Exodus 30 Das Beste für den König

Gääähn… Noch einmal ein Kapitel über das Heiligtum, über Altare, Geldabgaben für das Heiligtum, ein Reinigungsbecken, Salböl und Räucherwerk. Was soll das mit meinem heutigen Glauben zu tun haben? Ich hab kein Wüstenheiligtum…

Aber dann bin ich auf drei Begriffe gestoßen, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben: Gold (V.3), Weihrauch (V.34) und Myrrhe (V.23). Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Waren da nicht später auch mal einige Weise aus dem Morgenland, die dem König der Welt Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten (Mt.2,11)?

Ich denk mir: Ja, schon damals in der Wüste und damals im Stall von Bethlehem waren Menschen überzeugt, dass nur das Beste und Kostbarste gut genug für den König der Welt ist. Und ich frage mich: Was ist für mich das Beste und Kostbarste, das ich Gott zur Verfügung stellen kann?

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Jeremia 33, 14-26 Eine erfüllte Verheißung

Das hat sich so nicht erfüllt. Jeremia verheißt ganz konkret eine Zeit, in der ununterbrochen ein gerechter König auf dem Thron Israels sitzen wird und ununterbrochen levitische Priester die täglichen Opfer am Tempel darbringen wird. Nach der Rückkehr aus dem Exil gab es zwar Versuche, das davidische Königtum wieder her zu stellen und auch der Tempel wurde wieder aufgebaut, um darin Opfer bringen zu können – aber wir wissen heute, dass beides nicht sehr erfolgreich war.

Gott hat diese Verheißung auf einer ganz anderen Ebene wahr gemacht. Auf eine Weise, die unser menschliches Denken übersteigt. Ich denke auch Jeremia selbst hat eher mit einer wortwörtlichen Erfüllung dieser Verheißung gerechnet. Aber Gott hat einen anderen König und einen anderen Priester gesandt. Einen König, der bis heute ununterbrochen regiert und der mit seinem Opfer die tagtäglichen Opfer am Tempel überflüssig gemacht hat…

Wir sollten uns davor hüten, Gottes Verheißung zu eng in unsere menschlichen Vorstellungen ein zu pressen. Gott erfüllt seine Verheißungen. Aber diese Erfüllung sieht manchmal ganz anders aus, als wir uns das vorstellen.
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Psalm 145 – Der Erhabene

Das Psalmbuch schließt mit dem sogenannten kleinen Hallel (Ps. 146-150; wenn es ein kleines Hallel gibt, dann gibt es natürlich auch ein großes: Psalm 111-118) ab. Nachdem vor Ps. 145 einige Bittgebete kamen, leitet Ps. 145 auf die Lobpsalmen des kleinen Hallel über. Es ist ein sorgfältig gestaltetes Loblied auf Gottes Größe und Güte (die Versanfänge folgen dem hebräischen Alphabet). Nach viel Bitte, Klage und Flehen freue ich mich über diese Lobpsalmen zum Abschluss.

Mich hat heute an diesem Psalm die Formulierung gleich zu Beginn beschäftigt: „Ich will dich erheben, mein Gott, du König…“ (V.1) Was soll denn das? Warum will der Beter Gott erheben? Ist er nicht schon großartig und herrlich genug? Können wir Menschen ihn durch unser Gebet und unser Lob noch mehr erheben und groß machen?

Nein, Gott ist groß – unabhängig davon, ob ich ihn lobe oder nicht. Er ist in sich schon der Erhabene. Es geht darum, ob ich diese Größe auch für mich anerkenne. Wenn ich ihn erhebe, dann gebe ich ihm die Stellung, die er verdient. Darum ist unser Lob auch für uns selbst wichtig – weil sie uns und unsere Maßstäbe zurecht rückt. Im Lob wird uns deutlich wer wir sind und wer Gott ist. Das großartige ist ja, dass Gott trotz aller Erhabenheit die Nähe zu uns sucht und gnädig, barmherzig, geduldig und gütig zu uns ist (V.8).
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Psalm 110 – Ein Psalm für die Zukunft

In der Theologie ist das ein sehr wichtiger und zentraler Psalm. Er spielt nämlich für die Messiaserwartung des Judentums eine wichtige Rolle und wird dann auch im Neuen Testament häufig zitiert. Als ich den Psalm heute gelesen hab, war aber mein erster Gedanke: Ja, der mag wichtig sein, der Psalm – aber mir persönlich sagt er nicht viel… 🙁 Das liegt sicher auch daran, dass er nicht so leicht verständlich ist und dass er teilweise gar nicht mehr ursprünglich erhalten ist (V.3 ist von der Textüberlieferung her im Hebr. so entstellt, dass man heute nur noch vermuten kann, was da gemeint ist).

