Apostelgeschichte 21, 15-26 Paulus setzt auf Deeskalation

Trotz Warnungen reist Paulus nach Jerusalem. Dort macht ihm Jakobus gleich deutlich, dass die Situation schwierig ist. Unter den Juden hat die nationale Strömung zugenommen und alles nichtjüdische wird stärker abgelehnt. Historisch hängt das wohl mit der Thronbesteigung des Kaisers Neros um 54 n. Chr. zusammen. Unter ihm verschärfte sich der Konflikt zwischen den Juden und Rom, was dann schließlich in den Jahren 66 bis zu einem Krieg führte. Mit seiner Mission unter Heiden und seines recht freien Verständnisses des Gesetzes wurde Paulus von vielen Juden stärker abgelehnt als Jakobus und die judenchristliche Gemeinde in Jerusalem.

Paulus möchte einer Konfrontation aus dem Weg gehen und geht auf den Vorschlag von Jakobus ein. Er demonstriert seine eigene Gesetzestreue, indem er sich selbst reinigt und übernimmt die Kosten für einige Männer die ein jüdisches Gelübde abgelegt hatten. Das finde ich bei Paulus spannend: auf der theologischen Seite kämpft er hart für einen Glauben, der nicht auf Gesetzesgerechtigkeit beruht. Aber auf der sozialen Ebene kann er versöhnende Zeichen setzen. Auch wenn das in diesem Fall dann nicht funktioniert hat…

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Apostelgeschichte 7, 44-53 Jetzt wird’s persönlich

Die Hauptanklagepunkte gegen Stephanus waren, dass er gegen „diese heilige Stätte“ (also den Tempel) und gegen „das Gesetz“ redet (7,13). Zunächst hat er sich in seiner Rede mit dem Überbringer des Gesetzes, mit Mose, beschäftigt. Jetzt geht es um den Tempel, den er ganz grundsätzlich kritisiert: Ein von Menschenhänden errichtetes Haus kann keine Wohnung Gottes sein. Mit dieser Kritik bewegt er sich auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition. Schon da gab es von verschiedenen Propheten grundsätzliche Kritik am Tempel. Dann wird es persönlich: im Stil eines alttestamentlichen Propheten kritisiert er seine Zuhörer als halsstarrig und verstockt. So wie ihre Vorfahren die Propheten getötet haben, so töteten sie nun Jesus, den von den Propheten angekündigten Gerechten.

Ich hab mich an der Stelle gefragt, ob diese harten Worte wirklich hilfreich und klug waren. Durch die heftigen Angriffe wird Stephanus niemand vom Hohen Rat überzeugen – im Gegenteil: der Hass wird sich nur verstärken. Und auch seine eigene Lage hat Stephanus damit nicht gerade verbessert. Taktisch klüger wäre ein Zurückziehen auf die gemeinsamen Wurzeln gewesen. „Wir glauben doch alle an denselben Gott…“  Was ja auch stimmt: Jesus hat keinen anderen Gott als den des Alten Testaments verkündigt. Aber an der Person Jesus scheiden sich bis heute die Geister. Stephanus hat diese Konfrontation nicht von sich aus gesucht – das ist wichtig. Soweit es an uns liegt, sollen wir versuchen mit allen – auch Andersgläubigen – im Frieden zu leben. Aber wenn Jesus in Frage gestellt wird, dann stehen wir vor der Entscheidung, ob wir ihn bekennen oder verleugnen.

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Matthäus 18, 15-20 – Konfliktscheu und tratschfreudig

Auch und gerade unter Christen läuft das Miteinander nicht immer harmonisch ab. Wir werden immer wieder aneinander schuldig und tun uns manchmal schwer damit umzugehen. Vielleicht versuchen wir auch all zu oft „die andere Wange hinzuhalten“ oder stillschweigend zu vergeben. Aber das gelingt uns nicht immer und so fressen wir den Groll in uns hinein und er entlädt sich auf ungute Weise.

