Sacharja 14 Es wird ein Happy End geben

Machen mir solche apokalyptischen Bilder Angst oder sind sie eher tröstlich? Sacharja sagt, dass große Katastrophen kommen werden, aber er sagt auch, dass am Ende Gott Sieger sein wird und dass ein großer Friede anbrechen wird. Für mich ist bei solchen Texten die Zielrichtung wichtiger: Trotz aller Schwierigkeiten und durch alles Leid hindurch wird Gott zum Ziel kommen.

Mir ist aufgefallen, dass wir diese apokalyptische Grundstruktur bis heute in vielen Filmen und Büchern wiederfinden. Es geschehen große Katastrophen mit viel Kampf und Leid, aber am Ende gibt es ein Happy End. Am Ende siegt das Gute. Diese Botschaft spricht uns wohl noch heute ganz tief im Innern an. Wir ahnen, dass es ein Happy End nicht ohne Kampf geben wird, wir ahnen, dass der große Friede nicht einfach so selbstverständlich vom Himmel fällt. Auch im Glauben ist es nicht anders. Gott dauerhaft und treu vertrauen zu können ist auch nicht etwas, das einfach so vom Himmel fällt. Auch das muss immer wieder neu erkämpft werden. Aber es wird ein Happy End geben. Nicht weil mein Glaube so groß ist, sondern weil mein Gott so groß ist.

| Bibeltext |

Hesekiel 33, 1-9 Das Katastrophenhorn blasen?

Die Aufgabe des Propheten Hesekiel wird hier als die eines Wächters beschrieben. Er ist wie ein Wachmann, der mit einem Posaunenton Alarm schlägt, wenn der Feind anrückt. Er kann nicht verhindern, dass der Feind kommt und er kann auch nicht beeinflussen, wie die Hörer auf den Warnruf reagieren. Wenn man Hesekiel mit anderen Propheten, im Extremfall mit Jona vergleicht, so stellt man fest, dass es durchaus Unterschiede gibt, wie dieses Wächsteramt ausgeübt wird. Jona geht nur widerwillig nach Ninive und verkündigt dort kurz und lustlos das drohende Gericht Gottes. Hesekiel warnt über Jahre hinweg mit großem persönlichen Einsatz und auf immer neue kreative Weise vor einem Leben ohne Gott. Das dramatische ist, dass Jona „Erfolg“ hat (die Einwohner Ninivehs kehren um) und Hesekiel nicht. Ganz schön frustrierend, was Gott da seinem Propheten zumutet.

Ich habe mich bei diesem Text gefragt, ob wir Christen heute eine ähnliche Aufgabe haben? Müssen wir die Menschen vor dem Gericht Gottes warnen? Ich denke, unsere Botschaft ist anders, sie ist mehr als nur vor dem Untergang zu warnen. Wir haben nicht die Botschaft weiter zu geben, dass der Feind vor den Toren steht, sondern wir haben die Botschaft weiter zu geben, dass der Erlöser vor der Tür steht. Das ist etwas anderes! Unsere Aufgabe ist nicht Katastrophenangst zu schüren, sondern Hoffnung zu wecken und zum Leben einzuladen. Natürlich ist es einfacher, laut und kräftig in das Katastrophenhorn zu blasen. Aber angemessener ist es, auf möglichst vielfältige und einladende Weise zum Tanz des Lebens aufzuspielen.

| Bibeltext |

Hesekiel 9 Wirkt Gott Unglück?

Kein angenehmes Kapitel: Hesekiel sieht in einer Vision, wie Todesengel durch Jerusalem gehen und einen Großteil der Bevölkerung erschlägt. Nur wer sich nicht am Götzendienst beteiligt hat, bekommt ein Zeichen auf die Stirn und wir verschont. Einige Jahre später kommt für Jerusalem tatsächlich die große Katastrophe: die Babylonier erobern die Stadt, zerstören den Tempel, viele Bewohner kommen um oder werden in das babylonische Exil gebracht.

Wie jedes geschichtliche Ereignis kann man diese Geschehnisse auch ohne Gott deuten: das ist halt politisch blöd gelaufen, vielleicht hätte man doch eine andere Bündnispolitik wählen sollen. Die Bibel deutet jedoch die Geschichte des Volkes Gottes immer auf dem Hintergrund ihrer Beziehung zu Gott. Der Untergang Jerusalems wurde von Hesekiel schon prophetisch und danach auch von anderen als Strafe Gottes für den Unglauben des Volkes gedeutet.

Ist damit im Umkehrschluss jedes geschichtliche Ereignis direkt ein Wirken Gottes? Ist jede Katastrophe, jedes Unglück eine Strafe Gottes für Unglauben? Ist z.B. das Erdbeben in Japan eine Strafe Gottes für die Vielgötterei der Japaner? Mit Umkehrschlüssen ist es immer so eine Sache, das ist oft gefährlich. Jesus verneinte solch einen pauschalen Zusammenhang: als in Siloah ein Turm einstürzte und achtzehn Menschen erschlug, lehnte er es ab, darin eine direkte Strafe Gottes für diese achtzehn Menschen zu sehen (Lk. 13,1-5). Trotzdem können uns solche Ereignisse wachrütteln und dazu bringen uns wieder neu Gott zuzuwenden. So sieht es auch Jesus bei dem Unglück in Siloah: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.“ (Lk.13,5) Er deutet das Unglück nicht als von Gott gewirkte Strafe für die achtzehn Menschen, aber er sieht darin einen Anlass zu Buße, zur Umkehr.

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