Sacharja 14 Es wird ein Happy End geben

Machen mir solche apokalyptischen Bilder Angst oder sind sie eher tröstlich? Sacharja sagt, dass große Katastrophen kommen werden, aber er sagt auch, dass am Ende Gott Sieger sein wird und dass ein großer Friede anbrechen wird. Für mich ist bei solchen Texten die Zielrichtung wichtiger: Trotz aller Schwierigkeiten und durch alles Leid hindurch wird Gott zum Ziel kommen.

Mir ist aufgefallen, dass wir diese apokalyptische Grundstruktur bis heute in vielen Filmen und Büchern wiederfinden. Es geschehen große Katastrophen mit viel Kampf und Leid, aber am Ende gibt es ein Happy End. Am Ende siegt das Gute. Diese Botschaft spricht uns wohl noch heute ganz tief im Innern an. Wir ahnen, dass es ein Happy End nicht ohne Kampf geben wird, wir ahnen, dass der große Friede nicht einfach so selbstverständlich vom Himmel fällt. Auch im Glauben ist es nicht anders. Gott dauerhaft und treu vertrauen zu können ist auch nicht etwas, das einfach so vom Himmel fällt. Auch das muss immer wieder neu erkämpft werden. Aber es wird ein Happy End geben. Nicht weil mein Glaube so groß ist, sondern weil mein Gott so groß ist.

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Sacharja 2, 1-9 Das Eigentliche

Erstaunlich wie nüchtern und knapp Sacharja von diesen himmlichen Visionen berichtet. Als ob es das selbstverständlichste der Welt sei, dass Engel mit ihm reden. Er beschreibt gar nicht genauer, wie wir uns die Engel ausgesehen haben und wie wir uns seine Vision vorzustellen haben. Wenn so etwas heute passieren würde, dann würde wahrscheinlich ein riesiger Hype daraus entstehen. Sacharja berichtet von acht Visionen. Eine einzige davon würde heute ausreichen, um das ganze auch kommerziell gut auszuschlachten.

Sacharja könnte in christlichen Fernsehshows auftreten und davon erzählen, wie die Engel aussehen und wie es im Himmel ist. Er könnte ein Buch über seine Erfahrungen schreiben, welches dann sicher zum Bestseller würde. Dann könnte er nach einiger Zeit ein zweites Buch nachschieben, um die Erfolgswelle weiter auszunützen. Er könnte Vorträge halten und Seminare geben: „Sieben Schritte auf dem Weg zum Propheten“.

Aber Sacharja geht es nicht um das Drumherum. Das ist für ihn völlig nebensächlich. Wichtig ist nur, was Gott zu sagen hat. Ich fürchte bei uns heute, geht es oft sehr viel mehr um das spektakuläre Drumherum, als um das Eigentliche…

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2. Thessalonicher 1, 1-12 Ewiges Verderben

Die Thessalonicher scheinen sehr auf Fragen der Endzeit fixiert gewesen zu sein. Gleich zu Beginn des zweiten Briefes spricht Paulus das Thema Wiederkunft Jesu und Gericht an. Für mich interessant ist vor allem V.9. Hier spricht Paulus von der Strafe für Menschen, die im Gericht verurteilt werden. Dabei ist aus den wenigen Worten die Paulus dazu sagt, gar nicht so einfach heraus zu lesen, was er genau meint. Ich hab mich vor kurzem ausführlich mit dem Thema Hölle beschäftigt und an dieser Stelle hier werden die offenen Fragen zu diesem Thema ganz gut sichtbar.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass das Neue Testament und hier ganz speziell auch Paulus von einem endzeitlichen Gericht ausgehen, bei dem fehlender Glaube an Jesus Christus bestraft wird. Wie aber genau diese Strafe aussieht (das was wir so leichthin als Hölle bezeichnen) ist gar nicht so leicht zu sagen. Wenn wir heute das Wort Hölle hören, dann sind wir von unseren Vorstellungen mehr von mittelalterlichen Gemälden oder von Dantes „Göttlicher Kömödie“ geprägt als von neutestamentlichen Texten (sehr empfehlenswert ist dazu das Buch „Hölle: Der Blick in den Abgrund“ von Carsten Schmelzer). Paulus malt hier die Strafe nicht aus, sondern bezeichnet sie als „ewiges Verderben“ .

Von der Übersetzung her ist nicht ganz klar, ob der nachfolgende Satzteil die ewige Strafe näher beschreibt (so z.B. die Neue Genfer Übersetzung: „Die Strafe, die diese Menschen erhalten, wird ewiges Verderben sein, sodass sie für immer vom Herrn und von seiner Macht und Herrlichkeit getrennt sind“) oder ob damit das Woher der Strafe gemeint ist (so z.B. Luther: „Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht“). Sprachlich sind beide Übersetzungen möglich. Streiten kann man auch über die Bedeutung von „ewigem Verderben“. Ist damit ein Verderben gemeint, das ewig anhält – also eine ewige Qual (so die eher traditionelle Vorstellung der Hölle)? Oder ist damit ein Verderben gemeint, das ewig gilt – also ein völliges Verderben und Auslöschen eines Menschen (so wie es in den letzten Jahren v.a. im angelsächsischen Bereich unter den Stichworten „annihilation“ oder „conditionalism“ stärker vertreten wird)?

