Johannes 15, 18 – 16, 4 Wir brauchen uns nicht zu wundern

Wie bei allen Bibeltexten ist auch bei diesem zu beachten, dass er zunächst in eine bestimmte historische Situation hinein an bestimmte Adressaten geschrieben wurde. Unsere Zeit und unsere Situation ist eine andere. Dass uns jemand aus der Synagoge ausschließen will (16,2), ist z.B. für uns gar kein Thema – wir leben einfach in einer anderen Welt als die Adressaten damals.

Trotzdem wird in dem Text etwas ganz Grundsätzliches klar: Als Christen haben wir ganz nüchtern damit zu rechnen, dass wir von anderen abgelehnt und angefeindet werden. Wenn das nicht so ist, dann brauchen wir das natürlich nicht zu suchen oder zu provozieren, aber wenn es so ist, so brauchen wir uns auch nicht darüber zu wundern.

Paulus schreibt in Röm. 12,8, dass wir versuchen sollen, mit allen Menschen in Frieden zu leben. Wir sollen nicht den Konflikt suchen, sondern Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen leben. Trotzdem kann uns unser Glaube in Konflikte führen. Dann ist es wichtiger Gottes Stimme zu folgen, als sich in allem anzupassen und den Glauben aufzugeben. Jesus verheißt uns für solche Situationen den Heiligen Geist (V.26), der uns dann die richtige Reaktion schenken wird.

Apostelgeschichte 21, 15-26 Paulus setzt auf Deeskalation

Trotz Warnungen reist Paulus nach Jerusalem. Dort macht ihm Jakobus gleich deutlich, dass die Situation schwierig ist. Unter den Juden hat die nationale Strömung zugenommen und alles nichtjüdische wird stärker abgelehnt. Historisch hängt das wohl mit der Thronbesteigung des Kaisers Neros um 54 n. Chr. zusammen. Unter ihm verschärfte sich der Konflikt zwischen den Juden und Rom, was dann schließlich in den Jahren 66 bis zu einem Krieg führte. Mit seiner Mission unter Heiden und seines recht freien Verständnisses des Gesetzes wurde Paulus von vielen Juden stärker abgelehnt als Jakobus und die judenchristliche Gemeinde in Jerusalem.

Paulus möchte einer Konfrontation aus dem Weg gehen und geht auf den Vorschlag von Jakobus ein. Er demonstriert seine eigene Gesetzestreue, indem er sich selbst reinigt und übernimmt die Kosten für einige Männer die ein jüdisches Gelübde abgelegt hatten. Das finde ich bei Paulus spannend: auf der theologischen Seite kämpft er hart für einen Glauben, der nicht auf Gesetzesgerechtigkeit beruht. Aber auf der sozialen Ebene kann er versöhnende Zeichen setzen. Auch wenn das in diesem Fall dann nicht funktioniert hat…

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Apostelgeschichte 15, 36 – 16, 5 Konfliktlösung

Schon wieder eine Auseinandersetzung unter den ach so einmütigen ersten Christen: Paulus und Barnabas geraten „scharf aneinander“ (V.39). Es geht um die Frage, ob für eine weitere Missionreise wieder Johannes Markus mitreisen soll oder nicht. Barnabas will ihn dabei haben, Paulus nicht. Die Gründe dafür bleiben unklar, aber es könnte sein, dass es mit dem Streitthema zusammenhängt, um das es die ganze Zeit geht: Wie frei darf die Heidenmission sein, bzw. welche alttestamentlichen Gesetze müssen Heidenchristen erfüllen. Johannes Markus war hier wohl anderer Auffassung als Paulus.

Die Lösung dieses scharfen Konflikts liegt für Paulus und Barnabas nun nicht in einem Kompromiss, sondern in einer Trennung. Beide gehen künftig ihre eigene Wege und jeder sucht sich neue Mitarbeiter für seine Missionsarbeit. Ich finde das gut und ehrlich, dass die Bibel auch über solch offene Konflikte redet. Nicht immer kommen wir Christen zu einem Kompromiss, manchmal ist es besser, man geht sich aus dem Weg. Das sollte natürlich nicht die erste Wahl sein, aber als letzte Möglichkeit ist es besser, getrennte Wege zu gehen, als sich ständig in die Wolle zu kriegen.

