Römer 12, 1-2: Ein Leben in Hingabe

Eigentlich müsste einem das im Lauf eines Lebens als Christ immer besser gelingen: Sich selbst Gott hingeben und ein Leben zu führen, das Jesus Christus immer ähnlicher wird. Ich hab bei mir oft den Eindruck, dass es mir schwerer fällt. Am Anfang des Glaubens ist man voller Begeisterung und Hingabe. Man ist bereit, alles für Jesus zu tun. Aber mit der Zeit merkt man, dass auch als Christ nicht immer alles glatt läuft – trotz aller Hingabe. Es tauchen so manche Fragen auf, die man nicht so einfach beantwortet bekommt. Die tollen Visionen von einem erfüllten Leben als Christ erfüllen sich nicht immer so, wie man sich das erträumt und erhofft.

Ich merke immer mehr, wie schwer das eigentlich ist, sich Gott ganz hinzugeben. Ich merke immer mehr, wie unfähig ich dazu eigentlich bin. Ich merke immer mehr, wie sehr ich gerade dabei auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen bin. Das ist nichts, das ich einfach aus eigener Kraft tun kann und Gott segnet dann sozusagen als Belohnung mein Leben dafür mit Glück und Zufriedenheit. Je länger ich Christ bin, desto demütiger und bescheidener werde ich an dieser Stelle.

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Johannes 21, 15-19 Liebst du mich?

Liebst du Jesus? Ja, ich liebe ihn. Ich weiß, dass Leben nur mit ihm sinnvoll ist, dass nur er mich zum Ziel führen kann, dass ich auf seine Gnade, Liebe und Treue angewiesen bin. Liebst du Jesus? Nein, nicht in dem Maße und mit der Hingabe, wie er es verdient hätte. Meine Liebe ist bruchstückhaft und unvollendet, sie ist schwankend und zweifelnd. Meine kleine Liebe ist dem großen Gegenüber nicht angemessen.

Jesus kennt unsere Herzen. Ihm kann ich mein unvollkommenes und oft widerspenstiges Herz nur immer wieder neu hinlegen. Er versteht besser als ich selbst, was in diesem Herzen vorgeht. Ich bete darum, dass er es fest hält. Ich kann nicht mit der Größe meiner Liebe prallen. Ich kann nicht für die Stärke meiner Hingabe garantieren. Ich kann mich nicht auf meine eigene Liebeskraft verlassen. Ich kann mich nur auf Jesus verlassen, der mich sehr viel mehr liebt, als ich jemals lieben kann.

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Johannes 13, 12-20 Überforderung

Das überfordert mich! Jesus wäschst seinen Jünger die Füße und deutet damit seine eigene Lebenshingabe für sie an. Jetzt fordert er seine Jünger auf, sich auch gegenseitig die Füße zu waschen. Natürlich müssen wir unterscheiden zwischen Jesu Sühnetod für uns und dem, was wir für andere tun können. Wir brauchen für andere keine Erlösung zu erwirken, das hat Jesus am Kreuz getan. Aber Jesus fordert uns nachdrücklich zum Dienst am anderen auf – und dabei sollen wir uns Jesus selbst als Beispiel und Vorbild nehmen.

Wie soll das gehen? Wie sollen wir uns den, der von keiner Sünde wusste, zum Vorbild nehmen? Wie sollen wir je so perfekt, liebend und hingegeben werden wie Jesus? Wenn wir das wirklich ernst nehmen, dann kann man verstehen, dass so manche Christen an diesem Anspruch von vornherein scheitern und sich dauernd als Versager fühlen. Wer kann das schon erreichen? Je länger ich Christ bin, desto deutlicher spüre ich mein Unvermögen. Diesen Anforderungen kann ich nicht gerecht werden. Ich brauche selbst diesen Jesus, der mir immer wieder die Füße wäscht – wie sollte ich dann für andere ein Jesus werden? Ich kann nur hoffen und beten, dass Jesus gerade in meiner Schwachheit selbst durch mich wirkt.

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Johannes 12, 1-11 Wahrer Reichtum

Die Geschichte ist mir schwer zugänglich. Jemand mit kostbarem Salböl die Füße zu salben ist ein Zeichen aus einer längst vergangenen und mir fremden Kultur. Dieses Zeichen und seine Bedeutung ist mir nicht mehr unmittelbar zugänglich und es ist schwer, sich vorzustellen, was die Menschen damals – auch emotional – damit verbunden haben. Den ganz profanen Einwand des Judas kann ich dagegen besser verstehen. Die Frage wie man Geld sinnvoll einsetzt, scheint damals wie heute dieselbe zu sein. Es ging dabei um viel Geld: umgerechnet der Jahreslohn eines Arbeiters.

