Zeit zum hören

Seit einiger Zeit ist es hier auf dem Blog still geworden. Ich habe gemerkt, dass es für mich gerade dran ist, nur für mich persönlich Bibel zu lesen. Lange Zeit war der Blog für mich eine Hilfe, um Bibel zu lesen und über Texte nachzudenken. Aber ich stelle fest, dass es für mich auch wieder wichtig ist, Texte nur für mich persönlich zu hören, ohne dabei gleich darüber nachzudenken, was ich dazu schreiben könnte. Von daher wird der „windhauch“ erst mal schweigen. Mal sehen, vielleicht gibt’s ab und zu Posts zu anderen Themen, aber die fortlaufende Bibellese wird jetzt erst mal pausieren.

Johannes 14, 25-31 Der Heilige Geist und die Bibel

Beim Lesen heute habe ich gestutzt: Eigentlich ist es doch die Bibel und hier vor allem die Evangelien, die uns lehren und daran erinnern, was Jesus uns gesagt hat. Das Neue Testament ist bis heute die maßgebliche Quelle und Autorität für das, was wir von Jesus wissen. Aber hier sagt Jesus uns, dass der Heilige Geist uns Jesu Worte lehren und uns daran erinnern wird.

Allerdings muss das ja kein Widerspruch sein. Im Neuen Testament sind uns die Worte und Taten Jesu überliefert. Aber für viele Menschen sind das nur tote Buchstaben, sie können damit wenig anfangen, es spricht dadurch nicht Gott in ihr Leben hinein. Um wirklich in diesen Worten Jesu Stimme zu hören, braucht es die Vermittlung des Heiligen Geistes. Ohne den Geist bleibt die Bibel toter Buchstabe.

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1. Thessalonicher 2, 13-20 Wort Gottes

Die Thessalonicher sind durch Gottes Wort zum Glauben gekommen. Aber was genau Gottes Wort ist, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Paulus hat den Thessalonichern gepredigt, er nennt es „das Wort der göttlichen Predigt“(V.13). Es ist klar: Da hat nicht Gott direkt und auf irdisch hörbare Weise vom Himmel her gepredigt, sondern Paulus hat mit seinen Worten zu den Zuhörern gesprochen. Aber er hat nicht seine Privatmeinung erzählt, sondern das Evangelium – deswegen nennt er seine Worte „göttliche“ Predigt. Es sind nicht seine eigenen Ideen und Meinungen, sondern Gottes Botschaft.

Das alleine macht aber aus einer Predigt noch kein Wort Gottes. Entscheidend ist, dass die Thessalonicher diese Worte „nicht als Menschenwort aufgenommen“ haben, „sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort“ (V.13). Also ist die Predigt einerseits in Wahrheit Gottes Wort, aber die Zuhörer können es auch als normales Menschenwort verstehen und aufnehmen. Das ist erstaunlich differenziert. Auf der einen Seite ist die Predigt des Evangeliums ganz klar Gottes Wort, auf der anderen Seite ist das nicht von sich aus offensichtlich. Man kann sich diesem Wort Gottes auch verschließen und es als Menschenwort hören. Der Buchstabe allein ist doppeldeutig, erst durch das richtige hören wird daraus Gottes wirkmächtiges Wort.

Ähnlich ist es ja mit der Bibel, die ja nichts anderes ist als ein Reden Gottes in Menschenworten. Sie ist einerseits ganz klar Gottes Wort – Gott will hier zu uns Menschen reden. Aber das ist nicht offensichtlich. Man kann sich diesem Wort Gottes verschließen und es auch als ganz normales Menschenwort lesen. Liegt es dann an der Offenheit und der Bereitschaft des Zuhörers, ob aus Menschenwort Gottes Wort wird? Oder ist das reine Gnade und reines Geschenk? Warum hört der eine in der Predigt oder in der Bibel Gottes Stimme und der andere nicht? Das Reden Gottes bleibt ein Geheimnis, das wir nicht so einfach definieren und in der Hand haben können.

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Hebräer 3, 7-18 Treu bleiben

Der Hebräerbrief vergleicht die Situation von müde gewordenen Christen mit der Situation Israels während der Wüstenwanderung. In beiden Situation ist es wichtig, „die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende“ (V.14) festzuhalten. Es ist also wichtig, im Glauben treu zu bleiben. Um am Ziel anzukommen, muss man den ganzen Weg gehen, es bringt wenig am Anfang dabei gewesen zu sein, wenn man unterwegs stehen bleibt. Deswegen ist dem Hebräerbrief dieses alttestamentliche Zitat wichtig: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (V.7f) Heute wird es jeden Tag neu. Und jeden Tag ist es von neuem wichtig Gottes Stimme zu hören und offen dafür zu sein.