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Apostelgeschichte 15, 13-35 Konfliktlösung

Interessanterweise hat Jakobus das letzte Wort in diesem Konflikt. Er scheint schon früh für die Jerusalemer Urgemeinde wichtiger gewesen zu sein, als Petrus. Jakobus stellt sich auf die Seite von Paulus und Petrus. Er begründet dies mit dem Handeln Gottes, von welchem Simon Petrus berichtet hat (V.14): Gott handelt auch an den Heiden. Und als wichtige Bestätigung für diese Erfahrung stellt er fest, dass diese Sicht mit der Bibel übereinstimmt. In dem Zitat aus Amos wird deutlich, dass Gott nicht nur Israel ruft, sondern auch die Heiden. Das sind auch für uns heute noch wichtige Kriterien für Konfliktfragen: Wie erleben wir Gottes Handeln und was sagt die Schrift dazu?

Allerdings ist es Jakobus wichtig, einen Kompromiss zu finden für das Zusammenleben von Heidenchristen und Judenchristen. Damit sich die Judenchristen  im Umgang mit Heidenchristen nicht rituell verunreinigen, müssen die Heidenchristen vier mosaische Gebote zu rituellen Reinheit befolgen: 1. Sie sollen nicht an heidnischen Kulten teilnehmen oder Fleisch aus rituellen Schlachtungen für heidnische Götter essen („Götzen“). 2. Verzicht auf Eheschließungen innerhalb der von Mose vorgeschriebenen Verwandtschaftsgrade („Unzucht“). 3. Kein Fleisch von „Ersticktem“, d.h. von Tieren, die nicht nach den Vorschriften der Tora geschlachtet wurden. 4. Verzicht auf alle Speisen, in denen „Blut“ mitverarbeitet wurde.

Die Heidenchristen müssen also nicht erst Juden werden, um gerettet zu werden. Aber aus Rücksicht auf Mitchristen aus dem Judentum, sollen sie im Zusammenleben grundlegende Reinheitsvorschriften erfüllen. Damit ist der Konflikt nicht aus der Welt geschaffen. Es gab weiterhin Probleme zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen. Und auch Paulus berichtet anders von diesem Apostelkonzil: nach Gal. 2,6 hatte er gar keine Bedingungen für seine Mission unter Heiden (vielleicht wurde die Kompromissformel erst festgelegt, als Paulus schon wieder abgereist war?). Aber Lukas macht deutlich, dass die Christen trotz unterschiedlicher Meinung aufeinander Rücksicht nehmen und gemeinsam Lösungen suchen.

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Apostelgeschichte 15, 1-12 Von wegen „ein Herz und eine Seele“

Da hat es ganz gewaltigen Zoff gegeben in der Urchristenheit. Es haben sich zwei Lager gebildet, die nicht nur unterschiedliche Meinungen haben, sondern einen handfesten Streit. Selbst Lukas, der ja gerne davon berichtet, wie die Christen einmütig und ein Herz und eine Seele sind (Apg.4,32), berichtet erstaunlich offen darüber. An mehreren Stellen spricht er es deutlich an: Es entstand „Zwietracht“ (V.2) und sie hatten einen „nicht geringen Streit“ (V.2). Wenige Verse später führt er noch einmal aus, dass man sich auch im höchsten Leitungsgremium der jungen Urchristenheit „lange gestritten hatte“ (V.7). Lukas möchte mit seiner Apostelgeschichte ja eigentlich Werbung für das Christentum machen – wenn er in diesen Worten von einem Konflikt spricht, dann muss der ganz schön heftig gewesen sein.

