Römer 9,30 – 10,4: Das Ziel des Gesetzes

„Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.“ (Röm. 10,4) Das ist im Grunde eine Kurzzusammenfassung des gesamten Römerbriefes. Wobei zu beachten ist, dass das Wort, welches Luther mit „Ende“ übersetzt (griech.: telos), auch mit Ziel übersetzt werden kann. Als Weg zur Gerechtigkeit ist das Gesetz zu Ende, insofern hat Luther recht. Aber zugleich betont ja Paulus, dass das Gesetz nach wie vor heilig, gerecht und gut ist (Röm. 7,12). Insofern ist es treffender in Christus das Ziel des Gesetzes zu sehen. In ihm kommt zum Ziel, was das Gesetz selbst mit frommen Eifer auf Seiten der Menschen nicht erreichen kann.

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Sacharja 2, 10-17 Gottes Augapfel

Das Volk Israel als Gottes Augapfel (V.12). Wer dieses Volk antastet, der legt sich mit Gott selbst an. Aus der Sicht Sacharjas belegt der Untergang Babyloniens diese Aussage. Auf der anderen Seite macht er auch deutlich, dass letztendlich nicht die Babylonier Gottes Volk besiegt und ins Exil geführt haben, sondern dass Gott selbst dahinter steht: „Ich habe euch in die vier Winde unter dem Himmel zerstreut, spricht der Herr.“ (V.10)

Interessant ist auch, dass gerade in diesem Zusammenhang der Blick über Israel hinaus geht. Gott sagt: Es werden „viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein“ (V.15). Gottes Heil ist nicht auf ein einzelnes Volk beschränkt, auch wenn er sich diesem Volk in besonderer Weise zuwendet.

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Apostelgeschichte 15, 1-12 Von wegen „ein Herz und eine Seele“

Da hat es ganz gewaltigen Zoff gegeben in der Urchristenheit. Es haben sich zwei Lager gebildet, die nicht nur unterschiedliche Meinungen haben, sondern einen handfesten Streit. Selbst Lukas, der ja gerne davon berichtet, wie die Christen einmütig und ein Herz und eine Seele sind (Apg.4,32), berichtet erstaunlich offen darüber. An mehreren Stellen spricht er es deutlich an: Es entstand „Zwietracht“ (V.2) und sie hatten einen „nicht geringen Streit“ (V.2). Wenige Verse später führt er noch einmal aus, dass man sich auch im höchsten Leitungsgremium der jungen Urchristenheit „lange gestritten hatte“ (V.7). Lukas möchte mit seiner Apostelgeschichte ja eigentlich Werbung für das Christentum machen – wenn er in diesen Worten von einem Konflikt spricht, dann muss der ganz schön heftig gewesen sein.

Wenn ich mir so manche Konflikte in der heutigen Christenheit und in unseren Gemeinden ansehe, dann kann ich feststellen: Auch die ersten Christen haben nur mit Wasser gekocht. Auch sie hatten heftige Auseinandersetzungen. Immerhin ging es nicht um persönliche Konflikte oder um finanzielle Streitigkeiten, sondern um eine grundlegende theologische Frage: Muss man um selig zu werden, zunächst ein Teil des Volkes Israel werden (d.h. konkret: Beschneidung und Befolgung des mosaischen Gesetzes)? Paulus sagt klipp und klar: Nein! Andere sagen klipp und klar: Ja! Petrus verweist auf das Handeln Gottes: Er hat auch unbeschnittenen Heiden als sie gläubig wurden, den Heiligen Geist geschenkt. Trotzdem ist es schwierig einen klaren Kompromiss zwischen den beiden Positionen zu finden.

Mir wird immer wieder deutlich, dass wir so manches mal ein verklärtes Bild von den ersten Christen haben: „Ja, damals war noch alles in Ordnung!“ Nach dem Motto: Früher war alles besser. Wir sehen die Konflikte und Probleme in unserer Zeit und sehnen uns zurück nach einem perfekten Urbild von Gemeinde. Wir meinen manchmal, dass das Ursprüngliche auch das Beste war. Aber das ist nicht unbedingt ein biblischer Gedanke, sondern eher eine Vorstellung aus der Zeit der Aufklärung. Die Gemeinden damals hatten genau so mit Konflikten und Problemen zu kämpfen, wie wir heute. Es waren andere Themen, aber es gab trotzdem heftigen Streit. Und trotzdem hat Gott in und durch all unsere menschlichen Unzulänglichkeiten gewirkt und gehandelt. Ich bete darum, dass er das auch heute noch tut…

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Kolosser 3, 1-4 Die verborgene Vollendung

Zwei Kapitel lang wird im Kolosserbrief Jesus Christus und seine Tat für uns Menschen so groß gemacht, wie es nur geht. Man hat den Eindruck, dass Jesus Christus schon alles getan hat: in ihm wohnt alle Fülle, er hat alles mit Gott versöhnt, er hat Frieden gemacht durch sein Blut (1,19f), durch ihn sind wir den Mächten der Welt gestorben (2,20) und durch ihn sind wir auferstanden in der Kraft Gottes (2,12). Was soll da noch kommen? Es ist doch schon alles geschehen? Wer könnte sich anmaßen, diesem Heilswerk Jesu Christi noch etwas hinzufügen zu wollen?

