Römer 15, 7-13: Eine unmögliche Möglichkeit

Paulus kommt hier zum Abschluss seiner Gedanken zu den Starken und Schwachen im Glauben. Er spricht hier von Juden(christen) und Heiden(christen), was darauf hindeuten könnte, dass die Spannungen zwischen Starken und Schwachen ihren Ursprung im Miteinander von Heidenchristen und Judenchristen hatten. Zugleich verweist Paulus damit an den Beginn seines Briefes in 1,16: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, welche Juden und Griechen (= Heiden) selig macht.

Diese grundsätzliche Aussage ist auch heute noch eine große Herausforderung für uns: Einander so annehmen, wie Christus uns angenommen hat. Andererseits ist sie eigentlich selbstverständlich. Wie könnte jemand, der die Annahme Christi und die Kraft des Evangeliums selbst erlebt und erfahren hat, den Bruder oder die Schwester, die dasselbe erleben durften, nicht annehmen? Wie sollte jemand, der die Liebe Christi erfahren hat, sich weigern in dieser Liebe auch anderen zu begegnen? Eigentlich eine unmögliche Möglichkeit – und doch geschieht gerade das viel zu oft…

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Römer 1, 16-17: Kraftvoll glauben

Diese zwei Verse sind so etwas wie die thematischer Überschrift über den Römerbrief. Hier sagt Paulus in Kurzform, was ihm wichtig ist. Ein Schlüsselbegriff ist die „Gerechtigkeit Gottes“. Für uns Westeuropäer, die wir immer noch stark von der griechisch-römischen Kultur und Denkweise geprägt sind, ist dieser Begriff gar nicht so einfach zu verstehen. Paulus versteht ihn von seinem jüdischen Hintergrund her anders, als wir das tun.

Für uns ist Gerechtigkeit Gottes eher eine Eigenschaft Gottes und wir verstehen unter Gerechtigkeit eher eine neutrale und ausgleichende Gerechtigkeit. Vom Alten Testament her ist damit aber mehr gemeint. Gottes Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass er quasi wie justitia mit verbundenen Augen alleine die Taten eines Menschen beurteilt und dann straft oder belohnt. Gerechtigkeit im alttestamentlichen Sinn ist eher ein Beziehungsbegriff. Gerecht verhält sich jemand, der den Ansprüchen einer Beziehung gegenüber gerecht wird. Manche Ausleger übersetzen den Begriff darum auch mit Gemeinschaftstreue. Wenn Gott gerecht ist, dann heisst das, dass er uns Menschen gegenüber treu bleibt. Insofern hat Luther recht, wenn er sagt, dass Gerechtigkeit Gottes nicht zuerst eine Forderung an uns ist, diese Gerechtigkeit zu erfüllen, sondern eine Zusage Gottes, dass er uns gerecht macht.

Diese Gemeinschaftstreue Gottes erlangen wir nicht durch unser gerechtes Handeln, sondern durch Glauben, oder anders übersetzt durch Vertrauen. Wenn wir auf Gott vertrauen, dann bleiben wir in seiner Gemeinschaftstreue. Dabei ist Glaube nicht als Voraussetzung zu verstehen, sondern einfach nur die Art und Weise, wie wir in Gemeinschaft mit Gott leben.

Ein anderer Begriff, der mich in diesem Abschnitt besonders anspricht ist das Stichwort „Kraft“. Im Griechischen steht hier das Wort „dynamis“ – da kommt unser deutsches Wort Dynamit her. Das Evangelium ist für Paulus nicht nur eine theologisch-philosophische Denkübung, sondern eine lebensverändernde Kraft. Und zwar eine gewaltige Kraft – Dynamit bewirkt mehr als einen leisen Knall, es hat die Kraft, einiges weg zu sprengen.  Ich frage mich so manches mal, wo diese Kraft Gottes in unserem heutigen Christentum bleibt. Da scheint vieles so sanft, bequem und lustlos geworden zu sein. Da schliesse ich mich ausdrücklich an erster Stelle mit ein. Ein bisschen mehr „Dynamit“ würde mir ganz gut tun.

