Hesekiel 44 Rein und unrein

Hesekiels Vision vom zukünftigen Tempel bleibt ganz in seiner priesterlichen Welt. Vollendung bedeutet für ihn: vollkommener Opferdienst von absolut reinen Priestern in einem perfekten Heiligtum. Auch in diesem Kapitel trennt er streng zwischen dem reinen Bereich, der mit dem Heiligen in Berührung kommt und dem profanen Bereich, der mit unserer normalen irdischen Welt in Berührung kommt. Die Priester müssen streng darauf achten, dass beide Bereiche nicht vermischt werden.

Wie anders lebt und handelt Jesus: Er wird im Hebräerbrief als der eine Hohepriester bezeichnet. Aber er blieb nicht im absolut reinen und heiligen himmlischen Bereich, sondern er wurde vergängliches Fleisch. Er hat sich nicht im Heiligtum aufgehalten oder in der Abgeschiedenheit der Wüste, sondern er ging mitten unter die Menschen. Er hat sich nicht von Kranken und Sündern ferngehalten, sondern feierte mit Zöllnern und Huren. Er hat nicht versucht, die Reinheit des Heiligen durch Abschottung zu bewahren, sondern er hat das Unreine durch seine Gegenwart gereinigt.

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Hesekiel 42 Die heilige Priesterschaft

An manchen Stellen klingt Hesekiel recht neutestamentlich. Z.B. wenn er vom neuen Herz und neuen Geist redet, den Gott schenkt (Hes. 36,26f). Hier in dieser Tempelvision bleibt er allerdings seinem alttestamentlich-priesterlichen Gottes- und Weltbild treu. Am Ende des Kapitels schreibt er über die Tempelmauern. Sie sind dazu da, damit das Heilige vom dem Unheiligen geschieden sei (V.20). Davor berichtet er über die Kammern der Priester. Nur in diesen besonderen Kammern dürfen sie die heiligen Opfer verzehren. Danach müssen sie sogar ihre Kleider wechseln, bevor sie hinausgehen unter das Volk (V.14). Durch den Kontakt mit dem Heiligen sind selbst die Kleider heilig geworden und müssen vom profanen Volk getrennt bleiben.

In Jesus Christus zeigt sich der heilige Gott von einer ganz anderen Seite. Er hält sich in seiner Heiligkeit nicht getrennt vom profanen Volk, sondern wird selbst Mensch. Er wird selbst ein Teil der profanen Welt. Er trennt sich nicht durch hohe Tempelmauern ab vom Volk, sondern durch Jesus Christus baut er sich einen neuen, einen lebendigen Tempel. Nach 1. Kor. 3,16 sind wir selbst Gottes Tempel, weil Gottes Geist in uns wohnt. Wer zu Christus gehört ist selbst Teil der heiligen Priesterschaft, die nicht mehr Tieropfer schlachtet, sondern geistliche Opfer bringt (1. Petr. 2,5). Gott bleibt der Heilige, der ganz andere. Aber über Jesus Christus darf jeder Zugang zu ihm haben. Jeder kann Teil des lebendigen Tempels werden und jeder kann eintreten in die heilige Priesterschaft.

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Hesekiel 24 Der Bote erleidet die Botschaft

Was soll man dazu sagen? Wie bei manchen alttestamentlichen Propheten verwickeln sich bei Hesekiel Bote und Botschaft auf unauflösliche Weise. Das persönliche Leben des Propheten wird selbst zu einer dramatischen Botschaft, der Bote gibt nicht nur die Botschaft weiter, sondern er erleidet sie selbst: Gott kündigt an, dass die Frau Hesekiels plötzlich sterben wird und dass er keine Totenklage für sie halten soll. Diese Tod soll den Untergang Jerusalems ankündigen. Dem Volk wird das liebste genommen: das Heiligtum, die herrliche Zuflucht, die Freude ihrer Augen, das Verlangen ihrer Herzen (V.21). Am Morgen verkündigt Hesekiel die Botschaft und schon am Abend ist seine Frau tot! (V.18)

Was muss in Hesekiel vorgegangen sein? Hat er mit Gott gehadert? Hat er mit Gott gekämpft? Im Text wird nur erwähnt: „Und ich tat am andern Morgen, wie mir befohlen war.“ (V.18) Er hat also nicht öffentlich geklagt und getrauert, sondern nur heimlich, im Verborgenen geseufzt.

