Exodus 24, 1-11 Das Ja-Wort

Eine zentrale Stelle im Buch Exodus: Der Bundesschluss Gottes mit seinem Volk am Sinai. Mich hat die Stelle deutlich an das von Jesus Christus eingesetzte Abendmahl im Neuen Testament erinnert. Auch da taucht das Stichwort Bund auf (Lk. 22,20). Nach hebräischer Vorstellung spielt Blut eine wichtige Rolle. Beim Bundesschluss am Sinai wird das Blut von Opfertieren zum einen an den Altar gesprengt (V.6) und zum anderen auf das Volk (V.8). Das verbindet die beiden Bundespartner auf’s engste. Beim neutestamentlichen Abendmahl spricht Jesus von seinem Blut, das für uns vergossen wird (Lk. 22,20). Und an beiden Stellen wird der Bund mit einem Mahl gefeiert (V.11).

Bund, Blut, gemeinsames Mahl,… ich glaube Jesus nimmt ganz bewusst Bezug auf diese Stelle. In und durch ihn wird dieser Bund Gottes aufgenommen und erneuert. Das Abendmahl ist somit auch so etwas wie das Fest des Gemeinschaftsbundes zwischen Gott und seinem Volk. Ein Fest, bei dem man sich gegenseitig das Ja-Wort zuspricht. Gott sagt Ja zu dir und du sagst Ja zu Gott.

Fasziniert hat mich an dem Exodustext auch V.10: Da geschieht das, was nach alttestamentlicher Vorstellung eigentlich nicht geschehen kann – sterbliche Menschen sehen Gott! Und sie werden von Gottes Herrlichkeit nicht vernichtet! In Ex.33,20 heißt es: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ Nun ist in Exodus 24 nicht davon die Rede, dass sie Gottes Angesicht sehen, aber trotzdem: sie sehen Gott!

Es wird nicht beschrieben, wie Gott aussieht. Ganz zurückhaltend und vorsichtig wird nur beschrieben, dass der Boden unter Gottes Füßen wie Saphir geglänzt hat und strahlend blau war – wie an einem klaren Sonnentag. Allein der Boden unter Gottes Füßen strahlt und glänzt in Herrlichkeit!

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Exodus 19 Ein gefährlicher Gott

Auf dem Berg Sinai begegnet Gott dem Mose. Ausführlich wird das Volk gewarnt, dem herrlichen und heiligen Gott zu nahe zu kommen. Das Volk muss sich drei Tage lang vorbereiten, es muss sich reinigen. Und trotzdem darf es dem Berg der Offenbarung nicht zu nahe kommen, weil sie sonst vom heiligen Gott zerschmettert würden. Auch dem Mose selbst kann Gott nur verborgen in einer dichten Wolke erscheinen. Gott ist so herrlich und heilig, dass wir Menschen es nicht ertragen können. Wir vergehen vor seiner Heiligkeit.

Auf diesem Hintergrund gewinnt das Wunder von Weihnachten noch einmal neues Gewicht. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, seine Herrlichkeit wurde Fleisch und Blut, anfassbar, begreifbar, mitten unter uns. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Joh. 1,14)

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Epheser 2, 8-13 Der unausforschliche Reichtum Christi

Paulus wirft in diesem Abschnitt ganz schön mit Superlativen um sich: Er spricht nicht nur vom Reichtum Christi, sondern vom unausforschlichen Reichtum Christi, nicht nur von einem verborgenen Ratschluss, sondern von einem geheimen Ratschluss, der von Ewigkeit her verborgen war, nicht nur der Weisheit Gottes, sondern von der mannigfaltigen Weisheit Gottes.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man von den Umständen hört, in denen Paulus sich befindet. In 3,1 bezeichnet er sich als Gefangener, in 3,13 spricht er von Bedrängnissen. Aber vielleicht wird ihm ja gerade in der eigenen Not die Größe und Herrlichkeit Gottes umso bewusster? Vielleicht ist es ein Trugschluss, wenn wir heute manchmal meinen, die Größe und Herrlichkeit Gottes müsste sich so zeigen, dass es auch uns großartig und herrlich geht. Ich glaube es ist tatsächlich so, dass Leute die Schweres durchmachen, einen klareren Blick für den „unausforschlichen Reichtum Christi“ haben können. Nämlich dann, wenn sie nicht über ihr eigenes Unglück jammern, sondern wenn sie auf Gott schauen.

