Johannes 8, 48-59 Glaube oder Unglaube

Noch immer geht es um Jesu Anspruch. Noch immer verstehen die Zuhörer nicht richtig, bzw. wollen sie nicht richtig verstehen. Erst am Ende des Abschnittes kommt dann eine Aussage Jesu, die auch für seine Gegner unmissverständlich ist: „Ehe Abraham wurde, bin ich.“ (V.58) Das ist nun eine deutliche Aussage, dass Jesus in sich mehr sieht, als einen menschlichen Propheten. Er gebraucht für sich die Gottesaussage: „Ich bin“ (vgl. Ex. 3,14). Dass die Zuhörer das nun verstanden haben, wird an ihrer Reaktion deutlich: Sie wollen Jesus wegen dieses Anspruches, der in ihren Ohren eine deutliche Gotteslästerung ist, steinigen (V.59).

Ich kann dieses Unverständnis der damaligen Zuhörer recht gut nachvollziehen. Ich würde nicht auf die Idee kommen jemand zu steinigen. Aber wenn mir heute jemand begegnen würde und behaupten würde, er wäre Gott, dann wäre ich auch misstrauisch. Johannes spitzt in seinem Evangelium die Frage nach Jesus zu. Für ihn gibt es nur zwei Alternativen: Glaube oder Unglaube. Das spiegelt sicher die Zeit der Entstehung des Evangeliums wider, in welcher es wohl harte Auseinandersetzungen mit Gegnern des Christentums gab. Mir persönlich geht es im Glauben häufiger so wie dem Vater, der von Jesus erhofft, dass er sein krankes Kind heilt: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk.9,24)

| Bibeltext |

Matthäus 12, 31-32 – Sünde gegen den Heiligen Geist

Mmh, hab jetzt unterschiedliche Kommentare und Meinungen zu dieser Stelle überflogen und bin genau so ratlos wie zuvor. Da gibt es die unterschiedlichsten Auslegungen. Manche sagen, das kann nur Nichtchristen betreffen, manche sagen, es kann nur Christen betreffen. Manche sagen, dass das heute gar nicht mehr geht, andere behaupten das Gegenteil. Manche sagen, Jesus verurteilt damit die Pharisäer, die seine geisterfüllten Taten von Dämonenaustreibungen als satanisch bezeichnen, andere sagen, dass er gerade nicht verurteilt, sondern solche Lästerung gegen den Menschensohn als vergebbar darstellt. Die meisten sagen, dass es nur eine Sünde betreffen kann die bewusst und willentlich getan wird, aber manche denken auch an eine unbewusste Sünde. Seltsam, dass die Bibel hier von einer besonders schlimmen Sünde spricht, die im Gegensatz zu allen anderen Sünden nicht vergeben werden kann und dann aber nicht so richtig deutlich wird, was eigentlich gemeint ist.

So und jetzt die einzig wahre und richtige Auslegung: … – nee, die kann ich natürlich auch nicht geben. Ich weiß es ganz einfach nicht, was Jesus hier genau meint und warum das so in unserer Bibel steht.

Interessant und bedenkenswert finde ich aber auf jeden Fall die Argumentation von Gehard Maier in der Edition C. Er stellt die Stelle in den Zusammenhang des Alten Testaments. Auch dort wird z.B. in Psalm 103,3 gesagt, dass Gott alle unsere Sünde vergeben kann. Aber auch im AT gebe es eine Grenzlinie: Nach 3. Mo. 24,16 kann die Lästerung Gottes nicht vergeben werden (wobei das in 3. Mo. so nicht dasteht: Dort wird gesagt, dass jemand der Gott lästert, des Todes sterben muss – aber da gibt es im AT ja noch andere Sünden, für die die Todesstrafe gefordert wird). Jesus sagt nun den Pharisäern, dass die Lästerung gegen ihn als den Menschensohn vergebbar ist, weil er bis zu seinem endgültigen Kommen in Herrlichkeit verborgen ist und darum missdeutet werden kann. Wer aber vom Heiligen Geist erleuchtet ist und den Geist dann bewusst lästert, dem kann nicht vergeben werden.

Wie in der Klammer oben angedeutet finde ich auch diese Auslegung nicht wasserdicht. Was mir aber dabei gefällt ist die Blickrichtung mit der Jesus diese Warnung ausspricht. Nach Maier geht Jesus nicht von einem alles vergebenden Gott aus und schränkt dann diese Vergebungsbereitschaft ein, sondern er geht davon aus, dass die Lästerung gegen Gott grundsätzlich nicht vergeben werden kann und er weitet diese Vergebungsbereitschaft aber aus (Vergebung gibt auch für diejenigen, die Jesus lästern).

Für mich bleibt diese Stelle letztendlich aber geheimnisvoll. Ich halte für mich fest: Es gibt auch bei Gottes Vergebung irgendwo eine Grenze. Er ist die grenzenlose Liebe, aber gerade deswegen muss er allem, was dieser Liebe widerspricht irgendwo eine Grenze setzen. Und ich für mich auch fest, dass wir uns keinen all zu großen Kopf darum machen sollten, wer denn wann oder wie evtl. diese Grenze überschritten hat. Wenn das so wichtig für uns wäre, dann hätte Jesus diese Grenze genauer definiert.