Exodus 4, 10-17 Ein störrischer, alter Schafhirte

Hach, ich mag ihn – diesen störrischen, alten Schafhirten. Da begegnet ihm Gott persönlich und will ihn mit einem besonderen Auftrag losschicken und Mose findet einen Einwand nach dem anderen. Nach vielen beredeten Ausflüchten stellt er gegen Ende der Diskussion mit Gott fest, dass er eigentlich gar nicht so gut reden kann und dass es besser wäre, jemand anders zu schicken. Gott geht nicht darauf ein und als letztes Argument sagt Mose einfach: „Nee, macht ich ganz einfach nicht. Send wen du willst – aber nicht mich!“ (V13) Gott setzt sich am Ende durch, wobei er dem Mose seinen Bruder Aaron an die Seite stellt, damit dieser das Reden übernimmt.

Ich find’s genial, dass Gott so unterschiedliche Menschen gebrauchen kann. Da gibt es nicht nur die frommen und eifrigen Jesajas, die auf die Frage „Wen soll ich senden“ sofort losschreien: „Sende mich!“ (Jes.6,8), sondern eben auch die störrischen und ängstlichen Leute wie Mose. Und beide sind dann im Auftrag des Herrn unterwegs.

| Bibeltext |

Jesaja 52, 13 – 53, 12 – Die ungeschminkte Wahrheit

Die Christen haben von Anfang an in diesem sogenannten vierten Gottesknechtslied von Jesaja das Schicksal von Jesus wieder erkannt. Ein Unschuldiger leidet und stirbt für die Schuld der Anderen. Klaus Douglass beschäftigt sich in seiner Erklärung nun mit dem Kreuz, dem Symbol für Jesus Sterben und inzwischen für das Christentum, auf dem Hintergrund dieses Jesaja-Textes.

Am Kreuz hat Jesus unsere Schuld und unser Leiden auf sich genommen. Sein Sterben am Kreuz ist kein schöner Anblick und kein schöner Gedanke. Douglass sagt, dass „uns in dem Gekreuzigten die Urgestalt des Menschen begegnet, die nackte, ungeschminkte Wahrheit über ihn: Letztendlich sind wir geschlagene, missbrauchte, todverfallene Kreaturen.“ (S.247) Das Kreuz ist so etwas wie ein Spiegel, der uns die Wahrheit über uns selbst vor Augen hält. Diesen Anblick halten nicht sehr viele aus. Und vielleicht sind es deswegen so wenige Menschen, die sich wirklich auf den chrislichen Glauben einlassen.

Aber das fantastische ist, dass uns Gott nicht nur den Spiegel vorhält, sondern dass er uns hilft, trotz dieser harten Wahrheit ein sinnvolles und würdevolles Leben zu führen. Gott kennt diese Wahrheit ganz genau – und er liebt uns trotzdem. Er liebt uns nicht weil wir so toll und brav sind, sondern er liebt uns trotz unserer Schuld. Und wenn Gott meine Abgründe und mein Scheitern überwinden kann, dann kann ich auch selbst mit diesen Abgründen und dem Scheitern leben und sie überwinden.

Jesaja 43, 18-25 – Schick es runter!

Blumen in der Wüste„Jesaja ist davon überzeugt: Die Schöpfung liegt nicht hinter uns, sondern vor uns.“ (S.174) Klaus Douglass hat die Gabe, manche Zusammenhänge knackig und deutlich auf den Punkt zu bringen. Bei diesem Text aus Jesaja legt er unter anderem Wert darauf, dass Gott die Welt nicht wie ein Uhrwerk geschaffen hat, das er einmal aufzieht und das dann von alleine weiter läuft (oder irgendwann dann nicht mehr läuft…), sondern Gott bleibt der Schöpfer, er schafft immer wieder neues – theologisch gesprochen ist das der Gedanke der creatio continua (die kontinuierliche Schöpfung). Dieser Satz trifft das sehr gut: Die Schöpfung liegt nicht [nur] hinter uns [das natürlich auch, aber das Entscheidende für die Hörer des Jesaja ist:], sondern vor uns.

Mir gefällt dazu besonders auch das Bild, das im Bibeltext selbst auftaucht: Gott sendet Wasser in die Wüste (V.20) und lässt dadurch neues Leben entstehen. Ich erinnere mich dabei an einen Dokumentarfilm über die Wüste. Alles war heiß, ausgetrocknet und trostlos. Doch dann kam die Regenzeit und die Wüste fing an zu blühen und erstrahlte im saftigen Grün. Die Wüste war nicht wieder zu erkennen. „Siehe, ich will ein neues schaffen!“ (V.19) Ja, schick es runter, das Wasser! Lass es fließen! Lass unsere Wüsten grün und saftig werden!

