Kolosser 4, 7-18 Gebetsringen

Bei diesen Grüßen und Segenswünschen bin ich bei Epaphras hängen geblieben: Er ringt allezeit in seinen Gebeten für die Empfänger. Ich frage mich: Was bedeutet das konkret? Wie sah das damals aus bei Epaphras? Was hat er gebetet? Wie oft und wie lange? Was heißt es konkret, im Gebet um jemand zu ringen? Bräuchten wir auch heute mehr solche Christen, die im Gebet um andere ringen? Sind sie nicht wichtiger als die Macher und Gestalter?

Gibt es bei solch einem Ringen Siege und Niederlagen? Was sind Kennzeichen für einen Sieg oder eine Niederlage? Die Gefühle des Beters, sichtbare Erfolge? Oder kann man das Ergebnis des Gebetsringens letztendlich gar nicht messen und beurteilen? Wer ist der Gegner bei diesem Ringkampf? Gott? Der Teufel? Böse Mächte? Die Selbstsucht der Umbeteten? Widrige Umstände?

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Kolosser 4, 2-6 Eine offene Tür

Darum bitte ich Gott auch heute: dass er Türen bei  den Menschen öffnet für sich und sein Wort. Es ist so schwierig, dass sich Menschen für Gott öffnen. Es gibt so viele Dinge, die anscheinend wichtiger sind als Gott. Es gibt so viel Skepsis und noch viel mehr Gleichgültigkeit gegenüber Gott. War das immer schon so?

Offensichtlich mussten schon die ersten Christen darum beten, dass Gott Türen öffnet. Sie rannten mit ihrer Botschaft keine offene Türen ein, sondern stießen schon damals auf Skepsis und Ablehnung. Aber wir sehen auch, dass es heute in vielen anderen Teilen der Welt eine größere Offenheit gibt als hier bei uns in Deutschland. „Herr, wir brauchen dich! Öffne die Türen zu den Herzen der Menschen und gib uns die richtigen Worte.

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Kolosser 3, 18 – 4, 1 Seltsame Konsequenzen

Ich finde solche sogenannten „christlichen Haustafeln“ wie wir sie in diesem Text haben immer wieder seltsam. Auf der einen Seite wird klar gestellt, dass wir vor Gott alle gleich sind, dass es kein Ansehen der Person gibt (V.25). Es wird deutlich, dass wir alle einen Herrn im Himmel haben (V.1), d.h. dass wir in Christus alle Brüder und Schwestern sind. Da kann sich niemand über den anderen erheben. Da kann es eigentlich keine menschlichen Herren mehr geben, sie sich über andere erheben.

Aber genau diese hierarchische Ordnung wird in dem Text fest zementiert. Die Botschaft von der Gleichheit vor Gott führt nicht dazu, dass Gesellschaftsstrukturen verändert werden sollen. Nein, die damals übliche Struktur der Unterordnung soll erhalten bleiben: die Frauen und Kinder sollen sich den Männern unterordnen und die Sklaven ihren Herren. Dass ein Mensch unfrei ist, nicht sich selbst gehört, sondern Besitz eines anderen ist, wird nicht in Frage gestellt.

Immerhin sollen die Übergeordneten ihre Macht nicht missbrauchen. Das ist schon mal etwas. Aber ist dafür Christus gestorben, dass die bestehenden Verhältnisse etwas menschlicher gestaltet werden? Interessanterweise waren es gerade Christen, die sich später für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt haben. Sie haben aus der Botschaft Christi einen anderen Schluss gezogen. Ihnen hat es nicht gereicht, die Sklaven etwas menschlicher zu behandeln. Sie zogen aus dem Christusgeschehen die Konsequenz, dass sich auch strukturell etwas ändern muss.

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Kolosser 3, 12-17 Kleiderprobleme

Im vorigen Abschnitt ging es um die schlechten Eigenschaften und Handlungsweisen, die wir als Christen ablegen sollen. Jetzt geht es um das, was wir stattdessen anziehen sollen. Tja, wenn es nur so einfach wäre! Ein paar neue und saubere Kleider anzuziehen ist kein Problem – sich selbst aber ändern ist gar nicht so leicht. Kleider gehören ja nicht zu unserem Wesen, sind nicht mit uns verwachsen. Die können schnell gewechselt werden. Aber wie sieht es mit unseren Handlungen und unserem Wesen aus? Einzelne schlechte Handlungen zu vermeiden, kann schon herausfordernd sein, ist aber noch relativ einfach. Schlechte Angewohnheiten zu verändern wird schon schwieriger. Schlechte Eigenschaften und Wesenszüge zu verändern ist aber eine Herkulesaufgabe, an der wir ein Leben lang zu knabbern haben.

