3. Johannes In der Wahrheit leben

Diese Formulierung ist mir bei dem Text heute besonders aufgefallen: In der Wahrheit leben (V.3 und 4). Johannes schreibt nicht „an die Wahrheit glauben“, sondern „in der Wahrheit leben“. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir modernen Menschen sind eher Menschen, die an eine Wahrheit glauben wollen, die etwas das sie überzeugt für wahr halten. Aber es geht um mehr. Es geht um ein „in der Wahrheit leben“, ein Durchdrungen werden des ganzen Lebens von der Wahrheit. Es geht um eine Wahrheit, die nicht nur mein Denken verändert, sondern die auch mein Fühlen und Handeln verändert.

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2. Johannes 7-13 Gott und Mensch

Der Abschnitt zeigt, dass es im 2. Johannesbrief noch um dasselbe Thema geht wie im ersten – die adressierte Gemeinde hat offensichtlich noch mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen: Es gibt Menschen welche die Gemeinde verwirren, weil sie leugnen, dass Jesus Christus wirklich ins Fleisch gekommen ist, d.h. dass er wirklich voll und ganz Mensch wurde. Interessant ist, dass ja genau dasselbe Thema ja auch im Johannesevangelium deutlich angesprochen wird: „Und das Wort ward Fleisch“ (Joh.1,14).

Von Anfang an war es wohl schwierig, sich Jesus zugleich als wahren Gott und als wahren Mensch vorzustellen. Je nach theologischem Schwerpunkt neigen wir auch heute dazu, uns Jesus eher als Menschen mit besonderen göttlichen Einsichten vorzustellen oder als Gott, der so tut als ob er Mensch wäre. Aber auch wenn wir mit unserer Logik hier an Grenzen kommen: Jesus war beides, Gott und Mensch.

So wie mein Bild von Jesus ist, so sieht auch mein Glaube aus. Wenn er nur Gott ist, dann fehlt meinem Glaube das Fleisch, mein Glaube wird blutleer, abstrakt und abgehoben. Wenn Jesus nur Mensch ist, dann wird mein Glaube klein, kraftlos und überfordert. Beides allein ist zu wenig…

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2. Johannes 1-6 Wahrheit und Liebe

In diesem Abschnitt stechen die Begriffe Wahrheit und Liebe hervor. Gott ist ein Gott der Wahrheit und der Liebe. Und darum sollen auch wir in der Wahrheit und der Liebe leben. Die Zusammenstellung zeigt, dass es nicht um eine kalte und abstrakte Wahrheit geht. Die Wahrheit kann so manches mal ja ernüchternd und hart sein. Es geht um eine Wahrheit, die sich als Liebe zeigt. Ja es geht um die Wahrheit in Person. So wie Jesus in Joh. 14,6 sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Wahrheit ist wichtig, auch für uns. Aber nicht als Wert an sich, sondern in der Verbindung mit der Liebe, in Verbindung mit der Wahrheit in Person. Wahrheit allein rettet uns nicht. Wahrheit allein kann verletzen und zur Waffe werden. Und als Menschen dürfen wir auch nie vergessen, dass wir nicht im Besitz der Wahrheit sind (auch wenn wir uns für noch so fromm und rechtgläubig halten), sondern wir Anteil an der Wahrheit immer nur in Jesus Christus haben.

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1. Johannes 5, 14-21 Sünde zum Tod

Was für eine seltsame Stelle! Johannes unterscheidet hier zwischen zwei verschiedenen Arten von Sünde: es sagt, dass es eine Sünde gibt, die nicht zum Tod führt und eine Sünde, die zum Tod führt. „Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.“ (V.16) Der Zusammenhang ist die Fürbitte für den „Bruder“ (V.16), also für Christen. Was die Stelle so schwierig macht ist, dass Johannes hier gar nicht erklärt, was die Sünde zum Tod ist, sondern dass es ihm um die Frage der Fürbitte geht.

Das eröffnet natürlich jede Menge Raum für Spekulation und für die unterschiedlichsten Erklärungsversuche. Ehrlich gesagt: bei den verschiedenen Erklärungsversuchen tun sich für mich mehr Fragen auf als Antworten. Je nachdem von welchem Zusammenhang her man diese Stelle anschaut, ergeben sich die unterschiedlichsten Meinungen. Mich überzeugt kein Erklärungsversuch wirklich. Geht es um den irdischen Tod oder um den endgültigen Tod? Geht es um die falschen Propheten, welche die Adressaten des Briefes verwirren (und die in 2,22 als Antichristen bezeichnet werden) oder geht es allgemein um Christen? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde gegen den Heiligen Geist (Mk.3,29) oder nicht? Hat die Sünde zum Tod etwas zu tun mit der Sünde des bewussten Glaubensabfalls, um die es in Hebr.6,4-8 geht? Könnte damit das gemeint sein, was Ananias und Sapphira geschehen ist, die vor der Gemeinde geheuchelt haben und daraufhin von Gott mit dem sofortigen Tod bestraft wurden? Soll man diese Stelle mit 1. Kor. 5,5 in Verbindung bringen, wo es um jemanden geht, der eine besonders schwere Sünde getan hat und der damit sein irdisches Leben eingebüßt hat, aber mit dem Ziel „damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn“? Also eine besonders schwere Züchtigung, um den Menschen dann doch letztendlich zu retten? Geht es um eine ganz bestimmte Sünde oder kann es prinzipiell jede Sünde sein und es kommt auf die Umstände an?