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Foto: Nussjeck | pixelio.de

Jesaja 55, 6-11 – Gott suchen

Zwei Gedanken haben mich bei dem Text und der Auslegung von Klaus Douglass angesprochen. Das eine ist die Spannung von Suchen und Finden. Jesaja fordert seine Leser auf, Gott zu suchen, solange er zu finden ist. Douglass meint, dass für uns beides wichtig ist: das Suchen, aber auch das Finden. Wenn wir als Christen so tun, als ob wir schon alles gefunden haben, als ob wir auf alles schon eine Antwort haben, dann ist das einfach nur arrogant und es stimmt auch nicht. Auch als Christ sind noch nicht alle Fragen geklärt, auch als Christ bleiben wir immer auch Suchende.

Aber als Christ dürfen wir auch dankbar sagen, dass wir das Entscheidende gefunden haben. Auch wenn wir damit in unserer toleranten Welt anecken. Wer heute den Anspruch erhebt, etwas Allgemeingültiges gefunden zu haben, der wird gleich als Fundamentalist verschrieen.

Der andere Gedanke ist, dass Gott finden nicht nur etwas mit meinem Gefühl oder mit meinem Verstand zu tun hat. Es hat nach Jesaja v.a. etwas damit zu tun, ob ich bereit bin mein Leben zu ändern: „Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN.“ (V.7). Wer Gott finden möchte, der muss seinen Weg, also seine Art und Weise zu leben, ändern. Er muss eine neue Richtung einschlagen. Das betrifft dann nicht nur die Gedanken, das ist nicht nur eine intellektuelle Angelegenheit, sondern das betrifft auch mein ganz praktisches Handeln und Leben.

Jesaja 66 – Unser Gott: Ganz schön extrem!

Wow, geschafft! Einmal ganz durch durch das Buch Jesaja. Hat ganz schön lang gedauert – aber tat gut. Hab noch nie so intensiv diesen Propheten gelesen. Im letzten Kapitel werden noch mal die wichtigen Themen angesprochen: Heil und Gericht. Beides steht hier einfach nebeneinander und das Gericht wird auch nicht relativiert. Heil für die Elenden, die zerbrochenen Geistes sind und die Ehrfurcht vor Gottes Heiligkeit haben. Zorn und Gericht für die, die nicht auf Gott hörten und die über Gottes Verheißungen lästern.

Eine Stelle hat mich zum schmunzeln gebracht:

„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust.“ (Jes. 66,10-11)

Sowas dürfte man heute ja gar nicht mehr schreiben. Für solche kraftvollen und ursprünglichen Bilder sind wir heute viel zu vorsichtig geworden. Aber schön, dass so etwas in der Bibel steht. Wahsinn ist ja, was dann wenige Verse danach steht:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes. 66,13)

Ungewöhnlich finde ich nicht, dass Gott mit einer Mutter verglichen wird, sondern dass es im Zusammenhang mit den tröstenden Brüsten Jerusalems steht. Aber jetzt ist nicht mehr Jerusalem die Mutter, sondern Gott selbst. Wie von selbst entsteht beim Leser das Bild von der tröstenden Mutterbrust Gottes. Und das ist doch wirklich ein neues und gewagtes Bild für Gottes Zuwendung.

Das ist ein gutes und wichtiges Gegenbild zu dem Gottesbild der richtenden Gottes, das z.B. in Vers 4 deutliche wird. Dort hat Gott seine Lust daran, den Gottlosen weh zu tun. Ganz schön extrem diese Aussagen über Gott: Auf der einen Seite der absolut Heilige, der mit Zorn und Gericht auf die Abkehr von ihm reagiert. Und auf der anderen Seite Gott als die liebende Mutter, die sich um ihr kleines, hilfloses Kind kümmert und es tröstet. Ja, ganz schön extrem, unser Gott.

Jesaja 65 – Etwas Neues

Was sind die Konsequenzen aus diesem Wechselbad der Gefühle und Aussagen im Jesajabuch? Da ist am Anfang viel vom Gericht Gottes die Rede, dann tauchen viele herrliche Verheißungen auf, die fast zu schön klingen um wahr zu sein und dann wird etwas von der Enttäuschung deutlich, dass diese Verheißungen nur so bruchstückhaft eintreffen. Aber auch die Enttäuschung Gottes wird angesprochen: Immer wieder hat er sich um sein Volk bemüht, immer wieder einen neuen Anlauf gemacht, um sie für sich zu gewinnen – und immer wieder ging das Volk in die Irre wie die Schafe. Die Konsequenz ist, jetzt im zweitletzten Kapitel des Buches, dass etwas Neues geschehen muss. Und zwar etwas grundlegend Neues:

„Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ (Jes. 65,17-19)

In dem Text selbst ist dabei noch nicht an eine ewige, himmlische Welt ohne Tod gedacht, sondern an eine ganz irdische Zeit des Friedens, der Freude und der Gegenwart Gottes. In V.20 ist davon die Rede, dass die Menschen viel länger leben werden und dass als Knabe gilt, wer schon mit hundert Jahren stirbt. In dieser Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde ist die Vergänglichkeit also noch präsent. Aber es leuchtet schon die Erkenntnis auf, dass Gott auf ganz neue Weise eingreifen muss, um endlich die Zerbrochenheit dieser Welt und von uns Menschen zu verändern und zu heilen.

