1. Timotheus 2, 8-15 Die Frau sei still

„Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen. Sie wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung.“ (V.11-15)

Ein paar Hinweise zur Einordnung dieser Aussagen:

  • In der damaligen patriarchalen Welt war es schon revolutionär, dass Frauen überhaupt Zugang zu religiöser Bildung hatten.
  • Der Brief richtet sich an eine bestimmte Gemeinde, die mit Irrlehren zu kämpfen hatte. Auch diese Verse sprechen in diesen Kontext hinein. Wir wissen nicht, ob damit allgemeine Aussagen gemacht werden sollen, oder ob spezielle Irrlehren angesprochen sind.
  • Es gab damals gnostische Traditionen, welche Eva höher schätzten als Adam: Eva wurde die Erkenntnis der Wahrheit zuteil und sie galt als die Mutter von Allem, also als Vorfahre der menschlichen Rasse schlechthin und damit auch des Mannes. Demgegenüber betont der Timotheusbrief, dass Adam zuerst erschaffen wurde.
  • Die Irrlehrer lehnten Heirat und Kindergebären ab (vgl. 1. Tim. 4,3). Demgegenüber betont der Timotheusbrief das als gute Schöpfungsordnung. Selbstverständlich ist damit nicht gemeint, dass eine Frau allein durch die Mutterschaft und unabhängig vom Glauben selig wird – das würde sonst dem ganzen Neuen Testament widersprechen (deswegen auch die Ergänzung: „wenn sie [die Frauen] bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung“).
  • Timotheus selbst hat seinen Glauben von Frauen empfangen: von seiner Großmutter und seiner Mutter (vgl. 2. Tim. 1,5).
  • Wie bei allen biblischen Aussagen müssen wir überprüfen: Wie verhalten sich die Aussagen zum Gesamtzeugnis der Schrift? Und: Wie übertragen wir den Sinn und die Aussageabsicht aus der damaligen Welt und Kultur in unsere heutige Welt und Kultur?

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1. Timotheus 1, 1-11 Das Ziel aller biblischen Lehre

Der Timotheusbriefe sind an einen Gemeindeleiter gerichtet. Das wichtigste Thema ist der Umgang mit Irrlehrern. Gleich zu Beginn stellt der Autor zur Beurteilung folgenden Maßstab auf: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist die Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (V.5) Interessant: es wird hier kein inhaltlicher Maßstab gegeben, sondern es wird nach den Auswirkungen der Lehre gefragt. Statt „Hauptsumme“ kann man auch „Ziel“ übersetzen (griech.: telos).

Welches Ziel erreichen wir mit unserer Verkündigung? Spekulationenen und Verunsicherung, oder Liebe aus reinem Herzen? Das ist natürlich nicht der einzige Maßstab. In den neutestamentlichen Briefen wird oft genug auch inhaltlich zu bestimmten Lehren Stellung genommen. Aber es ist eine übergeordnete Beurteilungsebene. Selbst wenn eine Lehre sich sehr biblisch und fromm anhört – wenn damit keine Liebe erreicht wird, dann sollte man genauer hinschauen…

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Galater 1, 1-5 Jesus allein

Der übliche Briefeingang mit Absender, Adressat und Gruß. Die Adressaten sind nicht die Christen einer einzelnen Gemeinde, sondern Christen in verschiedenen Gemeinden einer bestimmten Gegend. Diese Gegend Galatien liegt da, wo heute Ankara liegt.

Der Friedensgruß kann bei Paulus unterschiedlich aussehen, mal knapper (z.B. 1. und 2. Korintherbrief) mal ausführlicher (z.B. Römerbrief). Bei den Galatern deutet er schon in diesem Gruß ein wichtiges Thema an: Jesus hat sich für uns dahingegeben, um uns von der bösen Welt (vom griechischen her genauer: „Weltzeit“) zu erretten. Damit ist implizit schon gesagt: Nicht wir erretten uns selbst durch die Befolgung bestimmter Vorschriften, sondern Jesus rettet uns. Nicht weil wir selbst uns von dieser bösen Welt so gut abgrenzen sind wir errettet, sondern weil Jesus uns heraus reißt.

Der Galaterbrief ist ein sehr leidenschaftlicher Brief, in dem Paulus sehr deutlich für die Gerechtigkeit allein aus Glauben kämpft. Es gab wohl einige Irrlehrer in Galatien, die den Christen weismachen wollten, dass man bestimmte alttestamentliche Vorschriften (wie die Beschneidung) unbedingt befolgen muss, um errettet zu werden. Paulus sagt dagegen klar: Neben dem Glauben an Jesus Christus ist nichts nötig. Jesus hat dich errettet – niemand sonst!