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Epheser 1, 15-23 Erleuchtete Augen des Herzens

Diese Formulierung hat mich in dem Abschnitt besonders angesprochen: „Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens“ (V.18). Mit den erleuchteten Augen ist wohl weniger gemeint, dass die Augen leuchten und strahlen, sondern dass sie vom Licht erleuchtet werden und sie somit nicht nur Finsternis sehen können, sondern im Licht überhaupt etwas erkennen können. Wobei das was sie dann sehen können auch die Augen selbst zum strahlen bringt.

Unsere Augen im Kopf, die funktionieren meist mehr oder weniger gut. Wir können die Welt um uns herum sehen, erkennen und beurteilen. Wir nehmen die Schönheit und das Leid dieser Welt wahr. Aber die Augen des Herzens, die sehen oft nicht viel. Wenn Gott sie erleuchtet, dann erkennen wir welch große Hoffnung wir haben (V.18) und welch überschwänglich große Kraft Gott uns jetzt schon schenkt (V.19).

Ich finde es schön, dass es nicht nur um Hoffnung auf zukünftige Dinge geht, sondern auch um die gegenwärtige Kraft. Aber auch andersherum geht es nicht nur um Kraft für die Gegenwart, sondern auch um Hoffnung auf die ewige Welt. Beides gehört zusammen. Schön ist es auch, dass Gott uns das nicht erst noch geben muss oder wir es uns erkämpfen müssen, sondern dass wir nur die erleuchteten Augen des Herzens brauchen, um zu erkennen, was wir durch Christus schon längst haben. Es ist schon da, wir müssen nur die Augen aufmachen!

Vater der Herrlichkeit, erleuchte auch meine Augen des Herzens immer mehr. So dass ich mehr von Deiner Welt, von Deiner Kraft und Herrlichkeit auch in meinem Leben entdecken kann.“

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1. Petrus 1, 3-12 – Vorfreude

Nach dem (schon sehr gehaltvollen) Briefeingang folgt zuerst einmal ein großer Lobpreis. Vor allem anderen steht das Lob Gottes für alles, was er uns schenkt. Was mich in diesem Abschnitt besonders angesprochen hat war V.8b:  „Ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.“ Für mich ist das eine tolle Um- und Beschreibung des Himmels: Unaussprechliche und herrliche Freude. Wir können uns nicht genau vorstellen, wie das sein wird. Wir können uns mit unseren irdischen Erfahrungen und Bildern nicht ausmalen, wie das wirklich sein wird in Gottes unmittelbaren Gegenwart – aber es wird auf jeden Fall eine unbeschreiblich schöne und gigantische Freude sein!

Interessant ist, dass dieser Vers unterschiedlich übersetzt wird. Luther hat in im Futur übersetzt – andere übersetzen in der Gegenwart: „schon jetzt seid ihr erfüllt von herrlicher, unaussprechlicher Freude.“ (Neues Leben) Auch die recht wörtlich übersetzende Elberfelder Bibel hat hier den Präsens. Und tatsächlich! Im Urtext steht hier das Verb auch im Präsens. Ich weiß nicht aus welchem Grund Luther hier anders übersetzt. Entweder weil es manche Handschriften gibt, die hier das Verb in der Gegenwart haben oder weil er inhaltlich betonen möchte, dass die völlige Freude erst in der Zukunft liegt.

Ich find’s toll, dass hier eigentlich ein Präsens steht, dass wir jetzt schon mit dieser gigantischen Freude jubeln dürfen. Natürlich ist klar, dass die völlige Freude erst im Himmel da sein wird, aber jetzt schon fängt im Glauben der Himmel an. Es geht im Zusammenhang ja auch um den Trost in mancherlei Anfechtung. Petrus will über diese Anfechtung nicht hinwegtrösten indem er sagt: Irgendwann in der Zukunft werdet ihr auch wieder freuen, sondern er sagt: Jetzt schon – mitten drin in der Anfechtung – dürft ihr euch freuen. Und erst recht, wenn ihr mal das Ziel eures Glaubens erreicht habt.

