Apostelgeschichte 25, 1-12 Machterhaltungspolitik

Auch unter dem neuen Statthalter Festus ergeht es Paulus nicht besser. Im Gegenteil: Während Felix zumindest noch die Unschuld des Paulus erkannt hat und ihn nicht den Juden ausliefern wollte, ist Festus die Sache offensichtlich völlig egal. Er will sie nur schnell klären und er will es sich nicht gleich zum Amtsantritt mit der jüdischen Führungsschicht verderben (V.9). Deswegen ist er bereit, auf ihre Forderungen einzugehen und den Prozess in Jerusalem weiterzuführen. Paulus bleibt darum nur die Berufung auf den Kaiser. Als römischer Bürger hat er das Recht sich auf die höhere Instanz in Rom zu berufen.

Festus will nicht für Recht und Gerechtigkeit sorgen, sondern ist nur besorgt um seinen eigenen Machterhalt und ein möglichst reibungsloses regieren. Da hat sich grundsätzlich bis heute nicht viel verändert in der Welt. In westlichen Demokratien haben wir zum Glück mehr Grundrechte und können Politiker in gewissen Abständen auch abwählen. Aber das Verhalten von Politikern ist auch heute oft in erster Linie am eigenen Machterhalt ausgerichtet.

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Lukas 20, 20-26 Eine ausweichende Politikerantwort?

Noch stärker als Markus betont Lukas, dass die Fragesteller Jesus reinlegen wollten. Im Hintergrund der Frage steht, wie man sich als frommer Jude gegenüber der römischen Besetzungsmacht verhalten sollte. Soll man dem römischen Kaiser Steuern bezahlen oder nicht? Wenn man keine Steuern bezahlt, dann bedeutet das Aufstand gegen Rom. So manche Juden (die sogenannten Zeloten) forderten das damals. Sagt Jesus nun ja, so kriegt er Ärger mit den Zeloten. Sagt er nein, dann können ihn seine Gegner an die Römer verpfeifen.

Jesus antwortet: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Er lässt sich nicht auf diese Alternative ein, sondern gibt eine schlaue Antwort, mit der er den Kopf aus der Schlinge zieht. Aber ist das jetzt nur eine taktische Antwort, um ungeschoren davon zu kommen? Eine typische Politikerantwort, um der Frage auszuweichen und im Grunde um den heißen Brei herum zu reden?

Nein, es ist eine Antwort, die Jesus auch so meint. Unabhängig von der fiesen Fragestellung. Jesus macht damit deutlich, was für ihn im Zentrum steht. Es geht um Gottes Anspruch auf unser ganzes Leben. Wenn unser Leben ganz Gott gehört, dann kann der Kaiser ruhig unsere Steuern haben. Das heißt nicht, dass alle politischen Fragen unwichtig sind – aber sie betreffen nicht den Kern meines Gottesverhältnisses. Wie ich mein Leben aus diesem Kern heraus dann gestalte, das kann und muss durchaus auch politische Folgen haben.

| Bibeltext |

1. Petrus 2, 11-17 – Kadavergehorsam?

„Seid untertan aller menschlichen Ordnungen um des Herrn willen es sei dem König als dem Obersten oder den Statthaltern…“ (V.13f) Das klingt doch sehr nach christlichem Kadavergehorsam. Als Christ soll man den Mächtigen gehorsam sein und ja nicht die bestehenden Ordnungen durcheinander bringen. Aber V.17 rückt dieses Missverständnis dann wieder zurecht: „Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König.“ Sehr schön wird hier differenziert: Der König ist zu ehren – aber Gott zu fürchten. Das erinnert an Jesu Ausspruch: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Mt.22,21)

Das heißt für mich: Im Zweifelsfall liegt meine Loyalität ganz klar bei Gott. Solange die menschlichen Ordnungen nichts fordern was dem Willen Gottes widerspricht, habe ich mich unterzuordnen. Wenn aber die Mächtigen sich gegen Gott stellen oder etwas verlangen, was ich mit meinem Glauben nicht vereinbaren kann, dann habe ich Gott mehr zu fürchten als alle menschlichen Ordnungen.Bibeltext