1. Korinther 15, 14-44 – Ein armseliger Same

Was mir heute bei diesem Text ganz neu aufgefallen ist, ist die Andersartigkeit und Herrlichkeit mit der Paulus die leibliche Auferstehung beschreibt. Er sagt, dass nicht einfach der bestehende Leib wieder hergestellt wird, sondern dass der Leib in einer neuen Gestalt wieder auferstehen wird.

Der Vergleich den er bringt macht das sehr schön deutlich: Es ist wie bei einem Samenkorn das man einpflanzt, das stirbt und das dann in neuer Gestalt wieder lebendigt wird. Man kann aus dem Samenkorn kaum ablesen, wie die Pflanze später einmal aussehen wird. Sie wird viel herrlicher und schöner sein, als so ein einzelnes Samenkorn. Und doch entsteht das Neue gerade aus diesem Samenkorn und ist irgendwie immer noch identisch mit ihm. Der Vergleich macht auch deutlich, warum die Jünger damals solche Schwierigkeiten hatten, den auferstandenen Jesus wieder zu erkennen. Es war derselbe und doch irgendwie ganz anders.

So wie bei einem Samenkorn wird es mit der Auferstehung sein: „Man säht etwas Armseliges – und es entsteht etwas ungeheuer Kraftvolles.“ (V.43 nach der Übersetzung von Fabian Vogt). Ich finde Gott hat schon unsere irdischen Körper ziemlich genial gemacht, wie genial wird es dann erst man im Himmel sein!

1. Korinther 7, 29-31 – Ein Apfelbäumchen

ApfelbäumchenMhm… bei diesem Text beschleichen mich ähnliche Gefühle, wie das letzte mal, als ich ihn gelesen habe (1. Korinther 7,17-40 – Der weltfremde Paulus). Haben als hätte man nicht, freuen als freute man sich nicht,… Das bekomme ich letztendlich gedanklich und gefühlsmäßig nicht auf die Reihe. Auch wenn Douglass wie immer auch hier scharf beobachtet und gut erklärt – ich finde auch bei ihm bleibt es letztendlich eine unaufgelöste Spannung.

Die Spannung besteht in dem Gegenüber von einem verantwortungsvollen und gelingendem Leben im hier und jetzt auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Leben mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit gegenüber dieser vergänglichen Welt, weil wir wissen, dass das Beste noch kommt. In gewisser Weise wird für mich diese Spannung in dem berühmten Luther Zitat deutlich: „Auch wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Auch wenn wir wissen, dass das Jetzige vergeht, sollen wir trotzdem das Jetzt intensiv leben und gestalten.

Problematisch bei Paulus finde ich, dass seine Worte diese Spannung eher in Richtung Zukunft auflösen wollen. Das Jetzige scheint kaum zu zählen, kaum wichtig zu sein, wir sollen so leben, als ob das Jetzt keine große Rolle mehr spielt. Wer ein Apfelbäumchen hat, der soll so leben, als hätte er keins. Aber dann kann ich’s ja auch gleich bleiben lassen: Warum soll ich ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich sowieso so leben soll, als hätte ich keins? Da ist mir dann doch Luther lieber, da bleibt zwar die Spannung bestehen, aber so bekommt wenigstens sowohl das Jetzt wie auch das Morgen sein Gewicht.

Oder versteh ich Paulus da falsch?

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1. Korinther 12, 12-27 – Problemfälle

In dem Text vergleicht Paulus die Gemeinde mit einem Leib. Es gibt unterschiedliche Körperteile und gerade in ihrer Unterschiedlichkeit ergeben sie ein Ganzes. Douglass betont, dass Gott das so gewollt hat. Es sind eben nicht alle Menschen gleich (auch wenn sie gleich viel wert sind), sondern sie sollen gerade unterschiedlich sein, damit das Ganze funktioniert.

Was mir heute beim Bibeltext und auch bei Douglass besonders aufgefallen ist, sind die „Problemfälle“ (S.311) in der Gemeinde. Paulus schreibt von wenig „ehrbaren“ Gliedern und sogar von „unanständigen“ Körperteilen am Leib Christi. Müsste man denn nicht die „Unanständigen“ aus der Gemeinde werfen? Die haben doch nichts zu suchen im Leib Christi und das sieht doch bescheuert aus, wenn ausgerechnet in der Gemeinde „unanständiges“ Verhalten abläuft?!?