Für mich ist das ehrlich gesagt unverständlich: Warum greift Gott zu solch drastischen Mitteln, um seine Botschaft weiter zu geben. Ich könnte mir irgend eine Erklärung zurecht legen, ich könnte verschiedene Vermutungen aufstellen. Aber ich will es nicht. Ich lasse es einfach stehen, als etwas das ich nicht verstehe. Es gibt Seiten an Gott, die wir jetzt noch nicht verstehen. Das ist ja auch ein Grundanliegen des Hesekielbuches: Gott ist in seiner Herrlichkeit und Heiligkeit größer als wir es mit unserem Verstand erfassen können.

Hesekiel 20 Die große Abrechnung

Dieses Kapitel ist eine große Abrechnung Gottes mit seinem Volk. Gott hat Israel auserwählt und sich ihm in besonderer Weise gezeigt (V.5). Doch schon in Ägypten hat Gottes Volk auf Gottes Werben mit Ungehorsam reagiert. Nach Hes. 20 zieht sich dieser Ungehorsam durch die ganze Geschichte hindurch. Immer wieder ist Gott zornig und erbarmt sich dann doch über sein Volk.

Das erstaunliche ist: Dieses Erbarmen wird nicht mit der großen Liebe Gottes oder mit seinem Mitleid begründet, sondern mit Gottes Heiligkeit. Immer wieder verschont Gott Israel, „um meines Namens willen, damit er nicht entheiligt würde vor den Heiden“ (V.9.14.22). Gerade Gottes Heiligkeit begründet immer wieder den gnädigen Neuanfang. Gegen Ende dieses Kapitels kommt aber dann doch das Gericht. Wobei es hier nicht um ewige Höllenqualen und endgültige Verwerfung geht. Für Hesekiel bedeutet Gericht, dass die „Abtrünnige“ (V.38) ausgesondert werden und nicht zurückkehren ins Land Israel. Also eine begrenzte Strafe und kein endgültiges Auslöschen.

Trotz der großen Abrechnung und trotz all dem Ungehorsam steht am Schluss des Kapitels ganz groß die Ehre Gottes, welche sich eben nicht in Vergeltung und ewiger Strafe zeigt, sondern in Gnade: „Ich will euch gnädig annehmen […] Und ihr werdet erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Werken und verderblichen Taten, du Haus Israel, spricht Gott, der Herr.“ (V.41.44) Am Ende der großen Abrechnung streicht Gott die Schuld der bösen Taten einfach weg – und zwar zur Ehre seines Namens.

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Exodus 26 Ein pedantischer Gott?

Warum nur ist es so wichtig, dass genau beschrieben wird, wie die Stiftshütte aussehen soll? Warum ist es wichtig, aus wie vielen „Teppichen“ dieses Zelt hergestellt ist und dass an jedem Teppich exakt 50 Schleifen aus blauem Purpur und dazu fünfzig Haken aus Gold zu befestigen sind? Warum werden für jede Einzelheit genaue Maßangaben gemacht? Wird Gott seinem Volk nicht begegnen, wenn an einem Teppich nur 49 statt 50 Schlaufen dran sind? Warum legt Gott so pedantisch Wert auf die exakte Architektur der Stiftshütte?

Ich glaube dass es Gott schnurzpiepegal ist, wo er dem Menschen begegnet. Diese genauen Angaben sind nicht für Gott wichtig, sondern für den Menschen. Sie sollen deutlich machen, dass es ein besonderer Ort ist, an dem Gott dem Menschen begegnet. Der heilige Gott ist es wert, dass wir uns auf besondere Weise auf eine Begegnung mit ihm vorbereiten. Letztendlich macht die herrlich und planvoll gestaltete Stiftshütte deutlich, dass Gott selbst herrlich und perfekt ist. Wir heute stehen vielleicht manches mal in der Gefahr, dass wir zu relaxed und selbstverständlich von der Gegenwart Gottes ausgehen.

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Exodus 23, 20-33 (K)ein süßes Engelchen

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“ (V.20) Ach wie süß von Gott! Er sendet uns einen Schutzengel, der uns den Weg beleuchtet und seine Flügel über uns breitet. Wer denkt da nicht an einen kleinen, kindlichen und weiß leuchtenden Engel, so ähnlich wie sie an vielen Christbäumen hängen?