Auch hier ist es wieder ein untrennbares Ineinander von göttlichem Wirken und eine Aufforderung an uns Menschen. Es ist auch ein Ineinander von dem, was schon längst durch Christus geschehen ist und dem, was noch geschehen soll. In Kol.3,10 wird gesagt, dass der neue Mensch erneuert wird – das ist passiv formuliert: nicht wir tun das, sondern Gott tut es. Im heutigen Abschnitt sind aber ganz gezielt wir selbst angesprochen: zieht ihr den neuen Menschen an. In Kol. 3,9f wird gesagt, dass wir als Christen den alten Menschen schon ausgezogen haben und den neuen schon angezogen haben. Im heutigen Abschnitt werden wir aufgefordert, die Eigenschaften des neuen Menschen auch zu leben. Irgendwie ist beides richtig.

Ich muss ehrlich sagen: dieses ewige Kämpfen macht mich müde. Ich kann als Christ nie sagen: „So jetzt hab ich’s geschafft. Jetzt hab ich alles alte abgelegt und bin völlig erneuert.“ Ein Leben lang hab ich mit diesen Kleiderproblemen zu kämpfen: Altes ausziehen, Neues anziehen. Und dann immer wieder feststellen, dass das Alte gar nicht wirklich verschwunden ist, sondern immer wieder neu auftaucht. Auch das Ineinander von göttlichem und menschlichem Tun ist ermüdend. Da gibt es die einen, die mehr das göttlich Tun betonen und sagen: „Ja, du musst nur mehr beten und größeren Glauben haben, dann geschieht alles von selbst.“ Und die anderen sagen: „Du musst dich halt mehr anstrengen und radikaler das Gute tun, nur dann geschieht wirklich Veränderung.“ Aber beide Wege werden letztendlich Stückwerk bleiben. Das vollkommene neue Leben in Christus ist noch verborgen (Kol.3,3).

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Kolosser 3, 5-11 Theorie und Praxis

Jetzt wird’s interessant, denn jetzt kommt die Verknüpfung der theologischen Höhenflüge mit der alltäglichen Praxis eines Lebens als Christ. Hier ist auch der Kolosserbrief ehrlich und realistisch genug, um zu erkennen, dass auch wir Christen im alltäglichen Leben mit so manchem zu kämpfen haben. Wir haben eine fantastische Botschaft: Christus hat alles für uns getan, er hat uns erlöst, befreit und erneuert. Aber in der Praxis haben wir nach wie vor mit all diesen unguten Dingen zu kämpfen, die hier aufgezählt werden: „Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde, Habsucht“ (V.5), „Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte“, Lüge (V.8). Wenn es nicht so wäre, dann bräuchte uns der Kolsosserbrief nicht dazu auffordern, das alles abzutöten und abzulegen.

Ich lese gerade den Roman „Auferstehung“ von Leo Tolstoi. Dort kritisiert er die Kirche seiner Zeit, dass sie nur die Erlösung Christi hochhält und diese durch religiöse Traditionen feiert – aber im praktischen moralischen Leben total versagt. Tolstois Vorwurf ist, dass die Lehre von der Erlösung durch Jesu Tod am Kreuz zu faulen Ausrede wird, um in seinen Lastern und Sünden zu verharren: Christus hat ja alles getan, es ist alles in Ordnung, ich muss nichts mehr tun und kann bleiben, wie ich bin. Tolstoi selbst versucht ein moralisches Christentum zu leben. Für ihn hat Jesus vor allem die Botschaft der Liebe gebracht und es geht allein darum, die Nächstenliebe konsequent und radikal im Alltag zu leben.

Tolstoi hat mit seinen Vorwürfen durchaus recht. Das macht ja auch der Kolosserbrief deutlich: Wenn wir allein betonen, dass Christus alles getan hat und wir bleiben dann wie wir sind, dann wird etwas schief. Christi Erlösungstat muss auch Auswirkungen auf unseren Alltag und unsere Moral haben. Aber das moralische Christentum des Tolstois überzeugt mich letztendlich auch nicht. Moral allein ist zu wenig. Wenn man sich das Leben Tolstois anschaut, dann stellt man fest, dass er selbst an diesem ungeheuren moralischen Anspruch scheitert.