In Zeiten knapper Kassen sind die Finanzen heute mehr als damals das am heißesten diskutierte und umkämpfte Thema in vielen Kirchen und Gemeinden. Ich erlebe es leider häufig, dass nie so leidenschaftlich und ausdauernd diskutiert wird, wie beim Thema Geld. Wenn wir auf anderen Gebieten genauso leidenschaftlich und ausdauernd wären, dann sähen unsere Gemeinden vielleicht anders aus. Die Tat Marias fordert mich auch heute noch heraus. Was ist mir Jesus wert und wie zeige ich das? Was für ein innerer Reichtum muss das sein, wenn jemand so viel Geld ausgibt, um seine Liebe zu Jesus zu zeigen? Was die Geschichte für mich auch deutlich macht ist, dass es letztendlich nicht um Geld geht, sondern dass unser wahrer Reichtum die Hingabe an Jesus ist.

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Johannes 6, 48-59 Fleisch und Blut

Das ist eigentlich kein Wunder, dass diese Anspielungen auf’s Abendmahl niemand so richtig versteht: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.“ (V.54) Wie sollte das vor der Einsetzung des Abendmahls und vor Kreuz und Auferstehung jemand kapieren? Und selbst für uns heute ist es ja noch schwer verständlich, was das eigentlich bedeutet: Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken. Über die genaue Bedeutung dieser Worte haben sich die Gläubigen durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gestritten und sind sich bis heute nicht einig.

Es ist auffällig, dass gerade im Johannesevanglium so irdisch-materiell geredet wird, denn gerade Johannes erzählt ja die Geschichte Jesu auf einer theologisch durchdrungenen und geistlichen Ebene. Natürlich steckt auch an dieser Stelle dahinter eine geistliche Bedeutung: Jesus gibt seinen irdischen Leib (sein Fleisch) dahin und er vergießt am Kreuz sein Blut – und diese Lebenshingabe dient uns zur Erlösung und zum ewigen Leben. Aber das könnte man ja auch etwas weniger anstößig formulieren. Auch heute noch empfinden wir das als anstößig und es wird bei so manchen Abendmahlsfeiern nicht mehr von Jesu Leib und seinem Blut gesprochen, sondern vom Brot des Lebens und vom Kelch des Heils. Das klingt angenehmer und ist ja auch besser verständlich.

Trotzdem wird hier im Johannesevangelium bewusst so anstößig formuliert. Gegen eine Vergeistigung des Glaubens und des Todes Jesu wird an seiner Materialität festgehalten. Da ist nicht nur etwas gedanklich-philosophisches geschehen, da ist nicht nur etwas geistliches geschehen – nein, da ist konkret in unserer menschlichen Welt etwas geschehen. Dieser Jesus ist für uns ans Kreuz gegangen und für uns gestorben. Das ist nicht nur eine Idee oder ein religiöses Prinzip, sondern eine konkrete geschichtliche Tat. So wie der Sohn Gottes in Jesus Fleisch und Blut wurde, so ist der Sohn Gottes in Jesus auch in Fleisch und Blut am Kreuz gestorben.

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Apostelgeschichte 20, 17-38 Klarheit und Konsequenz

Ich finde es bewundernswert, mit welcher Klarheit und Konsequenz Paulus seinen Weg gegangen ist. Es ging ihm nicht darum, sein persönliches Lebensglück zu finden, sondern er wollte Gott dienen mit allem was er hatte und war. Er konnte gar nicht anders. Er sah sich „durch den Geist gebunden“ (V.22). Die Aufgabe, die ihm Gott anvertraut hatte, war ihm wichtiger als sein eigenes Leben (V.24).

Sollten wir als Christen nicht alle so leben? Mit dieser Klarheit und Konsequenz? Wenn wir es tatsächlich alle täten und könnten, dann sähe die Welt und die Kirche heute sicher anders aus. Aber es war ja wohl auch schon damals so, dass Paulus in seiner Klarheit und Konsequenz eher eine Ausnahme war. Gerade deswegen wird in der Apostelgeschichte ja so ausführlich über ihn berichtet. Er hat weit mehr bewirkt als viele andere Christen damals. Vielleicht lag das auch an der Klarheit und Konsequenz, mit der ihn Jesus in seine Dienst gerufen hat. Ich frage mich dann, warum Gott nicht mehr Christen so deutlich beruft und befähigt wie Paulus? Oder war er einfach nur besonders begabt und ehrgeizig?