Wenn ich mir so manche Konflikte in der heutigen Christenheit und in unseren Gemeinden ansehe, dann kann ich feststellen: Auch die ersten Christen haben nur mit Wasser gekocht. Auch sie hatten heftige Auseinandersetzungen. Immerhin ging es nicht um persönliche Konflikte oder um finanzielle Streitigkeiten, sondern um eine grundlegende theologische Frage: Muss man um selig zu werden, zunächst ein Teil des Volkes Israel werden (d.h. konkret: Beschneidung und Befolgung des mosaischen Gesetzes)? Paulus sagt klipp und klar: Nein! Andere sagen klipp und klar: Ja! Petrus verweist auf das Handeln Gottes: Er hat auch unbeschnittenen Heiden als sie gläubig wurden, den Heiligen Geist geschenkt. Trotzdem ist es schwierig einen klaren Kompromiss zwischen den beiden Positionen zu finden.

Mir wird immer wieder deutlich, dass wir so manches mal ein verklärtes Bild von den ersten Christen haben: „Ja, damals war noch alles in Ordnung!“ Nach dem Motto: Früher war alles besser. Wir sehen die Konflikte und Probleme in unserer Zeit und sehnen uns zurück nach einem perfekten Urbild von Gemeinde. Wir meinen manchmal, dass das Ursprüngliche auch das Beste war. Aber das ist nicht unbedingt ein biblischer Gedanke, sondern eher eine Vorstellung aus der Zeit der Aufklärung. Die Gemeinden damals hatten genau so mit Konflikten und Problemen zu kämpfen, wie wir heute. Es waren andere Themen, aber es gab trotzdem heftigen Streit. Und trotzdem hat Gott in und durch all unsere menschlichen Unzulänglichkeiten gewirkt und gehandelt. Ich bete darum, dass er das auch heute noch tut…

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Apostelgeschichte 11, 1-18 Ein Herz und eine Seele

„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg.4,32) Mit diesen schönen Worten beschreibt Lukas die Einheit der ersten Christen. Im heutigen Abschnitt stellen wir fest, dass diese Einheit nicht bedeutet, dass die Urchristen sich nie gestritten hätten und immer einer Meinung waren. Als Petrus nach seiner Begegnung mit dem Hauptmann Kornelius wieder zurück kam, „stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm“ (V.2). Sie waren ganz und gar nicht einig mit dem, wie sich Petrus verhalten hatte.

Die Einheit zeigt sich nicht darin, dass die Urchristen immer einer Meinung waren, sondern darin, wie sie mit diesem Konflikt umgegangen sind. Petrus erzählt erst einmal in Ruhe, was passiert war und warum er so gehandelt hat. Die anderen lassen ihn reden und hören erst einmal zu. Sie beharren nicht auf ihrer Meinung, sondern lassen sich überzeugen: „Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott…“ (V.18) Sie erkannten, dass Petrus nicht eigenmächtig gehandelt hat, sondern dass er sich von Gott leiten lies.

Solch eine Einheit wünsche ich uns auch heute. Wir brauchen nicht immer einer Meinung sein. Wir können auch streiten. Aber es ist wichtig, dem Anderen zuzuhören und seinen Weg mit Gott ernst zu nehmen. Die Christen damals konnten ihre Meinungsverschiedenheit beilegen und haben sich gemeinsam an Gott ausgerichtet. Wobei dann in Apg. 15 deutlich wird, dass das Thema der Heidenmission weiterhin für Differenzen sorgte. Das Streitthema wurde nicht einfach beiseite geräumt, sondern sorgte weiterhin für Diskussion. Trotz allen Differenzen waren sie aber eins vor Gott.

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Apostelgeschichte 6, 1-7 Keine heile Welt

Die ach so heile Welt der Urgemeinde in Jerusalem ist gar nicht so heil… Wie in jeder irdischen Gemeinde, in welcher Menschen zusammenleben, gibt es auch hier Konflikte und Spannungen. In der Gemeinde gab es einheimische Juden, die zu Christus gefunden haben. Witwen von dieser Gruppe wurden von ihren ortsansässigen Familien versorgt. Das war damals so üblich, weil es keine staatliche Altersvorsorge gab. Daneben gab es in der Gemeinde griechisch sprechende Christen, die von außerhalb nach Jerusalem gezogen waren. Diese hatten dann oft keine Familie in der Nähe. Wenn von ihnen eine Frau Witwe wurde, dann hatte sie niemand, der sie versorgte.