Wie auch immer: Für Paulus ist klar, dass Vertrauen und Glaube an Jesu – gerade auch in Verfolgung und Bedrängnis – zu einer himmlischen Ruhe führt (V.7) und Unglaube einmal harte Konsequenzen hat. Wichtig ist nicht, darüber zu spekulieren, wie das genau aussehen könnte, sondern wichtig ist, jetzt schon auf Jesus zu vertrauen.

Hebräer 13, 9-14 Außenseiter

Als Christen sind wir von vornherein Außenseiter. Jesus Christus wurde nicht von der Masse angehimmelt und verehrt, sondern er hat „gelitten draußen vor dem Tor“ (V.12). So sollen auch wir hinausgehen aus dem „Lager“, wo sich die vielen im Schutz ihrer gemeinsamen Interessen und Ansichten zusammen finden, und wir sollen mit Jesus „sein Schmach tragen“ (V.13). Die anderen sind drinnen, wir sind draußen, weil auch Jesus draußen war.

Draußen sind wir auch, weil wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen. Wir wohnen hier nur vorübergehend. Es ist nicht unser eigentliches zu Hause. Das heißt nicht, dass wir das Leben hier nicht genießen dürften, aber wir wissen, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als all die irdischen Dinge. Auch in einer Ferienwohnung kann man es sich ja gemütlich einrichten und die Zeit genießen, aber man weiß, dass es irgendwann wieder nach Hause geht. Wir gehen auch irgendwann nach Hause – allerdings nicht in einen grauen und stressigen Arbeitsalltag, sondern in eine himmlische Ruhe (vgl. Hebr. 4,9f).

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Hebräer 4, 1-13 Himmlische Ruhe

Der Hebräerbrief hat ein ganz eigenes Bild für Gottes Vollendung der Schöpfung. Er spricht nicht vom Reich Gottes, vom ewigen Leben oder vom Himmel, sondern er verwendet den Begriff „Ruhe“. So wie Gott am siebten Schöpfungstag geruht hat, so wird am Ende seine ganze Schöpfung zu einer göttlichen Ruhe finden.

Mir gefällt dieses Bild. Unsere Welt ist so unruhig und ich sehne mich so manches mal nach einer endgültigen himmlischen Ruhe. Mir fällt dazu das bekannte Zitat von Augustinus ein: „Unser Herz ist unruhig in uns, bis es Ruhe findet in dir.“ Ja, so ist es. Mir fällt dazu auch die Liedzeile ein: „Herr, ich suche deine Ruhe, fern vom Getöse dieser Welt.“ Ja, es gibt so viel Getöse in unserer Welt – auch in unserer frommen Welt.

Beim Bild der Ruhe gefällt mir auch, dass es kein rein zukünftiges Bild ist. Wenn wir Gott nahe sind, dann können wir jetzt schon eine Ahnung dieser endgültigen Ruhe und dieses endgültigen Friedens haben. Das ist ähnlich wie mit dem gegenwärtigen und zukünftigen Reich Gottes. In Jesus Christus hat dieses Reich Gottes schon angefangen. Wir gehören jetzt schon zum Herrschaftsbereich Gottes. Aber die endgültige Vollendung steht noch aus. So auch die himmlische Ruhe: sie fängt jetzt schon in unseren Herzen an, aber die Vollendung steht noch aus. Ich freu mich schon darauf.

Apostelgeschichte 1, 1-14 Nicht nach oben schauen

Der auferstandene Jesus muss bei seinen Jüngern noch einiges klar stellen, bevor er weg geht. Nachdem Jesus von den Toten auferstanden ist und er seinen Jüngern den Heiligen Geist verheißt, ist für die Jünger die logische Schlussfolgerung, dass Gott jetzt sein Reich aufrichten wird. Aus ihrer immer noch jüdischen Perspektive sprechen sie dabei nicht vom Reich Gottes, sondern vom Reich für Israel (V.6). Jesus betont dagegen, dass die Zeit der endgültigen Vollendung offen ist (V.7). Er betont weiterhin, dass die Jünger seine Zeugen sein sollen – nicht nur in Israel, sondern bis an die Enden der Welt. Das Reich Gottes hat also andere zeitliche und örtliche Dimensionen, als die Jünger das erwarten.

Mir gefällt besonders der Ausspruch der Engel nach Jesu Himmelfahrt: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ (V.11) Die Reaktion der Jünger ist doch völlig normal und verständlich: Gerade eben war der Auferstandene noch da und dann wird er auf geheimnisvolle Weise „zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.“ (V.9) Man spürt noch förmlich, wie Lukas mit der Formulierung kämpft, um dieses außergewöhnliche Ereignis zu beschreiben. Wie sollte man da nicht stehen bleiben uns nach oben schauen?!