Wie auch immer: ich wünsche mir mehr Klarheit und Konsequenz…

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Richter 11 Ein bescheuertes Gelübde

Was für ein bescheuertes Gelübde! Und das von jemand, von dem ausdrücklich gesagt wird, dass der Geist Gottes auf ihn kam (V.29). Jeftah gelobt Gott das erste was ihm aus seinem Haus entgegen kommt zu opfern, wenn Gott ihm den Sieg gegen die Ammoniter schenkt. Jeftah siegt und zur Begrüßung kommt ihm seine Tochter, sein einziges Kind entgegen… Warum nicht einfach einen Stier opfern? Rechnet Jeftah gar nicht mit der Möglichkeit, dass ihm ein Mensch entgegenkommen könnte? Warum ist er an dieses Gelübde gebunden, obwohl es doch offensichtlich gegen Gottes Gebot verstößt (vgl. z.B. Deut. 12,31; Jer. 19,5)?

Ganze Hingabe und scheinbar eifriger Gehorsam gegenüber Gott schützt nicht vor Fehlern. So manches mal kann der Eifer für Gott auch übers Ziel hinaus schießen. Das heißt nicht, dass weniger Hingabe an Gott besser ist. Das heißt aber, dass selbst wenn ich mich vom Geist Gottes erfüllt fühle, ich mit meiner eigenen Fehlerhaftigkeit rechnen muss. Selbst wenn Gott mich gebraucht um feindliche Mächte zu schlagen, bleibe ich ein unvollkommener Mensch, der vielleicht gerade im frommen Eifer falsche Entscheidungen trifft.

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2. Timotheus 2, 1-7 attraktiv und bequem?

Leiden (V.3), Krieg (V.4), Kampf (V.5),… das klingt nicht gerade attraktiv und bequem. Aber Glaube ist nicht immer attraktiv und bequem. Die Wahrheit ist nicht immer attraktiv und bequem. Glaube, Hoffnung, Liebe, Hingabe, wahres Leben,… das lässt sich nicht mit solchen Wohlfühlkategorien beschreiben. Sich mit Drogen die Sinne benebeln, scheint auch attraktiv und bequem zu sein, sich mit dem Strom in den Abgrund treiben zu lassen, scheint auch bequem und attraktiv – aber wo führt es hin?! Dann lieber den scheinbar schweren Weg gehen und wahrhaft frei werden.

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Mary Glazener: Der Kelch des Zorns

Ein Buch, das man unbedingt lesen sollte. Wir alle haben schon von Dietrich Bonhoeffer gehört, jeder Schüler begegnet ihm im Religions- oder Konfirmandenunterricht. Aber die trockenen Eckdaten seines Lebens können nicht ersetzen, was uns die Autorin hier auf gut fünfhundert Seiten eindrucksvoll ausbreitet.

Das Buch erzählt die letzten gut zehn Jahre im Leben des Dietrich Bonhoeffer in Romanform. Es ist ein packender Bericht über die Kämpfe Bonhoeffers: mit seiner Kirche, mit den politischen Geschehnissen, aber auch mit sich selbst und mit Gott. Es ist keine trockene Biographie, sondern eine dramatische Nacherzählung der Geschehnisse. Soweit ich es beurteilen kann, ist es trotzdem gut und zuverlässig recherchiert.

Der Roman ist sprachlich gesehen keine Besonderheit, aber er erzählt spannend und mit fesselnder Dramaturgie aus dem Leben Bonhoeffers. Ohnehin gewinnt der Roman aus seinem Gegenstand seine besondere Kraft. Es ist einfach immer wieder beeindruckend und für uns lasche Christen heute oft beschämend, mit welcher Kraft und Hingabe Bonhoeffer seinen Glauben gelebt hat. Natürlich war auch er nur ein Mensch mit all seinen Fehlern und Schwächen. Er wäre der letzte, der sich gerne als makelloser Heiliger verehren ließe. Aber gerade in seiner Schwachheit beeindruckt die Konsequenz seiner Nachfolge.