Aber trotzdem folgen auch im Kolosserbrief nun Ermahnungen an die Leser. Auch wenn Christus eigentlich schon alles erledigt hat, haben wir es nötig, uns ermahnen zu lassen. Gerade weil Christus alles für uns getan hat, sollen wir uns an ihm allein ausrichten und orientieren. Sein allumfassendes Werk soll uns nicht in die Gleichgültigkeit führen, sondern anspornen, dass wir das was wir in Christus schon sind, auch zu leben.

Zusammenfassend formuliert: „Trachtet nach dem, droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ (V.3) Denn Jesus Christus hat zwar alles schon getan, aber noch ist unser neues Leben „verborgen mit Christus in Gott“ (V.3). Es ist alles schon vollbracht, aber es ist noch nicht offenbar. In der Zwischenzeit müssen auch wir uns immer wieder neu an diesem verborgenen neuen Leben ausrichten. Wir müssen immer wieder neu nach dem, was droben ist, trachten und uns nicht wieder gefangen nehmen lassen von irdischen Dingen.

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2. Timotheus 1, 12-18 Heilsame Worte

In dem Abschnitt bin ich besonders an dem Ausdruck „heilsame Worte“ hängen geblieben. Gemeint ist damit die Botschaft des Evangeliums. Von der Übersetzung her müsste man eigentlich eher übersetzen „gesunde Worte“, im Sinn von gesunder und korrekter Lehre. So übertragen es auch viele andere Bibelübersetzungen.

Doch von der Sache her gefällt mir Luthers Übersetzung außerordentlich gut: Worte des Evangeliums sind nicht nur für sich selbst genommen gesund und korrekt, sondern sie sind auch heilsam für den, der sie hört. Es geht nicht um eine Lehre, welche im abstrakten Sinn korrekt und gesund ist, sondern um Worte, welche dem Hörer Heil und Rettung vermitteln. Gesund können unsere Worte als Christen nur sein, wenn sie für andere heilsam sind. Wie wirken meine Worte für meine Mitmenschen? Sind es heilsame Worte?

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Hesekiel 38 Wer ist Gog aus Magog?

Eine Weissagung gegen Gog aus Magog. „Am Ende der Zeiten“ (V.8.16) wird dieser Fürst mit einer riesigen Vielvölkerstreitmacht gegen Israel anrücken und von Gott besiegt werden. Auch in Offb. 20,8f tauchen die Namen Gog und Magog auf: dort sind sie die Streitmacht des Satans, welche die Heiligen und die Stadt Jerusalem angreifen werden. Manche führen das Volk Magog auf einen Nachkommen Noahs zurück (1. Mo. 10,2) und identifizieren Magog mit den Skythen, welche in den Steppen im Norden Israels gelebt haben. Andere sehen Gog und Magog als symbolische Namen für die endzeitlichen Angriffe des Bösen auf Gottes Volk.

Wir wissen leider nicht, was die damaligen Hörer mit diesen Namen verbunden haben. Vielleicht waren sie genauso verwirrt, wie wir heute. Was meint Hesekiel damit? Dass Hesekiel vom Ende der Zeiten spricht, deutet für mich eher auf einen Kampf in ferner Zukunft hin und nicht auf eine damals konkret bekannte Person. Hesekiel macht auf jeden Fall deutlich: Auch wenn ihr wieder zurück im Land seid und dort in Frieden leben könnt, wird die Bedrohung durch Feinde aus dem Norden bleiben. Aber am Ende der Zeiten wird Gott die Feinde endgültig besiegen. Letztendlich ist Gottes Macht größer als die Macht aller Feinde.

Das nehme ich auch für mich aus diesem Text mit: Gott kann uns jetzt schon, in der Gegenwart, Frieden und Segen schenken – aber dieser Friede bleibt immer auch ein bedrohter Frieden. Erst „am Ende der Zeiten“ wird Gott alle Feinde endgültig besiegen. So hat ja auch Jesus immer wieder deutlich gemacht, dass Gottes Reiche jetzt schon mitten unter uns ist, dass aber die Vollendung noch aussteht. Auch wenn ich jetzt schon viel Schönes und Gutes mit Gott erleben darf – irgendwo lauert immer noch Gog aus Magog, der diesen Frieden bedroht. Aber ich darf sicher sein: auch dieser Feind wird von Gott besiegt werden.

