Josua 24 Willst du?

Das letzte Kapitel des Josuabuches. Es geht zum Abschluss noch einmal um die alles entscheidende Frage: Wollt ihr Gott vertrauen und ihm gehorsam sein oder wollt ihr euer Vertrauen auf andere Götter setzen? Nicht das Land ist letztendlich entscheidend, sondern das Vertrauen auf Gott. Josua sagt pointiert: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ (V.15)

Erstaunlich ist, dass Josua überhaupt diese Frage stellen muss. Und aus dem Text wird ersichtlich, dass er sie ernsthaft stellt. Er rechnet damit, dass auch jetzt noch fremde Götter verehrt werden (V.23)! Da ist Israel seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten mit Gott unterwegs und trotzdem muss diese Frage immer wieder neu gestellt werden: Will du Gott folgen oder nicht? Da haben sie wunderbare Dinge mit Gott erlebt und trotzdem ist die reale Gefahr da, dass sie ihr Herz an andere Götter hängen.

Das ist wohl auch bei uns so: Selbst wenn wir seit Jahrzehnten ein Leben mit Gott führen, müssen wir uns immer wieder neu fragen: Will ich diesem Gott wirklich vertrauen? Glaube darf nicht zur oberflächlichen Gewohnheit werden, sondern muss immer wieder neu bewusst gewollt werden.

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Josua 23 Stückwerk

Auch in diesem Abschnitt wird noch einmal deutlich, dass die Israeliten nicht alle Völker aus dem verheißenen Land vertreiben konnten (V.7). Gerade darum warnt Josua so eindringlich davor, sich mit diesen verbliebenen Völkern zu vermischen und vor allem davor, ihre Götter zu übernehmen. Obwohl nicht das ganze Land im Besitz Israels ist, kann Josua seinen Landsleuten sagen, „dass nichts dahingefallen ist von all den guten Worten, die der Herr, euer Gott euch verkündigt hat.“ (V.14)

Mein Leben als Christ kommt mir manchmal ähnlich vor: es bleibt Stückwerk.Ich darf viele gute Erfahrungen mit Gott machen, es gibt viele Bereiche, in denen Gott für mich streitet und Veränderung geschieht. Aber es bleiben auch immer Landstriche meines Lebens zurück, in denen nicht alles perfekt läuft. Die Israeliten mussten sich damit abfinden, dass im gelobten Land weiterhin andere Völker lebten und sie mussten darum um so fester und treuer an Gott festhalten. Ich muss mich als Christ damit abfinden, dass mein Christsein Stückwerk bleibt und ich muss mich darum um so fester und treuer an Gott festhalten. Was wir von Josua lernen können: nicht auf das schauen, was Gott noch nicht getan hat, sondern auf das, was er bereits getan hat.

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Josua 22 Ein missverstandener Altar

Ein seltsames Kapitel. Zuerst werden die Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse überschwänglich von Josua gelobt, weil sie den anderen Stämmen geholfen haben, das Land zu erobern: „Ihr habt alles gehalten, was euch Mose, der Knecht des Herrn, geboten hat, und habt gehorcht meiner Stimme in allem, was ich euch geboten habe.“ (V.2) Und kurz darauf will Josua mit der ganzen Gemeinde Israel gegen diese Stämme in den Krieg ziehen (V.12). Was ist passiert?

Bei ihrer Rückkehr ins Ostjordanland haben die zweieinhalb Stämme einen Altar am Jordan gebaut. Das wurde von den anderen Stämmen offensichtlich als Verrat an dem einen Gott gedeutet (der nur an einem gemeinsamen Ort verehrt werden soll). Die zweieinhalb Stämme erklären daraufhin, dass der Altar nicht zum Opfer dienen soll, sondern als „Zeuge“, dass sie zusammen mit den anderen Stämmen Gott dienen wollen. Durch diese Erklärung herrscht dann wieder Frieden.

Erschreckend und traurig, wie schnell das Vertrauen zwischen Menschen zerbrechen kann.Da haben die zweieinhalb Stämme ihr Leben riskiert, um ihren Brüdern bei der Eroberung des Landes zu helfen und werden dafür ausdrücklich gelobt. Aber kurz darauf kommt es durch ein Missverständnis fast zum Krieg! Aber das ist ja bis heute so: ein kleines Missverständnis reicht aus, um eine scheinbar heile Gemeinschaft an den Abgrund zu führen. Damals wie heute ist wichtig: den anderen anhören und seine Beweggründe nachvollziehen.

