Römer 8, 26-30: Himmlisches Seufzen

Ich finde es bezeichnend, dass der Geist Gottes uns nicht beim Jubeln hilft, sondern dass er uns mit himmlischem Seufzen hilft. Es gibt viel Schönes in dieser Welt, über das wir uns freuen können und über das wir vor Gott jubeln können. Aber es gibt auch vieles, bei dem wir nur Seufzen können – auch als erlöste Christen.

Vor diesem Hintergrund kann ich auch den herausfordernden V.28 besser einordnen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Das ist nicht leichtfertig dahingesagt, so als ob uns die Schmerzen dieser Welt gar nicht mehr berühren könnten. Das ist kein triumphales Bekenntnis, dass wir stärker sind als alle Anfechtungen dieser Welt. Nein, das ist ein Festklammern unter Seufzen, dass Gott es am Ende gut machen wird.

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Johannes 19, 31-42 Blut und Wasser

Johannes liebt es durch sein ganzes Evangelium hindurch hinter der Erzählebene tiefere Botschaften zu verstecken. Manchmal sind seine Anspielungen leicht zugänglich, manchmal bleibt offen, was er eigentlich genau damit meint. In dem heutigen Abschnitt fällt vor allem die Betonung auf, mit der er erzählt, dass nach Jesu Tod durch einen Lanzenstich Blut und Wasser aus der Seite Jesu kamen. Das ist auf der reinen Erzählebene ein deutlicher Hinweis, dass Jesus tatsächlich tot ist. Er war nicht scheintot und wurde dann wiederbelebt, sondern er ging tatsächlich ins Totenreich und ist dann auferstanden.

Aber wenn es nur um die Tatsache des Todes gegangen wäre, dann hätte ein Hinweis auf das Blut Jesu gereicht. Außerdem wird gerade diese Beobachtung durch den nachfolgenden Vers 35 in besonderer Weise hervorgehoben. Aber es ist nicht ganz eindeutig, worauf Johannes mit Blut und Wasser anspielen will. In der Alten Kirche wurde es meist als Anspielung auf die Sakramente von Abendmahl und Taufe gedeutet. Das macht von den Symbolen her durchaus Sinn. Allerdings scheint Taufe und Abendmahl im Johannesevangelium insgesamt keine besonders große Rolle zu spielen (es ist z.B. das einzige Evangelium, das die Einsetzungsworte des Abendmahles nicht überliefert).

In 1. Joh. 5,6 gibt es eine interessante Parallelstelle: Dort wird festgehalten, dass Jesus durch Wasser und Blut gekommen ist. Dies scheint im Zusammenhang eine Anspielung auf Jesu eigene Taufe und sein Kreuzestod zu sein. Allerdings scheint eine Anspielung auf Jesu Taufe bei Jesu Tod wenig Sinn zu machen. Was auch immer Johannes genau gemeint hat: Blut spielt sicherlich auf die erlösende Kraft von Jesu Tod an (an welche ja beim Abendmahl erinnert wird) und das Wasser könnte ganz allgemein auf den Geist anspielen (der ja im Neuen Testament eng mit der Taufe verbunden ist – sowohl bei Jesu Taufe, als auch bei der späteren Taufe von Gläubigen). Dann würde der Hinweis deutlich machen, dass wir in Jesus Christus Erlösung und neues Leben durch den Heiligen Geist haben.

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Johannes 16, 4-15 Der Heilige Geist

In den Abschiedsreden des Johannesevangeliums bezeichnet Jesus den Heiligen Geist zum einen als Parakleten und zum anderen als Geist der Wahrheit. Ein Paraklet ist ganz allgemein übersetzt ein „Helfer, Beistand oder Fürsprecher“. Als Fachausdruck kann er auch den „Anwalt“ vor Gericht meinen. Es geht also um jemand, der mir hilft und gegenüber anderen meine Interessen vertritt. Aber nicht weil ich so nett bin, oder weil meine persönliche Interessen und Vorlieben so schützenswert sind. Nein, der Paraklet hilft mir und vertritt mich, weil ich auf die Seite Jesu gehöre. Die Jünger und Jüngerinnen Jesu gehören sozusagen ins Team Gottes und wenn es mit irgendjemand von außerhalb Probleme gibt, dann ist der Paraklet an ihrer Seite.

