Kolosser 1, 1-14 Glaube und Werke

Da ist ziemlich viel rein gepackt in diesem Abschnitt. Was mir besonders aufgefalle ist, ist die Verbindung von dem was Gott durch den Glauben schon in und für uns getan hat und den guten Werken, zu denen wir als Christen aufgefordert sind. Das wird ja gerne gegeneinander ausgespielt – aber in diesem Text taucht beides ganz selbstveständlich nebeneinander auf.

Wir sind errettet von der Macht der Finsternis und haben die Erlösung (V.13f) – jetzt schon! Das ist alles schon passiert und Wirklichkeit. Daran kann nicht gerüttelt werden. Trotzdem haben wir Christen es auch nötig, dass wir dafür beten Gottes Willen zu erkennen, dass wir wachsen und gute Werke tun (V.9f). Das eine schließt das andere nicht aus. Zu einem gesunden Glauben gehören auch die Werke. Aber die Werke allein führen nicht zu einem gesunden Glauben.

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Lukas 6, 47-49 Kommen, hören, …

Zu Jesus kommen, ihn hören und dann glauben – das würde mir als evangelischen Christen am besten einleuchten. Jesus macht hier aber eine andere Aufzählung: Kommen, hören und dann tun! Ja ist denn das Tun wichtiger als der Glaube?! Nein, natürlich nicht. Jesus macht hier ja keine Gegenüberstellung von Glauben und Tun. Aber er weist am Ende der lukanischen Feldrede deutlich darauf hin, dass Glaube mehr ist als ein Für-wahr-halten.

Wer Jesu Worte ernst nehmen will, der kann sich nicht auf ein seichtes „Gott hat alle lieb“ beschränken, sondern der will sein Leben auch konkret an Jesus und seiner Botschaft ausrichten. Zum Glauben gehört das Tun dazu. Allerdings ist Glaube auch mehr als Tun. Der Glaubende weiss sich auch im Tun, das trotz aller Bemühungen so manches mal scheitert oder versagt, von Gott gehalten und geliebt.

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Titus 3 Gute Werke

Als evangelischer Christ zuckt man beim Stichwort „gute Werke“ immer ein wenig zurück. Haben wir nicht alle von Luther gelernt, dass wir allein aus Gnade gerechtfertigt sind und nicht aus guten Werken? So manches mal wird das geradezu auf die Spitze getrieben und gute Werke sogar als schädlich für die Erlösung allein durch Glaube gesehen.

Herrlich unverkrampft steht hier im Text beides nebeneinander: Gott macht uns selig nicht durch Werke, sondern durch seine Barmherzigkeit (V.5). Zugleich werden wir aber eindringlich zu guten Werken aufgefordert (V.1.8.14), weil das gut ist und den Menschen nützt (V.8). Hier ist klar: Rechtfertigung geschieht natürlich nur durch Gottes Barmherzigkeit – aber deswegen dürfen wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten! Gute Werke bleiben für uns Christen trotzdem absolut erstrebenswert und unverzichtbar! Nicht weil wir uns dadurch unsere Seligkeit verdienen könnten, sondern weil Gott es ganz einfach will, dass wir Gutes tun.

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Bonhoeffer: Nachfolge (8) – Die sichtbare Gemeinde

Interessant: In der Theologie gibt es die Unterscheidung zwischen der sichtbaren Kirche und der unsichtbaren Kirche. Die sichtbare Kirche ist dabei das, was von Außen wahrgenommen werden kann. Die vielen verschiedenen Kirchen mit ihren offiziellen Mitgliedern. Die unsichtbare Kirche ist die eine Kirche derer, die nicht nur dem Namen nach, sondern auch dem Herzen nach glauben.

Im Zusammenhang mit der Bergpredigt verwendet Bonhoeffer nun diese Bezeichnung genau umgekehrt: Die sichtbare Gemeinde sind die wahren Christen, diejenigen die wirklich dem Ruf Jesu gefolgt sind. Sie sind das Licht, das gar nicht anders kann als in die Welt zu scheinen und weithin sichtbar zu sein. Wenn dagegen Christen versuchen in der Welt unsichtbar zu sein und in der Welt aufzugehen, dann verlassen sie die Nachfolge Jesu. Interessant und spannend, wie Bonhoeffer hier mit der theologischen Tradition spielt!