Wir bleiben in dieser Spannung: einerseits leben wir allein aus der Vergebung – auch als Christen versagen wir immer wieder und brauchen Gottes vergebende Erneuerung. Anderseits bleibt Gottes Anspruch an uns, dass wir dieses neue Leben in Christus ernst nehmen und versuchen auch im Alltag danach zu leben. Beide Extreme im Versuch diese Spannung aufzulösen sind gefährlich: sich allein auf der Erlösung ausruhen und in der Sünde verharren ist genauso gefährlich, wie aus Christus einen reinen Moralapostel zu machen, der eine neue und radikalere Gesetzlichkeit fordert.

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Kolosser 3, 1-4 Die verborgene Vollendung

Zwei Kapitel lang wird im Kolosserbrief Jesus Christus und seine Tat für uns Menschen so groß gemacht, wie es nur geht. Man hat den Eindruck, dass Jesus Christus schon alles getan hat: in ihm wohnt alle Fülle, er hat alles mit Gott versöhnt, er hat Frieden gemacht durch sein Blut (1,19f), durch ihn sind wir den Mächten der Welt gestorben (2,20) und durch ihn sind wir auferstanden in der Kraft Gottes (2,12). Was soll da noch kommen? Es ist doch schon alles geschehen? Wer könnte sich anmaßen, diesem Heilswerk Jesu Christi noch etwas hinzufügen zu wollen?

Aber trotzdem folgen auch im Kolosserbrief nun Ermahnungen an die Leser. Auch wenn Christus eigentlich schon alles erledigt hat, haben wir es nötig, uns ermahnen zu lassen. Gerade weil Christus alles für uns getan hat, sollen wir uns an ihm allein ausrichten und orientieren. Sein allumfassendes Werk soll uns nicht in die Gleichgültigkeit führen, sondern anspornen, dass wir das was wir in Christus schon sind, auch zu leben.

Zusammenfassend formuliert: „Trachtet nach dem, droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ (V.3) Denn Jesus Christus hat zwar alles schon getan, aber noch ist unser neues Leben „verborgen mit Christus in Gott“ (V.3). Es ist alles schon vollbracht, aber es ist noch nicht offenbar. In der Zwischenzeit müssen auch wir uns immer wieder neu an diesem verborgenen neuen Leben ausrichten. Wir müssen immer wieder neu nach dem, was droben ist, trachten und uns nicht wieder gefangen nehmen lassen von irdischen Dingen.

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Kolosser 2, 16-23 Ihr seid längst heilig

Die Irrlehrer in Kolossä vertreten wohl ein gesetzlich-asketisches Christentum. Sie fordern, dass man sich an bestimmte Speisegebote halten müsse und bestimmte Tage besonders heiligen müsse. In V.21 wird ihre Sicht ganz gut zusammengefasst: „Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren“. Dahinter kann ja durchaus ein guter Gedanke stehen: Weil Gott heilig ist, wollen wir auch heilig leben. Aber wenn daraus ein Gesetz wird, dessen Erfüllung Vorbedingung ist, um Gott zu gefallen, dann stellt es das ganze Evangelium auf den Kopf.

Auf sehr gewagte Weise wird das im Kolosserbrief deutlich gemacht: Wir sind mit Christus den Mächten der Welt gestorben (V.20). Das heißt, dass uns diese Mächte gar nichts mehr anhaben können. Wir brauchen nicht ängstlich durch die Welt laufen und uns dauernd davor fürchten, dass wir uns verunreinigen. Nein, wir sind in Christus schon längst rein und heilig geworden. Lasst euch also von niemanden ein schlechtes Gewissen machen, wenn ihr in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes lebt!

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Kolosser 2, 8-15 Menschenweisheit und göttliche Offenbarung

Ja, das schreibt sich so leicht, dass man seinen Glauben nicht auf Philosophie und Menschenlehre bauen soll, sondern auf Christus (V.8). Bei manchen Philosophien ist das unmittelbar einsichtig, dass sie sich nicht auf Christus gründen. Aber das gefährliche sind doch die christlichen Irrlehren, die sich ganz bewusst auf Christus beziehen wollen, dabei aber so manches verdrehen. Da ist die Unterscheidung dann nicht mehr so einfach.