Paulus betont dagegen, dass Gott den Leib gerade so zusammengefügt hat – auch mit den unanständigen Gliedern. Diese sind nicht zu verachten, sondern im Gegenteil besonders zu ehren. Douglass: „Gott hat den Leib zusammengefügt, und zwar aus starken und schwachen, aus anständigen und weniger anständigen Gliedern. Statt einander zu verurteilen und den anderen ihre Andersartigkeit zum Vorwurf zu machen, ist es vielmehr Auftrag aller Glieder, einander in Liebe zu begegnen und füreinander da zu sein.“ (S.312)

Ist natürlich die Frage, was Paulus unter „unanständig“ versteht. Douglass bringt als Beispiele: Ein langhaariger Mann mit Totenkopftätowierung, eine Punkerin, ein Homosexueller mit Freund, eine Transsexuelle. Sind solche Personen gemeint? Und wie verhält sich das Ganz zum Stichwort „Gemeindezucht“?

1. Korinther 13, 1-13 – Ein Stück Himmel auf Erden

Dieses Bibelabschnitt und die Bemerkungen von Klaus Douglass dazu (in dem Buch Expedition zum Ich), passen sehr gut zu dem, was ich gerade eben im letzten Post berichtet habe (Herrlich…>>>). Ich glaube, dass dieser Mensch, von dem ich berichtet habe, einen kleinen Blick in die himmlische Herrlichkeit geworfen hat und dass er sich unbeschreiblich gefreut hat auf diese Herrlichkeit. Paulus schreibt in 1. Kor. 13, dass viele tolle Gaben und Erlebnisse unserer Glaubens vergehen werden, aber dass die Liebe bleiben wird. Vieles ist vorläufig, aber die Liebe bleibt.

Und damit ist nicht die romantisch-kitschig abgeflachte Liebe gemeint, die uns ständig begegnet (vgl. dazu diesen Post>>>), sondern die göttliche Agape, die all unsere menschliche Liebesbemühungen unendlich weit übertrifft, und von der wir hier nur eine kleine Ahnung haben können. Diese Liebe bleibt. Douglass schreibt über diese göttliche Agape: „Die Liebe ist jetzt schon ein Stück Himmel auf Erden, ist jetzt schon ein Stück Ewigkeit in der Zeit.“ ( S. 148 )

Und wenn wir mal bei Gott sein werden, dann werden wir diese Liebe im vollen Umfang sehen, schmecken, spüren, erfahren,… Dann wird es uns aus den Socken hauen und wir werden nur noch stammeln können „herrlich, herrlich…!“

2. Korinther 13 – Gemeindefrust

Zum Schluss des Briefes gibt es noch mal mahnende Worte von Paulus. Er kündigt einen dritten Besuch an und warnt, dass er dieses mal die Sünder in der Gemeinde nicht schonen will (V.2). Es wird für mich noch mal deutlich, dass schon der gute alte Paulus mit so manchen Gemeindeproblemen zu kämpfen hatte. Ich bin froh, dass auch die zwei Korintherbriefe in der Bibel stehen. Da gibt es einige theologische Höhenflüge des Paulus (z.B. 1. Korinther 13: Das Hohelied der Liebe) aber es gibt auch manch schwer verdaulichen Streitereien, Vorwürfe und Selbstrechtfertigungen.

Gemeinde war von Anfang an kein einfaches Pflaster. Sie war von Anfang an nicht vollkommen. Diese idealisierten Darstellungen in der Apostelgeschichte nerven mich manchmal (Apg. 4,32: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele“). Da wird uns ein unereichbares Ideal vor Augen gestellt, das beim Blick auf unsere Realität ganz schön frustrieren kann. Deswegen: Gut, dass wir in den Korintherbriefen nachlesen können, dass es schon damals nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen war. Das entlastet und hilft die Chancen und Gefahren von Gemeinde realistischer zu beurteilen.

2. Korinther 12, 1-10 – Ein Schwächling

Um so schwach zu sein wie Paulus muss man ganz schön stark sein. Das ist ja eine paradoxe Sache. Paulus sieht sich selbst als schwach: Damit meint er sich als ganz normaler natürlicher Mensch. Er weiß, dass er in den Augen der Welt kein besonders toller Hecht ist. Er weiß, dass er kein begnadeter Rhetoriker ist, wie manche andere. Er kennt nur zu gut seine körperliche Schwäche, die ihn immer wieder plagt (V.7: Pfahl im Fleisch). Er weiß: er kann nichts. Wenn er etwas zustande bringt, dann nur durch die Kraft Gottes.

