Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten)

Ishiguro: Never let me goDen Roman habe ich während eines Urlaubs in England auf englisch gelesen. Zuerst hab ich gedacht es liegt an meinen mangelhaften Englisch-Kenntnissen, dass ich so manches des Erzählten nicht gleich verstanden habe oder nicht so richtig einordnen konnte. Mit der Zeit hab ich dann festgestellt, das liegt nicht an meinem Englisch, sondern an der Geschichte.

Eine einundreissigjährige Frau erzählt aus ihrer Kindheit in einer Art Internat in England. Es geht auf der einen Seite um die typischen Schülererfahrungen und um eine sich entwickelnde Dreiecksbeziehung zwischen der Erzählerin Kathy und ihren Mitschülern Tommy und Ruth. Doch von Anfang an merkt man, dass mit diesem „Internat“ etwas nicht stimmt. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was der Hintergrund ist. Die Schüler werden von ihren Aufseherinnen als etwas ganz besonderes bezeichnet, sollen sich gesund ernähren, viel Sport treiben und sich auch künstlerisch entwickeln. Immer wieder kommt eine Frau, „Madame“ genannt, um die besten Schülerkunstwerke für eine Ausstellung mitzunehmen. Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten) weiterlesen

Epheser 6, 1-9 Imitieren oder übertragen

Auch in diesem Abschnitt besteht biblischer Gehorsam nicht darin, dass wir versuchen das Leben der Urchristen zu imitieren. Denn dann müssten wir uns wieder den damaligen kulturellen Gegebenheiten anpassen und uns wieder Sklaven anschaffen. Es geht um die Aussageabsicht, mit der Paulus in damalige kulturelle Gegebenheiten hinein spricht.

Und da fällt auf, dass er nicht nur das damals Selbstverständliche fordert (nämlich dass Kinder ihren Eltern gehorchen und dass Sklaven ihren Herren gehorchen), sondern dass er auch die Väter und die Herren dazu auffordert, ihre Kinder und Sklaven nicht ungerecht zu behandeln, sondern in der Verantwortung vor dem Herrn.

Auch wenn es nicht direkt ausgesprochen wird, so sprechen diese Aufforderungen doch tendenziell für eine Veränderung dieser hierarchischen Strukturen hin zu einem partnerschaftlichen Miteinander. Alle miteinander, Eltern und Kinder, Herren und Sklaven, stehen in der Verantwortung vor Gott.

Biblischer Gehorsam heißt nun zu überlegen, was diese Aufforderungen in unserer heutigen Kultur bedeuten könnten: Im Miteinander von Eltern und Kindern, oder z.B. auch im Miteinander von Chef und Angestellter.

| Bibeltext |

Die Reha – Sonntag

Sonntag! War heute morgen wieder im Gottesdienst der ev. Kirchengemeinde hier in Bad Buchau. Obwohl mich heute nicht wie letzte Woche ein Wort so direkt und tief getroffen hat, tat der Gottesdienstbesuch gut. Es ist irgendwie ein Gefühl von Heimat, selbst wenn man niemanden kennt und man auch von niemandem angesprochen wird.

Die Kirche hier ist schön klein  und gemütlich. Die Wände hell gestrichen, eine kleine Empore mit Orgel, Holzbänke und vorne ein Kirchenfenster auf dem Jesus mit drei Kindern abgebildet ist. Ein kleines Kind hält er auf dem Arm, einem anderen legt er segnend seine Hand auf und ein drittes kniet anbetend vor ihm. Obwohl das etwas kitschig ist, gefällt mir das Bild. Ich möchte auch immer wieder wie ein Kind zu Jesus kommen und ihn anbeten und mich von ihm tragen und segnen lassen.