Aber genau das ist nicht die Aufgabe von uns Christen: Stehen zu bleiben und nach oben zu schauen. Nein, wir sollen uns auf den Weg machen und Zeugen sein – bis an die Enden der Welt – und übrigens auch bis zum Nachbarn ;). Wir sollen nicht nach oben schauen und uns schon in der himmlischen Welt wähnen. Nein, wir stehen immer noch mit beiden Beinen auf dieser Erde und lassen uns vom Heiligen Geist in diesem irdischen Leben leiten.

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Kolosser 1, 15-23 Es muss doch noch mehr geben

In diesem Text kommt eine der wichtigsten Stellen vor, die auf eine Allversöhnung hindeuten könnte. Ja, hier taucht der Begriff selbst sogar auf. In diesem Christushymnus mit ganz grundsätzlichen und universalen Aussagen taucht die Aussage auf, dass Gott „durch ihn [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.“ (V.20) Hier ist die Erlösungstat Jesu am Kreuz konsequent und radikal zu Ende gedacht. Wenn in Christus alles erschaffen ist, dann ist es nur logisch, dass durch ihn auch alles erlöst wird.

Zugleich wird im Vers nach diesem gigantischen Hymnus auch deutlich, dass es trotz dieser universalen Erlösungstat Menschen geben kann, die Gott „fremd und feindlich gesinnt“ sind (V.21). Es ist also durch den Kreuzestod noch nicht alles so wie es sein sollte. Die große Frage ist nun, wie Gott das am Ende sehen wird: Werden einfach alle gerettet – auch wenn sie bis zum Tod Gott fremd und feindlich gesinnt waren? Oder bekommen sie ihren eigenen Willen und bleiben auch nach dem Tod Gott fremd und feindlich gesinnt?

Ich gebe hier keine Antwort, weil das erstens vermessen wäre und zweitens vor allem auch die Bibel selbst keine eindeutige Antwort gibt. Aber – so sehe ich es zumindest – sie hält trotz allen Gerichtsankündigungen auch einen kleinen Hoffnungsschimmer aufrecht, dass Gott es letztendlich doch schafft, alles mit sich zu versöhnen und so die ganze Schöpfung zu ihrem Ziel führt. Ob und wie das geschieht, darf ich getrost Gott überlassen.

Aber mich persönlich hat in diesem Text etwas ganz anderes tief angesprochen: „Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“ (V.16) Das spüre ich immer wieder bei mir selbst und bei anderen: dass tief drin in uns ein Sehen nach etwas ist, das größer ist als unsere irdische Welt. Wir sind alle zu ihm hin geschaffen. Diese Sehnsucht nach mehr ist jedem Geschöpf eingepflanzt. Oder wie Augustinus es sagt: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

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Lukas 20, 27-40 Es wird anders

Wie wird es sein in Gottes himmlischer Ewigkeit? Diese Frage kann auch Jesus nicht beantworten. Weil wir es uns mit unserem irdischen Verstand gar nicht vorstellen können. Auch den Sadduzäern kann er nicht beschreiben, wie das Zusammenleben der Menschen im Himmel aussehen wird. Den Himmel kann er nur durch negative Formulierungen beschreiben. Er kann sagen, was es nicht mehr geben wird: es wird keine Ehen mehr geben und es wird keinen Tod mehr geben. Jesus kann sagen, dass es anders sein wird, aber nicht sagen wie wir uns das vorstellen können.

Was er aber gegenüber den fortschrittlich, aufgeklärten und skeptischen Sadduzäern deutlich sagt ist, dass es ein Leben über den Tod hinaus gibt. Der Tod ist für uns Menschen nicht das letzte Wort. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden. Am Ende steht nicht das Nichts, sondern die Gegenwart Gottes – wie auch immer das aussehen wird…

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Lukas 10, 17-24 Die größte Freude

Freue ich mich noch darüber, dass mein Name im Himmel geschrieben ist? Klar freue ich mich darüber, aber das ist eben etwas, was ich nicht sehen kann. Ich kann nur im Glauben darauf vertrauen. Es ist leichter sich über sichtbare Glaubenserfolge hier auf Erden zu freuen. So ging es den 72 Jüngern auch, welche Jesus ausgesandt hatte und die nun erfolgreich und voller Freude zurück kehren. Sie haben was gesehen und erlebt. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie Gott durch sie wirkt.

Jesus sagt: Viel mehr Grund zur Freude ist, wenn unsere Namen im Himmel geschrieben stehen. Das heißt: wenn wir jetzt schon und für alle Ewigkeit zu Gott gehören. Das ist das größte Wunder das geschehen kann – auch wenn es für uns nicht immer offensichtlich ist.

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