Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Bucay: Komm, ich erzähl dir eine GeschichteNach vielen Büchern im elektronischen Format endlich mal wieder ein „echtes“ Buch zum anfassen. Ich habe mir die Ausgabe der Fischer Taschenbibliothek gekauft – ich mag das handliche Format und die schöne Aufmachung.

Das Buch selbst ist eigentlich kein Roman, sondern durch eine Rahmenerzählung zusammen gehaltene Kurzgeschichten. Jorge Bucay ist in seiner Heimat Argentinien ein bekannter Psychiater, der seinen Patienten weniger durch abstrakte Wahrheiten helfen will, sondern durch lebendige Geschichten. In diesem Buch hat er einige seiner Geschichten, welche er wohl in der Therapie verwendet, einfach zusammengefasst und lässt sie einem fiktiven Patienten namens Demian zu Gute kommen. Als Leser dürfen wir miterleben, wie Demian dadurch besser mit dem Leben zurecht kommt. Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte weiterlesen

Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel

Hesse: GlasperlenspielEin komplexer und vielschichtiger Roman, dem man sicher nicht in einem kurzen Blogartikel gerecht werden kann. Es ist das große Alterswerk von Hermann Hesse, an welchem er von 1931 bis 1942 (bzw. mit letzten Überarbeitungen bis 1943) gearbeitet hat. Es ist ein Werk in welchem viele Lebensthemen Hesses aufgenommen werden, in welchem aber auch indirekt die geschichtlichen Ereignisse der Entstehungszeit des Romanes verarbeitet werden. Das Ganze geschieht auf eine kühl und distanziert wirkende Weise, hinter der sich aber – wie kann es bei Hesse anders sein – seine eigenen existentiellen Kämpfe wiederspiegeln.

Rein formal gibt sich der Roman als eine Biographie eines Dritten über die Hauptperson Josef Knecht aus. Schon diese Erzählperspektive ergibt eine gewisse Distanz, weil der Erzähler ja nur aus der Außenperspektive und anhand von fiktiven Quellen diese Lebensgeschichte beschreiben kann. Die Handlung spielt in einer nicht näher bestimmten Zukunft, in welcher die chaotische Welt des 20. Jh. längst überwunden ist. Die Geschichte spielt in einer Provinz namens Kastalien, welches eine Art weltlicher Orden ist, der sich ganz der Pflege der Geisteswissenschaften verschrieben hat. Das Studium der Musik, Mathematik und Philologie spielen eine zentrale Rolle. Aber auch die Persönlichkeitsbildung der Einzelnen durch Ein- und Unterordnung unter das große Ganze und durch Meditationsübungen wird als wichtig erachtet. Die Provinz wird vom weltlichen Staat getragen und bildet dafür im Gegenzug die geistige Elite zu Lehrern aus. Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel weiterlesen

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund

Hesse: Narziß und GoldmundImmer wieder geht es in Hesses Bücher um das eine: um sich selbst, um seine Kämpfe mit sich selbst und der Welt, um die Suche nach dem persönlichen Lebensweg, um ein erfülltes, sinnvolles Leben. Auch die beiden Hauptfiguren mit Namen Narziß und Goldmund sind im Grunde Repräsentanten von verschiedenen Persönlichkeitsanteilen von Hesse selbst. Narziß ist asketische Denker, welcher der sinnlichen Welt entfliehen will und ganz dem Geist dienen will. Goldmund ist der sinnenfreudige und freiheitsliebende Lebemann, der alle Höhen und Tiefen des Lebens voll auskosten will. Die asketische Seite Hesses kann man leicht erkennen, wenn man Fotos von ihm anschaut: eine dürre, hagere Gestalt mit klaren Augen, die hinter die Oberfläche der Welt zu sehen scheinen. Die rebellische Seite Hesses lässt sich in jeder Biographie nachlesen: schon von klein auf will er sich nicht ein- und unterordnen lassen und hat seine Lust an der Schönheit der Welt. Hermann Hesse: Narziß und Goldmund weiterlesen

Hermann Hesse: Siddhartha

Siddhartha ist für mich persönlich ein wichtiges Buch. Das erste mal habe ich es als Jugendlicher gelesen und damals war es eine wichtige Stufe auf meinem persönlichen Lebensweg. Wie so viele Jugendliche war ich auf der Suche – auf der Suche nach Halt, nach Sinn, nach Leben. Hesses Buch hat mich deswegen so bewegt, weil man in diesem Buch spürt, dass auch der Autor auf der Suche ist und er sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt. Hermann Hesse: Siddhartha weiterlesen

Hermann Hesse: Demian

Ein Hesse-Buch mit dem ich mich eher schwer tue. Im Hintergrund steht eine der vielen Lebenskrisen von Hesse. Er hat in Bern mit psychotherapeutischen Gesprächen angefangen, wobei zum Therapeuten J.B. Lang bald eine Freundschaft entsteht und es zunehmend Gespräche auf Augenhöhe werden. Der Demian ist von dieser Erfahrung geprägt.

