Hermann Hesse: Roßhalde

Wie der Roman „Gertrud“ wieder ein Buch, das vor allem für Hesse selbst wichtig ist. Er spielt hier in Gedanken seine eigene gescheiterte Ehe durch und kommt zu der Konsequenz, dass er sich um der Kunst willen von seiner Familie befreien muss – was er dann einige Jahre später auch tut.

In dem Roman geht es um den Maler Veraguth, der auf dem schönen Anwesen Roßhalde mit seiner Frau und ihrem jüngsten Sohn Pierre lebt. Aber eigentlich leben sie gar nicht mehr zusammen: der Maler arbeitet und schläft in seinem Atelier, welches sich ein Stück entfernt vom Haupthaus befindet. Das einzige was die Eheleute noch zusammen hält, ist der von beiden sehr geliebte Sohn Pierre. Veraguth liebt ihn über alles und kann sich nicht dazu durchringen, seine Frau zu verlassen, weil er damit auch seinen Sohn verlieren würde. Hermann Hesse: Roßhalde weiterlesen

Hermann Hesse: Gertrud

Parallel zu Hesses Romanen lese ich gerade die Hesse-Biographie von Gunnar Decker. Darin wird deutlich, dass die Romane Gertrud und Roßhalde aus einer Übergangszeit von Hermann Hesse stammen. Er hatte mit Peter Camenzind einen großen Erfolg, mit dem darauffolgenden Roman „Unterm Rad“ verarbeitete Hesse seine Jugendzeit. Inzwischen hat er eigentlich sein großes Ziel erreicht: er ist Schriftsteller und kann von seine Einkünften leben. Recht gut sogar. Er hat geheiratet, hat Kinder bekommen, hat sich in Gaienhofen am Bodensee ein ansehnliches Haus gebaut. Er hat eigentlich die Krisen seiner Jugendzeit und des beruflichen Anfangs hinter sich – aber genau das macht ihm zu schaffen. Hermann Hesse: Gertrud weiterlesen

Exodus 31 Die Gabe der künstlerischen Gestaltung

Das gefällt mir irgendwie: zum Abschluss der Bestimmungen zum Wüstenheiligtum wird betont, dass Gott die Handwerker „erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit aller Geschicklichkeit, kunstreich zu arbeiten…“ (V.4f). Es geht nicht nur um Zahlen, genaue Angaben und stumpfsinnige Erfüllung von Gottes Vorgaben, sondern es geht um künstlerische Gestaltung in der Kraft des Geistes Gottes. Es geht nicht nur um Funktion, sondern auch um Schönheit.

Gott gibt nicht nur den Auftrag für die Stiftshütte, sondern er gibt auch die Gaben, diese Aufgaben auszuführen. Davon dürfen wir auch heute ausgehen: Wenn Gott uns eine Aufgabe gibt, dann schenkt er uns auch die Fähigkeiten, diese Aufgabe zu erfüllen.

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Psalm 104 – Wahre Schönheit

Der Psalm ist ein eindrucksvolles Loblied auf Gott den Schöpfer. Zwei Aussagen sind mir dabei besonders aufgefallen: Zum einen spricht der Psalm von Gottes Schönheit: „Du bist schön und prächtig geschmückt.“ (V.1) Das ist eine Dimension Gottes, über die wir uns normalerweise wenig Gedanken machen: Gott ist schön. Nicht im heutigen, flachen Sinn von „gut aussehend“ oder „sexy“, sondern schön in einem ganz umfassenden Sinn. Wir können Gott nicht sehen und somit auch nicht sein Aussehen beurteilen. Aber der Psalm sagt, dass Gott von seinem Wesen her schön ist. Es geht dabei nicht um irgendeinen oberflächlichen Topmodell-Contest, bei dem es auf eine schöne Fassade ankommt. Es geht nicht um Schönheit, die unseren Augen gefällt, sondern Schönheit, die unsere Herzen berührt.

Ich denke, wenn wir Menschen in unserer Welt etwas Schönes entdecken, dann spiegelt sich darin auch etwas von der Schönheit des Schöpfers wieder. Insofern haben die „schönen Künste“ sehr viel mit Gott zu tun. So mancher Künstler hat eine tiefe Sehnsucht nach dem Schönen und ist sich vielleicht gar nicht bewusst, dass dahinter eine Sehnsucht nach Gott stehen könnte. Durch alle Jahrhunderte hindurch haben Menschen immer wieder gemerkt, dass etwas wahrhaft Schönes unsere normale, irdische Welt transzendiert und übersteigt. Natürlich sollte Kirche nicht zum Kunstverein verkommen und sich nur noch um kulturelle Programme drehen. Aber wir brauchen auch keine Angst vor der Schönheit der Kunst haben – richtig verstanden öffnet sie einen Zugang zur Schönheit Gottes.

Das andere Bild, das mich berührt steht in V.3: „Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes.“ Gott als Wolkenreiter. So wie manche Menschen auf Wasserwellen reiten und surfen, so surft Gott auf den Wolken und Winden. Ein starkes Bild, ein schönes Bild, ein Bild, das mich schmunzeln lässt. Aber nicht weil es lächerlich ist, sondern weil es für mich etwas ausdrückt von der Freude Gottes an seiner Schöpfung.

Interessant ist übrigens, dass diese Vorstellung aus anderen Religionen geklaut ist: Im kanaanäischen Umfeld des Volkes Israel wurde der Himmelsgott Baal auch als „Wolkenreiter“ bezeichnet. Das Alte Testament grenzt sich immer wieder sehr scharf gegenüber anderen Gottesvorstellungen ab – und doch greift es immer wieder auch andere Vorstellungen auf und überträgt sie auf den eigenen Gott. Nach dem Motto: „Ihr redet von Baal als dem Wolkenreiter, aber eigentlich gibt es nur einen Wolkenreiter: unseren Gott Jahwe.“ Ich mag diese Unbekümmertheit, mit der hier fremde Gottesbezeichnungen einfach auf den Gott der Bibel übertragen werden. Manche ängstliche Christen schreien ja gleich bei allem, was mit anderen Göttern und Religionen zu tun hat: „Vorsicht okkult! Alles ganz Böse!“ Aber die Bibel geht hier nicht nur den Weg der Abgrenzung, sondern auch den Weg der Einverleibung und Neudeutung.
Bibeltext

Die Kraft der Schönheit

In dem Buch Chasing Francis (vgl. zu dem Buch diesen Artikel) ging es unter anderem darum, dass es für uns Christen wichtig ist, die Kunst und die Schönheit der Schöpfung wieder neu zu entdecken. Franziskus hat die Schönheit der Schöpfung immer als einen Hinweis auf den Schöpfer selbst gesehen und sich darüber gefreut. So können auch wir heute mit der Schönheit der Kunst auf den verweisen, der schöner und herrlicher ist als alle irdische Schönheit.

Während ich diese Gedanken gelesen habe, hörte ich nebenher einige Lieder von Amos Lee. Das hört man ja normalerweise dann nicht bewusst, sondern nur so im Hintergrund. Aber plötzlich musste ich bei einer Liedzeile aufhören: „And nothing is more powerful than beauty in a wicked world.“ Nichts ist stärker als Schönheit in einer bösen Welt. Dieser Satz – verbunden mit dem was ich gerade gelesen hatte – hat mich voll getroffen! Ja, wir brauchen die Schönheit der Kunst, wir brauchen Kreativität, wir brauchen Phantasie, wir brauchen das Staunen über die Schönheit der Schöpfung – und nicht nur das trockene und nüchterne Wort der Predigt.