Ich verstehe nicht, warum Johannes das hier nicht näher erläutert. Aber ich weiß, dass es genügend Beispiele in der Bibel gibt, bei denen Gott selbst die schlimmsten Sünden vergibt. Mose hat einen Menschen getötet und doch benutzt Gott ihn, um sein Volk in die Freiheit zu führen. David hat Ehebruch begangen, dann auch noch den betrogenen Ehemann um die Ecke gebracht und doch hat Gott ihn nicht verworfen. Petrus hat Jesus feige verleugnet, hat gesagt, dass er ihn nicht einmal kennt und doch hat Jesus ihm vergeben. Die Römer haben den Sohn Gottes ans Kreuz genagelt und doch bittet Jesus für sie um Vergebung (Lk. 23,34). Paulus hat die Gemeinde auf fanatische Weise bis aufs Blut verfolgt und wollte sie vernichten und doch darf er umkehren und wird zum größten Missionar der Urchristenheit.

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1. Johannes 5, 5-13 Wer den Sohn hat

Gegen Schluss seines Briefes hält Johannes noch einmal das Wesentliche fest: Es geht um Jesus Christus, der wirklich Mensch wurde und wirklich Gottes Sohn war. Gegenüber einer Verflüchtigung des Menschgewordenen ins innerlich-esoterische oder zu einer philosophisch-abstrakten Idee betont Johannes, dass der Sohn Gottes wirklich am Kreuz für uns gestorben ist. Nicht nur in der Taufe (dafür steht das Wasser) sondern auch am Kreuz (dafür steht das Blut) war Jesus Christus der Sohn Gottes.

Auch uns heute hilft es wenig an eine abstrakte Idee des Göttlichen zu glauben oder auf esoterische Weise auf einen göttlichen Lichtfunken in uns zu hoffen. Was zählt ist der Glaube an Jesus Christus. Er hat tatsächlich gelebt, ist über diese Erde gegangen, wurde gekreuzigt und ist auferstanden. Er war ein konkret fassbarer Mensch und keine abstrakte Idee. Johannes sagt es knapp und deutlich: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“ (V.12)

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1. Johannes 5, 1-4 Ein siegreiches Leben

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (V.4) Ja, nicht wir selbst haben die Welt überwunden, wir sind immer noch verstrickt und verwoben in diese vergängliche Welt. Aber Christus hat die Welt überwunden (vgl. Joh. 16,33) und im Vertrauen auf ihn haben wir Anteil an dieser Überwindung.

Unsere Aufgabe kann nun nicht sein, dass wir selbst versuchen die Welt zu überwinden und zu besiegen, sondern unsere Aufgabe ist, an Jesus Christus festzuhalten.

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1. Johannes 4, 17-21 Wie geschieht Veränderung?

In den letzten Tagen habe ich mir darüber Gedanken gemacht, ob man menschliches Verhalten oder sogar menschliche Herzen durch Druck verändern kann. Ich bin davon überzeugt, dass wirkliche Veränderung nur von Innen kommen kann und nicht von Außen erzwungen werden kann. Klar: wenn ich genügend Druck erzeuge, kann ich äußerlich das Verhalten ändern, aber im Inneren erzeuge ich dadurch doch erst recht Widerstand.

Im heutigen Abschnitt begegnet mir ein ähnlicher Gedanke: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe.“ (V.18) Liebe zu Gott und zum Nächsten kann ich nicht erzwingen. Von dieser Liebe muss ich im Innersten überzeugt sein, sie muss von mir selbst aus kommen, die kann ich nicht von Außen „einimpfen“. Glaube der auf Angst basiert geht am Wesentlichen vorbei.

Auf der anderen Seite frage ich mich, ob das immer so zutrifft. Erzählt Jesus nicht auch einige Gleichnisse, die mit der Angst der Zuhörer arbeiten (z.B. das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, von denen fünf nicht bereit waren für die späte Ankunft des Bräutigams und die dann nicht beim Hochzeitsfest mitfeiern durften)? Und müssen wir nicht manchmal zuerst eine äußere Verhaltensänderung erzwingen, bevor eine innere Einsicht zustande kommen kann?