Leben wir durch Jesu Tod und Auferstehung schon in diesem neuen Himmel und dieser neuen Erde? Denn durch IHN hat Gott ja auf ganz neue Weise eingegriffen, hat eine ganz neue Wirklichkeit geschaffen. Wie so oft gilt da das „schon jetzt“ zugleich mit dem „noch nicht“. In Jesus hat die neue Schöpfung angefangen, aber sie ist noch nicht vollendet. Manchmal zerreißt mich diese Spannung fast, weil ich solch eine Sehnsucht nach dem Neuen und Endgültigem habe…

Jesaja 64 – Umkehr

Nach den vorwurfsvollen Fragen nach Gottes Eingreifen im vorigen Kapitel, kommt in Jesaja 64 auch ein Schuldeingeständnis des Volkes:

„Nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an oder macht sich auf, dass er sich an dich halte; denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und lässt uns vergehen unter der Gewalt unsrer Schuld.“ (Jes. 64,5-6)

Wenn wir Gott als verborgen erleben, wenn wir nichts von seiner Gegenwart spüren, wenn wir uns fragen, ob es diesen Gott wirklich gibt, dann gehört dieses Erkennen und Bekennen der eigenen Schuld dazu. Wenn die Beziehungskrise zwischen Gott und Mensch gelöst werden soll, dann müssen wir unser eigenes Versagen erkennen und eingestehen. Wir dürfen nicht bei den Vorwürfen und Klagen gegenüber Gott stehen bleiben, sondern wir müssen bereit sein zur Einsicht und zur Umkehr.

Dieses ganze Bußgebet erinnert mich an das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk.15). Auch dort lässt der Vater, der für Gott steht, es zu, dass der Sohn sich entfernt, dass er eigene Wege geht. Der Sohn stürzt ab, merkt, dass er alleine nicht zurecht kommt. Der entscheidende Punkt für ihn ist: Er sieht seine Fehler ein und kehrt zum Vater zurück. Und der freut sich und feiert ein großes Fest. Interessant ist, dass Jesaja 63 und 64 eine der wenigen Stellen im Alten Testament ist, wo Gott auch Vater genannt wird. Auch wenn wir uns von ihm entfernt haben bleibt er unser Vater und freut sich, wenn wir zu ihm umkehren.

(Anmerkung: Im Alten Testament wird der Vaterbegriff für Gott meist vermieden, weil in heidnischen Kulturen dieser Zeit Gott oft sehr buchstäblich als Vater der Menschheit verehrt wurde. Dort gab es jede Menge Zeugungsmythen, die eine unmittelbare und leibliche Verwandtschaft zwischen Gott und Menschen beschreiben. Gegen diese Zeugungsmythen wollte man sich abgrenzen. Im biblischen Sinn geht es beim Vaterbegriff für Gott nicht um mythische Erklärungen der Herkunft des Menschen, sondern um Gottes Fürsorge und unser vertrauensvolles Verhältnis zu Gott.)

Jesaja 63 – Beziehungskrise

Das Buß- und Bittgebet des Volkes, das in Jes. 63,7 beginnt, liest sich wie das Dokument einer tiefen Beziehungskrise. Zuerst wird Gottes Zuwendung und Liebe zu seinem Volk beschrieben (Jes. 63,7-9). Doch dann schlägt diese Liebe in Feindschaft (!) über: Weil das Volk widerspenstig war und Gott betrübte, wurde Gott zu ihrem Feind und stritt wider sie (Jes. 63,10). Da dachte das Volk an die gute alte Zeit zurück und es wird eine Breitseite von vorwurfsvollen, verzweifelten und bittenden Fragen in Richtung Gott geschleudert (Jes. 63, 11-18). Das Volk fragt: Wo bist du denn nun Gott? Warum hast du uns allein gelassen? Es fordert: Komm doch herab vom Himmel und hilf uns. Und es stellt die Frage, die sich wahrscheinlich viele stellen, die eigentlich an diesen Gott glauben möchten, aber es nicht schaffen: „Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten?“ (Jes. 63,17)