Eigentlich müsste man denken, dass diese Witwen ganz selbstverständlich von der Gemeinde mitversorgt wurden. Zumal Lukas zweimal ausdrücklich betont, dass die Christen alles gemeinsam hatten und es niemand unter ihnen gab, der Mangel hatte (2,44f; 4,34). Aber ganz so problemlos war es dann doch nicht… Schon die ersten Christen hatten sich mit ganz profanen Organisationsfragen zu beschäftigen. Das was uns heute in der Gemeindearbeit oft so lästig und nervenaufreibend vorkommt, gab es damals schon. Die alltäglichen Konflikte, die im Miteinander entstehen waren damals schon genauso da wie heute. Die Urgemeinde war keine perfekte Übergemeinde, sondern eine ganz normale Gemeinde.

Die Frage damals wie heute ist, wie man mit Konflikten und Problemen umgeht. Folgt auf den Konflikt Trennung und Unversöhnlichkeit – oder sucht man gemeinsam nach einer Lösung? Interessant finde ich, wie nüchtern und sachlich die Sache damals geklärt wurde. Da gab es kein göttliches Eingreifen oder eine göttliche Offenbarung durch den Heiligen Geist. Nein, die Apostel haben ihren gesunden Menschenverstand benutzt und eine vernünftige Lösung vorgeschlagen. Die Diakone wurden dann nicht auf göttlichen Fingerzeig hin eingesetzt, sondern demokratisch gewählt.

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Josua 22 Ein missverstandener Altar

Ein seltsames Kapitel. Zuerst werden die Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse überschwänglich von Josua gelobt, weil sie den anderen Stämmen geholfen haben, das Land zu erobern: „Ihr habt alles gehalten, was euch Mose, der Knecht des Herrn, geboten hat, und habt gehorcht meiner Stimme in allem, was ich euch geboten habe.“ (V.2) Und kurz darauf will Josua mit der ganzen Gemeinde Israel gegen diese Stämme in den Krieg ziehen (V.12). Was ist passiert?

Bei ihrer Rückkehr ins Ostjordanland haben die zweieinhalb Stämme einen Altar am Jordan gebaut. Das wurde von den anderen Stämmen offensichtlich als Verrat an dem einen Gott gedeutet (der nur an einem gemeinsamen Ort verehrt werden soll). Die zweieinhalb Stämme erklären daraufhin, dass der Altar nicht zum Opfer dienen soll, sondern als „Zeuge“, dass sie zusammen mit den anderen Stämmen Gott dienen wollen. Durch diese Erklärung herrscht dann wieder Frieden.

Erschreckend und traurig, wie schnell das Vertrauen zwischen Menschen zerbrechen kann.Da haben die zweieinhalb Stämme ihr Leben riskiert, um ihren Brüdern bei der Eroberung des Landes zu helfen und werden dafür ausdrücklich gelobt. Aber kurz darauf kommt es durch ein Missverständnis fast zum Krieg! Aber das ist ja bis heute so: ein kleines Missverständnis reicht aus, um eine scheinbar heile Gemeinschaft an den Abgrund zu führen. Damals wie heute ist wichtig: den anderen anhören und seine Beweggründe nachvollziehen.

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Galater 2, 11-18 Ein Herz und eine Seele

Dieses Stelle zeigt, dass es trotz der grundsätzlichen Einigung zwischen Judenchristen und Heidenchristen im praktischen Miteinander noch genügend Konfliktpotential gab. Paulus hat sich mit den Ältesten von Jerusalem geeinigt, dass Petrus für die Judenchristen zuständig ist und Paulus für die Heidenchristen. Die Judenchristen befolgen weiterhin die jüdischen Speisegebote, die Heidenchristen müssen das nicht tun. Wie sieht aber nun das konkrete Miteinander von Juden- und Heidenchristen in einer Gemeinde aus?

