Lukas 22, 47-53 Das letzte Wort

Beim Lesen des Abschnittes bin ich vor allem am letzten Satz hängen geblieben. Jesus sagt zu den jüdischen Oberen: „Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.“ (V.53b) Jesus wird gefangen genommen und dann getötet. Ich hab mich gefragt: Wer ist eigentlich Schuld an diesem Geschehen? Jesus spricht hier einerseits davon, dass es die Stunde der jüdischen Oberen ist: sie wollen Jesus beseitigen und sind somit schuld. Aber zugleich hat die Macht der Finsternis ihre Finger mit ihm Spiel: Auch der Satan ist schuld am Tod Jesu.

Wenn wir dann noch den vorigen Abschnitt dazu nehmen, wird die Verwirrung komplett: Jesus bitte darum, dass der Kelch an ihm vorübergeht (d.h. dass er den Kelch des Gerichts nicht trinken muss und nicht sterben muss), aber er stimmt letztendlich in den Willen Gottes ein. Das heißt: Gott will dieses Geschehen! Ist also auch Gott selbst schuld? Wir merken: Es gibt keine einfache und eindimensionaler Erklärung für das Kreuz. Natürlich tragen Menschen dafür die Verantwortung (auch Judas der Verräter). Aber zugleich wirkt hier auch die Macht des Bösen. Und noch viel wichtiger: all dies kann nicht geschehen, ohne dass Gott selbst es zulässt.

Das halte ich auch für mich selbst fest: Das letzte Wort haben nicht Menschen oder der Satan. Das letzte Wort hat Gott selbst.

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Lukas 9, 28-36 Hinabsteigen

Mir ist beim Lesen vor allem der Gegensatz aufgefallen, zwischen der Reaktion des Petrus und dem eigentlichen Sinn dieser Verklärungserfahrung Jesu. Jesus geht mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg, um zu beten. Dort kommt er dem Himmel ganz nah: Sein Gesicht und Gewand glänzt, Mose und Elia erscheinen und reden mit ihm. Gesprächsthema sind aber nicht irgendwelche Himmelsfreuden, sondern sie „redeten von dem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.“ Es geht also um Jesu Sterben!

Die Jünger bekommen dieses Gespräch nicht mit, weil sie einschlafen. Wie kann man in solch einer Situation schlafen?! Das Gebet Jesu muss wohl länger gedauert haben… Als Petrus aufwacht und den verklärten Jesus mit Elia und Moses sieht, will er am liebsten an diesem leuchtenden und himmlischen Platz bleiben. Er will genau das Gegenteil von dem, um das es eigentlich geht!

Ich fürchte mir selbst geht es so manches mal in meinem Glauben genauso. Ich suche zwar die Nähe Jesu, aber ich bekomme gar nicht richtig mit, wie seine Wege (und auch die Wege, die er mit mir gehen will) aussehen. So manches mal träume ich von Bergerfahrungen, so manches mal möchte ich so lange wie möglich oben bleiben und merke gar nicht, wie die Bergerfahrungen dazu dienen, ins tiefe Tal hinabzusteigen zu können…

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1. Petrus 2,21-25 – exemplum und sacramentum

So, heute wird’s mal ein bisschen theologischer – wobei: Wer Bibel liest betreibt ja immer Theologie, jeder muss über das Gelesene nachdenken, es in sein Glaubensverständnis einordnen und herausfinden, was das nun für ihn zu bedeuten hat. Jeder Bibelleser ist immer auch Theologe, nur merken das manche gar nicht…

Seit Augustinus gibt es bei der Betrachtung von Jesu Tod die Unterscheidung von exemplum (Beispiel) und sacramentum (Sakrament). Hier im Text von 1. Petr. tauchen beide Dimensionen auf.  Wir sollen Jesu Leiden als ein Beispiel, als ein Vorbild nehmen, um unser eigenes Leben daran auszurichten (V.21). Jesus litt für andere und wenn wir ihm nachfolgen, dann kann und wird das auch so sein, dass wir um der Liebe willen für andere leiden. Davon zu unterscheiden ist jedoch Jesu Tod als sacramentum für uns. Damit ist gemeint, dass Jesu Tod für uns geschah, dass er dadurch Erlösung von den Sünden bewirkte: Er hat unsere Sünde hinaufgetragen an das Holz, durch seine Wunden sind wir heil geworden (V.24). Diese Dimension von Jesu Tod können und brauchen wir nicht nachahmen. Wenn wir um des Glaubens willen leiden, dann brauchen wir dadurch weder für uns, noch für andere Erlösung von den Sünden erwirken. Das hat Jesus ein für alle mal getan.

Diese Unterscheidung ist wichtig, damit klar bleibt wer uns von den Sünden erlöst: Jesus, durch seinen Tod am Kreuz. Wir brauchen uns in der Hinsicht Jesus nicht als Vorbild nehmen, wir brauchen niemand durch unser Leiden erlösen. Aber wir können uns trotzdem Jesu Leiden als Vorbild nehmen und selbst bereit sein zum Leiden um den Glaubens und der Liebe willen. Für Martin Luther war sehr wichtig, dass Jesu Tod als sacramentum vorgeordnet und übergeordnet ist. Wer nicht weiß, dass Jesus für ihn gestorben ist und ihn erlöst hat, dem bringt es auch wenig, wenn er sich Jesus als Vorbild und Beispiel nimmt. Wenn wir Jesus nur als Vorbild sehen, dann wird die Sache schief…Bibeltext