Hesekiel 12 Beharrungskräfte

Warum soll ich was ändern, so lange alles glatt läuft? Ich kann diesen Gedanken verstehen. Hesekiel predigt Gericht und Untergang, aber für viele in Israel läuft alles normal weiter. Sie merken nichts von Untergang. Schon Jeremia hat vor Hesekiel Jahrzehntelang Gericht und Untergang gepredigt, aber viele sitzen nach wie vor zufrieden in ihren Häusern und leben ihren Alltag. Nachvollziehbar, dass sich da mancher sagt: „Es dauert so lange und es wird nichts aus der Weissagung.“ (V.22)

Dabei ist durchaus was passiert: Jerusalem wurde angegriffen, die Oberschicht (unter ihnen auch Hesekiel) nach Babylonien deportiert, Juda war endgültig ein Vasallenstaat der Babylonier geworden. Aber solange meine kleine heile Welt davon nicht betroffen ist juckt mich das wenig… Ich glaube diese Beharrungskräfte gibt bis heute: so lange für uns alles glatt läuft im Leben, tun wir uns schwer, uns von Gottes Wort wach rütteln zu lassen. Solange für mich alles funktioniert, brauch ich ja nichts zu ändern.

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Hesekiel 3, 1-11 Süßes und Saures

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: zum einen, dass Gottes Wort dem Hesekiel so süß geschmeckt hat wie Honig. Für die damaligen Menschen war Honig das allersüßeste, was sie schmecken konnten. Ihre Geschmacksnerven waren noch nicht verdorben von unzähligen Süßigkeiten und überzuckerter Industrienahrung. Wir heute müssen ja eher darauf achten, nicht zuviel Süßes zu uns zu nehmen. Süßes verbinden wir eher mit etwas ungesundem. Für damalige Erfahrungen war Honig etwas wundervolles, etwas besonderes, etwas kostbares, ein seltenes Geschmackserlebnis. So erlebt Hesekiel die Worte Gottes.

Zugleich irritiert mich, wie bei so vielen alttestamentlichen Propheten, dass von Anfang an klar ist, dass seine Botschaft gar nicht ankommen wird. Gott sagt es gleich zu Beginn, dass das Volk die Worte Gottes nicht hören will, dass das Volk in Gottes Wort nicht den süßen Honig entdecken wird, sondern dass sie von vornherein verstockt sind und harte Herzen haben. Warum dann eigentlich noch predigen? Um den Nachkommen in späterer Zeit ein warnendes Beispiel vor Augen zu stellen? Um der wenigen willen, die doch bereit sind zu hören?

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Jeremia 8, 14-23 – Alltag der Nichtigkeiten

Statt schweigen und grübeln: Weiter im Text! In diesem Abschnitt sieht Jeremia voraus, dass Juda von Feinden erobert wird (V.16) und dass die Bewohner ins Exil, ins ferne Land müssen (V.19). Selbst dort werden sie noch nicht richtig kapieren, warum das alles geschehen ist. Jeremia kann nur immer wieder im Namen Gottes wiederholen: „Ja, warum haben sie mich so erzürnt, durch ihre Bilder und fremde, nichtige Götzen?“ (V.19)

Man muss immer wieder Staunen über die Uneinsichtigkeit und Hartherzigkeit der Menschen damals. Dabei sind das Vorgänge, die wir in ähnlicher Weise an uns selbst immer wieder beobachten können. Ich merke z.B. bei mir, wie die paar Tage im Krankenhaus mich herausgerissen haben aus meinem Alltag und wie ich mich „gezwungenermaßen“ wieder ganz neu auf Gott ausgerichtet habe. Kaum bin ich wieder für ein paar Tage daheim, da greift der Alltag wieder kaum merklich seine verführerischen und umgarnende Finger aus. Und er verstrickt die Seele wieder in die ach, so wichtigen Problemchen und Sörgchen des täglichen Einerleis…

Vielleicht gab es damals schon so manchen, dem die Botschaft des Jeremia zu Herzen ging. Vielleicht wollte sich so mancher bessern und eigentlich wieder zum Gott der Väter umkehren. Aber im Rückblick wissen wir aber, dass Jahrzehntelang nicht viel passiert ist, der drohende Untergang, den Jeremia ankündigte, lies auf sich warten. Und dann ist man schnell wieder im süßen Alltag der Nichtigkeiten und der großen und kleinen Götzen…
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