In Antiochien war es offensichtlich so, dass Juden- und Heidenchristen trotz unterschiedlicher Auffassungen über Speisegebote Tischgemeinschaft hatten (wobei die Judenchristen sich wohl an die jüdischen Speisevorschriften hielten). Als Petrus aus Jerusalem zu Besuch kam, schien er das auch zu akzeptieren und nahm an der Tischgemeinschaft teil. Nun kam aber weiterer Besuch aus Jerusalem und die hatten eine andere Meinung: sie wollten nicht zusammen mit den Heidenchristen essen, weil das nach ihrem Verständnis ein Bruch mit dem Judentum zur Folge hätte. Petrus will diesen Judenchristen keinen Anstoß bieten und verzichtet dann ebenfalls auf die Tischgemeinschaft mit den Heidenchristen.

Paulus platzt daraufhin der Kragen. Öffentlich stellt er Petrus zur Rede. Durch sein Handeln hatte dieser die Heidenchristen zu Christen zweiter Klasse gemacht. Durch sein Handeln hatte er deutlich gemacht: Um ein vollwertiger Christ zu sein, muss man auch die jüdischen Speisegebote einhalten. Damit sagt er aber implizit, dass man als Christ nicht nur auf die Gnade angewiesen ist, sondern daneben auch bestimmte Vorschriften des Gesetzes einhalten muss. Leider berichtet Paulus nicht, wie Petrus darauf reagiert hat…

Da ging es ganz schön ab, unter den Urchristen! Es war offensichtlich nicht immer so idyllisch, wie Lukas das in seiner Apostelgeschichte dargestellt hat: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg. 4,32)

Jeremia 48 Gottes Sonne über den Bösen

Auffällig ist, dass die Weissagungen gegen Moab sehr viel mehr Platz einnehmen (47 Verse), als die Weissagungen gegen die Philister (7 Verse). Vielleicht liegt das daran, dass das jüdische Volk Moab näher stand als den Philistern. Nach 1. Mo.19,37 war Moab der älteste Sohn Lots, das jüdische und moabitische Volk waren also miteinander verwandt, hatten gemeinsame Vorfahren. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Siedlungsgebiet der Moabiter dem Selbstverständnis der Israeliten nach, eigentlich den Stämmen Ruben und Gad zustand.

Im Lauf der Geschichte gab es durchaus positive persönliche Beziehungen zwischen Israeliten und Moabitern (z.B. Rut, Rut 1,1-2 ; 4,13-17 oder David, der seine Eltern in die Obhut eines Moabiterkönigs gibt, 1. Sam. 22,3-4). Aber es gab auch immer wieder kriegerische Konflikte (zur Zeit des Jeremia z.B. versuchte eine Koalition aus Moabitern, Chaldäern, Aramäern und Ammoniter das Land Juda zu erobern, 2. Kön. 24,1-6). Entsprechend dieser wechselvollen Geschichte mischen sich in diesem Kapitel Schadenfreude (V.26-27) und Mitgefühl (V.17.31-32).

Spannend und überraschend finde ich, dass – ähnlich wie für das jüdische Volk – das Strafgericht Gottes zeitlich begrenzt wird: „Aber in der letzten Zeit will ich das Geschick Moabs wenden, spricht der Herr.“ (V.47) Gottes Gnade und Langmut gilt nicht nur dem eigenen Volk, sondern auch darüber hinaus. Zwischen all den Gerichtsankündigungen leuchtet schon im Alten Testament immer wieder Gottes Liebe auch für die Feinde auf. Jesus malt uns diese Liebe zu den Feinden eindrücklich vor Augen: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Er fügt hinzu, dass diejenigen zu lieben, die uns lieben, keine Kunst ist – das kann jeder. Aber die Feinde zu lieben, das ist göttlich, das entspricht Gottes Wesen. „Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute“  (Mt. 5,44-48).
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