Josua 11 Heiliger Krieg

Für unsere Ohren ist es immer wieder verstörend, wie eng im Josuabuch Krieg und die Ausrottung ganzer Städte (inklusive der Frauen und Kinder) mit dem Glauben an Gott verbunden werden. Aber nach damaligen Vorstellungen war das ganz normal und selbstverständlich. Nicht nur für Israel, sondern auch für andere Völker. Es gab keine Trennung der Welt in einen säkular-politischen und in einen religiösen Bereich. Beides gehörte damals untrennbar zusammen. Wenn ein Volk gegen ein anderes gekämpft hat, dann war das mehr als eine Auseinandersetzung zwischen Menschen. Es war eine Auseinandersetzung zwischen den Göttern dieser Völker oder Volksstämme. Im Krieg hat sich gezeigt, welcher Gott mächtiger ist.

Wir schauen ja heute als Christen etwas mitleidig und völlig verständnislos islamischen Fundamentalisten gegenüber, die meinen mit Bomben und Waffen für ihren Glauben kämpfen zu können. Aber auch Juden und Christen haben erst lernen müssen (und müssen es immer wieder neu lernen), dass der eigentliche und entscheidende Kampf nicht mit Waffengewalt zu gewinnen ist. Jesus Christus hat das ganz deutlich gezeigt: Er kämpfte nicht mit Schwertern gegen die römischen Unterdrücker, sondern er kämpfte am Kreuz gegen die Gottlosigkeit der Welt. Das Herz der Menschen kann nur von innen her gewonnen werden und nicht durch äußerliche Gewalt. Am Kreuz führt Gott selbst den entscheidenden und einzigen heiligen Krieg um das Herz von uns Menschen.

| Bibeltext |

Psalm 149 – Heiliger Krieg?

Inmitten der fröhlichen Hallelujas kommt in diesem Psalm die Aufforderung, dass die Heiligen scharfe Schwerter in Händen halten sollen, dass sie unter den Heiden Vergeltung üben sollen und dass sie an ihnen Gericht vollziehen sollen (V.5-9). Das klingt ja sehr nach Heiligem Krieg. Im Namen Gottes sollen die Ungläubigen niedergemetzelt werden?!? Im Rahmen von windhauch will und kann ich zu diesen Versen keine ausführliche Auslegung geben. Deshalb nur einige Gedankenanstöße zu diesem Text:

Nicht nur im Koran finden sich Aussagen zur kriegerischen Bekämpfung der „Ungläubigen“, auch in unserer Bibel gibt es Stellen, die in diese Richtung gehen. Wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen, sollten wir immer auch unsere eigene Tradition und Geschichte im Blick haben.

Wichtig ist der Gesamtzusammenhang: Welches Gewicht haben solche Aussagen im Zusammenhang der gesamten biblischen Botschaft? Wie sind sie zu verstehen und zu deuten? Geht es hier um ein Handlungsaufforderung? Oder um eine Wunschvorstellung des Beters? Oder um eine Prophezeiung?

Den Gerichtsgedanken ganz allgemein als alttestamentlich und damit überholt abzutun ist zwar ein bequemer, aber nicht unbedingt biblischer Weg. Auch im Neuen Testament wird betont, dass es ein Gericht geben wird. Sünde und Gottlosigkeit wird irgendwann an’s Licht kommen.

Vom Neuen Testament her ist aber auch klar, dass das entscheidende Gericht am Kreuz von Golgatha geschehen ist. Dort hat Jesus die Strafe für alle Gottlosigkeit auf sich genommen.

Aber auch im Neuen Testament gibt es den Gedanken, dass die Heiligen am Gericht Gottes beteiligt sind (z.B. 1.Kor.6,2). Aber dort geht es ganz klar nicht um kriegerische Vergeltung, sondern um eine Zunkunftsperspektive: Gott wird die Heiligen am gerechten Gericht beteiligen.

Mein Fazit: Nein, ich brauch und will keinen Heiligen Krieg! Die entscheidende Schlacht wurde schon längst geschlagen: am Kreuz hat Jesus gesiegt! Aber wenn’s irgendwann dazu kommen sollte, dass ich solchen Typen wie z.B. Hitler, eins über die Rübe ziehen darf: Dann sag ich nicht nein…
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