Römer 10, 5-13: Zusammen, was zusammen gehört

Paulus bindet hier sehr schön zusammen, was zusammen gehört: mit dem Herzen glauben und mit dem Mund bekennen. Innerliche Herzensfrömmigkeit und äußerliches Bezeugen des Glaubens gehören zusammen. Wie so oft stehen wir Menschen in der Gefahr, die eine oder andere Seite zu sehr zu betonen. So manchem genügt sein kleiner privater Glaube, die innige Beziehung zwischen Gott und ihm. Einem anderen genügt es offiziell Christ zu sein, ab und zu im Gottesdienst zu sein und ein anständiges Leben zu führen. Aber beides für sich genommen ist zu wenig. Beides muss zusammenkommen: der Glaube des Herzens und das sichtbare Leben als Christ. Da dürfen wir auch nicht eines gegen das andere ausspielen oder herabsetzen.

Verdeutlichten kann man sich das z.B. an den Sakramenten. Taufe und Abendmahl sind äußerlich sichtbare Zeichen. Aber zugleich sind sie eben äußerliche Zeichen, die auf einen tieferen Vorgang verweisen. Beides ist wichtig. Das äußerliche Zeichen, das konkret, sichtbar und erlebbar ist. Aber genauso das, was dabei im Herzen eines Menschen geschieht. Das eine widerspricht dem anderen nicht, sondern es unterstützt sich gegenseitig.

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Johannes 21, 15-19 Liebst du mich?

Liebst du Jesus? Ja, ich liebe ihn. Ich weiß, dass Leben nur mit ihm sinnvoll ist, dass nur er mich zum Ziel führen kann, dass ich auf seine Gnade, Liebe und Treue angewiesen bin. Liebst du Jesus? Nein, nicht in dem Maße und mit der Hingabe, wie er es verdient hätte. Meine Liebe ist bruchstückhaft und unvollendet, sie ist schwankend und zweifelnd. Meine kleine Liebe ist dem großen Gegenüber nicht angemessen.

Jesus kennt unsere Herzen. Ihm kann ich mein unvollkommenes und oft widerspenstiges Herz nur immer wieder neu hinlegen. Er versteht besser als ich selbst, was in diesem Herzen vorgeht. Ich bete darum, dass er es fest hält. Ich kann nicht mit der Größe meiner Liebe prallen. Ich kann nicht für die Stärke meiner Hingabe garantieren. Ich kann mich nicht auf meine eigene Liebeskraft verlassen. Ich kann mich nur auf Jesus verlassen, der mich sehr viel mehr liebt, als ich jemals lieben kann.

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Lukas 6, 43-46 Ein guter Mensch

In meiner Bibel streiche ich mir wichtige Bibelverse mit unterschiedlichen Farben an. Bei V.45a bin ich mir nicht sicher, wie ich das anstreichen soll: „Ein guter Mensch bringt gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens.“ Ist das eher ein Gebot und eine Aufforderung, oder ist das eher eine Verheißung? Soll ich mich anstrengen ein guter Mensch zu sein, oder kommt es gar nicht auf mein Bemühen an, sondern nur darauf, ob ich ein guter oder böser Mensch bin? Ist das Gut-Sein ein Geschenk, welches dann auch automatisch Früchte trägt, oder muss ich daran arbeiten?

Ich denke irgendwie ist beides richtig. Es ist auf jeden Fall eine Verheißung. Wo Gott die Herzen nicht verändert, da kann nichts Gutes entstehen. Das macht die Bibel ja immer wieder deutlich: wir Menschen können uns nicht selbst von unserer Bosheit und Sünde befreien. Nur Gott kann Erlösung und Erneuerung schenken. Aber es ist auch eine Aufforderung: Lebe auch dementsprechend. Im Losungstext gestern hieß es: „Lernt Gutes tun!“ (Jes.1,17) Gutes tun muss demnach aus eingeübt werden. Lernen geschieht über Wiederholung. Je öfter ich etwas wiederhole, desto besser kann ich es.