Seit meiner Operation ist für mich jeder Gottesdienst noch einmal viel wertvoller und wichtiger geworden. Durch die Erfahrung von Gottes Bewahrung habe ich das Gefühl, dass ich empfänglicher für ihn und seine Worte geworden bin. Für mich ist jeder Sonntag eine Feier des Lebens. Wir feiern ja jeden Sonntag die Auferstehung Jesu. Sonntag ist Auferstehungstag. Sonntag ist die Feier des Sieges über den Tod. Sonntag ist die Feier des Lebens!

Gestern hatte ich Besuch von der Familie. Es war schön! 🙂 Beim Verabschieden fragte unser Jüngster: „Können wir Daddy mitnehmen?“ Bei diesem Wunsch geht einem als Papa das Herz auf! Wir haben dem Kleinen erklärt, dass ich noch ein paar Wochen hier bleiben muss. Meine Frau hat ihn dann gefragt, ob er gerne hier bei Daddy bleiben möchte. Und er hat gesagt: „Ja!“ 🙂

Matthäus 21, 12-18 – Für Gott nur das Beste

Wieder einmal ertappe ich mich bei so einem typischen Bibellesen-Gedanken: „Ach, die Tempelreinigung. Den Text kenn ich gut, gäähhhn.“ Und dann entdeckt man doch wieder so manches Neues! Fantastisch dieses Buch, oder?! Der Text ist ganz und gar nicht langweilig und auch nicht so altbekannt wie ich dachte.

Mir war nicht mehr bewusst, dass Jesus nicht nur die Händler hinaustreibt, sondern auch die Käufer. Er wendet sich nicht nur gegen die religiösen Geschäftemacher, sondern auch gegen diejenigen, die sich darauf einlassen. Spannend ist außerdem dass (zumindest bei Matthäus) Jesus danach Blinde und Lahme im Tempel heilt. Menschen Heilung zu schenken entspricht offensichtlich sehr viel mehr Gottes Wille für den Tempel.

Was mich bei der Matthäus-Variante der Tempelreinigung besonders erstaunt hat, war die Reaktion der Hohenpriester und Schriftgelehrten. Sie sind natürlich gegen Jesus. Aber so wie Matthäus das darstellt, sind sie vor allem von den Heilungswundern und den Hosianna-Rufen der Kinder genervt. Sie scheinen sich weniger darüber aufzuregen, dass Jesus auf recht aggresive Weise die Geschäftemacher rauswirft, als viel mehr darüber, dass Jesus Blinde, Lahme und Kinder in den Tempel lässt!

Das ist wahrscheinlich das revolutionärste bei Jesus: Dass man sich den Zugang zu Gott nicht erst erkaufen oder verdienen muss, sondern dass gerade die Krüppel, Armen, Hilflosen, Kranken und die Kinder zu Gott kommen dürfen. Nach damaligem Verständnis haben Blinde, Lahme und Kinder nichts im Tempel verloren. Um Gott angemessen dienen zu können, musste man (in Anlehnung an alttestamentliche Vorstellungen) rein und perfekt sein. Man muss untadelig sein und durfte auch keine körperlichen Fehler haben. So nach dem Motto: „Für Gott nur das Beste!“ Jesus stellt das auf den Kopf und sagt: Nein, gerade das Kaputte und scheinbar Minderwertige darf zu Gott kommen.

Matthäus 20, 17-28 – Nix kapiert?

KroneJesus muss von seinen Jüngern manchmal ganz schön angenervt gewesen sein. Da hat er ihnen immer wieder deutlich gemacht, dass sie einander dienen sollen, dass es nicht darauf ankommt, größer, toller und wichtiger zu sein als die anderen, er hat ihnen Kinder als Vorbild hin gestellt und betont, dass der Kleinste der Größte im Himmelreich sein wird – und dann sowas! Er erzählt seinen Jüngern, dass sie nach Jerusalem gehen, dass er dort sterben wird und nach drei Tagen wieder auferstehen wird. Und was geht den Jüngern durch den Kopf? Für sie ist das wichtigste Problem, wer den mal mit Jesus im Himmel regieren darf: Die Mutter von Jakobus und Johannes fragt bei Jesus an und bittet, dass ihre beiden Söhne den Ehrenplatz neben Jesus bekommen sollen. Leiden, Kreuz und Schmerz scheint sie gar nicht zu interessieren – stattdessen starren sie ganz gebannt auf die himmlische Königskrone und wollen selbst möglichst viel davon abbekommen.