Dabei geht es nicht darum, andere über den Tisch zu ziehen, sondern darum, die Wahrheit ans Licht zu bringen – darum wird er hier auch „Geist der Wahrheit“ genannt. Der Anwalt rettet uns nicht mit irgendwelchen juristischen Tricks, sondern damit, dass er die Wahrheit offenbart. Im Johannesevangelium ist der Begriff Wahrheit ganz eng mit Jesus selbst verbunden: er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (14,6). Der Geist der Wahrheit hat also keine andere Botschaft als die Botschaft Jesu selbst. Darum sagt Jesus auch: „Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen“ (V14). Es geht nicht um zusätzliche Offenbarungen oder über eine Wahrheit, die über Jesus Christus hinausgeht. Es geht um die Entfaltung der Wahrheit in der Person Jesu Christi.

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Johannes 15, 18 – 16, 4 Wir brauchen uns nicht zu wundern

Wie bei allen Bibeltexten ist auch bei diesem zu beachten, dass er zunächst in eine bestimmte historische Situation hinein an bestimmte Adressaten geschrieben wurde. Unsere Zeit und unsere Situation ist eine andere. Dass uns jemand aus der Synagoge ausschließen will (16,2), ist z.B. für uns gar kein Thema – wir leben einfach in einer anderen Welt als die Adressaten damals.

Trotzdem wird in dem Text etwas ganz Grundsätzliches klar: Als Christen haben wir ganz nüchtern damit zu rechnen, dass wir von anderen abgelehnt und angefeindet werden. Wenn das nicht so ist, dann brauchen wir das natürlich nicht zu suchen oder zu provozieren, aber wenn es so ist, so brauchen wir uns auch nicht darüber zu wundern.

Paulus schreibt in Röm. 12,8, dass wir versuchen sollen, mit allen Menschen in Frieden zu leben. Wir sollen nicht den Konflikt suchen, sondern Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen leben. Trotzdem kann uns unser Glaube in Konflikte führen. Dann ist es wichtiger Gottes Stimme zu folgen, als sich in allem anzupassen und den Glauben aufzugeben. Jesus verheißt uns für solche Situationen den Heiligen Geist (V.26), der uns dann die richtige Reaktion schenken wird.

Johannes 14, 25-31 Der Heilige Geist und die Bibel

Beim Lesen heute habe ich gestutzt: Eigentlich ist es doch die Bibel und hier vor allem die Evangelien, die uns lehren und daran erinnern, was Jesus uns gesagt hat. Das Neue Testament ist bis heute die maßgebliche Quelle und Autorität für das, was wir von Jesus wissen. Aber hier sagt Jesus uns, dass der Heilige Geist uns Jesu Worte lehren und uns daran erinnern wird.

Allerdings muss das ja kein Widerspruch sein. Im Neuen Testament sind uns die Worte und Taten Jesu überliefert. Aber für viele Menschen sind das nur tote Buchstaben, sie können damit wenig anfangen, es spricht dadurch nicht Gott in ihr Leben hinein. Um wirklich in diesen Worten Jesu Stimme zu hören, braucht es die Vermittlung des Heiligen Geistes. Ohne den Geist bleibt die Bibel toter Buchstabe.

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Johannes 4, 19-26 Wo beten wir Gott an?

Die Frau scheint einem Gespräch über ihre persönliche Situation ausweichen. Sie lenkt das Thema auf die theologischen Unterschiede im Glauben der Samariter und der Juden. Die richtige Gottesanbetung ist in der damaligen Vorstellung noch viel mehr als bei uns auch an den richtigen Ort gebunden. Die Samariter beten Gott auf dem Berg Garizim an, für die Juden ist Jerusalem der wichtigste Ort um Gott anzubeten.

Für Jesus ist der Ort zweitrangig. Wichtig ist, Gott „im Geist und in der Wahrheit“ (V.23f) anzubeten. Dabei meint Geist nicht den menschlichen Geist, so dass wahre Anbetung nur innerlich geschehen kann, sondern es geht um den Geist Gottes. Wenn der Geist Gottes gegenwärtig ist, dann spielt der Ort keine Rolle. „Wahrheit“ ist im Johannesevangelium ein Schlüsselbegriff. Auf den Punkt gebracht, ist Jesus selbst die Wahrheit (Joh. 14,6). Nur in ihm und durch das, was er uns von Gott offenbart, können wir Gott in Wahrheit anbeten.