Also beides: Verheißung und Aufforderung. Die Verheißung entlastet mich vor Überforderung. Es hängt nicht alles von meiner Kraft und meinem Willen ab. Gott wirkt in mir. Die Aufforderung bewahrt mich vor falscher Bequemlichkeit und Trägheit. Gott traut mir zu, dass ich das Gute, das er mir schenkt auch ausnütze und umsetze.

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1. Johannes 3, 18-24 Anspruch und Zuspruch

Johannes betont im ganzen Kapitel sehr stark unser konkretes Handeln: wir sollen nicht nur mit Worten lieben, sondern auch und vor allem mit Taten (V.18). Er weiß aber auch um die Grenzen unseres Handelns. In unserem Herzen (das entspricht nach heutigem Sprachgebrauch unserem Gewissen) werden wir immer wieder feststellen, dass wir in unserem Bemühen um Liebe Fehler machen. Gegen diese menschliche Schwäche und Gewissensnot betont Johannes die Größe Gottes, denn es gilt, dass „wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.“ (V.20)

Das soll aber keine billige Entschuldigung sein– nach dem Motto: „Ich schaff das eh nicht, weil ich halt nicht perfekt bin. Dann kann ich’s ja auch gleich bleiben lassen und auf die Gnade Gottes vertrauen.“ Nein, es ist Trost für denjenigen, der sich wirklich bemüht und dabei immer wieder an seine Grenzen stößt. Auch hier wird der Anspruch (ein Leben der Liebe zu führen) nicht durch den Zuspruch (Gott vergibt unser Versagen) aufgehoben.

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Josua 11 Heiliger Krieg

Für unsere Ohren ist es immer wieder verstörend, wie eng im Josuabuch Krieg und die Ausrottung ganzer Städte (inklusive der Frauen und Kinder) mit dem Glauben an Gott verbunden werden. Aber nach damaligen Vorstellungen war das ganz normal und selbstverständlich. Nicht nur für Israel, sondern auch für andere Völker. Es gab keine Trennung der Welt in einen säkular-politischen und in einen religiösen Bereich. Beides gehörte damals untrennbar zusammen. Wenn ein Volk gegen ein anderes gekämpft hat, dann war das mehr als eine Auseinandersetzung zwischen Menschen. Es war eine Auseinandersetzung zwischen den Göttern dieser Völker oder Volksstämme. Im Krieg hat sich gezeigt, welcher Gott mächtiger ist.

Wir schauen ja heute als Christen etwas mitleidig und völlig verständnislos islamischen Fundamentalisten gegenüber, die meinen mit Bomben und Waffen für ihren Glauben kämpfen zu können. Aber auch Juden und Christen haben erst lernen müssen (und müssen es immer wieder neu lernen), dass der eigentliche und entscheidende Kampf nicht mit Waffengewalt zu gewinnen ist. Jesus Christus hat das ganz deutlich gezeigt: Er kämpfte nicht mit Schwertern gegen die römischen Unterdrücker, sondern er kämpfte am Kreuz gegen die Gottlosigkeit der Welt. Das Herz der Menschen kann nur von innen her gewonnen werden und nicht durch äußerliche Gewalt. Am Kreuz führt Gott selbst den entscheidenden und einzigen heiligen Krieg um das Herz von uns Menschen.