Das ist doch krank, oder? Nix kapiert?!? Aber sind wir, bin ich wirklich so viel besser? Hab ich das drauf: mich klein zu machen und anderen ohne Hintergedanken zu dienen? Schaff ich das: Von mir selbst weg zu schauen und mich selbst nich so wichtig zu nehmen? Gibt es nicht auch bei uns – oft unter manchem scheinbar frommen Deckmantel – sehr viel Egoismus und Selbstzentriertheit?

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Foto: Helga / pixelio.de

Matthäus 19, 16-26 – Religiöser Streber

Je länger ich diesen Text kenne, desto mehr kann ich das Entsetzen der Jünger nachvollziehen. Da kommt Einer zu Jesus, der es echt ernst meint mit dem Glauben und der vorbildlich Gottes Gebote befolgt. Aber Jesus sagt, dass das nicht reicht. Wenn er wirklich einen Schatz im Himmel haben will (wenn er also die himmlische Rettung erreichen möchte), dann muss er seinen Besitz verkaufen (ALLES!!!), das Geld den Armen geben und Jesus nachfolgen.

Also ich kenn niemanden (zumindest nicht persönlich), der diesen Maßstäben genügt. Da ist es wirklich leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelör geht, als dass ein Mensch, der auch nur ein bisschen was besitzt, in den Himmel kommt. Die Jünger sind zurecht entsetzt und fragen nach der logischen Konsequenz: Wer kann dann überhaupt noch selig werden? Niemand, oder?!?

Beim Lesen heute ist mir besonders der Zusammenhang aufgefallen. Im Abschnitt davor stellt Jesus die Kinder als Vorbild hin und sagt: „… solchen gehört das Himmelreich.“ (Mt. 19,14) Verrückt, oder? Der tolle reiche Jüngling, der ein fast schon perfektes religiöses Leben führt, der hat so gut wie keine Chance gerettet zu werden. Und die Kinder, die rein gar nichts vorweißen können, die gehören schon automatisch zum Himmelreich dazu!

Die Konsequenz: Versuch nicht ein religiöser Streber zu sein, der sich den Himmel verdienen will, sondern versuch ein Kind zu sein, das mit leeren Händen zu Gott kommt!

Matthäus 19, 13-15 – Ein Kind

Ich möchte auch mehr sein wie diese Kinder! Ich möchte keiner von diesen scheinheiligen Pharisäern sein, die wunderbar über das Für und Wider einer Ehescheidung aus biblischer Sicht diskutieren können. Ich möchte keiner von diesen besserwisserischen Jüngern sein, welche die Kinder wegschicken wollen, weil die sowieso nur bei der Predigt stören. Ich möchte keiner von diesen neunmalklugen Erwachsenen sein, die meinen, alles über Jesus zu wissen und die immer schön darauf achten, dass alles ordentlich abläuft.

Ich will ein Kind sein das spürt, dass von diesem Mann aus Nazareth ein besonderer Zauber ausgeht. Ich will ein Kind sein, das nicht so viel nachdenkt, sondern einfach diesen freundlichen Augen und der warmen Stimme vertraut. Ein Kind, das ganz intuitiv spürt: Er meint es gut mit mir, bei ihm bin ich sicher. Ein Kind, das keine Ahnung hat was Segen eigentlich bedeutet, das aber Gottes Wärme und Liebe durch diese segnende Hand hindurch fühlt. Ein Kind, das sich von diesen starken und zärtlichen Armen halten und drücken lässt.

