Kolosser 1, 24-29 Ich freue mich der Leiden

„Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide.“ (V.24) Was für eine Aussage! Das sind völlig andere Gedanken, als wir verwöhnten westlichen Mittelstandchristen normalerweise denken. Leiden an sich ist ja schon etwas, was in unserer Gesellschaft unter allen Umständen vermieden werden muss. Und dann auch noch für andere leiden?! Das geht gar nicht!

Wir jammern lieber über unsere Leiden. Wir beklagen uns über unsere Gemeinden und andere Christen, die uns einfach nicht verstehen und die sich so unmöglich aufführen. Es sind natürlich immer die Anderen, die alles falsch machen. Und für diese Anderen zu leiden und sich auch noch darüber freuen?! Wie soll das gehen?! Da habe ich noch viel zu lernen…

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Epheser 2, 8-13 Der unausforschliche Reichtum Christi

Paulus wirft in diesem Abschnitt ganz schön mit Superlativen um sich: Er spricht nicht nur vom Reichtum Christi, sondern vom unausforschlichen Reichtum Christi, nicht nur von einem verborgenen Ratschluss, sondern von einem geheimen Ratschluss, der von Ewigkeit her verborgen war, nicht nur der Weisheit Gottes, sondern von der mannigfaltigen Weisheit Gottes.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man von den Umständen hört, in denen Paulus sich befindet. In 3,1 bezeichnet er sich als Gefangener, in 3,13 spricht er von Bedrängnissen. Aber vielleicht wird ihm ja gerade in der eigenen Not die Größe und Herrlichkeit Gottes umso bewusster? Vielleicht ist es ein Trugschluss, wenn wir heute manchmal meinen, die Größe und Herrlichkeit Gottes müsste sich so zeigen, dass es auch uns großartig und herrlich geht. Ich glaube es ist tatsächlich so, dass Leute die Schweres durchmachen, einen klareren Blick für den „unausforschlichen Reichtum Christi“ haben können. Nämlich dann, wenn sie nicht über ihr eigenes Unglück jammern, sondern wenn sie auf Gott schauen.

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Psalm 71 – Glaube im Alter

Der Psalm eines Beters, der ein Leben lang Gott vertraut hat, nun aber alt und schwach geworden ist. Er bittet Gott darum, dass er ihn auch jetzt im Alter nicht verlasse. Faszinierend finde ich, dass er nicht einfach ins Jammern abgleitet und nur sentimental-weinerlich zurückschaut. Wir kennen das ja von so manchen Älteren, die innerlich hart und verbittert geworden sind: „Früher war alles besser. Früher ging’s mir noch besser. Jetzt ist alles vorbei und ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen…“

Neben seine Klage und Bitte stellt der Beter aber sehr starke Vertrauensäußerungen (bes. V.14-16). Er lässt sich nicht einfach hängen und verzweifelt, sondern er hängt sich an Gott. Er vertraut darauf, dass der Gott, der ihn schon früher gerettet hat (V.20), ihm auch jetzt wieder hilft.

Schaut euch mal heute altgewordene Christen an. Ich find’s erschreckend, wie unterschiedlich das aussehen kann. Da gibt es manche, die auch im Alter fröhlich und zufrieden sind, die trotz mancher schwierigen Situation eine zufriedene Gelassenheit in Gott haben. Ich kenn da jemand, die schon etwas altersverwirrt immer wieder fröhlich sagt: „Ich kann nur loben und danken!“ Das ist wundervoll zu sehen!

