Johannes 8, 24-41 Ich war blind…

Was wollen die Pharisäer hier eigentlich erreichen? Da wurde ein Mensch von Jesus geheilt und er bezeugt nur was er erlebt hat. Nach einer ersten Befragung und nach der Befragung der Eltern wenden die Pharisäer sich zum zweiten mal an den Geheilten. Aber wozu? Soll der Geheilte leugnen, dass er geheilt wurde? Soll er sich von Jesus distanzieren? Soll er Jesus als Scharlatan entlarven? Aber er kann ja nichts anderes sagen, als das was er erlebt hat: „Eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.“ (V.25)

Es geht den Pharisäern nicht um den geheilten Menschen. Es geht ihnen um Jesus. Jesus scheint für sie gefährlich und bedrohlich zu sein. Sie versuchen alles, um Jesus in Misskredit zu bringen. Die wunderbare Heilung eines Blindgeborenen passt ihnen darum gar nicht. Aber sie können das Geschehen ja nicht rückgängig machen. Sie haben sich in ihrer Abwehrhaltung verrannt.

Der Geheilte dagegen tut das, was Jesus von jedem von uns erwartet: er bezeugt vor anderen, was er mit Jesus erlebt hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er muss keine Wunder vollbringen. Er muss die Pharisäer nicht von Jesu Messianität überzeugen. Er muss keine theologischen Streitgespräche führen. Er muss keine Leute bekehren. Er braucht nur zu bezeugen, dass Jesus ihn sehend gemacht hat.

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Johannes 9, 8-23 …und niemand freut sich

Eine seltsame Heilsungsgeschichte. Anstatt dass sich die Menschen freuen, dass ein Blinder wieder sehend wurde und Gott dafür loben, wird der Geheilte ausgefragt wie ein Verbrecher. Wie ist das geschehen? Wer hat das getan? Als dann noch heraus kommt, dass die Heilung an einem Sabbat geschah, rückt nicht nur Jesus selbst, sondern auch der Geheilte und seine ganze Familie noch mehr ins Zwielicht.

In der Art wie diese Begebenheit erzählt wird, spiegelt sich sicher auch die Situation zwischen der christlichen Gemeinde und der jüdischen Gemeinde zur Zeit der ersten Leser wieder. In dem Abschnitt hier taucht Jesus selbst nicht auf, es ist nur ein Gespräch zwischen einem von Jesus Geheilten und seinem Umfeld. Viele sind misstrauisch und wollen genau wissen, was geschehen ist. Die Eltern des Geheilten haben Angst davor, mit Jesus in Verbindung gebracht zu werden. Zur Zeit der Abfassung des Johannesevangeliums gab es wohl solche Spannungen zwischen jüdischer und christlicher Gemeinde. Zu dieser Zeit wurden auch Christen aus der Synagoge ausgestoßen (V.22). Immerhin wird in dem Abschnitt auch deutlich, dass sich die Pharisäer untereinander nicht einig waren (V.16). Manche sahen in Jesus durchaus jemand, der von Gott kam, andere lehnten ihn ganz ab.

Auf jeden Fall ist es traurig, wenn ein solch positives Ereignis wie eine Heilung durch verschiedene theologische oder glaubenspolitische Standpunkte zerredet wird. So geht es, wenn Theologie und Dogma wichtiger werden als Gottes Liebe zu den Menschen. Das heißt nicht, dass Theologie und Dogma unnötig sind, aber dass sie im richtigen Verhältnis eingeordnet werden müssen.

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Johannes 9, 1-7 Die Frage nach dem Leid

Wenn jemand krank ist, dann muss das doch einen Grund haben. Nach damaligem Verständnis hat entweder der Kranke selbst oder seine Eltern Schuld auf sich geladen. Die Krankheit ist dann die Strafe für diese Schuld. Dieser Gedanke ist uns auch heute nicht ganz fremd. Noch heute fragen Menschen, wenn ihnen etwas zustößt: „Warum gerade ich? Womit habe ich das verdient?“ Noch heute wollen wir für die Frage nach dem Leid gerne Erklärungen haben.

Jesus heilt in dieser Geschichte den Blindgeborenen. Er verneint ganz klar die Schuldfrage. Dieser Mann ist nicht blind, weil seine Eltern oder gar er selbst gesündigt hat (V.3). An ihm soll Gottes Macht offenbar werden, an ihm zeigt Jesus selbst seine Macht. Nun ist dies aber keine allgemeine Erklärung für die Frage nach Krankheit und Leid. Es ist nur eine Erklärung für diesen einen Blindgeborenen. Jesus lässt diese Frage also offen. Er gibt uns keine allgemeine Antwort auf die Frage nach Leid und Krankheit. Das bleibt auch für Christen eine drängende und unbeantwortete Frage.