Ich habe auch den Film über Bonhoeffer gesehen, in welchem auch seine letzten Lebensjahre beschrieben werden. Im Buch wird naturgemäß alles breiter und deutlicher erzählt. Auch das Innenleben Bonhoeffens wird deutlicher. Was mir im Vergleich zum Film besonders aufgefallen ist: wie tief Bonhoeffer auch aktiv in die Widerstandsbewegung verwickelt war. Bonhoeffer war nicht nur am Rand des politischen Widerstandes, sondern gehörte zum innersten Zirkel. Das ist erstaunlich, dass sich ausgerechnet ein lutherischer Theologe, der sich von seinem Hintergrund her bequem aus dem Reich des Staates heraus halten hätte können und sich stattdessen auf die geistlichen Dinge, auf das Reich der Kirche hätte konzentrieren können, dass ausgerechnet solch ein Theologe sich so tief in die Niederungen der Politik herab gelassen hat! Aber Bonhoeffer hat als einer der wenigen in der damaligen Kirche ganz klar erkannt, dass sich Glaube nicht auf schöne und beschwichtigende Worte beschränkt, sondern dass Glaube auch der Mut zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Gewalt beinhaltet.

Auch das wird in dem Roman schön deutlich: Er hätte sicher einen bequemen Ausweg finden können. Er hätte den Krieg überleben können und er hätte sicher noch bis heute bedeutsame theologische Arbeit leisten können. Aber es war für ihn eine Gewissensfrage: er sah seinen Platz in Deutschland, um dort selbst gegen den Unrechtsstaat kämpfen zu können. Was hat er und seine Familie alles ertragen müssen, wegen dieser mutigen Entscheidung!

Eine Begebenheit, welche im Roman erzählt wird und welche nichts mit Politik zu tun hatte, hat mich besonders beeindruckt. In seinem Predigerseminar hat Bonhoeffer die Wichtigkeit der persönlichen Beichte hervorgehoben. Als Lutheraner der damaligen Zeit hatten weder er noch seine Schüler praktische Erfahrungen mit der Beichte. Aber aus seiner Beschäftigung mit der Schrift ist Bonhoeffer klar geworden, dass es wichtig ist, seine Sünden nicht nur Gott zu beichten, sondern auch konkret einem Bruder. Das hat er dann auch konkret von seinen Seminaristen gefordert. Das erstaunliche war, dass auch er selbst die Beichte erst einüben musste. Und zwar nicht bei einem älteren und erfahrenen Geistlichen, sondern er hat sich seinen Schüler Eberhard Bethge als „Beichtvater“ heraus gesucht. Er hat ihm nicht nur einige oberflächliche Sünden erzählt, sondern ihm von seinen inneren Kämpfen und Nöten erzählt. Ein Theologieprofessor beichtet seinem Schüler! Einem Schüler, dem er auch danach täglich begegnet ist und der einer seiner besten Freunde wurde. Wie viel Demut gehört zu solch einer Handlung! Diese kleine Begebenheit zeigt, wie ernst Bonhoeffer nicht nur über die Nachfolge gelehrt und geschrieben hat, sondern sie auch selbst praktiziert hat.

Wer meint, er hat in seinem Leben und Glauben mit schwierigen Problemen zu kämpfen, wer meint, er verstehe Gottes Wege nicht, wer meint, dass Gott oder die Umstände sein Leben besonders schwer machen, der sollte dieses Buch lesen – das wird einiges zurecht rücken. Und alle anderen sollten es auch lesen, um aus einem selbstzentrierten und bequemen Christsein aufgerüttelt zu werden.

(Amazon-Link: Glazener: Der Kelch des Zorns)

Exodus 30 Das Beste für den König

Gääähn… Noch einmal ein Kapitel über das Heiligtum, über Altare, Geldabgaben für das Heiligtum, ein Reinigungsbecken, Salböl und Räucherwerk. Was soll das mit meinem heutigen Glauben zu tun haben? Ich hab kein Wüstenheiligtum…

Aber dann bin ich auf drei Begriffe gestoßen, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben: Gold (V.3), Weihrauch (V.34) und Myrrhe (V.23). Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Waren da nicht später auch mal einige Weise aus dem Morgenland, die dem König der Welt Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten (Mt.2,11)?

Ich denk mir: Ja, schon damals in der Wüste und damals im Stall von Bethlehem waren Menschen überzeugt, dass nur das Beste und Kostbarste gut genug für den König der Welt ist. Und ich frage mich: Was ist für mich das Beste und Kostbarste, das ich Gott zur Verfügung stellen kann?

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