In diesem Text gibt Jesus konkrete Hinweise, wie wir in der Gemeinde miteinander umgehen sollen, wenn jemand an seinem „Bruder“ sündigt. Ich denke es geht da um offensichtliche und deutliche Verfehlungen. Es geht nicht darum, dass mir die Nase des Anderen nicht passt. Man soll zunächst unter vier Augen mit dem Anderen reden. Wenn das keine Einsicht bringt, dann zusammen mit ein oder zwei weiteren Personen und in ganz schwierigen Fällen soll dann die ganze Gemeinde mit hinzu gezogen werden.

Ich finde das Schwierigste ist schon dieser erste Schritt: Persönlich mit dem Anderen reden. Ich beobachte bei mir selbst und anderen, dass es viel leichter ist, zunächst mit anderen über das unmögliche Verhalten von manchen Brüdern und Schwestern zu reden. Es kommt sehr schnell vor, dass über die Fehler der Anderen in der Gemeinde getratscht wird, anstatt dass Leute wirklich persönlich auf Andere zu gehen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Da ist es oft viel bequemer die Gemeindeleitung oder den Pastor vorzuschieben, als dem Anderen persönlich ins Gesicht seine Sünden aufzuzählen. Das geht mir selbst genau so: Für diese persönliche Konfrontation bin ich meist ein viel zu großer Schisser und viel zu konfliktscheu.

Aber wenn wir es nicht schaffen die Person selbst anzusprechen, dann sollten wir wenigsten die Konsequenz ziehen und auch nicht mit anderen Leuten über die Person zu tratschen. Wenn wir nicht den Mut haben, den ersten Schritt zu tun, dann sollten wir auch auf die anderen Schritte verzichten…

Matthäus 16, 1-4 – Und er ließ sie stehen

Noch einmal eine Zeichenforderung der Pharisäer (schon in Mt.12,38-42 berichtet Matthäus über solch eine Anfrage). Doch inzwischen hat sich die Situation zugespitzt: Es wird ausdrücklich gesagt, dass sie ihn damit „versuchten“, ihn also auf eine Probe stellen wollten. Außerdem werden hier zum ersten mal die Sadduzäer als Feinde genannt. Bisher waren das nur die Pharisäer.

Im Zusammenhang wirkt diese Forderung absurd. Matthäus hat gerade eben von der wundervollen Brotvermehrung berichtet und davon, wie Jesus viele Menschen gesund gemacht hat. Die Zeichen sind doch klar! Was soll Jesus noch mehr tut?!? Das zeigt, dass die Pharisäer nicht wirklich ein Zeichen wollen, sondern dass sie die Konfrontation suchen. Sie wollen nicht sehen, was doch offensichtlich ist.

Stark, wie Jesus reagiert: Er sagt ihnen etwas kryptisches vom Zeichen des Jona (das natürlich vor Tod und Auferstehung damals kein Mensch verstehen konnte) und ging dann einfach weg. Ganz trocken berichtet Matthäus: „Und er ließ sie stehen und ging davon.“ Ich kann mir richtig vorstellen, wie Matthäus gegrinst hat, als er diesen Satz schrieb. 🙂 Manchmal ist das wohl das Beste: Jemand der nicht verstehen will, einfach stehen lassen und weggehen…

Matthäus 12, 15-21 – weglaufen

Interessant: Jesus erfährt, dass man ihn umbringen will und was macht er? Lässt er es auf eine Konfrontation ankommen? Bringt er das Volk auf seine Seite, um diese Mordpläne zu vereiteln? Holt er die himmlischen Heerscharen, um ihn zu schützen? Keins von all dem: er macht sich ganz einfach aus dem Staub. Begründet wird dies von Matthäus mit einem Jesaja-Zitat über den Gottesknecht: „Er wird nicht streiten noch schreien…“

Das restliche Evanglium zeigt, dass Jesus sich nicht grundsätzlich vor dieser Konfrontation mit den Pharisäern gescheut hat. Er ging am Ende ganz bewusst nach Jerusalem und wusste, dass man ihm dort nach dem Leben trachtet. Aber seine Zeit war wohl noch nicht gekommen. Manchmal kann weglaufen auch die richtige Antwort sein! Aber wenn Jesus immer nur weggelaufen wäre, dann gäbe es heute keine Christen, denn dann wäre er nicht am Kreuz für uns gestorben.