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Johannes 5, 9b-18 Krankheit und Sünde

In diesem Abschnitt finde ich V.14 irritierend. Jesus sagt zu dem Geheilten: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.“ Das klingt so, als ob Jesus die damals übliche Vorstellung vertritt, dass Krankheit eine Folge von Sünde sei. Das Schlimmere ist jedoch nicht eine schlimmere Krankheit, sondern dabei ist an den Verlust des ewigen Lebens gedacht. Trotzdem impliziert die Aussage den Zusammenhang von Sünde und Krankheit.

Gerade im Johannesevangelium wird dieser Zusammenhang von Jesus bei der Heilung eines Blindgeborenen aufgebrochen (Joh. 9,1-3). Dort stellen die Jünger Jesu genau diese Frage: Wer ist schuld daran, dass dieser Mensch blind geboren wurde? Welche Sünde ist für diese Krankheit verantwortlich? Jesus antwortet, dass weder er noch seine Eltern gesündigt haben. In diesem Fall gibt es also eindeutig keinen Zusammenhang zwischen Sünde und Krankheit.

Was gilt nun? Ich denke das Johannesevangelium gibt hier ganz bewusst keine eindeutige Antwort in die eine oder andere Richtung. Irgendwie haben wohl beide Sichtweisen ihre Berechtigung. Es ist ein grundlegender biblischer Gedanke, dass Sünde Folgen hat. Auch wenn Sünde vergeben wird, so haben böse Taten doch auch Auswirkungen, die nicht immer einfach rückgängig gemacht werden können. Eine Lüge kann z.B. vergeben werden, aber sie kann nicht rückgängig gemacht werden. So kann auch Krankheit eine Folge von Sünde sein. Aber wichtig ist festzuhalten, dass dies für Jesus kein automatisches Gesetz ist. Schon gar keine Gesetzmäßigkeit aus der man Rückschlüsse ziehen kann. Nicht jede Krankheit ist eine Folge von Sünde.

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Johannes 5, 1-9 So ist Gott

Wieder einmal wird deutlich, wie sorgfältig Johannes die Ereignisse für sein Evangelium ausgesucht und angeordnet hat. Nach der Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten, folgt eine weitere Heilung – allerdings am anderen Ende der Gesellschaft. Zuerst jemand der mit den römischen Besetzern zusammen arbeitet, dann jemand, der wegen seiner langjährigen Krankheit aus der Gesellschaft ausgeschlossen ist. Zuerst jemand, der von sich aus auf Jesus zukommt und um Heilung bittet, dann jemand, der von Jesus angesprochen wird. Johannes macht damit deutlich: Jesus wendet sich allen zu. Es gibt für ihn keine gesellschaftlichen oder politischen Schranken.

Mich berührt die Leidensgeschichte dieses kranken Mannes. 38 Jahre lang ist er schon krank und er scheint die Hoffnung aufgegeben zu haben. Andere sind immer schneller als er. Als Jesus ihn fragt, ob er gesund werden will, antwortet er darauf gar nicht, sondern erklärt nur, warum er darauf keine Hoffnung hat. Trotzdem wendet Jesus sich ihm zu – ungefragt und ungebeten. Aus reiner Barmherzigkeit. Auch das ist ein Zeichen. Ein Zeichen an dem Gottes Wesen deutlich wird.

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Apostelgeschichte 3, 11-16 Glaube und Heilung

Wie „funktioniert“ Heilung? Der heutige Text scheint eine einfache Antwort zu geben: „Der Glaube, der durch ihn [Jesus Chrsitus] gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.“ (V.16b) Der Glaube an Jesus Christus hat also den Gelähmten geheilt. Nach unserer menschlichen Logik sind wir schnell beim Umkehrschluss: Wenn jemand nicht geheilt wurde, dann ist der Glaube nicht stark genug.

Aber dieser Umkehrschluss steht erstens nichts so da. Hier steht nur, dass diese Heilung möglich war durch das Vertrauen auf Jesus Christus. Es steht nicht da, dass Glaube an Jesus Christus immer und automatisch auch zur Heilung führt. Und zweitens betont Petrus ausdrücklich, dass diese Heilung nicht durch „eigene Kraft oder Frömmigkeit“ (V.12b) bewirkt wurde. Es hing also nicht von der außerordentlichen Frömmigkeit des Petrus ab. Menschliche Glaubensstärke kann Heilung nicht erzwingen.

Aber trotzdem gehören Heilung und Glaube eng zusammen. Diese Heilung war keine magische Technik, welche richtig ausgeführt zum Erfolg führt. Sie war keine esoterische Kraftleistung eines Menschen. Nein, sie war ein Geschenk Gottes. Sie war eine Antwort Gottes auf das Vertrauen und den Glauben von Menschen. Aber welche Antwort Gott gibt, können wir ihm nicht vorschreiben. Wir können sein Wirken nur dankbar empfangen.

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Apostelgeschichte 3, 1-10 Zeichenhafte Ausnahme oder Selbstverständlichkeit?