Ich frage mich bei diesem Vergleich allerdings, ob es durch die Gabe des Heiligen Geistes für uns Christen nicht einen wesentlichen Unterschied zu Glaubenden aus früheren Zeiten geben müsste. Durch den Geist wohnt doch Gott in uns, wir sind Gottes Haus (vgl. V.6). Sagt nicht Jesus selbst von seinen Jüngern: „Niemand kann sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh. 10,28) Hängt denn die Treue im Glauben von unserer menschlichen Willenskraft ab, oder ist sie nicht viel mehr eine Wirkung des Heiligen Geistes? Wie sollten wir denn, wenn wir wirklich die persönliche Stimme Gottes an uns hören, unser Herz gegenüber Gott verstocken können?

Wahrscheinlich ist es beides: Dass wir treu bleiben können, ist ein Geschenk Gottes und zugleich müssen wir immer selbst auch zur Treu aufgerufen werden. Der Hebräerbrief betont hier mehr unsere persönliche Verantwortung. Aber wenn unsere Treue nur an unserer Kraft alleine hinge, dann wären wir verloren…

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Lukas 10, 38-42 Zu Jesu Füssen sitzen

Eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Begebenheit wird hier erzählt. Zunächst einmal ist es für die damalige Zeit ungewöhnlich, dass Jesus hier von einer Frau „aufgenommen“ wird. Dass Jesus bei anderen Männern eingeladen war, das wird öfters erzählt, dass er aber von einer Frau ins Haus aufgenommen wird, ist für die damalige patriarchalische Gesellschaft ungewöhnlich.

Noch aussergewöhnlicher ist, dass mit Maria eine Frau zu Jesu Füssen sitzt. Für uns scheint das nichts besonderes zu sein. Aber dazu muss man wissen, dass „jemand zu Füssen sitzen“ und ihm zuhören damals ein Fachausdruck für ein Lehrer-Schüler-Verhältnis war. Dass ein jüdischer Rabbi eine Frau als Schülerin hatte, war für die meisten damals undenkbar. Für Jesus schon!

Noch ein weiterer Gedanke zu diesem Text: Wahrscheinlich ist es bis heute so, dass es einfacher ist, sich mit viel Aktionismus für die Sache Jesu zu sorgen, als nur zu seinen Füssen zu sitzen und zu hören. Ich denke nicht, dass Jesus es grundsätzlich ablehnt, dass man ihm mit praktischen Dingen dient. Auch das ist nötig. Aber wenn aus dem „viel zu schaffen“ (V.40) haben nur noch „viel Sorge und Mühe“ (V.41) bleibt, dann stimmen die Schwerpunkte nicht mehr. Wichtiger als alles andere ist es, zu Jesu Füssen zu sitzen.

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Lukas 8, 19-21 Hören und Tun

„Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und darüber bloggen…“ Nein, das stimmt natürlich nicht. Jesus sagt: „…hören und tun.“ Das ist ein großer Unterschied. Das ist immer wieder auch eine Herausforderung. Es ist gut, wenn man Gottes Wort hört – wenn man in der Bibel liest, wenn man Predigten hört. Es ist gut, wenn man über Gottes Wort redet und sich darüber austauscht. Aber am allerbesten ist es, Gottes Wort zu tun.

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Lukas 8, 16-18 Zuhören üben

Beim ersten Lesen hab ich mich gefragt, was diese Verse jetzt in diesem Zusammenhang zu suchen haben. Die Aussagen sind ja recht allgemein gehalten, ohne gross gedeutet zu werden. Es ist ja eine Allerweltsweisheit, dass man ein Licht nicht unter die Bank stellt, sondern auf einen Leuchter setzt. Und auch dass dem, dem gegeben ist noch mehr gegeben wird findet sich im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen. Warum also hier?

Die Stuttgarter Erklärungsbibel haben mich auf die Spur gebracht: Auch wenn Jesus nach Lk. 8,9-10 in Gleichnissen redet und diese nicht von allen verstanden werden, so ist es trotzdem seine Absicht, dass viele Menschen seine Lehre verstehen und annehmen (das Licht sehen). Er will keine esoterische Geheimlehre weitergeben, sondern sein Licht leuchten lassen. Allerdings ist es wichtig, genau zuzuhören. Denn wer schon etwas von Jesu Worten verstanden hat, dem wird das weitere Verständnis leichter fallen („wer hat, dem wird gegeben“). Wer sich allerdings gar nicht darum bemüht zu verstehen, dem wird Jesus fremd bleiben.

„So seht nun darauf, wie ihr zuhört.“ Es ist nicht immer einfach Jesus zu verstehen. Manches wird uns ein Leben lang fremd bleiben. Manches werden wir erst in der Ewigkeit verstehen. Aber je genauer wir hinhören, je besser wir das Zuhören einüben, desto mehr von Jesu Licht werden wir sehen.

