: Sie hat ihr Leben nicht an der Frage ausgerichtet, was ihr gefällt, was schön und was angenehm ist, sondern an der Frage, wo Gott sie hinführt. Das tolle bei dieser Frau ist, dass sie trotzdem (oder besser gesagt: gerade deswegen!!!) ein erfülltes, schönes, zufriedenes Leben hatte und auch jetzt im hohen Alter ist sie einfach fröhlich und zufrieden.
Bibeltext

Den Weg verloren

„Hast du manchmal auch das Gefühl, dass du den Weg verloren hast?“ Ja, das hab ich. Und es ist nicht nur ein Gefühl. Es gibt keinen Weg mehr. Nur noch Nebel. Augen zu und durch?!?

Lange Zeit hab ich Ziele vor Augen gehabt. Es war mir nicht in allem klar, welche Wege Gott mit mir geht.Aber ich hatte das Gefühl, auf ein Ziel zuzugehen. Jetzt müsste ich eigentlich kurz davor stehen – aber ich kann nichts mehr entdecken. Es ist als ob Gott mich in einem großen Haus durch viele verwinkelte Gänge geführt hat, die Treppen hoch und runter,… und schließlich in ein Zimmer. Ein leeres dunkles Zimmer. Dann hat er sich umgedreht, ist gegangen und hat die Tür hinter sich zu gemacht. Was soll ich jetzt hier? Ich hab gedacht, dass Gott mich für irgendwas und irgendwie gebrauchen könnte. Aber ich kann nichts sehen. Keine Ergebnisse, keine Erfolge, nichts bleibendes. Nur ein „sich durch wursteln“.

Nüchtern betrachtet könnte man das als Midlife-Crisis diagnostizieren. Die Zeit der Begeisterung und großen Träume ist vorbei, man hat vieles erreicht (ohne doch so richtig das „Eigentliche“ erreicht zu haben). Familie, Frau, Kinder, Beruf,… Man lebt vor sich hin, könnte eigentlich glücklich sein – ist es aber nicht. Man blickt auf die Hälfte des Weges zurück und fragt sich, wo man eigentlich hin wollte. Man fragt sich: Ist das das große Ziel – glücklich sein? Und wenn man glücklich ist, ist das Ziel dann, noch glücklicher zu werden?

Um nicht zu verzweifeln, versucht man sich abzulenken. Zerstreuung. Medien. Sich verlieren in den endlosen Weiten des Netztes. Selbstgemachter Stress. Die kleinen harmlosen und weniger harmlosen Süchte eines Durchschnittsbürgers. Nur nicht wirklich zur Ruhe kommen. Die alltäglichen kleinen Sorgen und Probleme („verdammt, an dieser Tankstelle wäre das Diesel zwei Cent günstiger gewesen…“), die einen von den wirklich großen Fragen fernhalten. Man lässt sich einreden, dass man dies oder jenes noch braucht, um glücklicher zu sein – man macht sich auf die Jagd und freut sich kurz über eingefangene Seifenblasen, die dann doch alle wieder zerplatzen.

Naja, wie auch immer. Wär schön, wenn Gott das Licht wieder anknipsen würde und ich wenigstens eine kleine Ahnung über die weitere Richtung des Wegs bekommen könnte…