Die Neue Genfer Übersetzung formuliert hier sehr schön differenziert: „Daher erfüllt euch ´schon jetzt` eine überwältigende, jubelnde Freude, eine Freude, die die künftige Herrlichkeit widerspiegelt.“ Der Grund der Freude liegt in der Zukunft, erst in Gottes himmlischer Welt wird einmal alles in Ordnung sein und alles leuchtende Herrlichkeit sein. Aber diese Aussicht kann uns schon jetzt mit Freude erfüllen. Auch die Vorfreude ist eine echte, überwältigende und jubelnde Freude.
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Psalm 103 – Barmherzig und gnädig

Ein sehr bekannter und beliebter Psalm. Ein wundervoller Aufruf, Gott zu loben. Ich bin heute vor allem an einem Vers hängen geblieben: „Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.“ (V.14) Im Zusammenhang mit dem gestrigen Psalm (Psalm 102), tröstet mich das jetzt doch: Trotz aller Größe und Herrlichkeit denkt Gott doch daran, dass wir nur Staub sind, dass wir vergänglich sind, dass wir eben Menschen mit all unseren Schwächen und Fehlern sind.

Gerade deshalb ist mit uns so barmherzig und gnädig, so geduldig und gütig (V.8). Gerade deswegen vergibt er uns unser Sünden (V. 10) und erbarmt sich über uns wie ein Vater sich über seine Kinder erbarmt (V. 13). Ich hab das Gefühl, dass ich das auch öfters zu Gott sagen muss: „Vater, du weißt doch wer ich bin, du kennst mich doch, du weißt doch dass ich nur Staub bin!“ Oder vielleicht muss ich das auch weniger Gott sagen, sondern eher mir selbst?! Damit auch ich selbst mit mir barmherziger und gnädiger umgehe…
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Psalm 97 – Gottes Herrlichkeit

Eine Aussage bewegt mich bei diesem Psalm besonders: „Wolken und Dunkel sind um ihn her.“ (V.2) Es geht um Gott, der als herrlicher und mächtiger König der Welt beschrieben wird. Er herrscht in Gerechtigkeit und das ist kein Grund zur Angst, sondern zur Freude. Warum wird Gott nun nach diesem Psalm von Wolken und Dunkel umgeben? Vielleicht weil wir seine Herrlichkeit in ihrer vollen Größe gar nicht ertragen könnten. Gott muss sein absolut reines Strahlen einhüllen und verbergen, weil er uns sonst mit seiner Herrlichkeit alle plattwalzen würde. Er ist so genial großartig und leuchtend, dass wir – zumindest in unserem irdischen Leib – alle zu Asche werden würden, wenn wir ihn sehen könnten. Wenn uns schon ein lächerlicher und kleiner Blitz umhauen kann, wie viel mehr dann das kraftvolle Strahlen seiner Herrlichkeit?

Deswegen bleibt für uns in unserer irdischen Welt Gott immer auch etwas rätselhaftes und geheimnisvolles. Manchmal sehen wir nur das Dunkel und die Wolken, die ihn umgeben. Manchmal können wir gar nicht glauben, dass hinter diesen Wolken sein Licht scheint. Aber oft genug dringt ein kleiner Lichtschein durch das Dunkel in unserer Welt und wir bekommen eine kleine Ahnung von seiner Herrlichkeit.

Natürlich fällt mir zu dieser Stelle Joh. 1,14 ein: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Also können wir doch Gottes Herrlichkeit sehen?!? In Christus begegnet uns doch Gott in seiner Herrlichkeit! Ja und Nein: Ja, in Christus ist Gottes Herrlichkeit auf dieser Welt erschienen. Nein: Denn auch hier ist die Herrlichkeit eingehüllt und verborgen – und zwar nicht in Wolken oder Dunkelheit, sondern wie Johannes so schön sagt: im Fleisch.

Gottes Herrlichkeit umgibt sich mit einer unscheinbaren und vergänglichen Hülle, um uns nahe zu kommen. Er kommt uns in Christus auf eine Weise nahe, in der wir es ertragen können. Aber eben auch in einer Weise, in der seine Herrlichkeit nicht für jeden gleich offensichtlich und erkennbar ist. Durch Christus hindurch dringt ein kleiner Lichtschein in das Dunkel unserer Welt und wir bekommen eine kleine Ahnung von seiner Herrlichkeit.
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Psalm 96 – Gebt Gott die Macht

Nach V.6 zeichnen Gott folgende Eigenschaften aus: Hoheit und Pracht, Macht und Herrlichkeit. Der Psalm bekennt, dass Gott größer, herrlicher und mächtiger ist als alles andere. Interessant ist nun, dass im folgenden Vers die Völker aufgefordert werden: „Bringet dar dem Herrn Ehre und Macht.“ Was soll das? Warum sollen wir Gott Ehre und Macht bringen, obwohl er das alles doch schon hat?