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Josua 21 Gast im Land Gottes

Der Stamm der Leviten bekommt bei der Landverteilung zwar kein Land zugewiesen, sie bekommen aber Orte, an denen sie wohnen können und dazu Weideplätze für ihre Viehherden. Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: „Mit ihrer Weidewirtschaft setzen sie in gewisser Weise die halbnomadische Lebensweise der ‚Väter‘ Israels fort, die noch kein Besitzrecht im Land hatten. Man kann darin ein Sinnbild sehen: Der Stamm Levi, den Gott für sich in Anspruch nimmt, bezeugt durch sein Dasein und seine Lebensweise, dass Israel das Gott geheiligte Volk ist, das in dem geschenkten Land Gottes ‚Gast‘ ist und bleibt.“

Das gilt ja auch für uns: Wir sollen haben als hätten wir nicht (1. Kor. 7,29-31). Gott beschenkt uns mit irdischen Gütern und die dürfen wir auch genießen. Aber wir sollten uns immer bewusst sein: das ist nicht das Letzte und Wichtigste. Wir dürfen uns nicht von irdischem Besitz abhängig machen – denn wir sind nur von Gott abhängig. Wir sind hier nur zu Gast…

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Josua 20 Rache macht blind

In diesem Kapitel geht es um die Bestimmung von Freistätten. In diese Städte konnte jemand fliehen, der ohne Vorsatz jemand getötet hatte. Bevor die damals für Mord übliche Todesstrafe übereilt vollzogen wurde, konnte so in Ruhe überprüft werden, ob es vorsätzlicher Mord war oder ein Unfall. So wie ich das verstehe, verhinderte dies vor allem die vorschnelle Blutrache der Angehörigen des Getöteten. Die hoch emotionale Spirale von Gewalt und Gegengewalt wurde unterbrochen, um nüchtern zu prüfen, welche Schuld tatsächlich vorliegt.

Ein wenig erinnert mich das an die besonnene Reaktion des norwegischen Ministerpräsidenten Stoltenberg auf die brutalen Anschläge und Tötungen des Attentäters Breivik. Natürlich ist der Zusammenhang ein anderer. Breiviks Schuld ist klar und offensichtlich. Aber auch Stoltenberg hat erkannt, dass blinde Rache keine Lösung ist. Beeindruckend, wie Stoltenberg Gewalt nicht mit Gegengewalt bekämpfen will, sondern mit mehr Demokratie und mehr Offenheit.

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Josua 19 Wie gewonnen, so zerronnen

Aufgefallen in diesem Kapitel ist mir die Zuteilung des Landes an den Stamm Dan. Dan sollte ursprünglich ein Gebiet westlich vom Stamm Benjamin bekommen. Doch dann wird berichtet: „Dem Stamm Dan aber ging sein Gebiet verloren, und er zog hinauf und kämpfte gegen Leschem und eroberte und schlug es mit der Schärfe des Schwerts und nahm es ein.“ (V.47) Dieses neue Gebiet liegt ganz im Norden des verheißenen Landes, also an einem völlig anderen Ort als vorgesehen. Dieser Verlust und die Neueroberung wird in Josua 19 nicht kommentiert, sondern einfach nur festgestellt.

Finde ich interessant, dass Dan durch göttliches Los ein Landstück zugeteilt bekommt, dann aber zu schwach ist, um es gegen die ursprünglichen Bewohner zu verteidigen. Dafür gelingt es dem Stamm, woanders ein neues Gebiet zu erobern. Dazu fällt mir eine Liedzeile ein: „You give and take away.“ War das nun Schwachheit und Versagen von Dan, dass er das ursprüngliche Gebiet aufgab, oder war es eine kluge und gottgewollte Entscheidung,sich ein anderes Gebiet zu suchen? Die Frage stellt sich ja uns heute auch in unserem Leben: an welchen Stellen lohnt es sich zu kämpfen und wo ist es sinnvoll dem Kampf auszuweichen und an anderer Stelle etwas Neues auszuprobieren?

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Josua 18 Erkämpfte Geschenke

Auch hier taucht wieder auf, was durch das ganze Josuabuch hindurch immer wieder deutlich wird: Gott beschenkt sein Volk – aber sein muss sich auch um dieses Geschenk kämpfen. Gottes Gaben fallen ihnen nicht einfach so in den Schoss. In V.3 macht Josua den verbleibenden sieben Stämmen folgenden Vorwurf: „Wie lange seid ihr so lässig, dass ihr nicht hineingeht, das Land einzunehmen, das euch der Herr, der Gott eurer Väter gegeben hat?“

Vom Neuen Testament her geht es bei uns Christen heute nicht darum, dass Gott uns ein bestimmtes Stück Land schenken will. Aber Gott beschenkt uns mit anderen Gaben. Seien es ganz geschöpfliche Fähigkeiten, die er in unser Leben hineingelegt hat oder seien es Gaben des Geistes, die er selbst in uns wirkt. Vielleicht stehen auch wir da in der Gefahr zu „lässig“ zu sein und darauf zu warten, dass sie uns in den Schoss fallen, anstatt darum zu kämpfen. Die Frage ist nur: wie sieht das aus? Wie sollen wir uns konkret um die Gaben bemühen, die Gott uns schon geschenkt hat?