Ich denke in unserer heutigen Zeit stehen wir eher in der Gefahr, den Ort der wahren Gottesanbetung zu vernachlässigen. Wir haben richtig erkannt, dass es letztendlich keine Rolle spielt, wo wir sind: Gott kann überall da sein. Aber dadurch stehen wir in der Gefahr, dass unser Glaube zu einer sehr individuellen und beliebigen Sache wird. Wenn Gott überall ist, dann gibt es keine Orte der besonderen Nähe. Vielleicht können uns bestimmte Orte auch helfen, um uns Gottes Gegenwart besser bewusst zu werden.

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Johannes 3, 1-12 Neugeburt

Interessant dass im Johannesevangelium gleich nach der Tempelreinigung Nikodemus zu Jesus kommt. Die Tempelreinigung ist ein Affront gegen die Vertreter der offiziellen und geregelten Religion. Und Nikodemus ist ein Vertreter dieses religiösen Establishments. Er ist Mitglied des Hohen Rates und damit einer der höchsten Vertreter des jüdischen Glaubens. Allerdings wird schon hier deutlich, dass er sich gerade in dieser Rolle nicht in aller Offenheit an Jesus wenden kann, sondern er kommt im Schutz der Nacht.

Er wählt einen unverfänglichen Gesprächseinstieg und signalisiert damit seine Offenheit gegenüber Jesus. Aber wie so oft im Johannesevangelium hält sich Jesus nicht mit Äußerlichkeiten auf, sondern kommt gleich zum Zentrum. Er antwortet auf eine Frage, die Nikodemus noch gar nicht gestellt hat: Wer Gottes Reich sehen will, der muss von neuem geboren werden (V.3). Das ist für das ganze Evangelium eine zentrale Aussage. Es geht Jesus nicht um menschliche Anstrengungen, sei es im moralischen oder im religiösen Bereich, um Gott näher zu kommen. Nein, das Zentrale ist, dass wir neu geboren werden. Das ist ein uns unverfügbares Geschehen, das widerfährt uns, das können wir nicht erzwingen, es ist ein Geschenk Gottes.

Natürlich taucht auch in diesem Gespräch ein typisch johanneisches Missverständnis auf. Nikodemus versteht Jesus auf der Wortebene und fragt sich, wie ein alter Mensch neu geboren werden kann (V.4). Aber Jesus geht es nicht um eine Neugeburt im Kreissaal, sondern eine Neugeburt aus „Wasser und Geist“ (V.5). Mit diesen Stichworten ist wohl auf die Taufe angespielt. Jesus macht mit diesen Begriffen „Wasser und Geist“ deutlich, dass es nicht allein auf den äußerlichen Ritus des Wassers ankommt, sondern dass Gottes Geist wirken muss. Und dieser Geist ist uns unverfügbar, er weht wo er will (V.8). Nicht die Taufe als sakramentale Handlung ist wirksam, sondern Gottes Geist, der in ihr wirkt. Neu geboren werde ich nicht weil ich mich für Jesus entscheide und dies durch die Taufe bekenne – das gehört als Voraussetzung mit dazu. Neu geboren werde ich allein, weil Gottes Geist in mir wirkt.

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Apostelgeschichte 21, 1-14 Prophetische Worte