Aber dann ist der Theologe in mir erwacht 😉 und inzwischen find ich doch einige interessante Aspekte bei dem Psalm. Das wichtigste ist für mich, dass dieser Psalm so deutlich über sich selbst hinaus weist. Er hat wohl ursprünglich etwas mit der Rolle des jüdischen Königs zu tun. Aber die Darstellung des Königs ist dermaßen überhöht, dass doch eigentlich schon den damaligen Schreibern klar gewesen sein muss, dass es hier um mehr geht, als um einen irdischen König.

Da spricht Gott zu einer Person („meinem Herrn“), dass er sich zur Rechten Gottes setzen soll. Der Platz zur Rechten ist der Ehrenplatz und dieser Platz rückt diese Person in himmlische Sphären. Nun ist das im Alten Orient nicht ungewöhnlich, dass Könige vergöttert werden, aber im AT wird sonst immer betont, dass es eben in Israel anders ist, dass Israel nur einen Gott hat und niemand ihm gleich ist. Dann ist da die Verbindung von Königtum und Priestertum. Auch hier betont das AT immer wieder die unterschiedliche Funktion von König und Priester: In Israel gab es beides, König und Hohepriester – aber niemals in einer Person. Nicht verwunderlich, dass die neutestamentlichen Autoren diesen Text ganz selbstverständlich mit dem wahren König und Hohepriester in Verbindung gebracht haben.

Wahrscheinlich konnte dieser Psalm zur Zeit seiner Entstehung gar nicht recht verstanden werden. Erst hunderte von Jahren später sind seine wahren Dimensionen aufgeleuchtet. Das gibt mir Trost für so manche Bibelstellen, die ich heute auch nicht richtig verstehe. Irgendwann im Nachhinein wird vielleicht manches deutlicher werden…Bibeltext

Psalm 101 – Seltsam, seltsam

Nachdem ich den Psalm gestern einfach nur richtig schön fand, trifft mich heute ein Psalm, den ich eher seltsam finde. Die Stuttgarter Erklärungsbibel vermutet, dass dieser Psalm ein Gelöbnis des Königs bei seiner Krönung gewesen sein könnte. Der Beter hebt seine eigene Vorbildlichkeit hervor und verspricht, allen Bösen eins auf den Deckel zu geben (wörtlich: „alle Übeltäter ausrotten“, V.8 – wie auch immer man sich das vorzustellen hat).

Ist irgendwie nicht so meine Welt – aber ich bin ja auch kein König… Und ich find auch etwas seltsam, dass der Beter sich selbst so gut darstellt und dann aber betont, wie sehr ihn die Leute nerven, die stolz und hochmütig sind (V.5b). Warum steht dieser Psalm in der Bibel? Zum Nachbeten ist er ja irgendwie nicht so richtig geeignet – außer wenn man zufällig König ist…

Vielleicht soll der Psalm uns ja deutlich machen, dass es wichtig ist, dass nicht nur Gott für Recht und Ordnung sorgt, sondern dass auch wir uns für Gottes Maßstäbe einsetzen sollen. Auch wenn wir keine Könige und Regenten sind, so können wir doch versuchen, ein „vorbildliches Leben zu führen“ (V.2, Hoffnung für alle) und nicht einfach nur weg schauen, wenn andere Mist bauen und die Bosheit Feste feiert. Das kann dann ganz schön heftig, gewagt und gefährlich sein – mir fällt dazu der Typ ein, der gegen die Bosheit einiger U-Bahn-Prügler Stellung bezogen hat und am Ende selbst zu Tode geprügelt wurde. Er hat sich auch gesagt: „Den Bösen kann ich nicht leiden“ (V.4b) und hat das dann auch gezeigt.
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Psalm 99 – Lobpreisfloskeln

Noch ein Psalm, in dem es um Gott als König geht. So langsam wird mir dieses Thema etwas zu viel: Gott als König taucht schon in den vorherigen Psalmen mehr als genug auf (Ps. 93,1; 95,3; 96,10; 97,1; 98,6). Diese Häufung zeigt auf jeden Fall, dass die Psalmen nicht wahllos zusammen gestellt wurden, sondern dass sie zumindest an dieser Stelle inhaltlich zusammen geordnet wurden.

Im Gegensatz zu den anderen Psalmen, in denen es um Gott als König geht, kommt mir dieser Psalm ziemlich blass vor. Ich hab das Gefühl hier werden eher Phrasen gedroschen, als wirkliche Ehrfurcht vor dem König ausgedrückt (kann aber auch an mir und meiner Stimmung liegen 😉 ). So als ob man halt vor den König kommt, sich protokollarisch richtig verhält (mit Niederwerfen und so Zeugs…) und die üblichen Lobhudeleien und Höflichkeitsfloskeln los wird.