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Philipper 2, 12-13 Unlogische Weisheit

Das ist definit eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. So herrlich unlogisch (nach den Maßstäben unserer menschlichen Logik) und doch so voller göttlicher Weisheit und Leben. Paulus sagt hier auf der einen Seite: „Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“ (V.12) Und das ist kein Übersetzungsfehler oder missverständlich. Vom Griechischen her kann man sogar noch extremer übersetzen: „Bewirkt euer Heil.“ Wenn hier nur dieser Satz stehen würde, dann müssten wir daran verzweifeln. Paulus sagt aber nun weiter: „Denn Gott ist’s der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (V.13) Damit macht er klar: Wir können unser Heil nur bewirken, weil es uns von Gott geschenkt wird.

Eigentlich geht das gar nicht: Entweder wir müssen uns unser Heil selbst verdienen, oder es wird uns von Gott geschenkt. Beides zugleich ist unlogisch, das geht nicht. Wir können hier auch nicht anfangen zu rechnen und sagen: Gott kommt uns 99 Schritte entgegen, aber den einen Schritt, den müssen wir selbst gehen (wenn wir so rechnen, dann landen wir wieder bei der Werkgerechtigkeit). Nein, es gilt beides: Gott kommt uns 100 Schritte entgegen und trotzdem müssen wir mit „Furcht und Zittern“ (d.h. im Wissen um die völlige Abhängigkeit von Gott) auch ihm 100 Schritte entgegen gehen.Aber nicht weil wir das aus eigener Kraft könnten, sondern weil Gott uns die Kraft und Fähigkeit dazu schenkt.

Das ist göttliche Weisheit, die sich aber genau mit meiner Glaubenserfahrung deckt: Gott schenkt uns alles, wirklich alles! Aber er verlangt auch unseren ganzen Einsatz, unser ganzes Herz. Wir sollen Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all unseren Kräften lieben (Mk.12,30). Dass uns Gott alles schenkt und dass er zugleich all unseren Einsatz verlangt, ist nur ein logisch-gedanklicher Widerspruch, in der Wirklichkeit des Glaubens ist es kein Gegensatz, sondern es ist gelebte Gnade.
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Jeremia 17, 14-27 Heile mich!

So langsam hab ich wieder Lust und auch das Bedürfnis, Jeremia weiter zu lesen und darüber zu schreiben. Passend der Text, mit dem es weiter geht: „Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.“ (V.14)

Mir ist dazu eingefallen, dass Heilung sehr viel mehr ist, als körperliche Heilung, als das was Ärzte tun können. Die Ärzte haben meinen Tumor raus geschnitten, sie haben Heilung nach menschlichen Möglichkeiten geschenkt (wobei ich davon überzeugt bin, dass auch dahinter Gott steht…). Aber wirklich heil werde ich nur, wenn Gott mich heilt: an Leib, Seele und Geist. Wenn er mich nicht anrührt, wenn er mir nicht hilft, wenn er mich nicht heilt, dann ist alles andere nicht viel wert.
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Offenbarung 21, 1-7 – Gottes Taschentuch

Ein wundervoller Text! Ganz besonders gefällt mir, dass Gott selbst unsere Tränen abwischen wird. Da kommt kein Engel, der uns ein Taschentuch reicht und sagt: „Okay, wischt euch erst mal die Tränen ab und beruhigt euch ein wenig – und dann könnt ihr schön freundlich lächelnd vor Gottes Thron kommen.“ Nein, wir dürfen mit unserem ganzen Schmerz und mit unseren Tränen vor Gott kommen und er wird selbst das Taschentuch zücken und uns die Tränen abwischen. Genial!

Ich finde es gut, dass die Bibel sehr realistisch von unserer Welt spricht. Trotz dem Vertrauen auf Jesus (und oft gerade wegen unseres Glaubens) wird es noch genügend Tränen und genügend Schmerz auf dieser Welt geben. Das hört auch für die Glaubenden nicht auf. Aber am Ende wird Gott all seine wundervollen Verheißungen in ihrer ganzen Fülle umsetzen. Und auch dann müssen wir die Tränen nicht einfach runterschlucken, sondern Gott wird sie uns abwischen – er wird uns völlig heil machen und allen Schmerz von uns nehmen.

Matthäus 7, 12-23 – Wer kann dann noch selig werden?

Ach, Jesus! Warum machst du es uns so schwer, ins Himmelreich zu kommen? Wenn nicht einmal die reinkommen, die in deinem Namen böse Geister ausgetrieben haben und die in deinem Namen Wunder getan haben, wie soll dann überhaupt jemand reinkommen? Da brauchst du dich doch nicht zu wundern, dass nur wenige den Weg durch die enge Pforte finden.

Ich weiß ja, dass dir die Früchte des Glaubens wichtig sind – nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern ein Glaube, der sich auch im Leben auswirkt. Aber warum machst du unser ewiges Heil in diesem Text von unserem Handeln, von unseren Früchten abhängig? Keine Früchte…? Dann ab ins Feuer! Ich hab gedacht, ich werde gerettet, weil du für mich gestorben bist und nicht wegen meinen eigenen guten Taten?!? Wenn nur die selig werden, die so leben und handeln, wie du das in der Bergpredigt forderst – na dann gute Nacht!“

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Foto: pixelio.de/hofschlaeger