Henning Mankell: Das Auge des Leoparden

Mankell: Das Auge des LeopardenEin Schwede in Afrika – das könnte ein kitschiger Sehnsuchtsroman werden, voller Sonnenuntergänge und romantischer Safari-Erfahrungen. Ist es aber zum Glück nicht! Mankell zeichnet ein bedrückendes und ernüchterndes Bild über Afrika und unsere Vorstellung von uns weißen Europäer als Freund und Helfer der „armen Schwarzen“.

Hauptperson des 1990 im schwedischen erschienen Romans ist Hans Olofson. Sein Vater ist Trinker und seine Mutter hat er nie kennengelernt. Er ist auf der Suche nach sich selbst, lässt sich dabei aber eher treiben, als diese Suche selbst zu gestalten. So ist es auch nicht seine Idee nach Afrika zu reisen, sonder er erfüllt den Lebenstraum einer verstorbenen Freundin, als er nach Sambia reist. Dort übernimmt er auf eher zufällige Weise eine Hühnerfarm und aus dem kurzen Afrikabesuch wird ein 18-jähriger Aufenthalt.

Hans Olofsen sieht sich als der gute Weiße, der den Afrikanern auf seiner Farm mit allerlei Wohltaten helfen möchte. Doch schnell merkt er, dass diese Hilfe nicht so einfach ist und er in der Gefahr steht ausgenutzt zu werden. Dem kann er nur mit Härte begegnen, wobei er sich immer noch als Wohltäter versteht, weil er ja vielen Afrikanern auf seiner Hühnerfarm Arbeit verschafft.

Im Lauf des Romans wird immer mehr deutlich, wie unterschiedlich die Kultur Europas und Sambias ist. Nicht nur die Denk- und Lebensweise ist völlig unterschiedlich, sondern es ist durch die Erfahrung der Kolonialzeit von vornherein schwierig zu einem freundschaftlichen Miteinander zu kommen. Dazu kommt das Problem der Korruption einer reichen Oberschicht in Sambia. Diese führen sich auch nicht besser auf als die weißen Kolonialherren.

Mankell erzählt die Geschichte im steten hin und her zwischen der Kinder- und Jugendzeit in Schweden und der Zeit in Afrika. Bindeglied sind immer wieder Fieberträume Olofsons, welche von Malaria verursacht werden. Darin wird auch die existentielle Angst und Heimatlosigkeit der Hauptperson deutlich.

Ich hatte Anfangs etwas Probleme in den Roman hinein zu finden. Aber mit der Zeit hat mich die Geschichte gefesselt. Es ist keine schöne und leichte Geschichte, sondern oft sehr bedrückend. Das Buch hilft auf jeden Fall, den kulturellen Unterschied zwischen Afrika und Europa besser zu verstehen. Mankell hat viel Zeit in Afrika verbracht. Er ist wohl selbst auf der einen Seite fasziniert von diesem Kontinent, sieht aber auch klar die Schwierigkeiten. Der Roman ist nicht parteiisch, sondern möchte dem Leser helfen, sich selbst ein Bild zu machen. Besondere Sympathie zeigt Mankell dabei den afrikanischen Frauen, welche abseits von allen Machtspielen und Raffgier einfach nur ihr Bestes geben, um ihre Familie zu ernähren.

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J.M.G. Le Clézio: Fisch aus Gold

Seltsam, wie einen manchmal ein Roman oder eine Geschichte berührt, fesselt und bewegt – und manchmal eben nicht. Ich kann gar nicht mal genau sagen, woran es gelegen hat, aber dieser Roman hat mich nicht berührt. Obwohl es eigentlich eine bewegende Geschichte ist, die von einem guten Schriftsteller erzählt wird. Ich habe schon andere Bücher von Le Clézio gelesen und die haben mich mehr gefesselt und angesprochen.

Es geht um das Schicksal eines afrikanischen Mädchens, das in jungen Jahren aus ihrer Familie geraubt wird und als Dienstmädchen verkauft wird. Dieses traumatische Ereignis zieht sich durch die ganze Geschichte hindurch, denn das heranwachsende Mädchen weiß nicht, wer sie ist und wo ihr Platz ist. So irrt sie durch das Leben: immer auf der Suche und immer in der Gefahr von anderen ausgenutzt zu werden. Zunächst lebt sie an verschiedenen Orten in Afrika, dann gelingt ihr die Flucht nach Frankreich und schließlich landet sie in Amerika.

So ziellos wie dieses Mädchen erscheint mir auch der ganze Roman. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, ohne richtigen Spannungsbogen. Pausenlos treten irgendwelche neuen Personen auf, die nach wenigen Seiten wieder verschwinden. Auch der Charakter des Mädchens erscheint sehr wechselhaft: mal scheint sie durch Lernen und Eigenstudium heraus kommen zu wollen aus dem unsteten Leben und dann versinkt sie wieder völlig in der Ziellosigkeit und treibt sich stehlend und trinkend in der Gosse herum. Das ist sicher so vom Autor beabsichtigt, aber mir als Leser bleibt dieses Mädchen, bzw. am Ende eine junge Frau, bis zum Schluss hin seltsam fremd. Sie macht viel Schlimmes durch, aber durch dieses ziellose dahinplätschern des Romans, spricht es zumindest mich auf der emotionalen Ebene nicht an. Schade!

Trotzdem finden sich dazwischen drin immer wieder schön formulierte Gedanken, die zum Nachdenken anregen. Hier einige Zitate:

  • „Er schwieg lange, damit ich ihn fragen konnte: ‚Was ist das Wichtigste, El Hadsch?‘ ‚Das selbst der unbedeutendste Mensch in Gottes Augen ein Kleinod ist.“ (S. 138)
  •  „Ich weiß nicht, warum, aber ich erzählte ihr etwas, was ich noch nie jemandem anvertraut hatte, […] nämlich dass ich nicht wisse, wer ich sei, und auch nicht wisse, wo ich herkomme.“ (S. 146) Wer kann diese Fragen denn eigentlich wirklich beantworten? In gewissem Sinn, sind wir alle auf der Suche nach den Antworten auf diese Fragen.
  •  „Ich hatte begriffen, dass nicht Martial oder Abel oder Zohra oder Monsieur Delahaye wirklich gefährlich sind, sondern ihre Opfer, weil sie mit ihrer Opferrolle einverstanden sind.“ (S. 191) Da ist sicher was wahres dran, aber ich denke es ist auch gefährlich, das alleine so stehen zu lassen.
  • „Das machte mich fast wahnsinnig. Nirgendwo auf der Welt ließ sich Frieden finden. Wenn man einen abgelegenen Ort, einen Felsvorsprung, eine Grotte oder ein vermeintlich unberührtes Plätzchen gefunden hatte, stieß man immer auf ein obszönes Zeichen, einen Scheißhaufen oder einen Voyeur.“ (S. 203)
  • „Und da dachte ich, dass es nirgendwo auf der Welt einen Ort gab, an dem ich mich wirklich zu Hause fühlen konnte, und dass man, wo immer ich auch hinging, zu mir sagen würde, ich sei hier nicht zu Hause und müsse mich darauf gefasst machen, woanders hinzugehen. (S. 213)

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