Bei den Israeliten damals war der erste Schritt, das Land zu erkunden und genau aufzuschreiben welches Land Gott ihnen schon geschenkt hat. Dann wurde das Los darüber geworfen und die einzelnen Stämme konnten das Land in Besitz nehmen. Also erst mal herausfinden, was Gott mir schon geschenkt hat und dann darum kämpfen, dieses Geschenk auch in Besitz zu nehmen.

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Josua 16-17 Antiker Feminismus?

Bei der Landverteilung an die Josefsstämme Ephraim und Manasse kommt es zu einer interessanten Zwischenepisode. In der damalige patriarchalischen Gesellschaft war es selbstverständlich, dass die Söhne das Erbe bekamen. Nun wird aber von einem Ausnahmefall berichtet: ein Vater hatte fünf Töchter und keinen Sohn. Schon als Mose noch lebte, sicherte Mose nach dem Tod des Vaters den fünf Töchtern einen Anteil am Land zu (4. Mo. 27,1-11). Dieses Versprechen wird nun von Josua eingelöst: die Töchter bekommen auch ein Erbteil vom Land.Auch wenn das Ganze mehr mit antikem Stammesdenken zu tun hat als mit modernen Feminismus, so ist es für die damalige Gesellschaft doch etwas Bemerkenswertes und Ungewöhnliches.

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Josua 15 Die heilige Stadt

In diesem Kapitel werden die Grenzen des Stammes Juda genannt. Ziemlich trockene Gebietsangaben und eine Namensliste der Stämme Judas. Aber ein kleine Detail ist mir doch aufgefallen: von der Abgrenzung her gehörte eigentlich auch die Stadt Jerusalem zum Stammesgebiet Judas. Doch zur Zeit der Abfassung des Josuabuches, war Jerusalem offensichtlich noch keine israelitische Stadt. Jerusalem gehörte damals noch den Jebusitern (V.63) und erst David konnte sie erobern (2. Sam. 5,6-9) und sie zur Hauptstadt seines Reiches machen.

Find ich interessant, dass die (bis heute so umkämpfte und oft verklärte) heilige Stadt nicht von Anfang an von den Israeliten erobert wurde. Man könnte doch denken, dass Gott seinem Volk diese so wichtige Stadt gleich zu Beginn als eine besondere Perle der Landnahme schenkt. Nicht der Ort oder die Stadt an sich waren von vornherein besonders heilig, sondern zur heiligen Stadt wurde Jerusalem erst durch die Geschichte, durch das was Gott in dieser Stadt gewirkt hat. Vielleicht gibt es in meinem Leben auch noch so manche Orte, die noch von anderen Göttern bestimmt sind. Wenn ich sie Gott zur Verfügung stelle und er an diesen Orten wirkt, dann können auch daraus noch heilige Stätten werden…

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Josua 14 Göttliche Inkonsequenz

Gott behandelt alle gleich: das eroberte Land wird durch Los verteilt. Da wird nicht auf menschliche Weise darüber diskutiert, wer wo hin möchte, wer der Stärkste ist, wer welche Vorlieben hat. Da wird nicht um das beste Stück Land geschachert und machtpolitische Spielchen gespielt. Nein, es wird ganz einfach ausgelost, wer welches Landstück bekommt.

Gott behandelt nicht alle gleich: Kaleb spielte bei der ersten Erkundung des Landes eine besondere Rolle und hatte schon dort seine besondere Treue zu Gott gezeigt. Das wird nun dadurch belohnt, dass er die Stadt Hebron erhält. Gott sieht den Einzelnen, er sieht welches Herz ihm besonders treu ist und er gibt dafür seine besondere Anerkennung.

Ich mag diese göttliche „Inkonsequenz“. Grundsätzlich werden alle gleich behandelt. Aber Grundsätze sind nicht dazu da, um auf gesetzliche und alle Unterschiede einebnende Weise umgesetzt zu werden. Gott sieht uns nicht als unpersönliche Nummern, sondern als einzigartige Individuen. Er liebt uns alle in gleicher Weise, wir sind alle gleich viel Wert bei ihm – aber er sieht auch unsere Persönlichkeit, er sieht unser Herz an, er behandelt uns ganz individuell.

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