Aber das ist ja wohl immer ein Problem beim Lob Gottes: Wie soll man Gott loben, wenn es einem gerade gar nicht danach ist? Soll man es dann lieber bleiben lassen, weil das Lob ja nicht von Herzen kommt und gar nicht so richtig ernst gemeint ist? Oder soll man sich überwinden, Gott trotzdem loben, halt die üblichen Lobpreisfloskeln verwenden und hoffen, dass die innere Einstellung sich dann schon noch ändert?
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Psalm 97 – Gottes Herrlichkeit

Eine Aussage bewegt mich bei diesem Psalm besonders: „Wolken und Dunkel sind um ihn her.“ (V.2) Es geht um Gott, der als herrlicher und mächtiger König der Welt beschrieben wird. Er herrscht in Gerechtigkeit und das ist kein Grund zur Angst, sondern zur Freude. Warum wird Gott nun nach diesem Psalm von Wolken und Dunkel umgeben? Vielleicht weil wir seine Herrlichkeit in ihrer vollen Größe gar nicht ertragen könnten. Gott muss sein absolut reines Strahlen einhüllen und verbergen, weil er uns sonst mit seiner Herrlichkeit alle plattwalzen würde. Er ist so genial großartig und leuchtend, dass wir – zumindest in unserem irdischen Leib – alle zu Asche werden würden, wenn wir ihn sehen könnten. Wenn uns schon ein lächerlicher und kleiner Blitz umhauen kann, wie viel mehr dann das kraftvolle Strahlen seiner Herrlichkeit?

Deswegen bleibt für uns in unserer irdischen Welt Gott immer auch etwas rätselhaftes und geheimnisvolles. Manchmal sehen wir nur das Dunkel und die Wolken, die ihn umgeben. Manchmal können wir gar nicht glauben, dass hinter diesen Wolken sein Licht scheint. Aber oft genug dringt ein kleiner Lichtschein durch das Dunkel in unserer Welt und wir bekommen eine kleine Ahnung von seiner Herrlichkeit.

Natürlich fällt mir zu dieser Stelle Joh. 1,14 ein: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Also können wir doch Gottes Herrlichkeit sehen?!? In Christus begegnet uns doch Gott in seiner Herrlichkeit! Ja und Nein: Ja, in Christus ist Gottes Herrlichkeit auf dieser Welt erschienen. Nein: Denn auch hier ist die Herrlichkeit eingehüllt und verborgen – und zwar nicht in Wolken oder Dunkelheit, sondern wie Johannes so schön sagt: im Fleisch.

Gottes Herrlichkeit umgibt sich mit einer unscheinbaren und vergänglichen Hülle, um uns nahe zu kommen. Er kommt uns in Christus auf eine Weise nahe, in der wir es ertragen können. Aber eben auch in einer Weise, in der seine Herrlichkeit nicht für jeden gleich offensichtlich und erkennbar ist. Durch Christus hindurch dringt ein kleiner Lichtschein in das Dunkel unserer Welt und wir bekommen eine kleine Ahnung von seiner Herrlichkeit.
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Psalm 89 – Ehrfurcht und Respektlosigkeit

Interessant fand ich bei diesem Psalm, wie mit Gott argumentiert wird. Da wird zunächst mal Gott gelobt und groß gemacht. Dann wird Gottes Bund mit David beschrieben und betont wie treu und gnädig Gott ist. Und selbst wenn die Nachkommen Davids Gottes Gesetz verlassen (V.31), so wird Gott doch treu bleiben und seinen Bund mit dem Haus David nicht aufgeben (V.34f). Es folgt die Beschreibung, dass es nun doch so aussieht, als ob Gott diesen Bund gebrochen hat (V.40) – wahrscheinlich hat wohl ein israelitischer König eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Das ganze gipfelt in der Klage, dass Gott sich doch bitte wieder zeigen soll und sich an seine Gnade und Treue erinnern soll (V.50).