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2. Timotheus 1, 6-11 Kraft zum Leiden

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (V.7) Schön! Ermutigend! Tröstend! Aber es ist auch ganz gut mal anzuschauen, wie dieser beliebte Vers fortgesetzt wird. Wozu hat uns Gott diesen Geist der Kraft gegeben? Um siegreich und triumphierend durchs Leben zu ziehen?

Nein. Paulus setzt diesen Gedanken folgendermaßen fort: „…sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“ (V.8) Gott schenkt uns nicht einen Geist der Kraft, der alle Probleme mit links aus dem Weg räumt oder der uns dazu verhilft, im Sinne eines Wohlstandsevangliums, materiell reich gesegnet durchs Leben zu spazieren. Nein. Gott schenkt uns den Geist der Kraft, damit wir leiden können. Kein Selbstmitleid, sondern Leiden um des Evangeliums willen.

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Exodus 17, 8-16 Selbst kämpfen oder Gott kämpfen lassen?

Gott kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise eingreifen und helfen. Am Schilfmeer mussten die Israeliten nur fliehen und nicht kämpfen. Gott selbst schlug das übermächtige Heer der Ägypter: „Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“ (Ex.14,14) Jetzt, beim Kampf gegen die Amalekiter sind die Israeliten selbst zum Kampf aufgefordert. Es bleibt aber auch hier klar, wer allein den Sieg schenkt: Mose betet segnend für sein Volk und solange seine Hände erhoben sind, behält Israel die Oberhand, wenn er sie sinken lässt wird Amalek stärker. Auch hier hängt alle von Gott ab.

Vom neuen Testament her gibt es für uns keine heiligen Kriege gegen andere Völker mehr. Aber auch wir leben in einer Welt, in der wir immer wieder in Kämpfe verwickelt sind. Seien es persönliche Kämpfe, z.B. gegen schlechte Angewohnheiten oder gegen Ängste, seien es Kämpfe um Frieden und Gerechtigkeit in Familie, Freundeskreis oder Gemeinde, sei es der Kampf um andere Menschen, die verzweifeln, leiden oder ihr Leben ohne Gott führen.

All diese Kämpfe können wir nur mit Gott bestehen. An Gottes Segen ist alles gelegen. Aber wichtig kann auch sein zu unterscheiden, wann wir selbst stille sein sollen und Gott allein für uns kämpfen lassen oder wann wir auch selbst in der Kraft Gottes kämpfen sollen. Beides kann richtig sein: selbst kämpfen oder still sein und Gott kämpfen lassen. Gott gebe uns die Weisheit zu entscheiden, was in unserem Leben gerade dran ist.

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Psalm 77 – Starke Worte

Wow! Ganz schön provozierend dieser Psalm! Mit ziemlich starken Worten klagt der Beter Gott an. Aber mit starken Worten findet er dann zum Lob Gottes. Das klingt auf der einen Seite ganz schön vorwurfsvoll und verbittert: „Hat Gott vergessen, gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen? Ich sprach: Darunter leide ich, daß die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.“ (V.10f)

Auf der anderen Seite preist der Beter dann recht unvermittelt Gott: „Gott, dein Weg ist heilig. Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist? Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.“ (V.14f) Und auch in V.17-21 wird Gottes einmalige und wunderbare Größe und Macht beschrieben.

Das ist doch sehr interessant: Der Beter sieht nichts von Gottes Macht und Eingreifen. Er verzweifelt, weil Gott scheinbar vergessen hat, gnädig zu sein. Und was tut er dann? Er preist Gottes Macht. Er lobt Gott genau für das, was er selbst gerade an ihm vermisst, was er nicht an ihm sieht. Starke Sache, wie er da mit seinen Problemen umgeht: Von starken Worten der Klage hin zu starken Worten des Lobes.
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Wie ein Drache im Windhauch

Drache im WindNoch ein Foto von unserer weihnachtlichen Drachensteigaktion. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatten wir wunderschönen Sonnenschein und genug (eisig kalten) Wind, um einen Drachen steigen zu lassen.

So wie dieser Drache möchte ich auch gern sein: Mich tragen lassen vom Windhauch Gottes. Fliegen, ohne selbst verzweifelt und angestrengt mit den Flügeln schlagen zu müssen. Sich einfach in Gottes Wind hineinlegen und abheben…