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Lukas 6, 6-11 Jesus lehrt die Schriftgelehrten

Jesus lehrt in der Synagoge. Auch einige Schriftgelehrte und Pharisäer sind anwesend. Aber sie sind gar nicht an Jesu Lehre interessiert, sondern warten nur darauf, dass sie was finden, um ihn zu verklagen. Was er sagt, interessiert sie gar nicht. Sie haben sich ihre Meinung schon gebildet. Sie versuchen auch nicht, mit ihm zu diskutieren oder seine Lehre zu widerlegen, sondern warten nur auf eine vermeintliche Gesetzesübertretung. Ihr Bild von Gott und vom Glauben steht festgezimmert und Jesus entspricht diesem Bild nicht.

Ich glaube das ist bis heute eine Gefahr: dass gerade die Frommen, die sich in der Schrift so gut auszukennen meinen, gar nicht mehr richtig zuhören, was Jesus zu sagen hat, sondern sie sich auf Äußerlichkeiten konzentrieren. Die selbstgebauten Glaubenssysteme und theologische Richtigkeiten werden dann wichtiger als der eigentliche Kern der Gebote Gottes.

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Richter 6 Das Vlies des Gideon

Das berühmte Vlies des Gideon. Um ganz sicher zu sein, dass er wirklich im Auftrag Gottes die Midianiter angreifen soll legt Gideon zwei mal über Nacht ein Wollflies aus. Beim ersten mal soll zur Bestätigung seines Auftrags das Vlies nass vom Tau sein und der Boden drumherum nicht. Beim zweiten mal soll es genau umgekehrt sein. Und Gott geht tatsächlich darauf ein: Gideon bekommt diese deutliche Bestätigung.

Können wir das heute noch so machen und von Gott bei Entscheidungen ein deutliches Zeichen verlangen? Ich denke im Prinzip ja – aber: In der Bibel wird die Forderung nach einem Zeichen auch durchaus kritisch gesehen. Die Pharisäer forderten z.B. von Jesus ein Zeichen, um seine Autorität zu beweisen. Jesus gab ihnen aber keine Beweise in die Hand, sondern forderte Umkehr, Glaube und Vertrauen. Auch seinen Jüngern hat er nicht empfohlen in schwierigen Situationen ein eindeutiges Zeichen zu verlangen. Viel wichtiger ist das schlichte Vertrauen auf Gott.

Auch bei Gideon muss man den Zusammenhang sehen: Er war sich eigentlich schon vorher seines Auftrages sicher. Ein Engel des Herrn hat mit ihm gesprochen (V.11), ja Gott selbst sprach mit ihm (V.23). Dieses Auslegen des Flieses war also eingebettet in ein Fragen und Hören auf Gottes Wort. Außderdem war es eine große Entscheidung, die nicht nur Auswirkungen für Gideon hatte, sondern auch viele andere Menschen betraf.

Gott will sicher nicht, dass wir wegen jeder Kleinigkeit nach einem eindeutigen Zeichen fragen. Er hat uns seinen Geist gegeben, er hat uns unseren Verstand gegeben. Aber ich bin sicher, dass Gott auch heute noch vielfältige Möglichkeiten hat, um uns in schwierigen Fragen den richtigen Weg zu zeigen…

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2. Timotheus 4, 1-4 Ohrenjucken

Paulus warnt Timotheus davor, dass die Menschen sich selbst nach eigenen Gelüsten Lehrer aufladen werden, „nach denen ihnen die Ohren jucken“ (V.3). Dieses Ohrenjucken ist nicht nur ein Problem bezüglich Irrlehrern in einer fernen Zukunft. Es betrifft jetzt schon jeden Christen. Denn wir alle hören am liebsten das, was wir von vornherein am liebsten hören würden.

Aus unserer postmodernen Perspektive wissen wir, dass jedes Hören auch einen subjektiven Anteil hat. Jeder setzt sich beim Hören den Sinn auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen und seines Verständnisses selbst zusammen. Und da hört man natürlich am liebsten das heraus, wonach einem sowieso die Ohren jucken. Gerade als Prediger ist es faszinierend und manchmal auch verstörend, was die Zuhörer so manches mal aus einer Predigt für sich selbst heraus hören.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch gar nicht so dramatisch und im Gegenteil, es kann sogar bereichernd werden. Schwierig wird es dann, wenn ich gar nicht mehr offen bin für das fremde Wort Gottes, wenn ich bei Predigt und Bibellese nur noch das heraushöre, was meine festgefahrene Meinung bestätigt und wenn Gott gar keine Chance mehr hat, mich zu korrigieren. Die größte Veränderung im Leben bringen eben nicht die Worte hervor, nach denen uns die Ohren jucken,sondern das Wort Gottes, das uns manchmal in den Ohren und im Herzen weh tut und aufrüttelt, das Wort Gottes, das manchmal so fremd und unverständlich ist, das Wort Gottes, das uns immer wieder neu überrascht.

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