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Philipper 3, 17-21 Folgt mir!

„Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ (V.17) Ganz schön eingebildet dieser Paulus. Ich will doch nicht Paulus folgen, sondern Christus. Was denkt er sich dabei? Warum nimmt er sich so wichtig? Warum stellt er sich selbst als Vorbild hin und nicht Christus?

Wenn man den Text weiter liest, so wird deutlich, dass es nicht um das Gegenüber von Paulus oder Christus geht, sondern um die Alternative: Paulus bzw. himmlisch gesinnte Christen oder Feinde des Kreuzes Christi bzw. irdisch gesinnte Christen. Bei diesen zwei Möglichkeiten soll man sich lieber Paulus zum Vorbild nehmen. Offensichtlich gab es in Philippi einige Leute, die Irrlehrern auf den Leim gegangen sind. Paulus meint: Folgt meiner Linie, anstatt diesen Evangeliumsverdrehern nach zu laufen.

Mir wär’s ja trotzdem lieber, wenn er einfach nur gesagt hätte: Folgt Christus! Aber vielleicht ist ja auch was dran an dem Gedanken, dass wir Menschen auch immer konkrete menschliche Vorbilder brauchen, um im Glauben zu wachsen. Für meinen Glauben waren auf jeden Fall immer wieder reifere Mitchristen wichtig, die mich weiter gebracht haben. Das ist natürlich eine andere Ebene der „Nachfolge“ als die Christusnachfolge, aber es ist auch wichtig, dass uns der Glaube von anderen ganz konkret vorgelebt wird, wir sie nachahmen können und wir so im Glauben wachsen können.
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2. Petrus 2, 1-22 – Zu viel Geistliches

Das ganze Kapitel ist eine ziemlich heftige und polemische Breitseite gegen damalige Irrlehrer. Ich hab mich beim Lesen gefragt, ob die Abgrenzung gegenüber einer anderen Lehre so heftig und hart sein muss. Das könnt man doch auch ein bisschen diplomatischer ausdrücken. Aber mir wurde dann klar, dass Petrus nicht vom Hass gegen Irrlehrer getrieben ist, sondern dass seine heftigen Emotionen eher daher kommen, dass er die Gemeinde schützen möchte. Es geht ihm nicht zuerst darum, andere fertig zu machen, sondern er hat Angst, dass diese Irrlehren auch andere Christen vom Glauben abbringen.

Wahrscheinlich sind die genannten Irrlehrer Vertreter der Gnosis. Ein wichtiger Punkt in der Gnosis ist die Geringschätzung des Geschöpflichen. Wichtig ist vor allem alles Geistliche und alles, was unserer irdischen Welt enthoben ist. Wahre Einheit mit Gott finden wir nur außerhalb der Grenzen unserer irdischen Welt. Alles, was mit gegenständlicher Materie zu tun hat, spielt für den Glauben keine Rolle. Da zählt nur die absolut geistliche Dimension. Das führt interessanterweise zu zwei völlig unterschiedlichen Haltungen gegenüber unserer Geschöpflichkeit. Die eine Richtung geht in die völlige Askese. Alles Körperliche ist absolut böse und wir müssen alle leiblichen Lüste so gut wie möglich ablegen und vermeiden: Kein Fressen, kein Saufen, kein Sex, … Das andere Extrem ist das Gegenteil: Weil der Körper nichts mit Gott zu tun hat, kann ich mit ihm machen was ich will – das hat ja dann für den Glauben keine Auswirkung: Ich kann fressen, saufen, ungezügelten Sex mit jedem haben,… das alles betrifft ja nur den Körper und nicht meine geistliche Beziehung zu Gott.

Petrus scheint hier eher mit der zweiten Position zu tun zu haben (vgl. v.a. V.13f). Er wendet sich scharf gegen solch ein Verständnis des Glaubens. Er sagt, dass die Irrlehrer zwar Freiheit versprechen (Freiheit vom allem irdischen), dass sie sich aber selbst zu Knechten machen (V.19). Eine falsch verstandene Überbewertung des Geistlichen kann also für unseren Glauben ganz schön gefährlich sein. Gott hat uns nicht nur ein geistliches Verlangen geschenkt, sondern er hat uns auch Leib und Seele geschenkt.
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