Darin spiegelt sich etwas vom Geheimnis des Glaubens wider: Wir können den Glauben nicht machen, wir können das Vertrauen auf Gott nicht aus uns selbst heraus produzieren. Der Glaube ist ein Geschenk. Da stellt sich dann automatisch die Frage, warum Gott es nicht allen schenkt. Warum sind manche Herzen verstockt und andere nicht? Warum lässt Gott so viele Menschen vom rechten Weg abirren? Die Frage wird im Text nicht beantwortet. Wenn man es sich einfach machen will, dann bringt man an der Stelle immer den Hinweis auf die menschliche Freiheit und dass Gott uns die Freiheit lässt, dass wir uns auch gegen ihn entscheiden können. Da ist sicher was dran, aber allein das ist mir zu platt und einseitig. Dass diese Frage hier bei Jesaja auftaucht und dass sie eben nicht einfach beantwortet oder beiseite geschoben wird, zeigt doch dass es eben eine bleibende und schmerzliche Frage ist, die wir nicht zu schnell auflösen sollten. Auf dem Weg Gottes zu bleiben ist eben nicht nur meine Leistung und meinem tollen Glauben zu verdanken, es ist auch etwas, das Gott in mir bewirken muss. Und deswegen dürfen wir – wie das Volk damals – diese Frage zurecht auch stellen.

Ich bin bei diesem Kapitel auch erstaunt darüber wie hart und deutlich die beiden Beziehungspartner Gott und das Volk miteinander reden. Gott: „Du warst widerspenstig, ich bin jetzt dein Feind.“ Volk: „Wo bist du denn nun in deiner ganzen Macht und Herrlichkeit? Wenn du wirklich Gott bist, dann komm doch runter von deinem himmlischen Thron und hilf uns!“ Erstaunlich wie offen die Bibel da ist und wie wir mir Gott reden dürfen. Es ist besser unserer Enttäuschung Luft zu machen, als sie aus falscher Ehrfurcht verschweigen zu wollen.

Jesaja 62 – Ein Knoten in Gottes Taschentuch

„O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden!“ (Jes. 62,6-7)

Selbst nach jahrelangem Bibellesen gibt es immer wieder Stellen, die mich überraschen. Obwohl ich diese Stelle ganz sicher schon mehrmals gelesen habe, bin ich heute ganz neu darüber erstaunt. Gott an das erinnern, was er verheißen hat. Ihm keine Ruhe gönnen bis er endlich erfüllt, was er versprochen hat. Warum sollte man Gott an etwas erinnern müssen, was er selbst doch ganz genau weiß, was er besser weiß als wir selbst? (Vgl. Artikel: Gott vergisst nicht) Keine Ahnung warum, aber anscheinend ist es wichtig, das zu tun. Und aus menschlicher Perspektive hat das ja auch etwas reinigendes und ehrliches: Ich muss meine Enttäuschung über ausbleibende Erfüllung von Verheißungen nicht einfach runterschlucken, sondern ich darf, ja ich soll sogar damit zu Gott kommen und ihn immer wieder daran erinnern. Ich muss mich nicht mit Weniger zufrieden geben, sondern darf Gott immer wieder seine tollen Verheißungen unter die Nase reiben. Ich darf ihm immer wieder neu einen Knoten ins Taschentuch knüpfen.

Jesaja 61 – Die Braut in spe

Zu Beginn des Kapitels redet der Prophet davon, dass Gott ihn gesalbt hat und dass Gott ihn beauftragt hat den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden und den Gefangenen die Freiheit zu verkündigen. Interessant ist diese Stelle vor allem weil Jesus sie im Neuen Testament auf sich selbst bezieht (Lukas 4,18-21). Er ist mit dem Geist Gottes gesalbt und bringt die Botschaft von Trost und Freiheit. Auch da wird wieder deutliche wie vielschichtig die Verheißungen der Bibel gelesen werden können. Der ursprüngliche Schreiber hat von sich selbst geredet. Jesus zeigt auf, dass es eine Prophezeiung auf ihn selbst war. Und ich denke die endgültige Vollendung dieser Freiheit steht noch aus. Gottes Gedanken und seine Zeitrechnung sind einfach ganz anders als unsere Gedanken und Erwartungen.

Beeindruckend ist für mich V.10: „Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.“ Da ist jetzt schon Freude da, obwohl sich an der äußeren Situation nichts geändert hat. Aber der Schreiber freut sich über Gottes Heil, das ihm jetzt schon gilt. Obwohl die Vollendung von Gottes Verheißungen noch lange auf sich warten lässt, fühlt er sich jetzt schon wie Braut bei der großen Hochzeit. Er sieht nicht mehr die armseligen Kleider der Trostlosigkeit an sich herab hängen, sondern er sieht sich prächtig geschmückt mit den Kleidern des Heils. Die Braut in spe freut sich jetzt schon über das was noch kommen wird. Ist das jetzt weltfremd oder ist das die einzige Möglichkeit in dieser Welt der Verlorenheit zu überleben?