Gerade in diesem Vertrauen liegt seine Stärke. Es ist nicht einfach, sich selbst aufzugeben, nichts selbst machen zu wollen, sondern in allem nur auf Gott zu vertrauen. Es ist nicht einfach, weiter auf Gott zu vertrauen, selbst wenn Gebete nicht erhört (zumindest nicht so wie sich das auch ein Paulus gewünscht hat: Er wäre seinen „Pfahl im Fleisch“ auch gern losgeworden – aber Gott wollte nicht…).

Nach außen hin Stärke zu demonstrieren ist auch heute noch einfacher, als vor anderen seine Schwäche einzugestehen. Schwach sein kann ganz schön weh tun. Schwach sein macht angreifbar. Die Schwächlinge sind schon in der Schule ein beliebtes Opfer…

2. Korinther 11, 16-33 – Angebliche Schwachheit

„Wenn ich mich denn rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen.“ (V.30)

Dabei ist Paulus gar nicht so schwach, wie er tut. Er beschreibt, was er alles um seines Glaubens erdulden musste: Mühe, Arbeit, Hunger, Verfolgung, Todesnot, Folter,… Um das alles zu ertragen, braucht man sehr viel Kraft. Sehr viel Ausdauer. Einen sehr großen Glauben. Ich will mich jetzt mal meiner Schwachheit rühmen: Ich könnte das alles nicht. Ich wäre zu schwach dazu…

2. Korinther 11, 1-15 – Starker Tobak

Starker Tobak, den Paulus hier raucht! Es geht wieder einmal um die Auseinandersetzung mit anderen christlichen Leitern und Predigern, die in Korinth wohl einiges an Verwirrung gestiftet haben. Er bezeichnet diese Leute als falsch, betrügerisch und bringt sie dann sogar mit dem Satan in Verbindung (V.13-14). Darf man so argumentieren??? Natürlich kann ich die Situation von damals nicht einschätzen. Ich weiß nicht genau, was diese falschen Apostel vertreten haben – in den Augen des Paulus müssen es ja offensichtliche und schwere Irrlehren gewesen sein.

Aber ich möchte Paulus hier nicht als Vorbild nehmen. Wenn ich manchmal höre wie heute bei unterschiedlichen Auffassungen von Glaube und Bibel von Christen aufeinander eingedroschen wird, dann dreht es mir den Magen um. Viel zu schnell sind manche Christen dabei, andere Meinungen als „von unten“ zu sehen. Da ist ja dann überhaupt keine Diskussion mehr möglich. Das ist ein Totschlag-Argument bei dem es nur die Möglichkeit gibt: Du oder ich. Wie gesagt: Wahrscheinlich war es ja bei Paulus durchaus angebracht und er hat das als inspirierter Bibelschreiber nicht einfach so aus Affekt dahingeschrieben. Aber all zu leichtfertig sollten wir solch scharfen Angriffe nicht übernehmen.

2. Korinther 10, 12-18 – Vergleichen

Es ist gar nicht so einfach, nicht zu vergleichen. Die eine Gemeinde mit der anderen. Den einen Prediger mit dem anderen. Den einen Missionar mit dem anderen. Wer ist erfolgreicher als die Anderen? Da gibt es kleine Gemeinden, die sind neidisch auf die großen und lebendigen. Da gibt es große Gemeinden, die etwas verächtlich und mitleidig auf die kleinen herabschauen… Das war wohl schon damals bei Paulus so. Die Korinther haben verglichen und das hat so manche unzufrieden gemacht. Im heutigen Abschnitt weigert sich Paulus, sich mit anderen zu vergleichen. Er sagt: Wenn es gut läuft, dann ist das Gottes Sache. Da brauch ich mich nicht rühmen.

2. Korinther 10, 1-11 – Kämpfer

„Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise.“ (V.3)

Müsst ihr auch kämpfen im Glauben? Ich schon! Nicht nur mit den bösen Mächten der Finsternis, sondern viel zu oft nur mit mir selbst. Ist dieser Kampf bei euch auch oft so mühsam, schwierig und kräftezehrend? Und am Ende kommt doch nicht viel dabei heraus? Vielleicht kämpfe ich zu oft auf fleischliche, also auf menschliche Weise. Vielleicht bräuchte ich andere Waffen. Waffen, die nicht so sehr von meiner Kraft abhängen, sondern die Gottes Kraft transportieren.