In diesem Kapitel geht es darum, dass wir Christen das Salz der Erde und das Licht der Welt sind. Im Salz sieht nicht nur etwas das dem Leben Würze verleiht, sondern Salz ist das „Sinnbild des auf Erden unentbehrlichsten Guten“ (S.110). Man beachte den Superlativ! Salz besitzt für ihn v.a. eine „dauernde Kraft der Reinigung“ (S.111) und ist darum für die Welt so wichtig.

Dass wir das Licht der Welt sind, drückt für Bonhoeffer v.a. aus, dass wir sichtbar sind. „Flucht in die Unsichtbarkeit ist Verleugnung des Rufes.“ (S.113) Diese Flucht kann aus Menschenfurcht geschehen oder aus bewusster Weltfrömmigkeit, um damit irgendwelche andere Zwecke zu erreichen (z.B. missionarischer Art). Die schlimmste Art von Flucht ist eine falsche verstandene Theologie des Kreuzes (wenn das Kreuz als demütiges Verschwinden und Aufgehen in der Welt gedeutet wird).

Sowohl beim Salz, als auch beim Licht betont Bonhoeffer, dass wir es sind. Es handelt sich nicht um einen Willensappell, sondern um eine Feststellung. Wer dem Ruf Jesu folgt, der kann gar nicht anders sein. Zugleich drückt die Formulierung aus, dass Salz und Licht etwas ist, das wir sind und nicht haben. Es ist nicht unsere Botschaft oder unseren guten Werke, sondern wir selbst als Personen.

Die guten Werke, welche die Leute nach dem Text in der Bergpredigt sehen sollen, sind keine Tugenden von Menschen, sondern gerade unsere Armut, Fremdlingschaft, Sanftmut, Friedfertigkeit, Verfolgt- und Verworfensein. Also unser Mangel und Verzicht sind die guten Werke, welche die Menschen sehen sollen. Denn gerade dadurch werden sie Gott preisen und nicht uns Christen. Das Licht leuchtet und das Salz salzt also im Tragen des Kreuzes!

Für mich ist es immer wieder beeindruckend, wie diese kraftvolle Demut, die in Bonhoeffers Leben, Leiden und Sterben aufleuchtet, schon vorher in seiner Theologie deutlich wird. Er redet nicht nur, er denkt nicht nur, er lebt auch das was er denkt und redet.

Epheser 2, 8-10 Vergesst die Werke nicht!

Das war die große Wiederentdeckung der Reformation: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“ (V.8-9) Hier tauchen die bedeutenden Stichwörter der Reformation auf: sola gratia (allein aus Gnade) und sola fide (allein aus Glauben). Ebenso betont wird hier die Verneinung einer Werkgerechtigkeit.

Aber in der überschwänglichen Begeisterung über die wiedergewonnene Erkenntnis hat man vergessen weiter zu lesen: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (V.10) Natürlich stimmt es nicht, dass die Reformatoren „vergessen“ haben weiter zu lesen. Luther hat sehr wohl betont, dass eine Ablehnung der Werkgerechtigkeit nicht bedeutet, dass man gar keine Werke mehr tun soll. Er war genauso wie Paulus überzeugt, dass wir in Christus geschaffen sind zu guten Werken.

Aber in der Praxis hat man in der reformatorischen Tradition sehr stark und grundsätzlich die Ablehnung der Werke betont, um die Rechtfertigung allein aus Gnaden noch größer heraus zu stellen. Allerdings wird das Bild dann schief: Zu einem Leben als Christ gehören nun mal die guten Werke, auch wenn sie nicht unser Verdienst sind. Gott hat uns dazu bestimmt. Paulus drückt es so aus, dass Gott diese Werke schon für uns geschaffen hat und wir nur noch darin wandeln brauchen. Sie sind also auch Gnade und Geschenk. Aber trotzdem sind wir gefordert diese guten Werke auf unserem Weg auch zu finden und dann zu tun!

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