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Hesekiel 33, 10-20 Die Füße des Glaubens

Zwei Stellen sind mir in diesem Text aufgefallen. Zum einen, dass der Glaube (und Unglaube) mit einem Weg verglichen wird: „So kehrt nun um von euren bösen Wegen.“ (V.11) Wieder einmal wird deutlich: Glaube ist nicht nur eine Sache des Kopfes, oder des Herzens, sondern auch eine Sache der Hände und Füße. Es gibt so manche Christen, die von ihrer absolut richtigen Theologie und Vorstellung von Gott unterwegs sind und andere mit ihrer Rechtgläubigkeit erschlagen wollen (v.a. im Internet, weil man da schön anonym dem anderen seine theologischen Erkenntnisse um die Ohren schlagen kann). Und es gibt so manche Christen, die mit vollen Herzen und Eifer bei der Sache sind und die andere mit ihrer Begeisterung einfach überrollen. Aber es gehört eben nicht nur der Kopf und das Herz zum rechten Glauben, sondern auch die Füße, das rechte Handeln. Und da will ich nicht nur über andere lästern, sondern muss selbst zugeben: das ist oft das Schwierigste!

Der andere Vers, der mich berührt hat: „Aber dein Volk spricht: ‚Der Herr handelt nicht recht‘, während doch sie nicht recht handeln.“ (V.17) Der typisch menschliche Hochmut und die typisch menschliche Verkennung der Realität: Gott wird angeklagt, obwohl der Mensch sich eigentlich selbst anklagen müsste!

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Exodus 18, 1-12 Glaubt Jitro an den richtigen Gott?

Seltsame Figur dieser Jitro. Ich weiß nicht so genau, was ich von ihm halten soll. Er ist Priester in Midian. Die Midianiter sind mit den Israeliten verwandt, Midian war einer der Söhne Abrahams (Gen.25,2-4). Die Midianiter kannten also auf jeden Fall den Gott Abrahams. Aber verehrten sie ihn auch? Welchem Gott diente Jitro als Priester? Demselben Gott wie Mose? In späterer Zeit werden die Midianiter als Feinde Israels dargestellt, in Richter 6 erscheinen sie sogar als Todfeinde, welche Gideon vollständig ausrotten soll.

In diesem Text und dieser Situation wird er auf jeden Fall positiv dargestellt. Mit Mose preist er Jahwe und bringt ihm Opfer. Den Glauben anderer einzuschätzen ist immer schwierig. Glauben sie richtig? Glauben sie an den biblischen Gott? Die Bibel hält sich hier mit einer grundsätzlichen Bewertung zurück. Sie berichtet nur, dass er in dieser Situation den richtigen Gott anbetet. Ich denke wir sollten mit Bewertungen auch zurückhaltend sein. Wenn jemand sich offensichtlich zum Gott der Bibel bekennt, dann sollten wir uns darüber freuen und nicht über seine innere Motivation spekulieren. Wie es im Herzen aussieht, weiß alleine Gott.

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Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag

Ein schönes kleines Büchlein! Manche mögen es vielleicht als ein bisschen rührseelig und spannungsarm empfinden. Aber mich hat das nicht gestört, ich hab es gern gelesen.

Es geht um vier Geschwister, die sich anlässlich einer Hochzeit in der Verwandtschaft wieder einmal treffen und noch einmal in die Welt ihrer gemeinsamen Kindheit eintauchen. Es ist so etwas wie der Abschied von dieser Vergangenheit. Ein melancholischer Glanz liegt über der Begegnung. Aber zugleich auch ein tiefe Zuneigung und Verständnis füreinander.

Dass das Ganze nicht völlig ins Kitschige abrutscht liegt an der Erzählkunst Gavaldas. Sie erschafft Charaktere mit Ecken und Kanten. Sie würzt die großen Gefühle mit Witz und Ironie. Ich mag ihre Art zu erzählen und ihre Unbekümmertheit, mit der sie sich auch an emotionsgeladene Geschichten heranwagt. Ich glaube nicht, dass wir in unserer Welt zu viel Gefühl haben – ja, wir haben zu viele oberflächliche und platte Gefühle, aber wer redet schon über das, was sein Herz wirklich bewegt, was ihm die Tränen in die Augen treibt, was ihn tief im Innern schmerzt oder zum jubeln bringt?