Man kann es sich natürlich einfach machen und ganz strikt sagen: alle menschliche Weisheit und alles menschliche Denken ist böse, allein die göttliche Offenbarung ist gut. Deswegen sind manche Christen auch kritisch gegenüber der Theologie eingestellt – weil da mit menschlicher Weisheit über die göttliche Offenbarung nachgedacht wird. Manche wollen es sich einfach machen und nur beim wortwörtlichen Verständnis der Schrift bleiben, alles Nachdenken über die Schrift ist für sie schon vom Teufel.

Aber das ist natürlich nur eine scheinbare Lösung. Um die Schrift und um Gottes Offenbarung zu verstehen, brauchen wir ganz einfach unseren menschlichen Verstand. Die Bibel besteht aus menschlichen Worten, die gedeutet und im Zusammenhang verstanden werden müssen. Es geht gar nicht anders. Wir brauchen menschliche Weisheit um die göttliche Offenbarung zu verstehen. Ansonsten bräuchten wir die Schrift gar nicht und brauchten nur darauf zu vertrauen, dass Gott ganz direkt jedem Christen die Wahrheit ins Herz und ins Denken hinein gießt. Aber Gott hat offensichtlich einen anderen Weg gewählt. Darum bleibt es bis heute schwierig und herausfordernd, zwischen Menschenweisheit und göttlicher Offenbarung zu unterscheiden. Wobei das ja nicht immer ein Gegensatz sein muss…

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Kolosser 2, 1-7 Das bleibende Geheimnis Gottes

Christus ist das „Geheimnis Gottes“ und in ihm liegen verborgen „alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ (V.2f). In welchem Sinn ist Christus ein Geheimnis? Das Christentum ist seinem Verständnis nach sicher keine Geheimlehre, die nur an wenige auserwählte Menschen weitergegeben werden darf. So könnte man den Begriff Geheimnis ja verstehen: Etwas, das Verborgen ist und das mit der Weitergabe dann offenbar ist. Wenn ein Geheimnis einmal ausgeplaudert ist, dann ist es kein Geheimnis mehr. Wenn z.B. der unwahrscheinliche Fall eintritt ;), dass ein Politiker ein Schwarzgeldkonto im Ausland hat und es bekannt wird, dann ist das nicht mehr geheim, sondern offenbar.

Christus ist aber mehr als ein simples Geheimnis, das man ausplaudern kann. Jesus Christus ist für alle sichtbar auf die Erde gekommen. Er hat in aller Öffentlichkeit gelehrt und die Christen bezeugen ihn in der Bibel als den Sohn Gottes. Das ist keine Geheimlehre, sondern im Gegenteil: wir Christen wünschen uns ja, dass dieses Geheimnis alle Welt erkennen kann.

Aber das ist gerade das Besondere am Geheimnis Christi: Auch wenn man offen über ihn redet, bleibt er geheimnisvoll, nicht so leicht greifbar, von seinem Wesen und Wirken her nicht so leicht zu fassen. Wir haben ihn nicht in der Hand. Auch wenn die Bibel und wir Christen von ihm in der Öffentlichkeit reden, bleiben in ihm viele Schätze verborgen, die nicht so leicht zugänglich sind. Nachfolge bleibt ein Abenteuer, in welchem es immer wieder Neues zu entdecken und erfahren gibt. Die Tiefe und der Reichtum Jesu Christi bleibt größer, als wir das jemals erfassen können.

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Kolosser 1, 24-29 Ich freue mich der Leiden

„Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide.“ (V.24) Was für eine Aussage! Das sind völlig andere Gedanken, als wir verwöhnten westlichen Mittelstandchristen normalerweise denken. Leiden an sich ist ja schon etwas, was in unserer Gesellschaft unter allen Umständen vermieden werden muss. Und dann auch noch für andere leiden?! Das geht gar nicht!

Wir jammern lieber über unsere Leiden. Wir beklagen uns über unsere Gemeinden und andere Christen, die uns einfach nicht verstehen und die sich so unmöglich aufführen. Es sind natürlich immer die Anderen, die alles falsch machen. Und für diese Anderen zu leiden und sich auch noch darüber freuen?! Wie soll das gehen?! Da habe ich noch viel zu lernen…

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