Aber dann gibt es auch bei Christen die harten und einsamen Alten, die immer unzufriedener werden und die trotz Glauben keinen inneren Frieden zu haben scheinen. Lieblos und verbittert ziehen sie sich in sich selbst zurück und verlieren die Freude am Leben und an Gott. Ich will darüber nicht urteilen. Ich weiß nicht, wie das mal bei mir aussehen wird. Aber ich wünsch mir so sehr, dass bei mir und anderen Christen sich Gottes Liebe, Freude und Frieden so tief ins Herz einprägt, dass das alles auch im Alter nicht verloren geht.
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Psalm 13 – Echter und ehrlicher Glaube

Dieser Psalm ist für mich einer der eindrücklichsten überhaupt. Da spricht einer, der mit seiner Kraft am Ende ist. Viermal klagt er vor Gott: „Wie lange noch“. Er kann nicht mehr! Er fragt sich, warum Gott nicht eingreift! Anscheinend hat er keine Zweifel daran, dass Gott eingreifen kann. Die Frage ist nicht ob, sondern: „Wie lange dauert es, bis er es endlich tut?“ Er bittet und fleht Gott an: Schau doch! Hör doch auf mich! Hilf doch endlich!

Das erstaunlichste bei biblischen Klagepsalmen ist dann der meist sehr plötzliche und abrupte Stimmungswechsel. Im letzten Vers spricht der Beter plötzlich von Vertrauen, Freude und Singen. Ich staune immer wieder darüber, wie die biblischen Beter die Verzweiflung und Klage auf der einen Seite und das tiefe Vertrauen auf der anderen Seite zusammen bringen.

Aber irgendwie gehört wohl beides zum Glauben dazu, auch wenn es scheinbar im Widerspruch zueinander steht: Sowohl die verzweifelte Klage als auch das jubelnde Vertrauen. Das heißt für mich: Wenn ich nur am Klagen und Jammern bin, dann läuft was schief. Wenn ich aber manche Christen sehe, die (scheinbar) immer nur jubeln und fröhlich sind, dann frage ich mich auch misstrauisch: Da kann doch was nicht stimmen, oder?!

Psalm 12 – Früher war alles besser

Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und gläubig sind wenige unter den Menschenkindern.“ (V.2) Mal abgesehen von der altertümlichen Formulierung könnte der Satz glatt von heute stammen. Das hören wir heute noch oft genug (vorzugsweise von Älteren – aber nicht nur): „Ja, früher war alles besser.“ Das scheint eine allgemeine Lebenserfahrung zu sein, dass man das Gefühl hat, dass früher das Leben einfacher und problemloser war.

Das mag ja manchmal durchaus zu zutreffen. Aber ich hab bei diesem Satz immer ein ungutes Gefühl. Selbst wenn es hundertmal zutrifft (in Wirklichkeit trifft der Satz meist nicht zu), was bringt es über die heutige, schlimme Zeit zu jammern und sich in eine paradiesische Vergangenheit zurück zu träumen? Statt der Vergangenheit hinter her zu jammern, sollten wir lieber das Beste aus der Gegenwart machen. Manchmal kann dieser Satz auch eine bequeme Flucht sein: „Ja, es ist halt nicht mehr so wie früher. Aber wir können ja auch nichts dran ändern. Die Zeiten werden halt immer schlimmer!“ Und dann kann man auch nicht mehr viel anderes tun, als sich in dieses „schlimme Schicksal“ zu ergeben.

Witzig an diesem Psalm ist ja, dass er schon tausende von Jahre alt ist – und schon damals haben die Leute darüber gejammert, dass früher alles besser war. Okay, wenn wir weit genug zurück gehen (ins Paradies), da war tatsächlich alles besser. Schon in alttestamentlichen Zeiten ging es Menschen so, dass sie das Gefühl hatten: „Es werden immer weniger. Immer weniger vertrauen wirklich diesem lebendigen Gott der Bibel.“ Wenn das alles immer so zugetroffen hätte, dann dürfte es schon lange keinen Menschen mehr geben, der an Gott glaubt. Insgesamt gesehen ist es definitiv so, dass die Gläubigen nicht ausgestorben sind. Die Heiligen (= Menschen, die Gott vertrauen) nehmen nicht stetig ab. Es mag Wellenbewegungen geben – aber insgesamt gesehen brauchen wir uns mit dieser Angst vor dem weniger werden nicht verrückt zu machen.