In dem Buch zeichnet Hesse die innere Entwicklung der Hauptfigur Emil Sinclair nach. Dabei verwischen sich die Grenzen von Traum und Wirklichkeit. Man kann den ganzen Roman auch als rein innerseelische Entwicklungsgeschichte des Emil Sinclairs lesen. Die vorkommenden Figuren sind dann Aspekte der einen Persönlichkeit, welche sich im Mit- und Gegeneinander der Persönlichkeitsabspaltungen weiterentwickelt. Hermann Hesse: Demian weiterlesen

Hermann Hesse: Roßhalde

Wie der Roman „Gertrud“ wieder ein Buch, das vor allem für Hesse selbst wichtig ist. Er spielt hier in Gedanken seine eigene gescheiterte Ehe durch und kommt zu der Konsequenz, dass er sich um der Kunst willen von seiner Familie befreien muss – was er dann einige Jahre später auch tut.

In dem Roman geht es um den Maler Veraguth, der auf dem schönen Anwesen Roßhalde mit seiner Frau und ihrem jüngsten Sohn Pierre lebt. Aber eigentlich leben sie gar nicht mehr zusammen: der Maler arbeitet und schläft in seinem Atelier, welches sich ein Stück entfernt vom Haupthaus befindet. Das einzige was die Eheleute noch zusammen hält, ist der von beiden sehr geliebte Sohn Pierre. Veraguth liebt ihn über alles und kann sich nicht dazu durchringen, seine Frau zu verlassen, weil er damit auch seinen Sohn verlieren würde. Hermann Hesse: Roßhalde weiterlesen

Hermann Hesse: Gertrud

Parallel zu Hesses Romanen lese ich gerade die Hesse-Biographie von Gunnar Decker. Darin wird deutlich, dass die Romane Gertrud und Roßhalde aus einer Übergangszeit von Hermann Hesse stammen. Er hatte mit Peter Camenzind einen großen Erfolg, mit dem darauffolgenden Roman „Unterm Rad“ verarbeitete Hesse seine Jugendzeit. Inzwischen hat er eigentlich sein großes Ziel erreicht: er ist Schriftsteller und kann von seine Einkünften leben. Recht gut sogar. Er hat geheiratet, hat Kinder bekommen, hat sich in Gaienhofen am Bodensee ein ansehnliches Haus gebaut. Er hat eigentlich die Krisen seiner Jugendzeit und des beruflichen Anfangs hinter sich – aber genau das macht ihm zu schaffen. Hermann Hesse: Gertrud weiterlesen

Hermann Hesse: Unterm Rad

Hermann Hesses zweiter Roman „Unterm Rad“ erzählt die Geschichte des begabten Jungen Hans Giebenrath der unter das Rad einer ehrgeizigen Erziehung gerät. Hans wächst in einem „kleinen Schwarzwaldnest“ als einziges Kind des verwitweten Vaters auf. Vorbild für den Ort ist offensichtlich Hesses Heimatstadt (und meine Geburtsstadt 😉 ) Calw. Die Begabung des Jungen wird von seinem nicht besonders einfühlsamen Vater, vom Schulmeister, vom liberalen Stadtpfarrer und von pietistischen Stundenbruder Flaig gefördert. Und tatsächlich wird Hans als einziger aus seinem Heimatort für das Landesexamen der angehenden Theologiestudenten des Maulbronner Stifts auserwählt. In den Genuss dieses Stipendiums, an das sich eine lebenslange Versorgung als Pfarrer anschließt, kommen nur die besten Schüler. Hermann Hesse: Unterm Rad weiterlesen

Hermann Hesse: Peter Camenzind

Peter Camenzind wächst in einem abgelegenen Bergdorf der Schweizer Alpen auf. Eingeklemmt zwischen hohen Bergen und einem See wird auch Peter von klein auf durch die Natur bestimmt. Er liebt es auf die Berge zu steigen, träumend auf der Wiese zu liegen und ist fasziniert von den Wolkengebilden, die am Himmel vorbei ziehen. Die Menschen des Dorfes sind größtenteils miteinander verwandt und die meisten heißen mit Nachnamen Camenzind. Es sind wortkarge und einfache Leute. Über Gefühle wird nicht geredet und der Frust des Lebens wird, wie z.B. von Peters Vater, im Wirtshaus hinunter getrunken. Hermann Hesse: Peter Camenzind weiterlesen