Jeremia 19, 1-15 Zerbrochenes Herz

Dieser Abschnitt schließt ganz gut an den Text von gestern an (Jer.18,1-17).  Dazwischen finden wir noch einige Verse (Jer.18,18-23), in denen ein frustrierter Jeremia Gott bittet, seine Feinde zu bestrafen. Find ich gut, dass die Bibel nicht peinlich berührt über diese ganz menschlichen Rachegefühle des Jeremia schweigt…

Auch in diesem Abschnitt heute geht es um Ton, Töpfer und Tongefäße. Aber im Unterschied zu gestern, ist der Ton nicht mehr weich und formbar, sondern schon hart und fest. Wenn nun dieses Tongefäß nicht den Vorstellungen Gottes entspricht, so kann er es nicht mehr neu formen. Es bleibt nur noch die Zerstörung. Jeremia vollzieht vor den Augen der Ältesten dieses Zerschmettern eines Tonkruges als Zeichen des Gerichts über das Volk.

Diese beiden Abschnitte im Vergleich zeigen sehr schön, was Verhärtung (oder biblisch gesprochen: Verstockung) bedeutet. Menschen, die sich von Gott abwenden, sind am Anfang noch weich und formbar. Sie können sich ändern, sie können sich Gott wieder zuwenden. Doch irgendwann sind sie in ihrer Ablehnung zu Gott so verhärtet, dass sie sich nicht mehr ändern können und es auch gar nicht mehr wollen. Das ist dann Verstockung.

Ich bitte Gott um ein weiches Herz, das sich von ihm formen lässt. Ich möchte kein hartes Herz haben, bei dem Veränderung nur möglich ist, wenn Gott etwas zerbricht. Die letzte Konsequenz eines harten Herzens gegenüber Gott ist ein zerbrochenes Herz.
Bibeltext

Matthäus 15, 1-20 – Kleinkarierte Traditionalisten

Köstlich, wie Jesus hier mit seinen Kritikern umgeht. Da sind ein paar besonders fromme Leute, denen es nicht passt, dass die Jünger Jesu die traditionellen Reinheitsvorschriften nicht genau genug befolgen. Jesus geht gar nicht auf die Kritik ein, sondern hält den Kritikern den Spiegel vor: Bei euch ist es noch viel schlimmer! Ihr übertretet zwar nicht irgendwelche tradtionellen Vorschriften, aber ihr übertretet Gottes Gebote selbst. Und dann führt er aus, dass man Reinheit vor Gott nicht mit äußerlichen Handlungen herstellen kann, sondern dass dafür ein reines Herz notwendig ist.

Ich könnt jetzt wunderbar über die viele kleinkarierten Traditionalisten schimpfen, die es auch heute noch bei den besonders Frommen gibt. Leute, die so sehr in ihren Traditionen gefangen sind, dass sie die lebendige Quelle längst verloren haben. Aber das ist immer das einfachste und bequemste: Einen Bibeltext auf die anderen abschieben und sich selbst aus der Schusslinie nehmen. Wie sieht’s denn bei mir aus? Gibt’s in meinem Glauben nicht auch manches Eingefahrene, über das ich gar nicht mehr nachdenke? Gibt’s da nicht auch viele Bereiche, wo ich weit weg von der lebendigen Quelle bin?

Auch übrigens: Manchmal kann die Ablehnung aller Tradition auch zu einer Tradition werden, die nur noch aus Prinzip geschieht und nicht mehr danach fragt, was Gott eigentlich will. Manchmal kann das Bedürfnis alles anders zum machen als die Glaubenväter und -mütter auch zu einem unhinterfragbaren Postulat werden, durch das auch viele gute Tradtionen einfach aus Prinzip über Bord geworfen wird… Jesus sagt ja nicht, dass alle Tradition schlecht ist, sondern nur wenn sie Gottes ursprünglichem Willen widerspricht. Und oft bilden sich gerade an den Stellen, wo man unüberlegt alle Traditionen über Bord wirft, sehr schnell neue fragwürdige Traditionen.