Ich find’s cool, dass wir vor Gott nicht einfach in Ehrfurcht erstarren müssen und es gar nicht wagen dürfen auch nur andeutungsweise sein Handeln in Frage zu stellen. Der Psalm bekennt sich ganz klar zu Gottes Größe und Majestät. Aber zugleich fängt er an mit Gott zu diskutieren und will ihn förmlich zum Handeln überreden: „He Gott, du hast da doch mal versprochen, dass du David und seine Nachkommen beschützen willst! Wie sieht das jetzt aus? Warum verbirgst du dich? Ich weiß: Wir haben auch Mist gebaut – aber du bist doch schließlich Gott. Könntest wenigstens du deine Versprechen einhalten?“ Schön, wie sich hier Ehrfurcht und Respektlosigkeit mischen.
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Psalm 72 – Gerechte und barmherzige Politik

Ein Psalm der wahrscheinlich bei der Krönung der Könige von Juda vorgetragen wurde. Also ein offizielles Dokument, das nicht nur religiöse Bedeutung hatte, sondern auch politische. Der Psalm ist so etwas wie eine Fürbitte für den König, die Bitte darum, dass er seine Aufgabe im Sinne Gottes ausführen kann und dass Gott ihn für diese Aufgabe segnet (so was gibt’s ja bis heute: man denke an Rick Warrens Gebet bei der Amtseinführung von Obama).

Spannend ist, welche Dinge für den König damals als wichtig erachtet wurden. Ich fasse das mal mit den beiden Begriffen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zusammen: Der König soll das Volk mit Gerechtigkeit richten und die Elenden retten (V.2). Ich finde es sehr sinnvoll, dass beide Begriffe aufeinander bezogen und miteinander verbunden werden. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit wird kalt und herzlos. Aber auch der Barmherzigkeit fehlt etwas, wenn sie nicht mit Gerechtigkeit verbunden wird.

Wie andere Psalmen, in denen es um irdische Könige geht, weist dieser Psalm über sich selbst hinaus. Die Schilderung des Königs übersteigt unsere menschliche Realität, da ist vieles eher Traum und Wunsch, als ernsthaft umsetzbare Wirklichkeit. Deswegen wird dieser Psalm inzwischen zurecht im Judentum messianisch verstanden: Irgendwann wird der eine König kommen, der diesen Traum vom Königtum auch wirklich umsetzen wird. Wir Christen glauben, dass dieser König schon angefangen hat zu regieren (wobei auch wir noch von der Vollendung träumen).

Die Gefahr bei solch einem Verständnis ist aber, das man diese Träume zu schnell in den Bereich des Utopischen abschiebt und unsere „Realpolitiker“ zu schnell von solchen Idealen entlastet. Man denkt: „So zu regieren ist sowieso unrealistisch, das sind schöne Träume, die nichts mit realer Politik zu tun haben.“ Aber ein bisschen mehr Mut zu Visionen und zum Träumen, würde auch heutigen Politikern gut tun. Auch wenn unsere Versuche bruchstückhaft bleiben, sollten wir uns trotzdem mit aller Kraft für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einsetzen.
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Psalm 48 – Der tiefere Blick

Naja, das ist ja jetzt doch etwas übertrieben, oder?! Es geht in dem Psalm um Jerusalem, die Stadt Gottes. Die Stadt und der Berg Zion werden hier in den höchsten Tönen gepriesen. Der Berg Zion wird als „Gottesberg fern im Norden“ bezeichnet und damit wird eine verbreitete Vorstellung im Alten Orient aufgenommen, von einem sagenhaften und mythischen Götterberg im Norden. Wer schon mal in Jerusalem war, der weiß, dass die Stadt dort eher auf einem Hügel, als auf einem imposanten Berg liegt…

Dann wird beschrieben, wie sich Könige gegen die Stadt verbünden und sie erobern wollen. Aber allein der Anblick Jerusalems versetzt sie in Angst und Schrecken. Noch bevor sie irgend etwas tun fliehen sie schon wieder entsetzt. Auch das ist historisch gesehen pure Übertreibung. Im Gegenteil: wir wissen, dass Jerusalem verschiedene Male erobert wurde.

Ist das jetzt alles nur peinliche Übertreibung? Typisch für Gläubige: „Die nehmen die Realität nicht mehr richtig wahr und leben in einer Traumwelt“? Oder sehen die Psalmbeter hinter einer oft bescheidenen Wirklichkeit eine tiefere Wahrheit? Ich muss dabei, ähnlich wie bei Psalm 47 gestern, an Jesus denken. Der Evangelist Johannes beschreibt seinen Tod am Kreuz als Erhöhung (Joh. 12,32f). Er betont in seiner Passionsgeschichte die königlichen Züge Jesu (Joh. 18,37). Aber alles verborgen unter der Armseligkeit und Erbärmlichkeit des Kreuzestodes. Das sieht alles nicht nach Triumph und Herrlichkeit aus, aber für Johannes liegt hinter der sichtbaren Oberfläche eine tiefere Wahrheit. Vielleicht ist es in diesem Psalm ähnlich.
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