Wie ist es z.B. in der Kindererziehung? Muss ich da nicht manchmal die Kinder mit mehr oder weniger Druck zu einer guten Gewohnheit zwingen, obwohl sie vielleicht erst später einsehen werden, dass das gut so war? Wie ist es z.B. bei Drogensüchtigen, muss da nicht erst einmal der harte körperliche Entzug stattfinden, bevor man auch innerlich frei werden kann? Andererseits sagt man ja gerade bei Suchtkranken, dass der Entzug nur wirklich funktionieren kann, wenn der Kranke auch wirklich von sich aus Heilung will…

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1.Johannes 4, 11-16 Wie lebe ich richtig?

Das ist christliche Ethik im Kurzformat: „Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.“ (V.11) Das ist das Wichtigste und Grundlegendste, was es zu christlicher Moral zu sagen gibt. Gott liebt uns und er hat uns diese Liebe in Jesus Christus gezeigt. Er liebt nicht nur dich unendlich, sondern jeden Menschen dem du begegnest. Die einzig logische und richtige Konsequenz ist, dass wir selbst versuchen, uns untereinander so zu lieben, wie Gott uns geliebt hat.

Christliches Handeln geschieht nicht aus Angst vor einem zornigen Gott, der uns irgendwann nicht durch die Himmelstür hindurch lässt. Christliches Handeln ist kein blinder Buchstabengehorsam gegenüber einem für alle Zeiten festgelegten Regelwerk. Christliches Handeln ist aber auch keine Gleichgültigkeit, die den Anderen seine Freiheit lässt, auch wenn er auf den Abgrund zu läuft. Christliches Handeln ist ein Leben, das sich an der Liebe Gottes orientiert.

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1. Johannes 4, 7-10 Gott ist die Liebe

Zu diesem Text ist mir eine Liedzeile vom wunderbaren Jens Böttcher eingefallen: „Es ist klingt so flach und ist so tief.“ Diese Zeile ist aus seinem Lied „Nur die Liebe“ (zu hören auf boettchercom.de unter dem Album „Reisefieber“). In diesem Lied geht es darum, dass uns nur die Liebe retten und Leben schenken kann. Wie Jens richtig sagt, klingt das so abgedroschen und flach – und trotzdem ist es eine der tiefsten Wahrheiten, die es für uns Menschen gibt.

„Gott ist die Liebe“ (V.8). Wenn wir auch nur eine kleine Ahnung von dieser tiefen Wahrheit bekommen, dann ist das alles andere als flach und abgedroschen. Dann kommen wir Gottes Wesen und Herzen ganz nahe.

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1. Johannes 4, 1-6 Unterscheidung der Geister

Johannes gibt zwei Kriterien an, um zu unterscheiden, ob jemand aus dem Geist Gottes spricht oder ob er ein falsche Prophet ist. Das eine ist ein inhaltliches Kriterium, das andere ein formales. Das inhaltliche Kriterium: „Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“ (V.2) Das formale Kriterium: „Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht.“ (V.6)

Nun ja, das ist ja auf den ersten Blick nicht gerade hilfreich. Das inhaltliche Kriterium spricht in die damalige Zeit mit einer speziellen theologischen Auseinandersetzung hinein. Wir leben heute in einer anderen Zeit mit anderen Auseinandersetzungen und Fragestellungen. Das formale Kriterium ist die Frage nach der Autorität, aber das kann jeder für sich in Anspruch nehmen – und das tut ja bei Auseinandersetzungen auch jeder: „Wer mit mir ist, der hat Recht und wer nicht mit mir ist, der hat unrecht.“

Aber auch wenn beide Kriterien nicht eins zu eins auf heute übertragbar sind, so zeigen sie uns doch wichtige Grundstrukturen zur Bewertung auf: Auf der inhaltlichen Seite geht es um das Zentrum – um Jesus Christus selbst. Es geht nicht um irgendwelche theologischen Spitzfindigkeiten oder moralische Fragen, sondern um Jesus selbst. Ich denke, das gilt von der Grundstruktur bis heute: So manches kann in Frage gestellt werden, aber wo Jesus selbst in Frage gestellt wird, da wird es gefährlich.

Auf der formalen Seite geht es auch bis heute nicht nur um inhaltlich Fragen, sondern darum, wer denn eine Aussage macht. Lebt die Person ein überzeugendes Leben als Christ oder nicht? Das „wir“ in diesem Abschnitt nimmt das „wir“ von 1.Joh.1,1-4 auf. Dort beschreibt sich Johannes als Zeugen, der von Anfang an Jesus gehört, gesehen und betastet hat. Das ist bis heute ein wichtiges Kriterium: Unterstreicht das Leben und die bisherige Geschichte einer Person mit Jesus ihr Zeugnis oder nicht?

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