Was sagt denn nun der Heilige Geist in diesem Abschnitt? In V.4 sagt der Geist durch die Jünger in Tyrus, dass Paulus nicht nach Jerusalem gehen soll. In V.11 sagt ein Prophet, dass Paulus in Jerusalem gefangen gen0mmen wird. Aber Paulus selbst ist überzeugt, dass es Gottes Wille ist, dass er nach Jerusalem geht, auch wenn er dort sterben sollte (V.13). Paulus ist sich offensichtlich sehr sicher, was Gott will – und das ist das genaue Gegenteil von dem, was die Jünger durch den Geist in V.4 sagen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten diesen Widerspruch aufzulösen. Die einfachste Lösung ist, dass Lukas in V.4 verdichtet formuliert hat. Der Heilige Geist hat den Jüngern deutlich gemacht, welche Gefahren Paulus in Jerusalem drohen und sie warnen ihn deshalb eindringlich vor dieser Reise (in diesem Sinn überträgt z.B. die Neue Genfer Übersetzung den Vers – das ist dann allerdings schon eine starke Interpretation und keine wortgetreue Übersetzung). Dann ist allerdings die Frage, warum Lukas selbst das so missverständlich aufgeschrieben hat. Als gewissenhaften Schreiber muss ihm doch dieser Widerspruch aufgefallen sein. Eine zweite Möglichkeit wäre, dass die Jünger in Tyrus die Botschaft des Heiligen Geistes falsch interpretiert haben. Sie haben richtig verstanden, dass große Gefahr droht und verstehen nun den Heiligen Geist so, dass Gott nicht will, dass Paulus nach Jerusalem geht. In diese Richtung geht ja auch V.11. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass die Jünger in Tyrus eine falsche Prophetie weitergeben. Auch das macht die Bibel ja immer wieder deutlich, dass es falsche Propheten und Prophetien geben kann.

Wie auch immer: die Stelle zeigt, dass der Umgang mit Prophetie nicht immer einfach ist. Es muss auf jeden Fall geprüft werden. Es kann unterschiedliche Interpretationen geben. Und man kann unterschiedliche Schlüsse daraus ziehen. Dass Paulus in Jerusalem Gefahr droht (so wie es der Prophet in V.11 richtig vorausgesagt hat) stimmte ja. Die Frage ist nun, ob Paulus an seiner eigenen Gewissheit festhält, dass Gott ihn nach Jerusalem schickt, oder ob er dies als Hinweis Gottes versteht, doch nicht hinzugehen.

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Apostelgeschichte 16, 6-15 Gottes Wegweisung

Gott leitet den Weg des Paulus auf seiner Missionsreise hin nach Europa. Das schien wohl von Paulus nicht so geplant zu sein, aber Gott macht ihm deutlich, dass das Evangelium auch in Europa gepredigt werden muss. Ich finde es spannend, wie das ganz konkret aussah, dass Paulus sich von Gott leiten ließ. Das deutlichste Zeichen ist eine Erscheinung bei Nacht (ist das ein Traum oder eine Erscheinung im wachen Zustand?). Schon zuvor hatte der Heilige Geist die Pläne der Missionare durchkreuzt: Er „verwehrt“ ihnen die Predigt in der Provinz Asien. Es wird nicht deutlich gesagt, wie der Heilige Geist ihnen das verwehrt hat, aber die Formulierung lässt am ehesten auf äußere Umstände schließen.

Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich mir das eigentlich gedacht habe, dann kann das ein Fingerzeig des Heiligen Geistes sein. Wenn meine ursprünglichen Pläne nicht so aufgehen, wie ich das auch im Glauben erwartet habe, könnte es sein, dass Gott mir etwas sagen will. Wobei natürlich nicht gleich jedes Hindernis ein Hinweis Gottes ist. Bei Paulus war es ja auch wichtig, dass der klare und positiv formulierte Auftrag hinzu kommt. Für ihn gingen zwei Türen zu und es öffnete sich dafür eine dritte. So hat Gott seinen Weg geleitet.

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Apostelgeschichte 8, 26-40 So sollte es sein

Was für ein Traum! So sollte es sein! So etwas wünsche ich mir auch für heute: dass Menschen von sich aus nach Gott fragen und ihn suchen. Dass sie Interesse an der Bibel haben und nur darauf warten, dass ihnen jemand auf ihre Fragen antwortet. Dass Menschen freudig auf ein Leben mit Jesus eingehen. Die Realität heute sieht leider anders aus: Viele Gemeinden versuchen alles mögliche, um auch nur eine Funken Interesse für den Glauben zu wecken. Wir bieten alles mögliche an (und oft genug biedern wir uns auch an), von gästeorientierten Gottesdiensten, über kulturelle Events bis hin zu sozialen Projekten,… und kaum einer will was davon wissen.

Machen wir etwas falsch? Hören wir zu wenig auf die Stimme des Geistes? Gibt es heute einfach nicht mehr so viel Hunger nach Gott? War die Neugierde des Kämmerers damals schon eine Ausnahme? Müssen wir uns mehr anstrengen?

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