Matthäus 18, 1-5 – Kindisch

Was heißt das denn, wie die Kinder werden? Sind es nicht gerade die Kinder, die immer die Größten und Stärksten sein wollen? Welches Kind träumt denn nicht davon, ein unbesiegbarer Superheld zu sein, den alle bewundern? Kinder können ganz schön brutal und rücksichtslos sein, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. Wahrscheinlich können das so ziemlich alle Eltern bestätigen, dass Kinder normalerweise ganz und gar nicht bescheiden und demütig sind. Das Teilen und abgeben müssen sie erst mühsam lernen. Gerade dieser Rangstreit unter den Jüngern ist ja eigentlich ziemlich kindisch. Warum stellt Jesus hier ein Kind als Vorbild hin?

Vielleicht war das in der damaligen Gesellschaft ja noch etwas anders. Da hatten Kinder wahrscheinlich gar keine andere Wahl, als bescheiden und demütig auf die Großen zu hören. Aber ich glaube der eigentlich Punkt ist nicht eine bestimmte Verhaltensweise von Kindern. Es geht um die objektive Abhängigkeit, in der sie sich befinden. Sie brauchen Erwachsene, die für sie sorgen. Sie brauchen jemand, der ihnen Essen, Trinken, Schutz, Geborgenheit und noch vieles mehr gibt.

Wer sich selbst als solch ein Kind Gottes sehen kann, der ist der Größte im Himmelreich. Wer begreift, dass er in völliger Abhängigkeit von Gott lebt, der hat das entscheidende geblickt. Und dann gibt es auch keinen Grund mehr, dass sich ein Kind über das andere erhebt. Wobei das ja bis heute ein Problem auch von uns Christen bleibt – wir scheinen da ein bisschen schwer von Begriff zu sein. Und selbst wenn wir’s mit dem Kopf verstanden haben, spielen all zu oft die Gefühle da nicht mit.

Matthäus 7, 7-11 – Weihnachtswünsche

„Wer bittet, dem wird gegeben.“ Ich habe das schon erlebt: dass ich Gott um etwas bitte und er erhört dieses Gebet. Aber ich habe noch öfter erlebt, dass Gebete nicht erhört werden, zumindest nicht so wie man sich das vorstellt. Diese nicht erhörten Gebete machen vorsichtig und misstrauisch. Was ist, wenn ich voller Glaube und Überzeugung für etwas bete und Gott hört nicht? Auch wenn es Dinge sind, von denen ich felsenfest überzeugt bin, dass sie dem Willen Gottes entsprechen? Und mit der Zeit wird man immer zurückhaltender und denkt: Naja, Gott wird schon wissen was er tut. Er wird das alles schon richtig machen, auch wenn ich ihn nicht darum bitte…

Einer meiner Söhne hat jetzt schon jeden Tag einen anderen Wunsch, was er denn unbedingt zu Weihnachten möchte. Diese Wünsche wechseln wirklich täglich. Jeden Tag auf’s neue sagt er: „Das will ich! Nur das, sonst nichts!“ Am nächsten Tag hat er dann einen anderen Wunsch. Vielleicht geht es Gott mit unseren Wünschen und Gebeten manchmal ähnlich. Er weiß ganz genau, dass die Erfüllung all unserer Wünsch zu viel des Guten wären. Er weiß ganz genau, dass morgen wieder ein anderer Wunsch wichtig wird. Und trotzdem hört er sich geduldig all die Gebete an und freut sich, wenn seine Kinder zu ihm kommen. Und am Ende wird er dann doch ein passendes Weihnachtsgeschenk heraus suchen…

Gebetsschlaf

Gestern trafen sich einige Mitarbeiter vor einer Veranstaltung mit Kindern in einem Nebenraum. Wir haben miteinander für die Veranstaltung und für die Kinder gebetet. Plötzlich höre ich, wie hinter mir die Tür aufgeht, man hört Kinderstimmen – natürlich hab ich als pflichtbewusster Beter meine Augen geschlossen gehalten und mich nicht umgedreht. Dann hört man eine helle Kinderstimme: „Schlafen die?!?“ Ich platze innerlich fast vor Lachen, bewahre aber Haltung…