Um so überraschender der nächste Vers: „Hüte die vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird eure Übertreten nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist.“ (V.21) Das hört sich schon nicht mehr so süß und heimelig an! Ja, Gott beschützt uns und leitet uns auf dem Weg. Aber er ist dabei nicht süß und harmlos, sondern heilig und mächtig! Er ist nicht der große Wünscheerfüller, der uns jedes Hindernis aus dem Weg räumt, sondern er begleitet uns und hat dabei auch Ansprüche und Herausforderungen an uns.

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Exodus 19 Ein gefährlicher Gott

Auf dem Berg Sinai begegnet Gott dem Mose. Ausführlich wird das Volk gewarnt, dem herrlichen und heiligen Gott zu nahe zu kommen. Das Volk muss sich drei Tage lang vorbereiten, es muss sich reinigen. Und trotzdem darf es dem Berg der Offenbarung nicht zu nahe kommen, weil sie sonst vom heiligen Gott zerschmettert würden. Auch dem Mose selbst kann Gott nur verborgen in einer dichten Wolke erscheinen. Gott ist so herrlich und heilig, dass wir Menschen es nicht ertragen können. Wir vergehen vor seiner Heiligkeit.

Auf diesem Hintergrund gewinnt das Wunder von Weihnachten noch einmal neues Gewicht. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, seine Herrlichkeit wurde Fleisch und Blut, anfassbar, begreifbar, mitten unter uns. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Joh. 1,14)

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1. Petrus 2, 4-10 – Lebt, was ihr seid!

Noch immer geht es um das Thema Heiligung. Und auch in diesem Abschnitt wird ein ganz entscheidender Grundgedanke deutlich: Lebt, was ihr seid! In V.5 fordert Petrus die Leser auf, dass sie sich zu einer heiligen Priesterschaft auferbauen sollen. Und dann in V.9 betont er: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk,…“ Das ist Heiligung: Zu wissen, dass ich längst heilig bin, dass ich zur königlichen Priesterschaft gehöre! Und zwar nicht weil ist selbst so toll bin und alles richtig mache und ein perfektes Leben führe und einen Glaube habe, der Berge versetzt. Nein, einfach deswegen weil ich zu Jesus gehöre und er mich heilig macht. Zugleich aber wissen, dass ich alles daran setzen soll, diesem Sein auch zu entsprechen, das auch zu leben, was ich in Gottes Augen schon längst bin.

Viel zu schnell fallen wir auf der einen oder anderen Seite vom Pferd. Manchmal meinen wir, wir müssten uns unsere Heiligkeit erarbeiten und verdienen. Wir strengen uns an und ackern und tun und machen und werden dabei ganz frustriert, weil sich der Heiligenschein einfach nicht einstellt. Und manchmal meinen wir, dass wir ja eh nichts tun können und brauchen, da Jesus ja schon alles getan hat und wir verpennen unser Leben als Christ in der bequemen Hängematte der Selbstzufriedenheit.
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1. Petrus 1, 16-21 – Den Glanz Gottes widerspiegeln

Der vorherige Abschnitt wird hier fortgesetzt. Es geht um ein „heiliges“ Leben und dies wird mit einem alttestamentlichen Zitat begründet: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ (3. Mo. 19,2) Puuh! Was für eine Aufforderung! Was für eine Überforderung! Die Wuppertaler Studienbibel schreibt dazu treffend: „Nicht bürgerliche Anständigkeit, nicht edles Menschentum kann Maßstab für das neue Leben sein, nicht einmal die Gerechtigkeit aus dem Gesetz (Phil 3,6), sondern der heilige Gott selbst!“ Es geht nicht um ein einigermaßen anständiges Leben, sondern um Heiligkeit!

Ich kann verstehen, wenn da manche sagen: „Vergiss es, das geht doch eh nicht!“ Mir geht es ja selbst so. Hoffnungslos überfordert! Aber mir kam beim Lesen der Gedanke, dass sich dieser Satz „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“ nicht nur als Aufforderung lesen lässt, sondern auch als Zusage und Verheißung. Wenn es nur eine Forderung an mich und meine Kraft wäre, dann wäre ich tatsächlich hoffnungslos überfordert. Aber es ist auch eine Zusage Gottes: „Ich bin heilig, absolut perfekt und wenn du zu mir gehörst, wenn du mir vertraust, wenn du mir mit Ehrfurcht begegnest, dann wird auch dein Leben heilig sein, dann wird sich in deinem Leben etwas vom Glanz Gottes widerspiegeln.“
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