Kohelet 2, 24-26 Ein Hoffnungsschimmer

Na endlich mal was Positives! „Ist’s nun nicht besser für den Menschen, daß er esse und trinke und seine Seele guter Dinge sei bei seinem Mühen?“ (V.24) Ja klar, das hört sich doch gut an! Allerdings schränkt der Prediger gleich wieder ein: Auch das ist nichts, was wir uns erarbeiten können, was wir irgendwie „machen“ können, sondern es kommt aus Gottes Hand. D.h. es ist Gnade, wenn ein Mensch in seiner Seele wirklich guter Dinge sein kann. „Denn wer kann fröhlich essen und genießen ohne ihn? Denn dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Verstand und Freude.“ (V.25f) Ein fröhliches, zufriedenes Leben ist ein Geschenk Gottes und nicht Frucht meiner eigenen Lebensweisheit.

Und dann kommt noch mal eine Einschränkung: „Auch das ist eitel und Haschen nach Wind.“ (V.26) Also selbst ein fröhliches und genußvolles Leben, das von Gott geschenkt wird, hat letztendlich nichts Bleibendes. Es ist irgendwann vorbei und es bleibt nichts davon.

Deprimierende Aussagen?! Ja durchaus! Mit knallharter Nüchternheit analysiert der Prediger unser irdisches Leben. Aber für mich steckt darin auch etwas Entlastendes: Nimm dich selbst nicht so wichtig! Ob es dir jetzt gut oder schlecht geht, spielt letztendlich keine so große Rolle. Wenn’s dir gut geht: „Freu dich! Und genieße es ohne schlechtes Gewissen!“ Wenn’s dir schlecht geht: „Mach dir nichts draus. Gott kann das schnell wieder ändern.“ Nimm die Dinge wie sie kommen und mach das Beste daraus!

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Kohelet 2, 12-23 Düstere Gedanken

Jetzt wird’s so langsam deprimierend: Nachdem der Prediger festgestellt hat, dass Geld und Macht nicht glücklich macht, wendet er sich nun der Weisheit zu. Er stellt zwar fest, dass Weisheit besser ist als Torheit (V.13), aber letztendlich bringt auch die Weisheit nichts Bleibendes. „Darum verdross es mich zu leben, denn es war mir zuwider, was unter der Sonne geschieht, dass alles eitel ist und Haschen nach Wind.“ (V.17)

Unglaublich, dass solche düstere Überlegungen in der Bibel stehen! Dass Egozentrik, Geldgier und Vergnügungssucht nicht im Sinne der Bibel sind, das dürfte auch jedem Atheisten klar sein. Dass aber auch die Weisheit so kritisch gesehen wird, das ist gewagt. In anderen Teilen der Bibel wird die Weisheit sehr positiv dargestellt. In Sprüche 8,22-31 spricht z.B. die personifizierte Weisheit davon, dass sie das erste Geschöpf Gottes sei, ja dass sie sogar von Gott geboren sei (Spr. 8,24)!

Selbst das Streben nach dieser göttlichen Weisheit ist für den Prediger letztendlich belanglos und unwichtig. Die Volxbibel bringt dies sehr drastisch, aber durchaus treffend, auf den Punkt: „Nichts hat wirklich Bedeutung im Leben, es ist so, als würdest du versuchen einen Furz einzufangen.“ (V.17) Luther drückt es etwas vornehmer aus: Alles ist „ein Haschen nach Wind.“ Mal sehen, ob der Prediger aus diesen düsteren Gedanken noch irgendwie heraus kommt, ob er doch noch irgendeinen Sinn im Leben findet…

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Kohelet 1, 1-11 Alles ist Windhauch!

Ich liebe die Vielfalt der Bibel. Sie ist kein durch systematisiertes dogmatisches Lehrbuch, sondern sie ist in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit ein „Lebensbuch“, das der Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Lebens entspricht. Das Buch Kohelet unterscheidet sich deutlich von vielen anderen biblischen Büchern  (Kohelet ist die hebräische Bezeichnung, sie wird im Deutschen üblicherweise mit „Prediger“ wieder gegeben; vom Wortstamm her [versammeln] meint es jemand, der eine Versammlung einberuft oder leitet).

Das Buch hat eine sehr skeptische und nüchterne Grundhaltung. Da ist nichts zu spüren vom Optimismus der Propheten, die damit rechnen, dass Gott einmal alles erneuern wird. Da ist nichts zu spüren von der üblichen Zuversicht der weisheitlichen Schriften der Bibel, dass Gott gutes Handeln auch mit einem guten Leben belohnen wird. Erst recht nicht taucht die neutestamentliche Hoffnung auf, dass Gott über den Tod hinaus Leben schenkt.

Gleich zu Beginn lesen wir das Fazit des Predigers: „Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.“ Hinter dem Wort „eitel“ steckt das hebräische Wort „häbäl“. Man kann es übersetzen mit: vergänglicher Hauch/Windhauch(!!!)/Nichtigkeit. Man könnte sagen: Wenn man die Welt anschaut, dann bleibt am Ende nichts Bleibendes, kein tieferer Sinn. Es vergeht alles wie ein Windhauch und am Ende bleibt nichts Greifbares. Auf die Spitze getrieben: Es ist sowieso alles egal!

Erstaunlich, dass es ein Buch mit solchen Aussagen geschafft hat, in den Kanon der Bibel zu kommen. Diese Einstellung klingt geradezu neuzeitlich und modern. Erstaunlich, dass man mit dieser Einstellung trotzdem noch an Gott festhalten kann. Wie das geht werden wir im Verlauf des Buches noch sehen.
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