Apostelgeschichte 21, 27-40 Unsere jüdischen Wurzeln

Paulus hat sich zwar bemüht, seinen jüdischen Glaubensgeschwistern entgegen zu kommen. Trotzdem sind sie gegen ihn aufgebracht und wollen ihn sogar töten. Nach der Darstellung des Lukas war der Anlass dazu nicht gerechtfertigt: Paulus wurde zwar in Jerusalem von einem Heidenchristen begleitet, aber er hatte ihn nicht mit in den Tempel gebracht. Es wird auf jeden Fall deutlich, welche Schwierigkeiten die Heidenmission im Miteinander der Judenchristen und der Juden gebracht hat. Es wird hier schon angedeutet, dass der Glaube an Jesus Christus zu mehr geworden ist, als eine jüdische Sondergruppierung.

Heute ist dieser Bruch offensichtlich: Das Christentum ist eine eigene Religion geworden. Trotzdem tut es uns gut, unsere Wurzeln nicht zu verleugnen. Jesus war Jude, die Apostel waren Juden und Paulus war Jude. Sie haben keinen neuen Gott erfunden, sondern sind Gott innerhalb ihrer Tradition neu begegnet. Auch wenn wir in der Apostelgeschichte sehen, wie sehr sich Paulus um die Heiden bemüht hat, so sehen wir doch auch, wie ihm seine jüdischen Wurzeln am Herzen lagen.

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Apostelgeschichte 15, 36 – 16, 5 Konfliktlösung

Schon wieder eine Auseinandersetzung unter den ach so einmütigen ersten Christen: Paulus und Barnabas geraten „scharf aneinander“ (V.39). Es geht um die Frage, ob für eine weitere Missionreise wieder Johannes Markus mitreisen soll oder nicht. Barnabas will ihn dabei haben, Paulus nicht. Die Gründe dafür bleiben unklar, aber es könnte sein, dass es mit dem Streitthema zusammenhängt, um das es die ganze Zeit geht: Wie frei darf die Heidenmission sein, bzw. welche alttestamentlichen Gesetze müssen Heidenchristen erfüllen. Johannes Markus war hier wohl anderer Auffassung als Paulus.

Die Lösung dieses scharfen Konflikts liegt für Paulus und Barnabas nun nicht in einem Kompromiss, sondern in einer Trennung. Beide gehen künftig ihre eigene Wege und jeder sucht sich neue Mitarbeiter für seine Missionsarbeit. Ich finde das gut und ehrlich, dass die Bibel auch über solch offene Konflikte redet. Nicht immer kommen wir Christen zu einem Kompromiss, manchmal ist es besser, man geht sich aus dem Weg. Das sollte natürlich nicht die erste Wahl sein, aber als letzte Möglichkeit ist es besser, getrennte Wege zu gehen, als sich ständig in die Wolle zu kriegen.

| Bibeltext |

Apostelgeschichte 11, 1-18 Ein Herz und eine Seele

„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg.4,32) Mit diesen schönen Worten beschreibt Lukas die Einheit der ersten Christen. Im heutigen Abschnitt stellen wir fest, dass diese Einheit nicht bedeutet, dass die Urchristen sich nie gestritten hätten und immer einer Meinung waren. Als Petrus nach seiner Begegnung mit dem Hauptmann Kornelius wieder zurück kam, „stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm“ (V.2). Sie waren ganz und gar nicht einig mit dem, wie sich Petrus verhalten hatte.

Die Einheit zeigt sich nicht darin, dass die Urchristen immer einer Meinung waren, sondern darin, wie sie mit diesem Konflikt umgegangen sind. Petrus erzählt erst einmal in Ruhe, was passiert war und warum er so gehandelt hat. Die anderen lassen ihn reden und hören erst einmal zu. Sie beharren nicht auf ihrer Meinung, sondern lassen sich überzeugen: „Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott…“ (V.18) Sie erkannten, dass Petrus nicht eigenmächtig gehandelt hat, sondern dass er sich von Gott leiten lies.

Solch eine Einheit wünsche ich uns auch heute. Wir brauchen nicht immer einer Meinung sein. Wir können auch streiten. Aber es ist wichtig, dem Anderen zuzuhören und seinen Weg mit Gott ernst zu nehmen. Die Christen damals konnten ihre Meinungsverschiedenheit beilegen und haben sich gemeinsam an Gott ausgerichtet. Wobei dann in Apg. 15 deutlich wird, dass das Thema der Heidenmission weiterhin für Differenzen sorgte. Das Streitthema wurde nicht einfach beiseite geräumt, sondern sorgte weiterhin für Diskussion. Trotz allen Differenzen waren sie aber eins vor Gott.

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