Ich denke, das macht durchaus Sinn: Gott ist Gott, er ist mächtig und ihm gehört alle Ehre. Aber die Frage für uns ist, ob wir diese Macht auch anerkennen, ob wir anerkennen, dass Gott Gott ist – auch in unserem Leben. Gott zwingt uns seine Hoheit, Pracht, Macht und Herrlichkeit nicht auf. Wenn wir wollen können wir einfach sagen: Nö, darauf hab ich keinen Bock! Deswegen fordert der Psalm uns auf, Gott als Gott anzuerkennen – indem wir ihm die Ehre und die Macht geben. D.h. indem wir auch für unser Leben akzeptieren, dass Gott die Ehre gebührt und er auch der Herr über unserem Leben ist, dass er das Sagen hat – und nicht wir selbst, oder der Mammon, oder die Meinung anderer über uns, oder …
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Psalm 29 – Gottes Donnerstimme

BlitzSeltsamer Psalm. Es tauchen hier so manche Vorstellungen aus der kanaanäischen Umwelt Israels auf: In V.1 wird wörtlich von Göttersöhnen gesprochen (Luther übersetzte mit „Himmlische“ andere übersetzen mit „Engel“) und die Beschreibung der gewaltigen Stimme Gottes erinnert den Gewittergott, der von anderen Völkern gefürchtet und verehrt wurde. Psalm 29 nimmt das alles auf und macht daraus ein Loblied auf den einzig wahren Gott. Die anderen Götter werden zu Dienern degradiert und wenn es blitzt und donnert, dann kann dahinter nur Gott selbst stehen und nicht ein anderer Gewittergott.

So mancher evangelikale Christ hätte heute wahrscheinlich große Probleme damit, solche fremdreligiöse Vorstellungen einfach so auf den eigenen Gott zu übertragen und sie in den eigenen Glauben einzubauen. Da würden sofort die Alarmglocken schrillen und man würde die reine, biblische Lehre von Gott in Gefahr sehen… 😉

Was mich selbst aber bei diesem Psalm berührt, ist die betonte und großartige Beschreibung von Gottes Stimme. Wir hatten hier heute Nacht ein ziemliches Gewitter und einmal wurde ich durch einen durchdringend lauten Donnerschlag aus dem Tiefschlaf gerissen. Das war so gewaltig, dass die Fenster gewackelt haben (naja, unsere Fenster sind nicht mehr die allerneuesten… 😉 ). „Der Gott der Ehre donnert, der Herr, über großen Wassern. Die Stimme des Herrn ergeht mit Macht, die Stimme des Herrn ergeht herrlich.“ (V.3b-4) Ja, er ist nicht nur der liebe Kuschel-Gott, er ist gewaltig, herrlich, mächtig und manchmal erschreckend furchteinflössend. Er ist nicht nur im leisen Säuseln des Windhauches, er spricht auch im gewaltigen Donnern und Blitzen.
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Bildquelle: pixelio.de | saguarofan

Psalm 18, 1-16 – Großartig!

Wow! Was für ein Psalm! Da steckt wahnsinnig viel drin. Für heute nur mal was zum ersten Drittel… Was mir heute besonders aufgefallen ist bei dem Psalm: diese kraftvolle, poetische und treffende Sprache. Für mich steckt da eine ungeheure Wucht dahinter. Und das obwohl diese Worte schon tausende von Jahren alt sind! Björn machte vorgestern auf seinem Blog eine ähnliche Entdeckung zu der dichterischen Sprache des Psalmen. Wie langweilig und nüchtern ist dagegen oft unser Reden von Gott!

Ein zweiter Gedanke: Der Beter denkt richtig groß von Gott. Für ihn ist Gott keine Handpuppe, die sich nach seinen Wünschen zu richten hat (vgl. dazu „My puppet“>>>) , sondern er ist derjenige, der in der Schöpfung blitzt und donnert, der auf den Flügeln des Windes daherkommt, aus dessen Mund verzehrendes Feuer kommt, der seine Herrlichkeit hinter schwarzen, dicken Wolken verbirgt, der den Erdboden erzittern lässt,… der einfach größer ist, als wir uns das vorstellen können!
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