Im Wirken der Jünger setzt sich das Wirken Jesu selbst fort. Jesus hat Menschen geheilt, so wie es im Alten Testament für die Heilszeit angekündigt war. Jetzt heilt Petrus einen Gelähmten. Das geschieht sehr spontan, ohne große Vorbereitung und scheinbar problemlos. Was will uns dieser Text sagen? Ist es auch für uns heute so einfach und problemlos Menschen zu heilen? Oder war es ein einmaliges beispielhaftes Zeichen dafür, dass Jesus mit seinen Jüngern ist?

Von meiner Erfahrung her ist es auf jeden Fall nicht so selbstverständlich, dass Menschen Heilung finden. Auch in Pfingstgemeinden gibt es noch genügend kranke Menschen. Auch in unserer Gemeinde wird viel und oft für kranke Menschen gebetet. Manchmal dürfen wir erleben, dass Gott eingreift und hilft – aber auch nicht so spektakulär, dass ein Lahmer plötzlich gehen kann. Aber die Regel ist, dass wir gar nicht viel sehen. Es war damals wie heute ein besonderes Zeichen, wenn Menschen im Namen Jesu geheilt wurden. Letzten Endes müssen wir alle früher oder später sterben. Die Heilung des Todes ist keine Verhinderung des Todes, sondern seine Überwindung. Heilungen sind Zeichen dafür, dass Gottes Macht größer ist als Krankheit und Tod.

Und trotzdem wünsche ich mir so manches mal, dass ich so einfach zu Menschen, die an Leib oder Seele krank sind, sagen könnte: Im Namen Jesu Christi sei geheilt! Es gibt so viel Krankheit, Elend und Ungerechtigkeit in unserer Welt. Wir stehen oft hilflos davor und fragen uns, warum Gott nicht auf unsere Gebet hört.

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Lukas 19, 1-10

Eigentlich ist diese Geschichte auch eine Heilungsgeschichte. Der Geheilte war aber nicht körperlich krank oder auf sonstige Weise äußerlich hilfsbedürftig. Aber er hatte eine andere Krankheit: Reichtum und Gier. Er ist ein Verlorener, der von Jesus gesucht und gefunden wird (V.10).

Aus irgendeinem Grund will er unbedingt Jesus sehen. War es reine Neugierde? Oder hat er tief in sich gespürt, dass er Heilung brauchte und dieser Jesus ihm vielleicht helfen kann? Jesus nimmt ihn wahr und sucht die Begegnung. So wie er keine Scheu vor den Kranken und Aussätzingen hatte, so hat er auch keine Scheu vor den Reichen. Durch die Begegnung mit Jesus wir Zachäus geheilt. Er kann seinen Reichtum loslassen. Er wird befreit von dem Dämon Mammon, der ihn besessen hat. Und Jesus stellt fest: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren.“ (V.9)

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Lukas 18, 31-43 Öffne du mir die Augen

Interessant und raffiniert wie Lukas hier zwei Texte direkt zusammen stellt. Bei Markus und Matthäus steht zwischen der dritten Leidensankündigung und der Heilung eines Blinden ein Streitgespräch der Jünger über die Frage, wer von ihnen der Größte sei. Lukas bringt dieses Streitgespräch in einem anderen Zusammenhang unter (Lk.22,24-27 – direkt nach dem letzten Abendmahl!). Außerdem hebt er das Unverständnis der Jünger über Jesu Ankündigung von Tod und Auferstehung betont hervor.

Dadurch wird die Erzählung von der Blindenheilung zu einer Art Antwort auf das Unverständnis der Jünger: die Jünger sind (bisher noch) blind für das, was mit Jesus geschehen wird. Sie können den Sinn von Jesu Worte nicht verstehen. Nur Gott kann ihnen die Augen dafür öffnen (so wie Jesus dem Blinden die Augen geöffnet hat).

Auch ich bin für so manches blind. Auch ich verstehe so vieles nicht. Auch ich muss Jesus bitten – so wie der Blinde: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Herr, öffne du mir die Augen!

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Lukas 11, 14-28 Mit Jesus sein

Jesus heilt einen Menschen, der stumm ist. Nach damaligem Verständnis geschieht das dadurch, dass er einen bösen Geist austreibt, welcher die Stummheit verursacht. Interessant an diesem Abschnitt finde ich, dass in der Argumentation mit Kritiker deutlich wird, dass auch andere Wundertäter böse Geister austreiben können (V.19). Die Austreibung böser Geister allein ist kein Zeichen dafür auf Jesu Seite zu sein. Es können auch ohne Jesus Wunder geschehen. Aber Jesus warnt: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich.“ (V.23)

Es wird wieder einmal deutlich: es geschehen viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir uns nicht erklären können, die beeindruckend und wundervoll sind. Aber diese Dinge sind nicht das Entscheidende. Das Wichtige ist, ob wir bei Jesus sind oder nicht.

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